Wochenblicke

in die Woche geblickt #11

dankbar
gut wieder im Alltag angekommen zu sein und noch ein wenig Ferienruhe in mir zu spüren, obwohl die Woche mehr als turbulent war
(und weil ich gerade heute erst die Reisefotos überspielt und gesichtet habe, ist für neue Wochenfotos vorerst kein Raum)

berührt
durch einen Blick nur, auf dem Schulflur, von N., dessen Leben gerade einen gewaltigen Haken schlägt – und vom stillen Zuhören meiner 12er, als ich mich in unserer allerletzten gemeinsamen Doppelstunde verabschiede und ihnen für ihr Leben wünsche, dass es nicht immer nur geradeaus gehen möge

begegnet
tja, da ist wie so oft im Alltag eine Überfülle an den Vormittagen und ein Vakuum in den Nachschulestunden: gedanklich bin ich in so mancher Richtung im Gespräch, im Kopf formuliert sich die eine oder andere Mail, aber nach außen dringt Schweigen

gespürt
Wertschätzung im Satz meines Schulleiters: „Ich hätte dich gern dabei.“ – und wie wichtig diese ist, wird mir erst bewusst, seitdem es an meinem anderen Dienstort so ganz anders läuft, so ungut, so zermürbend, so schlechteträumemachend – wie gut tut da diese Hand auf meinem Arm, diese klare Aussage

geübt
das Auto konsequent stehen zu lassen (damit ich die Winterreifen nicht mehr abnehmen muss, weil sie bis zum Herbst hoffentlich nicht mehr groß bewegt werden) – wäre da nicht unsere Wohnhöhe auf dem Berg und mein innerer Schweinehund …

geteilt
mit einigen Kollegen die Freude über ein Abstimmungsergebnis der GLK (Gesamtlehrerkonferenz), und daraufhin gleich einen Springbrunnen voller Ideen für die Umsetzung

mir selbst geschenkt
einen Sonntag mit Stift und Papier und Buch und Kaffee auf der Terrasse, mit Vögeln und Kirchenglocken und Plantschbeckenplätschern in Nachbarsgärten, und sonst nichts

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in die Woche geblickt #10

dankbar
für vier freie Tage, die sich tatsächlich als solche angefühlt haben: obwohl gefüllt mit Haushalts- und Papierkrambergen war da das Gefühl, frei zu haben und zu sein – das Schlafen im Garten hat ganz wesentlich dazu beigetragen

berührt
durch den aus früheren Jahren so vertrauten Geruch im Innern eines Zeltes, der mich mitten in abenteuerlustvoll-stürmisch-geborgene Reiseerinnerungen hineinkatapultiert hat

begegnet
einem Buch, das mir zugeflogen ist, wie für mich gemacht – und ich glaube, es ist nicht falsch, meinen berührten Dank dafür hier zu deponieren

gespürt
wie ich Halt finde an so Kleinem, wenn manchmal das Ganze zu beben scheint

geübt
meine Rolle als Pubertierendenmutter zu finden – ich bin im Moment denkbar schlecht darin, muss mich an so manch eigene Wege, den stets genervten Tonfall und die fast durchgängig horizontale Lage des 13jährigen (immer mit Daumen auf diesem ollen Zappding) noch schwer gewöhnen, reagiere falsch ungeschickt, entschuldige mich hinterher und versuche zu vertrauen, dass seine derzeitigen Schritte ihn hinauf zu seinem ureigenen Licht bringen
(und hej, er hat gerade seinen Rucksack für das Forschungscamp ganz allein gepackt, höflichst an seine Lehrer gemailt, damit sie ihn mit Aufgaben für die versäumten Schultage versehen und sich bei mir bedankt, als ich ihm beim Notenkleben geholfen habe – was will ich mehr:))

geteilt
Taschenlampenwanderung, Höhlengefühl, Schlafsackkuschelei und noch so vieles mehr mit dem nochnichtpubertierenden Kind

mir selbst geschenkt
das Luftholen dieser Tage

in die Woche geblickt #9

Durch meine Kamera schaue ich in diesen Tagen kaum. Dass sich hier demnächst – wie immer im Frühsommer – Feiertage und Ferien die Klinke in die Hand geben werden, will hart erarbeitet sein. Ich weiß nicht mehr, wie meine Schule von außen aussieht. Die restlichen Lebensdinge fahren auf Sparflamme.
Heute also keine Fotos. Dafür andere Fenster, durch welche meine Tage so häufig mit Intensität beschenkt werden. (Und dass ein paar Links fast schon für veraltet gehalten werden könnten … ich bin eben kein schnelllebiger Mensch und zünde oft spät. Zumal in solchen Zeiten.)

dankbar
gesund sein zu dürfen – während dies nicht allen Menschen in Nähe und Ferne geschenkt ist – ihr zum Beispiel nicht – wir haben zusammen gearbeitet, ich kenne sie von Tagungen, und nun braucht sie Hilfe
(Dieser Link ist nicht veraltet. Und das Zünden hier – falls jemand diesen kleinen Registrierungsbeitrag leisten möchte – bitte nicht zu langsam. Bitte. Es drängt.)

berührt
von einem sehr anderen Blick auf ein Nachrichtenthema der letzten Zeit, das schon wieder von den Titelseiten verdrängt worden ist;
und überhaupt: von so vielen ihrer Blicke

begegnet
nicht in Wirklichkeit (was ist schon Wirklichkeit?), nur in meiner Vorstellung:
ich säße gern mit ihr an einem Tisch – wir haben solche Treffen auch, schaffen es aber nicht, gebe ich zu, die Gräben zu überbrücken – ich lese also sehr aufmerksam;
wie sehr meine Kinder eine solche Lehrerin gebraucht hätten, nur ein Fünkchen von dieser Empathie …

gespürt
hin und wieder ein Beben, wenn sich mein Blick auf den ewigen Weg zwischen Innen und Außen richtet: hier finde ich für mich immer wieder Aufwühlendes und Ermutigendes 

geübt
in mehreren akuten Schulsituationen einfach mal die Klappe zu halten – nicht einfach, aber wenn man es schafft, sehr wohltuend (vielleicht sogar für alle Seiten)

geteilt
den „Tag der unsichtbaren Arbeit“ mit liebem Besuch und Gesprächen über genau diesen unseren täglichen Spagat (und anschließend gegrübelt: wenn ich meine selbstgewählte, für mich alternativlose Teilzeit-Mutter-Lebensweise so häufig und heftig als Spagat empfinde, dann entziehe ich mir Energie – anders darauf schauen lernen, das wäre es …)

mir selbst geschenkt
ein paar Stunden meditativen Bügelns – ohne Musik, ohne Film, ohne Gespräch, einfach nur bei der Wäsche sein – doch weil ich davon kein Bild habe, teile ich ein anderes: Korrigieren in der Sonne als Weg, sich selbst den Garten zu schenken

in die Woche geblickt #8

dankbar
dass wir eine Uniklinik um die Ecke haben, mit der bestvorstellbaren Versorgung, und dass es diesmal beim Schreck blieb, weil es einfach nur ein Infekt ist (der junge Arzt: „Merken Sie das denn nicht, dort ist ja alles entzündet?“ – „Nein. Ich merke gar nichts.“ – vielleicht habe ich mich so daran gewöhnt, ein Krankwerden nicht in Betracht zu ziehen und ein Schmerzgefühl gar nicht erst hochkommen zu lassen – dieser Freitagsnotfallbesuch gibt mir nun sehr zu denken; auch dafür bin ich dankbar)

berührt
von Vulkangestein, das – nun nach der Reise ausgepackt – die eindringliche Botschaft in sich trägt, dass Vergangenes, Erloschenes, Erstarrtes einerseits tatsächlich vergangen, erloschen, erstarrt ist, andererseits neue Lebensfarben schenkt, wenn man nur die eigene Schale dafür öffnet (kryptisch, und das löse ich hier auch nicht auf)

begegnet
intensiv und innig in der Erinnerung einem Tulpenmädchen, und seiner Tulpenfamilie ringsum

gespürt
die Kraft und Wärme der Frühlingsfarben – und wie!

geübt
zu sagen, was zu sagen ist, ohne mich drumrumzuwinden und mich mit meinem Gespreche im Kreis zu drehen, das Wichtige also so mitteilen, dass es bekömmlich wird und vielleicht sogar als Nahrung für zukünftige Entwicklung dient (konkret: ich prüfe, und das gibt zuweilen schlechte Noten, in dieser Woche sogar einige – und ich habe die „Badehosenrolle“ inne, wie Frau Henner sie hier so trefflich beschreibt – diese Rolle empfinde ich nicht immer als leicht, aber in dieser Woche hatte ich tolle Mitprüfer, und wir haben sehr lange und sehr ausführlich begründet und gesprochen und haben es tränenarm hinbekommen – puh)

geteilt
die Arbeit des Ausräumens, Streichens, Einräumens des Sohneszimmers – dies stand als schier unüberwindbarer Berg vor mir, und hätten wir dem Sohn das frische Zimmer nicht versprochen gehabt, ich hätte entmutigt Abstand genommen von diesem wahnwitzigen Plan mitten im laufenden Alltagsbetrieb – aber plötzlich war es schneller fertig als gedacht – und der Sohn ist so glücklich, ich ertappte ihn dieser Tage mehrfach, wie er in seinem Sitzsack lümmelte (in der „Chillecke“:)) und einfach nur den Blick durch sein Zimmer streifen ließ

mir selbst geschenkt
abgegebene gelbe Abiturmappen, das allein ist schon ein Fest, dazu dann noch der Schnitt meines Kurses – hach!

