Schüler

Die Freuden des weißen Wahnsinns -6

Allmählich stellt sich eine Mischung aus Ungeduld und Langeweile ein. Beim täglichen Schreiben hier, und vielleicht auch beim Lesen? Noch ein Tag, und noch ein Tag, und noch einer, und immer ist viel zu arbeiten, und immer diese Müdigkeit. Nichts Neues unter der Sonne. Für den Moment.

Heute ist der zweite Konferenztag. Leichter auszuhalten, weil ich morgens keinen Unterricht halten muss. Mein Vormittag darf privat sein, ein Arztbesuch mit der Tochter. Erst am späten Vormittag sitze ich im Lehrerzimmer und werkele vor mich hin. Eine Million kleiner Organisations- und Aufräumtätigkeiten vermögen auch Tage zu füllen. Ich bin so vertieft, dass ich fast vergesse, mir Mittagessen zu besorgen. Ein Supermarktsbäckerbrötchen, viel mehr gibt es in unserem Dorf nicht, wenn man nicht mit Schülerscharen in der endlosen Dönerschlange anstehen will.

Die erste Konferenz ist unsere, wir eröffnen auch gleich den Reigen der Verspätungen, brauchen länger als eingeplant. Es ist doch einiges zu besprechen, nicht nur abzustimmen. Vielleicht bin ich ein Magnet für Schülerinnen und Schüler mit komplizierten Lebenssituationen? Denke ich so, als ich in den anschließenden Konferenzen mit all den Zack-zack-Abstimmungen sitze.
Irgendwann ist fertig gesessen, ist meine letzte Klasse vorbei. Mit dem Coklassenlehrer zusammen machen wir die Zeugnisse fertig, das geht nach der gestrigen Vorbereitung zügig, und kurz nach 16 Uhr sind sie ausgedruckt. Nur noch unterschreiben und bei der Schulleitung abgeben, ein gutes Gefühl.
Ich will nach Hause, schwätze noch hier und dort, sehe im Augenwinkel, wie gerade das Zeugnis meines Sohnes ausgedruckt wird, gebe einer jungen Kollegin Tipps für die Buchpreise ihrer 5. Klasse, trödele so herum. Und bemitleide diejenigen, die auch heute wieder bis weit nach 18 Uhr hier sein werden. Froh bin ich, heute – zufällig – eher fertig zu sein.

So räume ich zu Hause noch ein wenig vom Schulkram des Jahres auf. Mehr als die Hälfte ist schon geschafft, der Rest folgt morgen und am Wochenende. Die letzten Hausunterrichtsstunden für E. sind vorzubereiten, und das Übungsprogramm für die Ferien, das ich ihr dalassen soll. Fast ein halbes Schuljahr hat sie gefehlt. Und will trotzdem im September in der nächsten Klasse weitermachen. Sie wird auch dann noch oft fehlen. Wir wissen, dass sie das schafft. Und dennoch: Die Familie fühlt sich besser, wenn ich ein Übungsprogramm dalasse. So tue ich das;-)

Spätnachmittag. Feierabend. Fahrt in die Stadt. Streichquartettkonzert, die Tochter mitten drin. Eine Freundin von uns kommt zum Zuhören. Nach dem Konzert gehen wir essen, im Ruderclub am Fluss. Mit Blick auf diesen, im dämmrigen Abendlicht. Manchmal gibt es in der eigenen Stadt wundervolle Orte, von denen man nichts ahnte.
Wie oft im Leben das noch so sein mag?

 

Die Freuden des weißen Wahnsinns -7

Die magische 7 ist da: eine Woche noch, sieben Tage. Heute ist der letzte „echte“ Mittwoch, mit „echtem“ Unterricht, bevor es am nächsten Zeugnisse und vorher nicht mehr viel gibt. Heute also noch mit Unterricht. Ja, ich mache Unterricht. Dies scheint die Klassen zu verdrießen. Sie erwarten das nicht, sie wollen das nicht mehr. Ringsum in den Stunden guckt man Filme, frühstückt, geht Eisessen, nur Frau Rebis kommt mit ihrem blöden Drehimpuls daher. Tja, da müssen wir jetzt alle durch. Bei den Drehhocker-Experimenten sind sie immerhin verblüfft, und, als am Ende via Youtube doch noch ein paar kurze Filmchen des Wegs kommen, versöhnt.

Nach vier Physikstunden bin ich geschafft und denke, dass ich sie ja verstehen kann. Mir fällt es auch nicht mehr leicht, und ich bin für heute froh, in die schülerlose Phase des Arbeitstages überzugehen.
Wir müssen dringend unsere Zeugniskonferenz vorbereiten, wir, der Coklassenlehrer und ich. Weil der Coklassenlehrer sich sehr anders organisiert als ich, was Zeitabläufe, Strukturierung der Prozesse, Ordnung der Dinge angeht, waren die vergangenen Monate, in denen wir kooperierend zusammenfinden mussten, eine lehrreiche Zeit, für uns beide.
Heute kulminiert das Ganze in gegenseitigem Übereinander-den-Kopf-schütteln und einem dann entschlossenen Wir-müssen-es-jetzt-aber-fertig-bekommen. Bestimmt geben wir ein witziges Bild ab, wie ich immer wieder versuche, den roten Faden der Konferenzvorbereitung nicht aus dem Auge zu verlieren, er seine Unterlagen über sämtliche Tische der Kaffeeküche ausbreitet, ich viel zu genervt an die Uhr und ihr rasend schnelles Ticken erinnere, er noch mal eben wegläuft, um ein paar vergessene Formulare zu suchen, ich immer ungeduldiger werde, er aber auch nach Kräften versucht … ach, es ist nicht einfach. Und doch. Es geht. Es geht irgendwie, wir respektieren einander ja in unserer Unterschiedlichkeit.
Nach weniger als zwei Stunden schon haben wir alle Bemerkungen, alle Absprachen, alle Noten, alle Fehlzeiten im Kasten bzw. auf der Liste. Und damit sie bis morgen nicht wieder verschwunden sind, tippe ich sie gleich in die Protokollvorlage und die Zeugnisformulare ein. Ändern und löschen geht schnell, dann können wir morgen nach der Konferenz gleich alles fertig machen.