in die Woche geblickt #7

dankbar
für einen Sonntag wie diesen: wir haben ihn (fast) im Schlafanzug verbracht und uns immer wieder gegenseitig angestrahlt, wie wunderbar dieses Herumschlumpern ist

berührt
heute wärest du 100!
(und darum trug ich den ganzen Tag deine Strickjacke und das Tuch, das mich sehr mit dir verbindet)

begegnet
eine richtige Wow-Woche, was Gespräche und Begegnungen angeht: da waren so viele unerwartete Dialoggeschenke – auf dem Schulflur, in der Mailbox, am Telefon, und sogar in einer Prüfungskommission

gespürt
wie gut der Wochenanfang in der warmen Frühlingssonne tat, als ich nämlich nach dem vergutachteten Wochenende, lustlos und deprimiert, mit aufziehendem Schnupfen, eine Nachbarin in T-Shirt und Sandalen im Garten werkeln sah, da packte es mich plötzlich, unversehens waren Gartenschere, Besen und Lappen in meiner Hand, und zwei Stunden später saß ich auf der neuerstandenen Terrasse, zwar schon wieder mit Schulsachen, aber voller Kraft und Glück über den ersten Barfuß-Sandalen-Tag des Jahres – wie schnell Aufwachen sich vollziehen kann …

geübt
mit dem Pubertierenden gemeinsam Wege zu finden, wie wir sein Zimmer staubarm halten können – dass er in seinem allergieangeschlagenen Zustand kein Staubtuch in die Hand nehmen sollte, verstehe ich, daher also wird es an mir sein – aber dass ich dazu jedes Mal eine Million Gegenstände anheben und umwenden soll …?
unser Gespräch darüber, wie man diese Krimskrams-Million verringern/sortieren/bündeln/stapeln/ausmisten/staubarm aufbewahren kann, waren heute am Vormittag noch sehr lautstark emotional, gegen Nachmittag fanden wir zu einer gewissen Diskussionskultur zurück – wir üben weiter;
und mal wieder staune ich, wie erwachsen er schon ist, nicht nur bei der Schuhgröße (immerhin muss ich meine eigenen noch ausziehen, um in seine schlüpfen zu können:))

geteilt
einen Berg Mount Everest aussortierter Kinderklamotten mit den uns „abtragenden“ Familien – die „zuliefernden“ Familien hatten Tüten und Taschen voll angeschleppt, die Kinder haben brav ihren Schuss in Höhe und Breite gemacht, und wieder ist ein Kubikmeter Schrankinhalt ausgetauscht

mir selbst geschenkt
haltet mich für verrückt, so wie auch der Lehrbuchausleih-Kollege reagierte („Ja, spinnst du denn?“):
ich habe mir Lateinbücher geholt, weil ich es endlich wieder lernen will; von meinem Latinum in den 90er Jahren ist nichts mehr übrig bis auf die Faszination, und nun also werde ich’s mit den Büchern meiner Kinder neu lernen; die ersten Lektionen gingen schnell (nur Vokabeln halten nicht so gut wie damals, ist ja klar), ich versinke in den ersten Sätzen, die ich wieder lesen kann, es wird Zeit für die erste Klassenarbeit:)

in die Woche geblickt #6

dankbar
dass wir in einem Land leben, in dem man einfach so zu Ärzten gehen kann, wenn das Kind (oder man selbst) es braucht, und wo man – oft sogar in warmherziger Atmosphäre – eine professionelle Behandlung bekommt, ohne dass man sich auf Jahrzehnte hinaus verschuldet – oh, wie ist mir das in diesen Tagen wieder bewusst geworden (man vergisst das zu leicht, in Zeiten des allgegenwärigen Meckerns über Ärzte und Gesundheitssystem)
(nein, es geht nicht um Schnupfen – auch wenn der mich gerade fest im Griff hat)

berührt
von der besonderen Lebensfreude, die aus diesem Film strahlt

begegnet
meiner Tochter in meinem eigenen Matheunterricht; weil nämlich die umliegenden Grundschulen in diesen Tagen bei uns „schnuppern“ kommen, da ergab es sich (nicht ganz zufällig:)), dass sie plötzlich bei mir auf der Schulbank saß; es war für uns beide aufregend, uns gegenseitig aus der ungewohnten Perspektive zu erleben; und als wir am Nachmittag wieder unter uns waren, befanden wir, dass die jeweils andere ihre Sache in ihrer Rolle ganz schön gut macht :))

gespürt
dass Seketärin wirklich kein Beruf für mich wäre – Erkenntnis nach sechs telefonischen Terminvereinbarungen, im Schnitt drei Anläufe brauchend, Rückrufe wegen inhaltlicher Absprachen noch nicht einberechnet (ich = Telefonheldin des Tages);
und dann eine riesige Sehnsucht nach alltäglichem Feierabend, nach dem Gefühl, so gegen halb zehn abends (um nicht allzu unrealistisch zu sein) alles fertig zu haben, alles weglegen zu können, vor dem Schlafengehen noch ein wenig bei mir sein zu dürfen – seit Jahren kenne ich Feierabend quasi nur als Wochenend- und Ferienereignis … mein Gespür sagt mir, dass ich auf Dauer so nicht weiter mit mir umgehen darf

geübt
in all den Telefon- und Nichttelefontagen ein paar Alltagsmomente mit Atem zu füllen (und nicht nur mit Keuchen) – es ist schwer im Moment, so schwer, dass ich manchmal glaube, mich verloren zu haben

geteilt
beim Tag der offenen Tür mit der Tochter die Vorfreude auf ihre neue Schule – wie sie zusammen mit ihren Freundinnen diese neue, sie bald täglich umgebende Welt anstaunte und sich voller Neugierde hineinwarf – hach

mir selbst geschenkt
weil es draußen und drinnen karg aussah, habe ich mir einen Frühlingsblumenhoffnungsgruß auf meinen Gutachtenschreibtisch gestellt – das hilft!

in die Woche geblickt #5

dankbar
für eine Woche voll von sanftem Schnee und offenem Himmel

berührt
wie selbstständig die Kinder plötzlich (?) sind, wie sie mutig ihre eigenen Schritte in der Welt gehen, wie sie für ihr Eigenes einstehen, mit sich selbst ringen, vor meinen Augen wachsen – das ist sicher nicht nur beim Skifahren so, und nicht nur in unserer Urlaubswoche, doch hier, wo wir so viel gemeinsame Zeit verbringen, fällt es mir besonders auf

begegnet
unserer lieben Hotelwirtin Francesca, durch die uns mehr als an jedem anderen Urlaubsort ein Gefühl des Heimkehrens geschenkt wird, Jahr für Jahr;
und Anita, der guten Seele unseres Lieblingsrestaurants, die jedes Jahr, wenn wir nur zur Tür hereintreten, auf uns zustürmt, uns umarmend und bestaunend, wie groß die Kinder schon sind (bei unserem ersten Besuch war der Sohn gerade 5 Monate alt, sie nahm ihn sich auf den Schoß, damit wir in Ruhe essen können :))

gespürt
– mal wieder – dass der Nebel nicht dauerhaft bleibt, dass sich alles bewegt, der Himmel sich öffnet und die Kraft der Berge sichtbar werden lässt, wenn ich es kaum erwarte

geübt
die Gedanken ans Heimfahren zunächst beiseite zu schieben, während ich noch dort weile, damit ich nicht meinen Alltag von Vornherein zu einer Zeit mache, in der nur der vergangenen Reise nachzutrauern und der kommenden entgegenzufiebern sei – und so arbeitete es mantraartig auf meinen dortigen Wegen in mir: es komme darauf an, auch zu Hause wieder Schritt vor Schritt zu setzen, immer in der Gewissheit, dass ich frei bin, zu jeder Zeit verschiedene Richtungen einzuschlagen, wenigstens innerlich, und dass alle Alltagswege die Lebendigkeit des Gegenwärtigen schenken

geteilt
Erinnerungen an besondere Zeiten an diesem besonderen Ort, verknüpft mit Gedanken an einen kranken Menschen, der diese gerade besonders braucht

mir selbst geschenkt
gutes Essen, Kaffee, Wein, das Vergnügen als letzte beim Frühstück zu erscheinen (worauf ich ins Gespräch mit Francesca komme, wie schwer es in der heutigen Zeit sei, Nichtstun zu leben – sogar im Urlaub, sogar in Italien), Unabhängigkeit von Liftöffnungs- und Sonnenaufgangszeiten, viele Stunden Sitzen – Spazieren – Lesen, so wenig Ski unter den Füßen wie noch nie an jenem Ort (es scheint, als würde mit den Kindern zusammen auch ich endlich groß – ach ja:))

in die Woche geblickt #4

dankbar
für das Gefühl der Erdung in Momenten, in denen der Blick sich weiten darf, oder schärfen, oder wie immer man das nennen möchte, in denen das Kleine und Verborgene plötzlich sichtbar wird, und mit ihm Linien und Struktur, welche ein Gesamtbild formen

berührt
von Stillebildern, die mir auf meinen arbeitsintensiven Wegen begegnen

begegnet
vielen Eltern in guten Gesprächen

gespürt
wie müde ich durch den Tag wanke, wenn ich einmal nicht diszipliniert zur rechten Zeit schlafen gehe – früher habe ich dies wohl oft überzogen, ohne zu spüren, wie es mich verbraucht – jetzt scheinen die Reserven nicht mehr unerschöpflich zu sein, jetzt scheine ich mehr auf mich achten zu müssen

geübt
mit Blick auf das Ameisengewimmel der Stadt im Café zu sitzen, Unterwegsmittagspause, und mich in Gedanken und ohne Gedanken treiben zu lassen, mich ganz herauszunehmen aus dem Wirbeln und Wuseln, nichts aus der Tasche zu ziehen, keine Arbeit, kein Buch, keine Kommunikation, sondern einfach nur zu sitzen und zu atmen – das muss man erstmal schaffen, dieses Lebenstempo für einen Moment abzustreifen – aber nach dem Anfang wird es immer leichter, diese Übung durch die Tage fortzuführen: ich kämpfe nicht um die nächste Parklücke, sondern warte, ich überhole nicht, sondern bummle singend hinter dem Traktor, ich beeile mich nicht, ich werde nicht hektisch, als uns fast das Benzin ausgeht, ich grummele nicht unfreundlich mit dem Telefonmitarbeiter … unzählige Momente, in denen mir bewusst geworden ist, wie viel von diesem Treiben selbstgemacht ist, und wie viel Ruhe meine Tage in sich tragen, wenn ich sie denn lasse

geteilt
Beobachtungen – sorgende und freudvolle – mit den Lehrerinnen der Kinder (und auch wenn sich die Gespräche nicht um Noten drehten, waren sie doch ausgelöst durch diese blaue Mappen, welche die Kinder in diesen Tagen nach Hause brachten)

mir selbst geschenkt
Zubehör für meine Suche, aus der Nähe auf die Dinge blicken zu können

in die Woche geblickt #3

dankbar
für unsere Klavierlehrerin, ja! Und für unser Bauchgefühl damals, als wir sie auf den Fluren der Musikschule sahen und ohne zu zögern sagten: Die ist es. Seit sieben Jahren nun ist sie musikalische Ziehmutter des Sohnes. Und noch viel mehr. VIEL mehr!

berührt
von Gelesenem

begegnet
einer Schülerin, die gerade im Ausland ist, per Email: das war wirklicher als je im Klassenzimmer, nie hätte ich solche nahen Worte erwartet, nie solche Offenheit …

gespürt
wie gut es tut, Stapel um Stapel abzuarbeiten und dann wegzutragen, welche Erleichterung sich immer einstellt, wenn am Ende alle Noten eingetragen, alle Gespräche geführt, alle Konferenzen vorbereitet sind

geübt
mit Übermüdung und Überforderung umzugehen: ja, ich wurde laut und ungerecht in dieser Woche, gegenüber meinen und gegenüber den Schulkindern, wenn im Innern die Kräfte für gelassenes Strahlen und lächelndes Reagieren nicht mehr reichten; immerhin gestehe ich mir dies inzwischen ein Stück weit zu; andererseits ist und bleibt es ungerecht gegenüber Unschuldigen; es müsste sich am besten immer so auflösen wie am Freitag in der Schule – als nämlich ein Schüler mein Fass zum Überlaufen brachte, ich plötzlich sehr laut wurde, die Klasse mich mit erschrockenem Dackelblick anschaute, so dass ich realisieren und aussprechen konnte: „Ach Mensch, entschuldige, jetzt bekommst du die geballte Erschöpfung meiner Woche ab …“ – ich lächelte unbeholfen, der Schüler lächelte zurück, nickte, und alles war gut. Den Mund hielt er von da an auch:) — und mich hatte dieses Erleben so sehr zu mir zurückgebracht, dass ich eine erneute Herausforderung, von der wir am Nachmittag erfuhren, mit dem gleichen Lächeln auf den Lippen empfangen konnte: das schaffen wir auch noch

geteilt
einen Blumenstrauß für die Kollegin, deren Mutter starb, und einen für den Kollegen, dessen Frau an Krebs erkrankt ist

mir selbst geschenkt
einen Joghurt und einen Kaffee, die ich mir in einer Minipause an einem Querdurchdielandefahrtag in einem Supermarkt holte – kurz mal im Auto sitzen, ohne dass es sofort weitergeht, mit Blick in den Himmel: gut war das

in die Woche geblickt #2

dankbar
für die Wärme des Heizkissens, das mir den schmerzenden Nacken und Rücken lindert und mit dem ich daher im Moment sogar am Schreibtisch sitze — eine ähnlich wärmende Wirkung hat es, wenn die Kinder eine Art Heizkissen bilden: eines unter mir, eines über mir liegt, weil sie mich aus einem Versteck heraus überfallen haben und sich schlapp lachen, mich so zusammenzupressen (dies praktizieren wir natürlich nicht am Schreibtisch:))

berührt
von diesem Film

begegnet
meinem Gegenüber in vielen Schullebensgesprächen in und vor dem Lehrerzimmer:
wie Greta betroffen zuhört, als ich ihr erzähle, was ihr Verhalten mit MIR macht, dass ich mich ausgenutzt fühle und daher nächstes Mal anders entscheiden muss – das zeigt mehr Wirkung als jede Androhung von irgendeiner Konsequenz, und keine 24 Stunden später hat sie ihren Auftrag erledigt;
wie Pascal meine Frage, worin die Quelle seiner Enttäuschung liegt, ganz ernst und tiefgründig nachdenkend beantwortet, so dass uns jetzt Wege geschenkt sind, seinen Schmerz anzugehen;
wie die junge Kollegin offen zeigt, dass sie in ihre eigene problematische Situation verstrickt ist, so dass ich mein Problem mit ihr und ihrer Arbeit hintanstelle – und bemerke, dass sie dies dankbar zur Kenntnis nimmt und ich mich allein schon durch dieses stille Einverständnis besänftigt fühle

gespürt
wie anders sich mein Alltag anfühlt, wenn ich nicht wie mit einem Fernglas ständig die Berge vor mir suche, sondern bewusst die zurückgelegte Wegstrecke des Tages anschaue – ganz konkret erlebe ich das momentan in meiner Sicht auf die Unordnung hier im Haus: ich kann statt des überall quellenden Chaos die kleinen Schritte des Heute, die winzigen aufgeräumten Ecken wahrnehmen – und lebe in diesem anderen Sehen spürbar auf

geübt
die Balance zu finden zwischen Aktivität und Gelassenheit, etwa beim Abarbeiten solcher Klassenarbeitsstapel – eigentlich aber geht es ja bei so vielem darum, auch bei den Schuldingen von Sohn und Tochter: eingreifen oder vertrauen?

geteilt
Klausur- und Klassenarbeitsvorbereitungen, Übungsblätter, Checklisten für die Schüler – es ist in dieser korrekturintensivsten Phase wieder mal wunderbar zu spüren, wie wir im Kollegium gemeinsam Lasten tragen, uns gegenseitig Arbeit abnehmen, ein andauerndes Geben und Nehmen praktizieren – es gibt da diese abgedroschene Floskel: das lässt sich nicht mit Gold aufwiegen – nee, lässt es wirklich nicht

mir selbst geschenkt
eine lange Ich-Stunde am Samstagvormittag

in die Woche geblickt #1

dankbar
für gewesene und nachwirkende Ferien, fast frei von Terminen und Aufgaben, für pures Sein, ohne äußere Zeitbedrängnis, für das Zu-mir-kommen in tiefem Sinne, und für Zeit mit den Kindern; unter anderem spielten wir viel – was aber oft anstrengend war, weil beide Kinder schlecht verlieren können, es fließen Tränen, es fliegen Dinge über den Tisch … bis ich eines Tages sagte, ich würde nur noch ohne solch emotionalen Ausbrüche mit ihnen spielen und dies ernst meinte – da kamen sie am letzten Ferientag angebettelt: Jetzt könnten sie dies. Und wirklich: Manchmal rangen sie sichtbar mit sich, aber gleichzeitig versuchten sie über sich selbst zu lachen, Spielstände nicht allzu ernst zu nehmen, sich einzulassen auf das Zufällige des Würfels – und plötzlich wurde es ein wunderbarer Ferienendespielabend, an dem wir gemeinsam an diesem Spiel saßen, uns gegenseitig Chancen zuspielten, miteinander über Tricks und Schliche lachten – ein wunderbares Geschenk.