In das emsige Treiben hinein – alle Klassenlehrerteams sind so fieberhaft am Wirken wie wir – stoßen zwei Kolleginnen mit einer Pizzabestellliste (Heldinnen, dass sie an so etwas Elementares denken!), und kurze Zeit später nochmals mit einer Salatliste, weil nämlich der Italiener im Dorf seit kurzem mittags keine Pizza mehr anbietet. Als die Salatelieferung kommt, fehlt einer und einer ist der falsche, wir einigen uns gütlich, irgendwie bekommt jeder was ab, und so sitzen wir kurz mal ruhig an unseren vollgekramten Schreibtischen: Salate an Papierstapel, dazwischen aufgeklappte Laptops, eine Essenslandschaft voller Ungemütlichkeit, aber tief im Magen tut es gut.

Der Nachmittag ist ja noch lang. Eine Klassenkonferenz nach der anderen, dazwischen verwartet man Viertelstunde um Viertelstunde. Seit Jahren versuche ich, in den Wartezeiten irgendetwas zu arbeiten, oder wenigstens zu lesen – nein, es geht nicht: zu unruhig, zu hektisch, zu  spät am Tag. Winzigkeiten sind es, die man erledigen kann. Das Klassenbuch vervollständigen, den eigenen Tisch aufräumen, kurze Gespräche über diese und jene Klasse, vorbereitende Ideen fürs nächste Jahr abgleichen, ein Gedankenspringen zwischen Hü und Hott.
Als die 7. Klassen immer noch nicht begonnen haben, es schon 18 Uhr ist und wir im heißen Schulhaus schier wegfließen, trägt G. – der schon fertig war – plötzlich zwei Kästen eiskalten (alkoholfreien) Biers herein. Solche Kollegen braucht man:)))

Ich glaube, es ist nach sieben, als ich gehe. So genau kann ich in diesem Zustand und um diese Zeit die Uhr nicht mehr lesen. Ein Glück, dass ich für morgen keinen Unterricht mehr vorbereiten muss. Es gibt Konferenztage, da steht auch das abends noch an. Heute nicht. Heute darf der Rest des Abends faul in den Ü30-Temperaturen wegfließen.

 

Die Freuden des weißen Wahnsinns -8

Wie letzte Woche beim Korrigieren stehe ich auch heute gegen 4 Uhr auf, um alles fertig zu bekommen, was abends mangels Wachheit nicht mehr ging. Der Unterricht für E., die letzte Seminarsitzung des Schuljahres, ein paar organisierende Schulmails.

Unterricht und Sitzung laufen gut und unspektakulär, wir wünschen uns schöne Sommerferien, und als alle weg sind, überfällt mich bleiernes Schlafenwollen. Die Wartestunden im Seminar – dienstags bleibe ich in der Stadt, bis die Tochter per Bus zu ihrer Nachmittagsprobe kommt – verschlafe ich heute. Echt jetzt. Mit Kopf auf Tischplatte. So wie früher beim Examenslernen in der Bibliothek. Ich kann es noch, stelle ich beglückt fest, bekomme weder Kopf- noch Nackenschmerzen, bin hinterher ein wenig wacher. Gut zu wissen:)

Trotz Mittagsschläfchen verschwindet der Rest des Tages hinter einem Schleier, das klare Denken hat ausgesetzt, Elan und Wille sind vermutlich ins Schwimmbad gegangen. Jedenfalls kann ich sie nirgends erblicken. Nicht im Auto, nicht im Park, in dem ich die Wartezeit absitze, nicht am Abend zu Hause. Na gut, gehe ich eben schlafen.

Die Freuden des weißen Wahnsinns -9

Minus 9. Unter 10. Das könnte Anlass zum Freuen, zum Vorfreuen sein. Das ist es sicher auch, tief innen irgendwo. Auf der mir sichtbaren Ebene jedoch macht sich Erschöpfung breit. Eine solche, die neben sich nichts zulässt. Das Wort „Freuden“ im Titel sollte ich gegen „Mühen“ austauschen. Im Moment geht nicht mehr viel. Dabei steht noch so vieles auf der Vorferienliste …

Der Montag beginnt mit zwei freien ersten Schulstunden für alle, wegen der Wochenendaktivitäten. Zu Hause fühlt sich so ein Morgen richtiggehend gemütlich an; kaum betrete ich das Schulhaus, ist es mit der Ruhe vorbei. Gewohnte Taubenschlagatmosphäre am Notenschlusstag, ständig kreischt jemand am Notencomputer auf, kannst Du bei Fabian aus der 3 ne 2 machen?, wer ist in der 8c-Liste, wie lange brauchst Du die noch?, hat jemand den Kopfnotenordner gesehen?, können wir die Eintragungen für Deine Klasse mal kurz durchgehen?, ab wann kommen die Fehltage ins Zeugnis?, gibt’s für die 11er auch ne Mitarbeitsliste?, wann werden die Blätter denn zum Abzeichnen ausgehängt? 
Was hier so harmlos dahergetippt steht, fühlt sich, sitzt man mittendrin, wie ein einziges nervöses Bienenstockgrummeln an. (Womit ich den Bienen sicher unrecht tue.)

Aber ich bleibe nicht lange mittendrin, in diesem surrenden Lehrerzimmer. Das wäre fast zu schön, wenn Noten und Listeneintragungen mein einziges To do für heute wären.
Da sind die drei Nachschreiber, von denen nur einer kommt. Die anderen suche ich im Schulhaus vergebens. Der eine kämpft, schreibt bis zur letzten Minute, und doch wird es nicht reichen, ich korrigiere die noch schreibfrische Tinte sofort. Auch in den anderen Fächern reicht es vorn und hinten nicht für die Kursstufe; in einem Jahr dann vielleicht. Es tut weh, auch mir. „Nicht versetzt“ ist das letzte, was ich unter ein Zeugnis schreiben möchte. Und doch weiß ich, dass es ihn, drückten wir tausend Augen zu,  schon im ersten Semester aus der Kurve schleudern würde.
Wann soll ich die Eltern informieren?, fragt mich mein Coklassenlehrer. Und dass um die anderen Eltern ich mich kümmere, verabreden wir, am besten jetzt gleich. Ein paar Entschuldigungszettel fehlen im Ordner – ja, er hätte noch welche zu Hause in der Kiste (orrrr!), übermorgen dann also. Und wann wir die Zeugniseinträge vorbereiten wollen. Vor Mittwoch wird es nichts mit einem gemeinsamen Termin, das ist verdammt knapp, uiuiui. Den Ausflug am Dienstag, soll ich den organisieren? (Klar, wer sonst, denke ich so bei mir. Gern doch.)