berührt
von drei Töchtern – und diesem Bild: sie als Musik zu spüren, jede in ihrer eigenen Stimme, und in ihren Variationen des Seienden und zu Formenden die Kraft der gesamten Musik zu hören

begegnet
auf einer kurzen Reise zu Ferienende einem nahen Menschen, einer ganzen Familie, vielen Fragen und nur sehr wenigen Antworten (aber doch …) – und wie auf jeder Reise begegnet man sich unterwegs auch immer selbst;
am Mittwoch dann waren wieder die Kollegen um mich, in einer anderen Form von Nähe, mit Neujahrsumarmungen, mit ersten Gesprächen — und dann vielen müden, wirklich müden Schülern (und meiner Unfähigkeit, aus eigener Müdigkeit heraus animierend zu wirken)

gespürt
wie zu Schulbeginn Kraft zurückkehrt – Kraft wieder zu arbeiten, und Kraft, mich den Lähmungen, die dies erneute Rund-um-die-Uhr-Beschäftigtsein mit sich bringt, zu widmen,so dass alles auf neue Weise zu fließen beginnt

geübt
ja: nochmal ein Bahnhofsbild – weil ich dort saß, im trübesten Wetter, inmitten von Plätschermusik und lärmenden Menschen, und mich schon wieder in eine Art Resignation zurückziehen wollte, um zu konstatieren, dass ein Hineingehen in innere Welten bei solchem Lärm und Wetter eben nicht möglich ist – um während des Aufschreibens genau dieser Worte zu spüren, dass doch … dieser Ort jetzt mein Ort ist, und mir Raum bietet für alles, was zu mir gehört – und in dem Moment wurde es leichter und lebbar (und dann habe ich versucht, diese Erkenntnis auf den Schulflur mitzunehmen … ich übe weiter …)

geteilt
Worte an und für mich selbst – und dann war da noch ein Brief, der mich sehr berührt hat und dessen Worte in mir nachwirken und zu Sagendes nach sich ziehen werden, bald

mir selbst geschenkt
diese Ferienmomente (die sich noch nicht als vergangen anfühlen), wenn morgens im Haus noch alle schlafen und ich mit Lichtern, Buch oder Tagebuch sitze, oder einfach nur in den Garten schaue

Wochenrückblick 48/14

Wetter
endlich novemberig, grau, düster, nieselnd, wolkenverhangen – irgendwie gehört das so, und irgendwie fühlt es sich gut an, weil es jetzt endlich stimmig ist – vor allem die Kälte, die atme ich so gern ein
gemacht
korrigiert, korrigiert und korrigiert (und damit für dieses Kalenderjahr fertig geworden:)), beraten, konferiert, klausurbeaufsichtigt (Samstagmorgen allein im dunklen Schulhaus – grusel!); mich an Kinderproben erfreut, und an guten Gesprächen während der Autofahrten – ja, ehrlich: hier haben wir an manchen Tagen die meiste Zeit miteinander; ein neues Telefon gekauft und angeschlossen (es gibt ja kaum Nervigeres als sich durch dicke schlechte Gebrauchsanleitungen kämpfen zu müssen, wenn man einfach nur will, dass es funktioniert); Riesentüten voller gebrauchter Klamotten sortiert – und festgestellt, dass die wohl schon zu lange hier stehen, jedenfalls passen sie schon so gut, dass es höchste Zeit wird, sie in die Schränke wandern zu lassen; bei unserem Lieblingsitaliener essen gewesen; Plätzchen gebacken; und vorher die Weihnachtskiste aus dem Keller hochgeschleppt – anlässlich des anstehenden Schmückens immerhin schon das Chaos im Wohnzimmer aufgeräumt:)
gehört
das Tochterquartett auf einer Adventsfeier, und viele herzerwärmende Proben
gelesen
nicht viel, überhaupt nicht viel, ein paar Seiten nur (deren Inhalt ich umgehend wieder vergessen habe) – jetzt kommen wieder bessere Lesezeiten
begegnet
der Freundin beim Mittagessen: ein Geschenk, mitten in der Woche einfach so bekocht zu werden (während die Kinder in der Mensa …); der Quartettlehrerin beim gemeinsamen Abendessen; einem Vater eines ehemaligen Schülers – ganz zufällig, ganz wunderbar unterhalten
nachgedacht
warum mir manche „Anfechtungen“ in der Schule so viel ausmachen, warum ich nicht längst drüberstehe …
gefühlt
müde und befriedet, beides
gestaunt
mal wieder: wie groß sie schon ist, die Tochter – beim Backen gibt nun sie die Anweisungen (bis hin zu: „Grapsch mir nicht dazwischen, sonst passt das hier nicht!“ – ja, so reden wir hier manchmal miteinander, mit Lächeln und Augenzwinkern, dann wird auch „grapschen“ zu einem sehr liebevollen Wort:))
geübt
bei größter Unruhe im Außen innen trotzdem ruhig zu bleiben, und zum Beispiel nicht ungeduldig gegenüber den Kindern zu werden, denen in der Schule, und meinen zu Hause – das ist ja eigentlich immer zu üben, aber eben in manchen Zeiten besonders
gefreut
darüber, wie die Musiklehrerin uns wahrnimmt – manchmal brauche ich einen Spiegel, um meine eigene Wahrnehmung wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen; und über die Gespräche mit der Tochter, als wir vertieft am und im Plätzchenteig hantieren
gelacht
als der Sohn am Ende des großen Backens doch noch dazukommt, um mit den Teigresten sehr – ähm, nun ja: unweihnachtliche Figuren zu formen und sich über diese (und vermutlich auch über meine Blicke) mit kindlich-juchzendem Glucksen amüsiert – da bleibt keine Mutterlache trocken :)
geweint
na jedenfalls Tränen in die Augen gestiegen, weil sich mein zweiter Dienstort (nicht die Schule) mal wieder als sehr fordernd bei gleichzeitiger Ignoranz gegenüber schon bestehenden Belastungen erwies – das wusste ich ja schon, aber so arg? und so konstant? – ich weiß nun nicht mehr, ob ich das auf Dauer so aushalten will
berührt
als ich der Tochter eine Adventsgeschichte vorlese, abends, in ihrem Zimmer, während der Sohn im Nachbarzimmer am Einschlafen (oder Whatsappen?) ist, wie ich denke – und er dann plötzlich in der Tür steht, mit nur einem Wort: „Lauter!“
Ausblick
erste Adventswoche mit zwei Abenden Kindermusik und hoffentlich auch darüber hinaus ein wenig Zeit miteinander
Dankbarkeit
dass es, wenn hier Winterstiefel für die Kinder immer noch nicht gekauft sind, nur an mangelnder Zeit, nicht an fehlendem Geld liegt

Wochenrückblick 47/14

Wetter
von allem etwas, täglich anders, aber immer noch (zu) warm – die Vorstellung, dass heute in der benachbarten Stadt der Weihnachtsmarkt eröffnet wird, passt so gar nicht zu den immer noch zweistelligen Temperaturen
gemacht
diese Woche dürfte der Schuldichtigkeitsgipfel des Jahres gewesen sein – es kulminierten drei Klassenarbeiten (das wars dann aber für dieses (Kalender)Jahr) mit meinen Verantwortlichkeiten für diverse Mathematikwettbewerbe der Schule, dazu ein Pädagogischer Tag mit Vor- und Nachbereitung, Schulkonferenz, Beratung von Referendaren, auch tränenreich (zum Glück noch nicht bei mir, so weit isses noch nicht …); und dann gab es noch … den verpassten Abgabetermin bei der Bücherei … den Schreck, dass die Kinder ja noch gar keine Winterschuhe haben (wie auch?, ich meine: wozu auch?) … zur Abwechslung ist nur mal das Telefon kaputt (Kinderspiel gegen Spülmaschine und Herd) … und der Cellolehrer der Tochter muffelt mich an, weil ich irgendeine Terminabsprache verbaselt habe (wofür ich recht herzlich danke :( ) … Jeans und Socken sind schon wieder alle in den Wäschebergen verschwunden oder zu klein/zu kurz, das Mensaticket immer noch weg, die Augen des Sohnes unter der Frisur auch – alles im grünen Bereich also
gehört
ein erstes Klarinettenvorspiel des Sohnes
gelesen
natürlich nur wenige Seiten, in diesen Zeiten, dafür umso intensiver – in David Grossman „Der Kindheitserfinder“ (diese Innensicht eines heranwachsenden Jungen – wow und puh – ich sehe dann sehr nachdenklich auf mein Exemplar hier: wovon ich wohl alles so keine Ahnung haben mag?)
nachgedacht
über das Loslassen im Großen wie im Kleinen, über meine Mutterticks (die Kinder sind so ehrliche Spiegel), über das perpetuierte schlechte Gewissen im Kopf (mir vor Augen gehalten, als der Sohn plötzlich – erstmals – wegen Kopfschmerzen aus der Schule abgeholt werden wollte und der Vater nicht erreichbar war: nun ist sein Schulflur ja mein Schulflur, wir saßen da also gemeinsam, und in mir ratterte es, dass ich jetzt nur die Wahl habe, eine schlechte Mutter zu sein oder eine schlechte „Arbeitnehmerin“, wie es so schön heißt – ist ja eigentlich klar, wie zu entscheiden ist, aber es fiel mir trotzdem schwer)
gefühlt
auch in einem anderen Dilemma, nämlich was mir in den wenigen Stunden bzw. Minuten, die mir in diesen Wochen neben der Arbeit bleiben, das Wichtigste ist – Klavierspielen, Schreiben (laut oder leise oder endlich antwortend auf so viele hier liegende geschenkte Worte), Hinausgehen und den Herbst einatmen – alles fehlt mir, von allem habe ich zu wenig
gestaunt
wie ich trotzdem langsam wieder in ein zuversichtliches Sein und Schauen hineinfinde, nach sehr nebligen Wochen
geübt
und – wie ich finde – schon ganz schön weit gekommen: das Chaos in den Kinderzimmern nicht zum täglichen Familienthema zu machen, sondern es dort zu lassen wo es hingehört: zu den Nebenschauplätzen des Lebens
gefreut
über Innigkeit mit den Kindern, als wir alle drei auf dem Fußboden im Wohnzimmer hocken und einmütig Wäsche sortieren und legen – erstaunlicherweise erzählen die Kinder in solchen Momenten mehr aus ihrem Leben als dann, wenn ich es – neugierig – provozieren will, etwa mit der dämlichen Frage beim Mittagstisch, wie es in der Schule war (ich habe noch etwa 8 Jahre Zeit, mir diese Frage abzugewöhnen; ich arbeite dran)
begegnet
einem ehemaligen Kollegen zum Mittagessen am Fluss – eine Oase mitten in meinem wöchentlichen Herumgefahre; und nach langem mal wieder dem Klarinettenlehrer zu einem kurzen Gespräch (wie sanft, wie liebevoll, wie gut es der Sohn hier getroffen hat)
berührt
vom Strahlen der Tochter, welches sie so unendlich aus sich zu schöpfen scheint
Ausblick
zu Ende korrigieren und ein paar weitere Nachmittags- sowie ein Samstagstermin, dann wird es schulisch ruhiger; dafür freue ich mich auf viel Musik, auf endlich wieder Momente zum Luftholen, auf das Mittagessen mit der Freundin, auf das Weiterlesen des Buches, auf den beginnenden Advent
Dankbarkeit
dafür, dass die Weite innen wie außen nicht verloren geht, wenn es auch zwischendurch so scheinen mag

Wochenrückblick 46/14

Wetter
ein immer noch (zu) warmer Herbst, mit Wolken, Regen, Wind – und ab und zu einem Fünkchen Sonne 
gemacht
Schule, Schule und Schule, unter anderem mit den ersten Korrekturen des Jahres – wie das zwischen Herbst- und Weihnachtsferien immer so ist; die üblichen Kindertermine, zumeist Musik, aber auch Bücherei, Spaziergang am Fluss, eine Samstagsfahrt zu einem Mathewettbewerb in einer nicht um die Ecke liegenden Stadt; Samstagsabendfilm als Wochenendbeginn; vorher noch schnell den Wäschekreislauf wieder in Bewegung gebracht (schon normalerweise braucht ein Wäschestück hier wohl 2-3 Wochen, bis es wieder am Ausgangsort anlangt, jetzt aber waren die Schränke leer, und auf den Kinderzimmerböden wuselten im trauten Miteinander dreckige, noch nicht in den Korb gewanderte und eigentlich schon saubere, nur noch nicht wieder einsortierte Stücke, und auch ich wusste bei den im Haus herumstehenden Körben nicht mehr ob schmutzig oder sauber … nun ist mal wenigstens sortiert und zu Bergen geworfen); und dann ein Sonntag, der so viel Kraft in sich trug – in Form von Worten – geschriebenen und gelesenen -, von Bildern, von Musik, von Stille
gehört
ein neuer Cellobogen macht sooo viel neuen Klang – hä? – ich wusste nicht, wieviel vom Bogen abhängt (klar, sonst gäbe es wohl nicht Bögen für mehr als 1000 Euro …)
gelesen
immer noch „Und plötzlich waren wir Verbrecher“ – ich wurde immer langsamer beim Lesen, weil ich aufgesogen habe, wie man sich in Zeiten äußerster Bedrängnis selbst bewahren und gar finden kann; dann – als Empfehlung zugeflogen: „Das Pubertier“ – naja, braucht man nicht, aber ich bin eine disziplinierte Bücher-zu-Ende-Leserin; und nun beginne ich zwei von David Grossman – ja, gleichzeitig: eines über das Werden, eines über das Vergehen
nachgedacht
über liebevoll geschenkte Worte, welche die meinen sind und vorher auch schon die meinen waren – nur braucht es manchmal eben einen Spiegel
gefühlt
von meiner Arbeitsmenge so weit erschöpft, dass mir im Laufe der Woche einige Male fast die Tränen kamen, doch dann …
gestaunt
… begab es sich, dass ich an einem Abend meine Schreibtischdinge unerwartet früh fertig bekam, eine Stunde oder noch mehr bis zum Schlafen plötzlich ganz meine war, ich tauchte in Gedanken und bald schon in ein Fließen voller Langsamkeit ein … und war … ruhig? still? zuversichtlich? … ja. 
geübt
den Blick auf meine Kraftquellen zu richten, so dass mir diese wieder mehr zutragen
gefreut
über mich berührende Hände, Bilder, Worte in Momenten, in denen ich es brauchte; und dass der Sohn „danke“ sagt, wenn ich ihm bei seinen Sachen helfe
geärgert
dass ich diese „Rubrik“ noch immer nicht herausnehme, irgendwie der Vollständigkeit halber jede Woche aufs Neue nachgrübele, was hier hineinzuschreiben sei – und doch merke, dass „Ärgern“ wohl nicht zu meinem Emotionenspektrum zählt
begegnet
einer Freundin zum Mittagessen, mitten in der Woche (so lange vor uns hergeschoben, und dann war es plötzlich ganz einfach, sich diese Stunde freizunehmen); einer nahen Stimme und einem mich (be)treffenden Bild in einem Brief; meiner eigenen Stimme im Tagebuch; und meiner Musik am Klavier
Ausblick
noch fünf Wochen bis zu den Weihnachtsferien, könnte ich jetzt in Fortsetzung der vergangenen Woche schreiben – doch es hat sich einiges gelüftet, ich bin mit dem Blick wieder mehr in der Gegenwart – und habe in den nächsten Tagen vor, einiges an Arbeit wegzuzaubern – nicht durch Abarbeiten, sondern durch Wegfallenlassen, Aussitzen, Ignorieren, Kürzertreten (mal schauen, ob ich dies dann wirklich mit Konsequenz durchziehe)
Dankbarkeit
für den Himmel, unter dem ich heute spazieren gehen durfte

Wochenrückblick 45/14

Wetter
Regen und Wind haben alle Blätter von den Bäumen gefegt, die Spätsommerluft hat sich wohl in südlichere Gefilde verzogen, die Sonne aber blieb und erkletterte um die Mittagszeit immer zweistellige Temperaturen
gemacht
ein ruhiger Wochenbeginn, da ein paar Kindertermine ausfallen und die Nachmittage fast sowas wie meine sind, bis dann am Mittwoch eine ganztägige Fortbildung das ganze Wochengefüge außer Atem bringt und auch mich, weil ich nebenher noch meinen Unterricht abhalte (nennt man das so, wenn man den Schülern alle paar Minuten einen Auftrag bringt und sie quasi über Fernbetreuung am Arbeiten hält?); durch die verbleibenden zwei Schultage – mal wieder spätnachts vorbereitet, wann sonst – schleiche ich mit Kopfschmerzen und einem lass-es-vorbeigehen-Gefühl; dann endlich Wochenende – eine fast schlaflose Nacht als Einstieg; ein kuscheliger Lese-Häkel-Rede-Samstagvormittag mit der Tochter; abends kommt der Sohn dazu, und wir schauen einen Mauerfall-Film, damit meine Ost-West-Kinder meine und unsere Geschichte(n) aus einem vergangenen Land wenigstens vom Erzählen her kennen; dazu ein Glas Sekt für mich, weil es mich auch nach einem Vierteljahrhundert noch im Innersten bewegt; ein Lern-Arbeits-Haushalts-Sonntag, in den ich immerhin noch einen Spaziergang rund ums Dorf hineinschiebe
gehört
Worte, Klänge, Zwischentöne und innere Stimmen in diesem Film, ebenfalls mit den Kindern zusammen geschaut, weil uns das alles seit Jahren vertraut ist – wenn auch nicht unhinterfragt (und doch geben wir diese Woche wieder die Anmeldungen ab, die uns alle – Duo-Wertung, Ensembleproben … – logistisch an unsere Grenzen bringen herausfordern werden)
gelesen
passend zum Datum, aber doch schon länger hier zum Lesen bereitliegend: Dorothea Ebert / Michael Proksch „Und plötzlich waren wir Verbrecher„; dazu viel viel viel in Zeitungsartikeln und Kommentaren, zum Beispiel das hier
nachgedacht
über die Frage, welche die Freundin bei mir ließ, als wir vergangene Woche auf langen Spaziergängen und Abenden redeten: „Und wo bleibst du?“ – Ja, wo? 
gefühlt
von einem Traum-Spiegel wachgerüttelt – zur Zeit überflutet mich hier alles, lässt mich in einem Gefühl der Hilflosigkeit zurück – und doch waren in dieser Woche ein paar Gesprächskeime, die Erleichterung schenkten
gestaunt
dass mir die Tochter noch morgens sagen muss: „Schau, jetzt sind alle Blätter von den Bäumen gefallen.“ und ich dies so gar nicht bemerkt hatte, worüber ich in dumpfe Traurigkeit verfalle – weil ich so blind durch meine Tage laufe – und kurz darauf fahre ich mit dem Auto übern Berg, mein Blick fällt über die Kuppe – und plötzlich ist da Licht, Licht und Licht
geübt
loszulassen: das pubertierende Leben des Sohnes bekommt ganz neue Facetten – ich bin soooo neugierig, darf dies aber nicht zeigen, und ich fühle mich soooo verantwortlich, darf dies aber nicht mehr sein (so ungefähr – ist ja wohl das gleich bei allen Pubertätsmüttern; nun also auch hier)
gefreut
als ich mit einem handfesten Problem zu meiner Schulleitung komme, dort die drei Worte zu hören: „Ich kümmere mich.“ – und zu wissen, dass ich mich darauf verlassen kann
geweint
immer noch und immer wieder bei den Fernsehbildern von damals – wie tief sich das alles in mich eingegraben hat – ich müsste den Kindern noch viel mehr erzählen davon …
begegnet
manchmal entstehen ja mitten im Alltag unerwartete Nähemomente – so während unserer Fortbildung, beim Mittagessen, da geht es mit den Kollegen plötzlich ganz sehr um Eigentliches, um Nichtmehrarbeitsdinge, so dass der Tag einen unerwarteten Hauch Wärme bekommt
Ausblick
noch sechs Wochen bis zu den Weihnachtsferien (ich weiß, so soll man sein Leben nicht leben, aber im Moment komme ich nicht anders durch die Tage)
Dankbarkeit
für die Durchlässigkeit des Sohnes, als ich das Gespräch über unsere (gemeinsame) Situation suche, und dafür, dass dieses Gespräch (und andere Begegnungen der Woche) nicht ohne Wirkung bleiben