Oh, mir platzt hier gleich der Kopf. V. kommt angerannt, entsetzt, weil sie doch NIE unentschuldigt gefehlt hätte (ja ja, das hat sich schon geklärt, sage ich, an die Zettel in des Coklassenlehrers Kiste denkend und wiederum orrrr! fühlend). Bei Familie T. ist niemand zu Hause, ich spreche auf den Anrufbeantworter, bitte um dringenden Rückruf. Unsere Seele von Sekretärin schlägt vor, mir den Anruf – käme er denn – in den Physikraum durchzustellen. Ja, warum nicht.
Denn stimmt, ich hab ja jetzt gleich Physik. Drehimpuls, letztes Thema des Schuljahres. Läuft. Bzw. dreht. Zum Glück stürzt bei all den Experimenten niemand vom Drehhocker. Ein Unfall, das fehlte mir gerade noch.

Unterrichtsende, Notenschluss geschafft, schnell noch zur Schulleitung, mich in der Sache mit Familie N. vergewissern, dass wir’s jetzt tatsächlich so machen wie letzte Woche besprochen, den Ausflug nächste Woche beantragen, den Hausunterricht bei E. abrechnen, die Mathekurseinteilung für’s nächste Jahr koordinieren. — Ich frage mich, wie unsere Chefs das aushalten. In diesen Tagen stürzt doch jede und jeder so wie ich zu ihnen herein und hat mal eben noch ein paar kleine Anliegen. Seit Wochen. Und noch kein Ende in Sicht. Wie schaffen die das: immer ruhig, immer kreativ in der Lösungssuche, immer zugewandt? Ein Wunder, echt …

Ich habe die Infos für die Kurseinteilung, sage ich zu K., die auf ihren Stuhl im Lehrerzimmer gesunken ist und bewegungslos dort verharrt. Zu allem dazu kommen nämlich noch die dreiunddrölfzig Grad Hitze, von denen unser Schulhaus geflutet ist. Ohne uns zu regen, sprechen wir über unsere Kurse im nächsten Jahr, und wie toll wir es beide finden, endlich wieder parallel zu unterrichten. L. setzt sich zu uns, immer auf der Suche nach Erfahrungen der Alten. (Sie formuliert es anders:)). S. fragt dies, G. erzählt jenes, A. und H. lachen laut los, W. brabbelt vor sich hin, R. schreit die Spülmaschine an, B. rennt erratisch mit ihrem Klassenbuch herum. Wir müssen ein seltsames Bild abgeben, wir dort im Lehrerzimmer.

Irgendwann kann ich mich aufraffen, finde den Weg nach Hause. Das Bett ruft mit dem Schreibtisch um die Wette und gewinnt.
Nein, es geht nichts mehr; und schnell schon gar nicht.
Den Unterricht für morgen, die Seminarsitzung, die Reisekostenabrechnung, all das bekomme ich nur im Schneckentempo hin. Oder gar nicht mehr, es bleibt ein Rest für morgen früh, den 4-Uhr-Wecker bin ich ja gewohnt.
Immerhin aber gelingt am Nachmittag doch noch der Telefonkontakt mit Frau T. Es wird ein gutes Gespräch. Obwohl ich erst so Angst davor hatte, die Dinge anzusprechen. Würde mir eine Lehrerin meines Sohnes all das sagen, ich weiß nicht, wie ich reagieren würde. Wir vereinbaren weitere Schritte, das ist viel für den Moment.

Kleine Schritte, denke ich beim Einschlafen, kleine Schritte gehen bis zum nächsten Mittwoch. Mich vortasten, bis ich ankommen darf in der Ferienruhe. Bald.

Die Freuden des weißen Wahnsinns -10

Der Tag ohne Wecker lässt mich bis kurz vor acht schlafen, immerhin. Da habe ich aber schon von Schule geträumt. Wirr und voller Dringlichkeiten, die in die letzten Ritzen des Traums gekrochen sind. So gefallen mir Träume nicht; der dicht-anstrengende Zustand der letzten Wochen zeigt Spuren.

Der Sonntag ist müde, mein Elan hat sich schon in die Ferien begeben oder hinterm Sofa verkrochen, was weiß ich. Die hohen Papierstapel des Schreibtischs starren mich an, ich starre zurück. Genaugenommen bohre ich mit meinen Blicken Löcher in die Luft und denke dabei immerzu ich-sollte, ich-müsste, ich-hätte-zu-tun.

Es wird aber nichts. Nicht so richtig jedenfalls. Der Tag gehört dem Nichtstun. Fast. Eingebettet in dieses Nichts schaue ich immerhin das Klassenbuch durch – zähle Fehltage, suche Unterschriftslücken, maile Kollegen an – und fülle den Antrag für die Genehmigung unseres Ausflugs in der letzten Woche aus. Ach ja, und zwei Nachklausuren drucke ich aus. Mehr nicht. Mehr geht heute nicht. Den Rest der Dinge verschiebe ich auf morgen früh.

Und dann sitze ich abends doch noch lange am Computer und hangele mich an Radweit-Karten, GPX-Dateien und komoot-Routenplanungen in die Vorfreude hinein.

Die Freuden des weißen Wahnsinns -11

Die Weckzeit der letzten Tage schwingt in mir nach, so sehr, dass ich auch am Samstag gegen 5 Uhr wach bin. Nicht schlimm ist das, gut eher. So kann ich sitzen und schreiben und lesen und alleinsein, all das, bevor der Tag mit seinen Forderungen mich flutet. Mit der Planungsrunde für die drei Kids, die insgesamt 9 Termine koordinieren müssen, nur an zwei verschiedenen Orten wenigstens, wir besprechen S-Bahn- und Autofahrzeiten. Mit der spontan noch eingeschobenen Wäsche, weil man die Jungs unmöglich mit ihren Konzerthemden von gestern heute wieder auf die Bühne lassen kann, so mit 14 im Sommer auf schweißtreibender Bühne in Kunstfaserhemden, Sie verstehen. Mit der Essensplanung, bei nem Fremdkind im Haus kann man ja schlecht sagen, nimm Dir ne Stulle. (Wobei, warum eigentlich nicht?)