Zweiwochenrückblick 43-44/14

Wetter
so warm, so sonnig – unglaublich für Ende Oktober
gemacht
die Vorferienwoche gerade noch so geschafft, dabei einen Tag krank im Bett gelegen und mich dann doch wieder in die Schule aufgerappelt; ersehnter Ferienbeginn, begangen mit freitagabendlicher Geburtstagseinladung und samstagmorgendlichem Bücherei-Lesecafé-Besuch, um mittags dann gleich noch mit Freunden in einem anderen Café zu sitzen; unendlich viel herumgetrödelt; ein paar Möbel im Haus gerückt (und bei der Gelegenheit hinter selbigen Schmutz hervorgepult – ich weiß nicht, ob man das schon „putzen“ nennt:)); so manches gelesen; viel Klavier gespielt; geschlafen; Patenkindsbesuch aus der Ferne gehabt
gehört
Ferien voller Kinderproben – der Sohn und seine Geigenpartnerin haben hier sozusagen einen privaten Kammermusikkurs veranstaltet, haben sich jeden Tag getroffen, sind zu den Lehrern gefahren … und dann haben sie binnen einer Woche aus gerade so geübten Tönen ein kleines bisschen Brahms und ganz schön viel Mozart gezaubert
gelesen
in so viele verschiedene, teils sehr bewegende Welten eingetaucht – Jochen Schmidt: „Schneckenmühle“ – Sharon M. Draper: „Mit Worten kann ich fliegen“ – Steven Galloway: „Der Cellist von Sarajevo“ – Tecia Werbowski: „Hotel Polski“ – Anna Gavalda: „Ich habe sie geliebt“
gedacht
ja, das ist eine gute Frage: Wofür brenne ich? (danke) 
gefühlt
von den Mutlosigkeits- und Verzagtheits-Krakenarmen gestreift – und ich weiß noch nicht: werden sie mich aufrütteln, dass ich mich entwinde? oder werde ich mich mehr und mehr von ihnen umfangen lassen?
gestaunt
wie offen ich beginne zu kommunizieren – auch in Alltagssituationen – , wenn die Nähe des Todes mich durchlässig gemacht hat
geübt
mich in Ruhe einem Feriengefühl hinzugeben, obwohl ringsum die Arbeitsberge antoben – ich war so mittelgut darin diesmal
gefreut
sehr besondere Konzertkarten gekauft zu haben – die sind zwar erst für nächstes Jahr, aber dennoch schon jetzt: Vorfreude!
geweint
auf einer sehr bewegenden Trauerfeier – dort so viel über einen Menschen zu erfahren, dass man das Gefühl hat, ihn nochmals neu kennenzulernen – das tut gleichzeitig gut und weh, das ist Geschenk und Gewahrwerden von Versäumtem gleichermaßen
begegnet
einer ehemaligen Kollegin, ganz zufällig an einer anderen Schule, und einem ehemaligen Schulfreund, noch viel zufälliger, an der gleichen Schule – da gehört schon was dazu, sich 27 Jahre später und 700 km von der Heimat entfernt mal eben nachmittags auf einem Schulflur, auf den wir beide nicht gehören, über den Weg zu laufen
Ausblick
Schulbeginn, so schnell schon wieder – ich bin noch nicht wieder aufgetankt, menno
Dankbarkeit
für die Musik, immer wieder

Wochenrückblick 42/14

Wetter
herbstlich warm und sonnig – das entgeht selbst mir durch die Fensterscheibe nicht, und nun die Hoffnung, dass ich mich in der baldigen Ferienwoche zuweilen jenseits der Fensterscheibe aufhalten werde, ganz gleich, welches Wetter dort sein wird
gemacht
durch meine 60-h-Arbeitswoche gehastet, tageweise die Kinder kaum gesehen und vom Handy aus deren Nachmittagsdinge gecoacht, nachts über den Unterrichtsvorbereitungen eingeschlafen; aber doch ab und zu eine Oase: etwa ein Kaffee im Café während des Musikunterrichts — mitten hinein diese Nachricht dann, die seither allen Raum in mir einnimmt, alles andere benetzt und durchwebt — seit Freitag ist Wochenende, völlig terminfrei für mich, zum Glück: ich liege, lese, sinne nach, schreibe …
gehört
zum Wochenanfang schöne Musik eingelegt, als ich Vergleichsarbeits-Kreuzchen stumpfsinnig in riesige Exceltabellen einzutippen hatte – zum Wochenende dann – hm: schöne? – Musik gewählt, die das Anzünden der Kerze am Fenster begleitete
gelesen
„Meines Vaters Land“ beendet, es wurde immer berührender; und jetzt ein Buch, das Michèle Lesbre speziell für mich geschrieben haben muss: „Das rote Canapé“ – puh, wie nahe das ist!
gedacht
soeben als ich den Posttitel eintippte: lässt sich kürzen (Mathelehrerin im Bruchrechenmodus :));
und durch die letzten Tage hindurch: seltsam, wie sich diese verschiedenen Lebenspole vermischen und durchdringen, das kommt mir fast befremdlich vor — hier im Schreiben habe ich heute das Bedürfnis, eine räumliche Trennung zu setzen
gefühlt
sehr müde, sehr erschöpft, und jetzt zum Wochenende ein wenig grippig
gestaunt
dass Sohn + Freunde am Wochenende Tag 1 zu einem ganztägigen Mathekurs und an Tag 2 zu einem ganztägigen Schachturnier fahren und am Sonntag abend immer noch nicht genug haben – daher noch schnell Orchester, und dann Englisch lernen (ich habe das Bedürfnis, meine Kinder zuweilen hier zu Hause anzubinden, damit sie mal zur Ruhe kommen – klappt aber nicht, sie entfliehen der Ruhe permanent – war ich als Kind auch so???)
geübt
mehr Verantwortung an die Kinder abzugeben, wo es ihnen möglich ist, nicht immer alles selbst in die Hand zu nehmen (und darüber erschöpft zu verzweifeln) – ein noch weiter Weg für mich
gefreut
über den feinfühligen, tiefschauenden Blick der Quartett-Lehrerin auf die Tochter; von der Schule bekam ich noch nie eine so hilfreiche Rückmeldung, obwohl ich bei jedem Elterngespräch in diese Richtung „stochere“, um der Tochter bei ihrem Rucksacktragen zu helfen (naja, sie sieht die Tochter als eine von nur vieren, und vermutlich ist hinter dem Cello nicht so gut verstecken wie hinter Matheaufgaben)
geärgert
über einen sich deutlich von der Sachebene wegbewegenden, fast tribunalsartigen Angriff durch die Elternschaft unserer Klasse – der Kollege ging damit allerdings sehr souverän um, so dass wir als Klassenlehrerinnen zunächst nicht intervenierten, erst anschließend ein paar reflektierende Worte aus der Beobachterrolle sagten; die anwesenden Praktikantinnen waren erschüttert (fast vergälle es ihr den Beruf, sagte eine); und ärgerlich auch, dass einem die besten reagierenden Worte an die Elternschaft natürlich immer erst im Nachhinein einfallen
gelacht
als Kind 1 beim Abendessen voller Inbrunst von Mine.craft und Kind 2 ebenso engagiert von seinem ZAL-Mathleten (hä? genau. so geht’s mir auch) erzählt, beide ohne Luft zu holen, quatschen sie von zwei Seiten simultan auf mich ein, mit lauter Sätzen, die zwar syntaktisch wie Deutsch klingen, aber doch verstehe ich keine dieser fremdwortschatzigen Silben, ich kann die Wörter nicht mal wiedergeben, die sie in einer Flüssigkeit und Eloquenz benutzen … jede meiner Interventionen, mir doch mal zu erklären, wovon sie eigentlich gerade reden, verhallt ungehört – und mir bleibt nichts als plötzlich laut loszulachen (warum eigentlich? hm. die Situation hatte was sehr Witziges)

geweint

dass ihr Platz im Lehrerzimmer für immer leer bleiben wird

begegnet
wenn man sich mit Tränen in den Augen auf dem Schulflur gegenübersteht und umarmt, dann ist es viel näher als jemals sonst; und wenn man sieht, wie Schüler in ein Kondolenzbuch schreiben, dann weiß man, dass wir sie – die Schüler – eigentlich gar nicht kennen und dass wir ihre reife Sicht auf das Leben wohl oft sehr unterschätzen; und diese Nähe im Angesicht des Unfassbaren, die wärmt dann fast schon wieder
berührt
welche Atmosphäre entstand, als wir in den Klassen von ihrem Tod erzählten, wie die Jugendlichen und Kinder plötzlich still wurden, welche Fragen sie stellten, von wie vielen gestorbenen Opas, Freunden, Lehrern und Meerschweinchen sie erzählten, und dass es zwei wilde Jungs waren, die als erste aufstanden und sagten: Wir gehen jetzt in diesen „Raum der Stille“.
Ausblick
wie meine Halsschmerzen und meine Erschöpfung sich entwickeln werden?
und wie wird sich unser Schulleben nach dem Wochenende anfühlen?
und wie wird es sein, gemeinsam mit der ganzen Schule eine Trauerfeier zu gestalten?
gut, dass diese Woche an ihrem Ende in die Ferien münden wird
Dankbarkeit
dass wir in unserem Kollegium so gut, wie wir im „normalen“ Alltag zusammen lachen, jetzt in Geborgenheit gemeinsam weinen können

Zweiwochenrückblick 40-41/14

Wetter
letzte Woche, das lange Wochenende mit seiner wärmenden Herbstsonne, in der wir frühstückten und badeten, das wird in mir bleiben; ansonsten ist es doch zum Heulen, dass ich nach solchen Extremschulwochen kaum sagen kann, welches Wetter uns umgab, weil ich blind durch die Tage rase (nein: nicht heulen – Teilzeit beantragen!)
gemacht
vor allem gearbeitet und die Kinder chauffiert, mehr passte in die Tage kaum hinein; Tochter-Elternabend; ein Kollegen-Oktoberfest in der Schule (nie werde ich freiwillig diese Schule verlassen – mit diesen Kollegen feiere ich sogar Oktoberfeste!); und am langen Wochenende eine Mädchenreise (nur die Tochter und ich) nach Berlin und Umgebung, dort Treffen mit Freundinnen meiner Kindheit, viele Gespräche und Seespaziergänge und Erinnern und Lachen und ruhiges Beieinandersein, und auch Kino – zwei Filme nacheinander, das habe ich seit hundert Jahren nicht mehr gemacht:)
gehört
was hier übend durchs Haus schwirrt: das und das und das und das (tägliche Oase für die Ohren)
gelesen
je zur Hälfte: „Netzgemüse“ (was mir nicht sooo viel Neues gibt, und Hilfe schon gar nicht bei unseren fast täglichen Handy-Computer-Konflikten) und Wibke Bruhns „Meines Vaters Land“ – hier zieht mich Geschichte ausnahmsweise in ihren Bann, weil sie so privat daherkommt
begegnet
den Alt-Freundinnen und ihren Erinnerungen; einer neuen zugezogenen Schülerinnenfamilie, die das Herz erwärmt; einem Ehemalsschüler, und einem Ehemalskollegen am Telefon
gedacht
dass es hier im Haus soooo sauschmutzig aussieht – und wie ich es schaffe, meine daherrührenden schlechten Gefühle loszuwerden (wenn es schon im Moment keinen Weg aus dem Schmutz heraus gibt … ich wüsste nicht in welchen Minuten meiner Tage, und die Herbstferien mag ich auch nicht komplett dafür einsetzen … darf ich ein Zaubermittel wünschen bittedanke …)
gefühlt
ferienreif – darf man das nach vier Schulwochen schon sein? – jedenfalls merke ich es, weil es mir schwerfällt, mir selbst beim Lesen „zuzuhören“: ich lese jede Seite fünfmal und habe doch an was anderes dabei gedacht
gestaunt
wie früh es dunkel wird; und dass die Tochter offenbar nicht von allen Menschen als „schon groß“ wahrgenommen wird, wurde sie doch im Drogeriemarkt, als sie zwei Zahnpastatuben aufs Band gelegt hatte, von der Kassiererin gefragt, ob sie denn überhaupt Geld habe:) 
gefreut
über unsere kleine halbprivate Mathe-AG – der Sohn und drei Schüler seiner Klassenstufe, in der ich den 7t-Klässlern helfen will, den Landeswettbewerb Mathematik zu bearbeiten (der für dieses Alter wirklich noch sehr schwer ist, die vier aber sind wild entschlossen:)) – so viel Begeisterung, Ideen, Funkeln in den Augen und über den Tisch fliegende Gedanken – eine wahnsinnige Freude, das zu beobachten und teilzuhaben daran (vielleicht, wenn die vier dabei bleiben, gibt’s ja nächstes Jahr auch ne Deputatsstunde dafür …)
geärgert
ausgerechnet jetzt, wo ich wieder quer durchs Land fahren muss, hat mir das Land Baustellen vor die Nase gesetzt – meine Hauptautobahn ist bis Dezember einspurig – danke auch, ich üb dann jetzt mal Landstraßefahren
gelacht
täglich mit der sprudelnden Lebensfreude der Tochter
geweint
nein, da waren andere Formen des Zumirkommens, auch schmerzhafte …
berührt
als mich ein ehemaliger Schüler an der Tankstelle ansprach (wir verstopften sofort alles:)) – einer, der damals die Schule verlassen musste, und jetzt extra zu mir kommt, weil er sich freut mir erzählen zu können, wie es mit ihm weiterging und weitergeht – alles gut, und mir wird ganz froh, als ich das höre
Ausblick
Schulwoche total: zwei Elternabende werden den Alltagsgang – vormittags Schule, nachmittags Kinder und Haushalt – abends/nachts Schulvorbereitungen – torpedieren: bleibt für letzteres die Nacht oder wie? ich schüttele das Grausen vor der Woche noch kurz ab und begebe mich erstmal auf die Landstraße
Dankbarkeit
dass ich mir Gedanken darüber machen darf und es auch nicht ganz aussichtslos ist, in absehbarer Zeit wieder mehr Freiheitsgrade zu haben (ich sage nur: Teilzeit! – ich verkünde das jetzt überall, damit ich nicht im Dezember vergesse, meinen Antrag abzugeben);
und dass jeder Tag gute Momente hat, ja eigentlich eine Aneinanderreihung guter Momente ist (nur eben: zu viele in zu großer Dichtigkeit)