Jedenfalls bleiben im Laufe des Vormittags nur noch zwei Stündchen für den Schreibtisch. Es reicht, um die eingesammelten Physik-Hausaufgaben durchzusehen, die Montagsstunden zu planen (vielleicht kann ich die Experimente schon nachher in der Schule aufbauen, nebenbei?), die letzten Notenentscheidungen zu treffen und mit der Liste der Zeugnisbemerkungen zu beginnen.

Am frühen Nachmittag müssen die Tochter und ich auch schon in der Schule sein. Ein riesiges Schulfest fordert riesigen Aufwand. Die Klassen sind sichtbar am Sich-Mühe-geben, und trotzdem sieht es um 15.45 noch so aus, als ob das Fest frühestens morgen veranstaltet würde.
Unsere beiden Gruppen haben eine Verlängerungsschnur vergessen und bekommen den Beamer nicht auf das richtige Format eingestellt. Die Torwand wird erst noch zusammengeschraubt, an Wechselgeld hat niemand gedacht, das Wassereis im Physikraumkühlschrank ist nur zur Hälfte gefroren. Als wir die fahrbare Einheit aus dem Computerraum holen wollen, haben die 6er mit ihren Aufbauten die Tür versperrt, es braucht ein paar Diskussionen mit den 12jährigen, bis sie diese für uns wieder freiräumen. Tische für unsere Installationen müssen wir aus dem zweiten Stock holen, der Fahrstuhl aber ist … klar, alle transportieren gerade alles auf den Schulhof.
Die ersten Eltern streichen zwischen den sich im Aufbau befindlichen Ständen herum, einige legen schnell mit Hand an, wo es besonders zeitknapp ist. Perfektion ist überbewertet, es lebe die Improvisation.
Und tatsächlich sieht es kurz nach vier so aus, wie es auf einem Schulfest eben auszusehen hat. Bunt, lebendig, selbstgestaltet und für jeden etwas dabei. Gar nicht so schlecht, denken wir im Laufe der nächsten Stunden. Richtig gut sogar, sagen die Besucher. Hach, das freut uns.
Die von einer Klasse nachgestellten alten Fotos sind großartig (habe den Fachbegriff für diese Art der Fotoreproduktion vergessen), die Bilder der 5er-Jungs und die Inbrunst, mit der sie diese erklären, auch. Tochters Klasse hat Spiele zusammengestellt und rührende Anleitungen geschrieben, die sich zu lesen lohnt, selbst wenn man das Spiel längst kennt. Die eigenen Matheschülerinnen beim engagierten Smoothie-Bereiten zu beobachten, hat was. (Und ich bekomme den letzten mit der Gurke und nächste Woche noch ein Rezeptbuch, selbstgeschrieben.) Das altrömische Essen der Sohnesklasse ist leider viel zu schnell ausverkauft, ebenso wie die selbstgefertigten Schilde und Schwerter. In den Quizrunden verliere ich erst gegen den Chemiekollegen, dann gegen die Tochter, die sich mit ihrer Religionslehrerin zusammengetan hat. Eine selbstgemachte Postkarte als Preis darf ich trotzdem auswählen, immerhin hab ich ja auch mal ne Antwort gewusst. Der Schulleiter steht mit seinen 13jährigen Schülern am Grill und wendet das Fleisch für die [NamedesDorfes]-Burger, die Tochter reiht sich geduldig in die lange Schlange ein, um einen solchen zu ergattern. An der Torwand sagt das Kind: lass lieber mich; und Recht hat sie, immerhin trifft sie einmal:) Milchshakes,  Einkaufswagenrennen und Papierschöpfen schaffen wir nicht mehr. Ein schönes Fest.

Kurz vor 8 ist alles wieder weg- und aufgeräumt, so schnell. Die Kinder spielen noch mit dem Schulorchester in der großen Veranstaltungshalle, ich komme zu spät und darf dafür in diesem Moment die Lehrerinnenrolle ablegen und den Rest des Abends als Mutter bzw. einfach als ich erleben. Gegen Mitternacht sind wir müde zu Hause. In 11 Tagen sind Ferien, ist mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen.

 

Die Freuden des weißen Wahnsinns -12

Die Projekttage werfen ihre Schatten in meinen Traum und in meine Morgengedanken. Weil ich Projekttage im Allgemeinen bzw. diese konkret nicht mag? Weil ich noch nicht absehen kann, wie wir das gestern spontan Konzipierte heute bis zum Mittag zu einem Abschluss gebracht haben werden? Weil ich es einfach anstrengend finde, am Freitag in die Schule zu gehen, wo das doch einer meiner Tage am anderen Dienstort ist und ich dessen Arbeit folglich irgendwann – wann eigentlich? – nachholen muss?
Dazu fällt der Tochter ein, dass sie heute in der Schule ihr Cello braucht – Du musst mich mit dem Auto mitnehmen! – Ich fahre aber mit dem Rad, eigentlich.
Ach Mist, steig ein, vielleicht ist Radfahren ja überbewertet.

Jedenfalls: ich komme müde, unlustig und ohne Plan in der Schule an. Was sich schlagartig ändert, als wir – dann doch ganz gut und zügig an unserer Fotopräsentation arbeitend – vom ausfallenden Schulintranet aufgeschreckt werden.
Meine erste Reaktion ist kleinkindhaft: Dann machen wir eben nix fertig, geben einfach die einzelnen Fotos ab. Bäh. Und überhaupt.
Im zweiten Schritt sehe ich zu, wie sich die Gruppen umorganisieren, ganz von allein: Lass uns alles auf den Laptop ziehen – die Sachen vom Tauschverzeichnis bearbeiten wir dann halt nochmal – ich hol schnell noch nen Laptop von zu Hause – wir können den auch morgen zur Präsentation nehmen – Mist, der Anschluss zum Beamer klappt nicht – ich geh gerade Herrn T. fragen, was mit dem anderen Schulbeamer ist – komm, wir reservieren uns diese mobile Einheit, bevor sie weg ist – benennt Ihr schonmal Eure Dateien um? – da hinten in der Flurecke ist’s dunkel, da bauen wir das morgen auf – ich kann eher kommen, das kriegen wir hin.
Aha. So geht das also. Eigentlich brauchen sie mich nicht. Ich bin beeindruckt.
Und als wir – improvisierend – fertig sind, funktioniert auch das Schulintranet wieder:)

Feierabend, um 13 Uhr schon. Der Rest des Tages ist mal privat. Radreisevorbereitungen (hach!), Wäscheberge (bäh!), Kinderdinge (zoff!).

Am Abend ein Festakt im Schuldorf, welches 1000 Jahre alt wird. Das Schulorchester spielt, meine Kinder mittendrin, natürlich gehe ich hin. Und treffe am Rand auf all die Orchestermiteltern, wir finden beim anschließenden Sektumtrunk zusammen. Das Gespräch kommt auf Schule, auf die Berlinfahrt schließlich. Wie toll alle die fanden, Kinder wie Eltern: das Konzept, das Programm, unsere Lockerheit, die Freiheiten, das Ganze halt. Hach. Das sauge ich auf.
(Eltern dürften sowas ruhig öfter sagen, auch von sich aus, auch wenn man sich nicht zufällig später irgendwo trifft. Verbale Blumensträuße tun nämlich gut. Gerade wenn man sich nun wirklich viel Mühe gibt in seinem Job. Aber wie meine Mentorin im Referendariat schon sagte: „Du bist nicht in diesem Beruf, um Blumensträuße zu bekommen.“ Wie Recht sie hatte.)

 

Die Freuden des weißen Wahnsinns -13

Ein leerer Tag, dieser erste nach dem Korrekturberg. Fast zu leer, so ungewohnt, so plötzlich neu zu füllen, so schwer dieses, als gäbe es nicht genug zu tun.

Der Morgen überrascht mich mit ungewecktem Erwachen gegen 4, um die Zeit der vergangenen Tage. Der Körper hat sich also gefügt in den Lauf der Dinge. Nun füge auch ich mich und stehe auf, obwohl noch viel Zeit wäre.
Wie war das vorher – „früher“ möchte ich fast denken – was tat ich da am stillen Morgen? So manches. Zuweilen las ich. Also lese ich auch heute. Es fühlt sich neubeschenkt an, durch Ruhemomente, die wieder ganz mir gehören.

Dabei breiten sich unmittelbar vor mir Projekttage aus, unvorbereitet, undurchdacht. Bis 7.15 weigere ich mich Gedanken hineinzuwerfen. Von da ab rattert es im Kopf. Um 7.45 sitze ich mit einem halbwegs durchführbaren Konzept vor der Klasse. Geht doch. Ich sollte öfters den Mut zu Unvorbereitetheit und Spontaneität haben … 

Das Projekt läuft, die Schülerschaft streunt durch’s Haus. Wir erstellen eine Fotodokumentation, die Aufträge sind verteilt, der Zeitplan gemacht, die Arbeit ist im Moment nicht mehr und noch nicht meine. Darum gehe ich um 10 Uhr schon wieder nach Hause, die Aufsicht liegt von nun an bei einer Kollegin. Teilzeitkräfte dürfen das manchmal, es nennt sich „teilbare Dienstgeschäfte“.

Ein fast freier Tag vor mir, ich bin müde, so müde. Widerstehe aber dem Bett und beschäftige mich endlich mit der endlosen Versicherungsgeschichte wegen unseres Wasserschadens. Ca. 347 Mails wechseln hin und her, bis alles geklärt ist und ich genervt bin.
Lieber wieder Schule machen, aufräumen nämlich. Was sonst für die Sommerferien blieb, möchte ich diesmal im laufenden Betrieb wegsortieren. Etwa ein halber Meter Papiere hat sich angesammelt. Etwa ein Drittel davon schaffe ich. Darüber vergehen sechs Stunden.
Ach, es ist so unspektakulär. Und ach, ich bin so müde …

Die Freuden des weißen Wahnsinns -14

Mein letzter extremfrüher Korrekturmorgen beginnt um 4 Uhr, ich wache um die Zeit schon fast allein auf, der Mensch gewöhnt sich an alles. Die letzte Hefterunde, go. Tatsächlich, klappt, bis 7 bin ich fertig, genauer bis 7.07, das ist knapp. Losfahrzeit, ab in die Schule. Wo ich nun vier Stunden lang die frisch rotstiftbeschrifteten Blätter zurückgebe. Für manche war es die letzte Physikarbeit im Leben, „Abwählen“ nennt man das, wenn man ein Fach in der Kursstufe nicht mehr besuchen wird. Ich habe – bei 90 Zehntklässlern – nicht im Blick, wer für’s nächste Jahr Physik 4stündig, wer 2stündig und wer eben abgewählt hat. Die meisten sagen mir das mit entschuldigendem Blick, wozu aber sich entschuldigen? Sie entscheiden für sich: welche Naturwissenschaften passen am besten zu mir, welche am besten zu dem, was ich – vielleicht – im Leben plane. Sie sind ja eigentlich noch zu jung, um schon das Leben zu planen, finde ich. Wir sprechen über dieses und jenes, das Künftige, das Gewesene, die Sorgen, die Freuden des vergangenen Schuljahres, und manchmal auch darüber, wie sich Ungerechtigkeiten veratmen lassen, wann im Leben man sich für eine neue Frisur entscheidet und ob S. mit seinen 2Metern2 nun eigentlich ausgewachsen sei oder ob da noch was komme – die Ärzte hätten gemessen: ja! -, wo man also 50er-Schuhe kaufen könne.

Meine Müdigkeit macht sich bemerkbar, in der letzten Gesprächsstunde werde ich spürbar ungeduldiger, unkonzentrierter, fahriger, frage zweimal das Gleiche, reagiere ungeschickt, als es um Strittiges geht, ach ja. Eigentlich normal zu spüren, dass ich nicht unendlich viel Kraft habe. Trotzdem grämt es mich, trotzdem möchte ich meine Sätze im Nachhinein lieber umformulieren.