Wochenrückblick 39/14

Wetter
Fahrradfahrwetter, und zwar so warm, dass wir nicht nur die Jacken ausziehen mussten, sondern auch noch das dringende Bedürfnis hatten, dies im Schatten zu tun
gemacht
was ging die Woche schnell vorbei – und wie viele kleine bis klitzekleine Dinge passten hinein: das Schuljahr rüttelte sich weiter zurecht, am Schreibtisch kam ich langsam in Fluss, auf den Schulfluren auch, aber all die Kinderdinge – Holundbringfahrgemeinschaftsabsprachen, Terminvereinbarungen, Anmeldungen, Arzt und Optiker etc. – verbannten mich gefühlt eine Woche lang ans Telefon (was nicht mein Lieblingsgegenstand ist, übrigens); zum Wochenende dann eine infektkranke Tochter gesundgekuschelt – und gestern abend gleich auch den Sohn, der vorher noch in einem Wolfswildpark campiert (und gefroren) hatte; Kinderkleiderflohmarktbesuch, erfolgreich, jedenfalls zeigen dies die Wäscheberge vor der Waschmaschine an; im Eifer des Gefechts dann aus dem Tochterkleiderschrank Tonnen von Hochwasserhosen und -shirts herausgefischt und umgehend zur Dreitochterfreundesfamilie transportiert
gehört
die Vögel in den Bäumen, Blätterrauschen über mir und Blätterrascheln unter mir; und all die wunderbare Kindermusik (mein tägliches Hauskonzertgeschenk!) hat Ergänzung gefunden in einem Ohrwurm-Brahms-Stück des Tochterkindes, das sie und ich seit Freitag ständig vor uns hin summen
gelesen
Susanna Tamaro: Erhöre mein Flehen
begegnet
die erste Stunde Flohmarkt verplaudert – dort trifft man aber auch unser ganzes Nest:) – bis ich mich besann, dass ich nun besser doch etwas wühlen gehe, bevor alles weg ist; vor der Halle dann ein ehemaliger Schüler, dem es so richtig gut geht, obwohl damals bei uns alles schwierig schien – hach: Herzensfreude! Wochenabschluss bei Freunden zum Grillen (sehr sommerlich hier im Süden)
gedacht
dass man wirklich jeden Tag leben soll (nicht neu gedacht, natürlich, aber manchmal rüttelt einen auf, was ringsum geschieht …)
gefühlt
ruhig und dankbar, ja, das beschreibt es am besten
gestaunt
wie subjektiv, wie eng mein Blick auf das Ganze ist – ausgelöst nämlich durch die Wendejahr-Dokumentationen auf Phoenix zappte ich mich bei you.tube durch diverse Dokus (die Bügelwäsche darüber vergessend), sah dann etwas über Moskau-Gorbachev-Einheit und so – und staunte, wie wenig wir geahnt, wie naiv wir dort gelebt hatten in diesem Jahr – obwohl ich immer gedacht hatte dabeigewesen zu sein, etwa bei jener Demonstration auf dem Roten Platz, 1. Mai 1990, und meine Erinnerung und meine Fotos die Wasserwerfer hinter der Basiliuskathedrale durchaus festgehalten haben, und die KGB-Reihen, die Sowjetfahnen mit Loch statt Hammer-Sichel, die Stalin-Porträts, die Sprechchöre, die bemäntelten alten Männer auf der Tribüne, darunter auch ihn, den von uns fast vergötterten – und doch wussten wir so wenig von dem, was damals geschah; klar, eine Doku kann auch „Falsches“ erzählen, aber in jedem Falle ist der eigene Blick einfach nur Mosaiksteinchen – wie klar mir das mal wieder vor Augen stand (und es ist ja nicht nur mit der Erinnerung und der großen Geschichte so …)
gefreut
wie meine 6t-Klässler vor mir sitzen, sich erst wundern, dass sie nun in Mathe Geschichten schreiben sollen – gerade wie in Deutsch -, dann aber losschreiben und schreiben und schreiben und gar nicht wieder aufhören wollen, als die Stunde um ist – zweite Freude-Welle in mir, als ich zu Hause anfange zu lesen
geärgert
über den heutigen Mädchenhosenschnitt – die Tochter beklagt sich, dass sie damit so schlecht klettern könne – ja klar, Röhre ist völlig unkindgemäß – als ich ihr dann aber auf dem Flohmarkt einen Stapel älterer Jeans (aus der Zeit, als Kinderhosen noch Kinderhosen waren) zum Anprobieren gab, beschaute sie sich von oben und meinte bei einer jeden: die sei zu weit, wie das aussehe … (ich hab sie trotzdem gekauft: basta – und heute hat sie die erste in der Schule an, mal schauen, ob sie das überlebt)
gelacht
die Tochter erklärt wissend, dass sie niemals ein Kleinkind auf diesem Geländer balancieren lassen würde – warum nicht? – naja: Kleinkinder erkunden doch immer so die Umgebung … – und Du nicht mehr? (kann ich mir nicht verkneifen zu fragen) – vorpubertärer Blick, Augenrollen, genervt-belehrender Tonfall: Mama! Des iss ja schon so, dass ich mich in der Welt auskenne …
berührt
von meiner neunten Klasse, von der Mischung der in ihnen streitenden Lebensphasen, von dem Vertrauen in ihrem Blick – sei er auch noch so sehr unter langen Haaren hervorgeworfen – und von der Suche, die in jedem Wort, in jeder Geste hervorblitzt
Ausblick
erstmals eine komplett volle Woche: alle Kurse, alle AGs, alle Termine fangen wieder an – bis das laaaaange Wochenende Atem schöpfen lassen wird
Dankbarkeit
für die Momente, in denen kurz alles stillstehen darf, weil mein Weg zum Außenklassenzimmer unter gefärbten Bäumen und blauem Himmel entlang führt, weil ich meinen ersten Kaffee auf der Terrasse im Morgennebel trinken darf, bevor ich die Kinder wecke, weil wir in der Sonne Haselnüsse sammeln, bis sie aus den Jackentaschen herausquellen, weil mein Fahrrad mit mir über die Felder fährt und der Fluss vor meinen Augen so fließt, wie er schon immer geflossen ist  …

Wochenrückblick 38/14

(Es wird sich wohl einschleichen, dass ich erst montags schreibe. Selbst bei arbeitsfreiem Sonntag. Oder gerade dann: So wertvoll, den Computer mal ganz auszulassen. Und so entspannt, den Alleinvormittag nicht sofort um sieben am Schreibtisch zu beginnen. Obwohl dieser ruft, immer lauter, immer drängender.)

Wetter
Draußensitzwetter, zuweilen richtig Sommer – für mich mal wieder viel zu warm (vor allem in den Klassenzimmern), während alle anderen aufjuchzen; erst am Sonntag Regen mit Gewitter, Hagel, Winden – die ganze Palette
gemacht
sooo früh aufgestanden, sooo ungewohnt wieder einen Rhythmus zu leben, sooo viele Termine plötzlich – wir haben aber alle Sporthallen und Musikzimmer noch wiedergefunden; am Montag zunächst das neue Schuljahr mit einem dicken Eisbecher begrüßt; an so manchem Abend spielend und redend beieinander gesessen – in der ersten Woche erzählt ja sogar der Sohn noch aus der Schule; viel in der Schule gewesen, einschließlich GLK (Gesamtlehrerkonferenz) – die schönste je erlebte, weil so viel Wichtiges zu feiern war; an die Schreibtischabende noch nicht wieder gewöhnt; das sogenannte arbeitsfreie Wochenende dann für Steuer, Beihilfe und Krankenversicherungsanträge genutzt – und versucht mich nicht in negative Gefühle gegenüber diesen nervigen Lebensverwaltungstätigkeiten hineinziehen zu lassen; eine Einschulungsfeier besucht und den Straßenausschank am Fluss, an dem es neuen Wein gibt (willkommen, Herbst!)
gehört
ich liebe dieses bunte Ton-Klang-Stimm-Gemisch aus allen Fenstern der Musikschule – und mittendrin höre ich immer die meinen heraus:) ; meine eigenen Klaviertöne: upps – geht doch noch; die Aufzeichnung eines Jubiläumskonzerts, auf dem wir Alten unsere alten Lieder singen durften – hach, ich musste das gleich nachts anschauen und habe dafür eine halbe Nacht Schlaf versäumt
gelesen
Meike Winnemuth: Das große Los – bin fast fertig (und fühle mich, obwohl ich so ganz anders lebe, denke und fühle als diese Frau, doch irgendwie aufgerüttelt von ihrem Erleben, einfach so in die Welt aufzubrechen und das Gewohnte zu Hause zu lassen)
begegnet
unserer Klavierlehrerin bei neuem Wein und einem Gespräch über das Leben; anderen Eltern im Dorf – nach den Ferien muss man sich erstmal durch die Straßen plaudern:); einer Freundesfamilie und deren Freunden
gedacht
grübel: wie viel Einmischung braucht ein Pubertierenden-Chaos-Zimmer – und wie viel Aushalten werde ich in den nächsten Jahren erlernen können? und wie schaffe ich es, die vielen Für-mich-Inseln dieser Woche beizubehalten?
gefühlt
ja wie eigentlich? – im Dazwischen-Zustand: nicht mehr dort, noch nicht hier
gestaunt
wie viele To-do-Dinge in eine Alltagswoche passen; wie selbstständig die Kinder plötzlich ihre Schulsachen in die Hand nehmen – war das vor den Ferien nicht noch ganz anders? und auch sonst sind sie plötzlich ganz groß, scheint mir
gekauft
eine Fahrkarte zu einem Treffen mit meiner Vergangenheit (die durch das gemeinsame Singen im März wieder zu einem Stück Gegenwart wurde – sonst hätte ich wohl diese Fahrkarte nicht gekauft); ein paar Nachzüglerschulsachen (die Kinderschulen teilen freundlicherweise ihre Listen sonst schon vor den Ferien aus); Klezmer-Noten, einfach so, in der Hoffnung, dass die Kinder irgendwann Musik draus machen (der Sohn hat schon angebissen); ein neues Portemonnaie für den Sohn – grmpf – siehe unten
gefreut
mit den Kindern über ihre Lehrerfreude: beide haben es gut getroffen und sind am ersten Schultag fast abgehoben vor Glück; so viel gutes Erleben in der Schule; und auch darüber mich während der Musik- und Sportwartezeiten in ein Café gesetzt zu haben, mit Blick auf den Fluss, nur für mich, ganz selig mit Milchkaffee
geärgert
dass Herr Sohn seine Verkehrsverbund-Jahreskarte schon vor Schulbeginn verbummelt hat und ich deswegen stundenlang im Servicecenter anstehen musste, zumal mit der Aussicht, dass wir eine zweite verbummelte nicht mehr so einfach ersetzt bekommen – grmpf: jetzt frage ich jeden Abend und jeden Morgen nach, wo das kostbare Stück steckt – bisher ist sie noch da
gelacht
weiß nicht mehr genau: wir haben gerade so viel Wortwitz am Tisch, denn die Tochter beginnt zu entdecken, wie herrlich man mit Sprache spielen kann – ab und zu platzt sie mit etwas heraus, das uns fast unter den Tisch wirft vor Lachen (leider vergesse ich das so schnell wieder wie Witze)
geweint
ein Jahr bist Du nicht mehr hier, (((Oma)))
berührt
von den 5t-Klässlern im Schulhaus – mensch, wie klein die sind – mittlerweile sind schon engste Kindergartenfreunde der Tochter dabei *schluck*
Ausblick
eine noch abgespeckte Schulwoche, da Studienfahrten und Prüfungen meine Präsenzzeiten um ein Drittel vermindern, so dass ich wiederum im Home Office … ja stimmt, mein Schreibtisch ruft, ich komme ja gleich …
Dankbarkeit
all diese kurzen Für-mich-Zeiten der Woche, eingestreut zwischen dem wilden Wirbeln