Erschöpft und grübelnd stehe ich nach dem Gesprächsmarathon im Lehrerzimmer neben meinem Platz, benachbart zu dem der Lieblingskollegin. Ob sie Schokolade hätte, frage ich, mein ausgelaugter Zustand schreit laut danach. Eigentlich geht uns der Vorrat nie aus. Heute schon. Ausgerechnet in diesen Zeiten, das ist wohl auch Symptom.
Nein, Schoki ist alle“, sagt sie mitfühlend, sie sieht mir an, wie ich’s brauche. „Komm, wir machen nen Gesundheitstag“, grinst sie und zieht unter einem babylonesken Turm von Klassenarbeitsheften eine Banane heraus. „Nimm das, iss die.“ Ich tue alles, was sie sagt. Sie tut mir gut. Die Banane, und die Kollegin.
(Und für’s nächste Jahr, spintisieren wir, als ich bananenbauchgefüllt wieder zu mir komme, platzieren wir eine Obstschale auf unserem gemeinsamen Tisch. Gefüllt, versteht sich. Damit das mit dem Schokoladendauerkonsum durchbrochen wird. Aber natürlich, so werfen wir beide gleich ein, braucht die Obstschale ein Geheimfach für Schoki. Soweit der Plan für’s nächste Schuljahr.)

Bald ist’s 12 Uhr, meine Bereitschaftsstunde ist ereignislos vorübergegangen, ich konnte meine 120 Zeugnisnoten in den Computer eintippen (boah, schon, wow!) und darf nun nach Hause. So früh, ausnahmsweise. Fühlt sich verdient an. Die Gedanken an die morgigen Projekttage verdränge ich gekonnt. Ganz ehrlich, ich kann nicht mehr und will auch nicht und finde das ein geeignetes Übefeld für improvisierte Unvorbereitetheit.

Der Rest des Tages ist privater Natur. Feierabend, so könnte man es nennen. Ein Mittagsschläfchen, das erst nicht kommen will und dann, als es endlich zu mir gefunden hatte, abrupt von den aufgeregt aus ihren AGs heimkehrenden Kindern abgebrochen wird.
Machetenschläge durch den völlig brachliegenden Haushalt, Schulsachen und Bücher aufräumende Stunden mit der Tochter, Radkartenkäufe und erste Sommertourüberlegungen mit dem Sohn, Besteigung von Wäschebergen und Chaosschreibtisch, eine Latte Schriftkramdinge am Computer, Buchen von Bahntickets und Erledigung diverser Kleinigkeiten – das alles summiert sich zu einem vollen Nachmittag und Abend. Immerhin sind diese Stunden erwerbsarbeitsfrei. Darf auch mal sein:)

 

Die Freuden des weißen Wahnsinns -15

Das Tagesblogging habe ich verschleppt, beim besten Willen passte es nirgends hinein, das sagt schon alles. Ein letzter Korrekturmarathontag. Stunden zwischen Vorfreude auf das baldige Ende und resigniertem Das-schaffe-ich-bis-morgen-nie. Verdrängt am Morgen noch durch Unterricht, bei E. zu Hause und am Seminar.
Ich kann ganz wunderbar vergessen, was in den restlichen Stunden noch anstehen wird. Ich kann sogar noch lachen über mich selbst. Wie ich mich jedesmal selbst in die Vorferienanspannung hineinsteigere, wie ich das Thema Korrekturen fixiere, wie ich darüber vergesse zu leben, auch in diesen Tagen.

Nun, das gestrige Leben war in der Tat beschwerlich. Von Arbeit zu Arbeit durchwühlen, 30 halbe Stück an einem Tag schaffen, das ist schon ohne Vormittagsunterricht viel. Ich korrigiere im Seminar, immer wieder wegnickend; ich korrigiere im Auto, immer wieder wegnickend; ich korrigiere abends zu Hause, immer wieder wegnickend. Bis ich den Wecker auf die gewohnt perversfrühe Zeit stelle und mir ein paar Stunden Schlaf nehme. Immerhin schlafe ich gut, auch in diesen Zeiten. Was will ich mehr …

 

Die Freuden des weißen Wahnsinns -16

Vor vier schon ist der Wecker hellwach, ich brauche ein bisschen länger. Kaffee sei dank komme ich in Tritt, der Korrekturstift wandert von links nach rechts, der Stapel abzuarbeitender Hefte in die Gegenrichtung, kurz nach halb sieben steht die letzte Note fest. Bleibt für die Freistunden nachher nur noch, Zahlen, Datum, Kommentare drunterzuschreiben. Und natürlich Smilies zu kleben. Ich liebe Smilies. Die 16jährigen auch. Vor mir verbergen sie ihr Lächeln natürlich. Aber ihren Mamas zeigen sie es, und die erzählen es dann mir.
Jetzt packe ich erstmal ein und fahre in die Schule, da warten irgendwie noch zwei Klassen auf mich.

In beiden Klassen gebe ich eine Arbeit zurück, draußen vor der Tür, einzeln oder zu zweit kommen sie heraus. Ein paar Fragen an sie: ob sie zufrieden mit sich sind, was sich in dem Jahr verändert hat, was sie sich in der Zukunft wünschen, von mir und von sich. Ein paar Worte von mir: wie ich sie wahrnehme, was ich an ihnen bestaune, wovor ich meinen Hut ziehe. Und was ich ihnen in der Zukunft zutraue.
Ich liebe diese Gespräche, und nicht nur ich, vermutlich. So wichtig, sich ab und zu gegenüberzusitzen, innezuhalten, in die Augen zu schauen und zu reden. Man müsste mehr Zeit, weniger Klassen, weniger Schüler, weniger Unterrichtsstunden haben. So, in der Hochgeschwindigkeitsmühle eines fastvollen Deputats, schaffe ich es dreimal im Jahr, maximal. Ein winziger Tropfen für jedes einzelne Gesicht, wieviel mehr Einzelzuwendung hätten sie verdient.
Wenn ich dann aber höre, dass Physik zwei Jahre lang doof war und jetzt endlich gut geworden ist, weil dieses Formelzeugs ja doch einen Sinn ergibt und überhaupt sogar Spaß machen kann, und dass Mathe gar keine Angst mehr macht und es ja irgendwie toll ist, wie ich immer betone, dass Fragenstellen so wichtig ist – wenn ich das höre, dann weiß ich, dass sich die Arbeit des Jahres gelohnt hat. Und dass es auch mir gut tut, diese Gespräche zu führen.
Nur manche, die unter Tränen geführt werden, weil die letzte Note oder die auf dem Zeugnis zu erwartende nicht die beste oder einfach nicht die von den Eltern erwartete ist, diese Gespräche tun mir weh. Eines Tages werde ich den Mut haben, unter diese Arbeiten zu schreiben, was ich jetzt den Kindern immer nur in die Augen sage: „Sag Deinen Eltern, sie sollen nicht schimpfen. Sag ihnen, sie sollen am besten überhaupt nichts sagen. Sie sollen Dich einfach nur in den Arm nehmen. Und dann mit Dir ein Eis essen gehen. Ja, ein Eis, das ist es, was Du jetzt brauchst. Denn traurig bist Du ja schon von allein.“ Manche Kinder saugen diesen Satz gierig auf. Wer weiß, was am Nachmittag zu Hause los sein wird …

Viele Gedanken bleiben mir von diesen Gesprächsvormittagen, und viele Hachs. Und das Bedürfnis tief durchzuatmen.
Eigentlich will ich nicht zurück ins Lehrerzimmer. In diesen Tagen ist es chaotisiert vom hektischen Treiben in der schier nicht enden wollenden Mühle zwischen Noten, Gesprächen, Listen, Abrechnungen, Berichten und Fazitgedanken des alten und Planungen, Vorausschauen, Vorbereitungen des neuen Jahres. Müßig auch nur einen Bruchteil davon aufzählen zu wollen. Das To-do-Gedränge durchwabert die Wochen, man bekommt kaum Luft.
Dazu die Projekttage, unmuterzeugend, klar, da von der Gemeinde aufgepfropft und nicht passend zu uns, wir schimpfen uns durch die Vorbereitungen. Übermorgen schon, und noch kaum ein Konzept steht. Mein Co-Kollege hat mal wieder nen Zettel verbummelt, und jetzt steh ich da mit der halben Klasse und ihren nichtvorhandenen Ideen. Es lebe die Improvisation, wir schaun dann halt am Donnerstag, wie wir’s aufziehen.
Für heute trage ich, bin ich schonmal hier, die ersten Noten ein. Die Zeugniscomputer streiken aber, die Computeradministratoren bekommen es ab. Überhaupt bekommt so mancher und so manche so manches ab. wir mögen uns trotzdem. Irrlichtern flackert immer wieder Gelächter im Lehrerzimmer auf, anlasslos, scheinbar. Alle sind wir auf dem Weg zum Gaga.

Mein Nachmittag vergeht mit Schläfchen und in Langsamkeit. Ich korrigiere weiter, mühselig und schleichend. Dazwischen Vorbereitungsgedanken für morgen – Seminarsitzung und Hausunterricht. Ein Kollege ruft an und teilt mit mir Redseligkeit, als hätte er alle Zeit der Welt.
Ihm auf einem Ohr zuhörend und ja-ja-sagend, sortiere ich Wäsche, tapse durch ein wenig Haushalt, nur das Nötigste, und dann sind da ja noch die Kinder, die eigenen. Die Bewerbung für das Auslandsjahr, all die Konzerttermine, letzte Schulsachen, Geburtstagsplanungen. Und erste Ferienvorbereitungen, unwirklich noch. Mich drauf einzulassen will nicht gelingen.
Noch liegt ein letzter Klassenarbeitsstapel auf dem Tisch. Fertigzustellen bis Mittwochmorgen, ich kämpfe mich Seite um Seite voran, bis es nicht mehr geht. Als ich ins Bett kippe, ist es kurz vor zehn, wen wundert’s. Die 3.57-Weckertaste hat schon ne Delle.

 

Die Freuden des weißen Wahnsinns -17

Ein Tag ohne Wecker, trotz all der Stapel, das muss zwischendurch sein. Ich kratze ja schon am Rand des Erschöpfungslochs entlang. Ein Tag auch mit Start auf der Sommermorgenterrasse, deswegen.

Es folgen Stunden voller Korrekturbemühungen, ich bin langsam, ich schweife gedanklich ab, ich schwitze, ich mag nicht mehr. Wem sage ich das …

Viel mehr gibt es nicht zu erzählen. Höchstens noch, dass zwischendurch, am späten Nachmittag, ein halbdienstliches Erlebnis ansteht, ein Treffen mit einem pensionierten Kollegen, dem wir zu seiner Verabschiedung vor einem Jahr genau dieses spezielle Treffen schenkten. Es spricht für sich, dass wir fünfzehn fast ein Jahr brauchten, bis sich ein gemeinsamer Termin fand. Und, ehrlich, wäre der nicht festgezurrt gewesen, hätte ich abgesagt, so knapp wie gerade alles ist. Aber dennoch: Es wird gut.

Heimkehrend erst am späteren Abend, kann ich natürlich keine Korrekturbäume mehr ausreißen. Nicht mal mehr Grashalme. Ich stelle den Wecker auf 4 Uhr und falle erschöpft ins Bett. Morgen ist auch noch ein Tag. Wieder ein Korrekturmarathontag. So ist das eben derzeit.

 

Die Freuden des weißen Wahnsinns -18

Heute gibt es gar keinen weißen Wahnsinn*, jedenfalls nicht in der Schule, nicht mit festen Terminen. Einer der vielen Tage im Jahr, an denen Lehrkräfte eben „frei“ haben.

Wenn sie dazu aber noch Familie haben, stehen sie gern trotzdem früh auf, rütteln das eine oder andere Kind wach, sorgen dafür, dass alles gepackt und mitgenommen wird und begeben sich auf ein stundenlanges Abschlussfest in eine gar nicht so nahe Stadt. Ein solches Szenario ist jedenfalls denkbar:)

Nun, die Korrekturen reisen mit. Mental oder wirklich, bei mir eher letzteres. Ein Stapel, der schon Berlin und zwei ICEs besichtigt hat, fährt nun auch mit in die gar nicht so nahe Stadt. Hört mit mir die Eingangsveranstaltung und drei Vorträge an, schlendert mit mir und dem Kind in der Mittagspause durch die gar nicht so nahe Stadt, bringt mit mir das Kind wieder zu seinem Weiterfeiern, und fasst letztlich mit mir zusammen den Entschluss, den Rest der Veranstaltung zu schwänzen und statt dessen lieber ein Straßencafé aufzusuchen. Der Stapel ist mit mir, alle Zeit.

Physikkorrekturen also, erst an Kaltgetränk, dann an Heißgetränk. Im Hintergrund ein Klavier, von Passanten gespielt – eines von den vielen, die heute hier in der Fußgängerzone „Spiel mich“ sagen. Was die Menschen auch tun. Wie wunderbar.
Überhaupt muss so ein Lehrerinnensein, wie ich da gemütlich trinkend in der Halbsonne sitze und bisschen mit dem Rotstift wedele, gar wunderbar ausschauen. Toller Arbeitsplatz und so.

Den Druck, der sich in meinem Innern langsam aufbaut, sieht man wohl nicht. Wie auch.
Ja, Druck. Die Zeit wird knapp. Selten haben sich mir die Arbeiten vor der Deadline so quer gestellt. Diesmal kam die (vorauszusehende) Berlinfahrt dazu, die Projekttage, die sich wegen ihrer Konzeption unerwartet auftürmen, der überhaupt völlig unerwartete Hausunterricht und und und. Diesmal war es keine gute Entscheidung, alle 120 Arbeiten auf einmal schreiben zu lassen.
Ja, eben, wer da jetzt sagt, das hätte man doch besser verteilen können – stimmt. Vor paar Wochen hätte ich noch gekonnt. Im letzten Monat nicht mehr, da war’s festgezurrt.
Ohnehin schreibe ich lieber alles kompakt, weil ich dann – in der Regel – schneller bin. Verteile ich’s mir gleichmäßig über einen längeren Zeitraum, brauche ich länger, vertrödele mich, prokrastiniere mehr, alles wird mühseliger, so insgesamt. Ich bin eher die Auf-einmal-Schafferin. Bei Ferien ja auch. Statt die Arbeit gleichmäßig zu verteilen, arbeite ich mich lieber vor den Ferien fast in den Wahnsinn und habe dann richtig frei, zum Beispiel zum Radeln. Damit geht es mir insgesamt besser, habe ich ausprobiert.

Apropos Radeln. Lege ich alle Klausuren dieser Tage aufeinander, komme ich natürlich mitnichten einmal um den Äquator. Nicht einmal die Strecke Hamburg-München, und nicht einmal wenn ich alle zu korrigierenden Zeilen aneinanderhänge.
Ich schaffe mir trotzdem ein Radel-Bild. Wären alle 120 Arbeiten eine Radtour von Zuhause nach Berlin und zurück, dann wäre der Hinweg geschafft, letzte und vorletzte Woche schon.
Beim Rückweg bin ich kurz hinter Potsdam, denke ich abends am Schreibtisch. Weil ich am Montag um 11.15 in Eisenach sein muss, sollte ich heute bis zur Elbe kommen.
Gedacht, gesagt, angefangen. Kommen die Kinder reingetappst, beide, und brauchen mich. Gedacht „bis zur Elbe“, geschafft bis einen Millimeter hinter Potsdam. Dann war Einschlafen mit der Tochter. So ist das.
Mein Sonntag wird der Strecke nach Eisenach gewidmet sein:)

 

* Warum weißer Wahnsinn, wurde ich gefragt? Ein Freundin gebar diesen Begriff bei Twitter. Und mir gefiel er. Hier erzählte ich davon.

** Ich jammere nicht über meinen Beruf. Er ist und bleibt mein Traumberuf. Korrigieren ist wirklich die allerallerallereinzige Tätigkeit darin, die ich richtigrichtigrichtig langweilig und damit nervend, anstrengend, geisttötend und all das finde. So. Jetzt isses raus. Und mir geht’s wieder besser:)

 

Die Freuden des weißen Wahnsinns -19

Erst um acht gibt es Frühstück, vorher sitze ich – nur ich allein – in der aufgehenden Pfälzer Morgensonne unter einem knorrigen Baum. Ich schreibe, träume und bin, eine als Oase gelebte Stunde. Ohne solche wären diese Zeiten ja kaum auszuhalten.

Was soll ich vom Tag erzählen – wir tagen halt. Bei uns heißt das: viel reden, viel strukturieren, viel lachen. Viel Kaffee, selbstredend.
Als wir mitten drin sind im verzweifelten Versuch, die verschiedensten Differenzierungsmöglichkeiten in Rang, Ordnung und Übersichtlichkeit zu bringen, kommt eine Mail vom Cochef, der gestern Abend gleich wieder abgereist war und den offenbar selbiges Problem umtrieb, so sehr umtrieb, dass er all die Varianten in genialer Piktogrammform auf zwei DIN-A4-Seiten komprimiert hat, zu unserer und später allseitiger Verwendung. Wir sind beeindruckt und finden dadurch schneller zu einem Abschluss wenigstens dieser Baustelle.
Mitten hinein in die zweite – Thema Feedbackkultur – springt uns das Mittagessen. Wir üben gleich mal praktisch und äußern in der Küche unser Entzücken, verdientermaßen, muss man sagen. Hier lässt sich’s arbeiten, echt.
Aber ich will nicht mit Details langweilen: wir sprechen halt und planen und organisieren und verteilen all die To-do-Punkte unter uns, bis wir am Ende ein fertiges Konzept für das pädagogische Kollegiumswochenende im Oktober einpacken können. Puh. Es ist erst 14 Uhr, wir waren schnell.

Gut so, weil noch ein weiterer Termin wartet, jedenfalls für meine künftige Coklassenlehrerin und mich. In der Schule nämlich, Freundeskreisempfang für die baldigen 5. Klassen. Meine Vorfreude – endlich wieder die ganz Kleinen – ist ein wenig gedämpft, nach unserer Hitzestaufahrt, nach dieser Arbeitswoche, überhaupt in diesen heftigen Zeiten.
Wir kommen verschwitzt an, werden unseren künftigen Schuleltern und -kindern vorgestellt, lächeln, geben unser Bestes sympathisch zu wirken;-) und versuchen auszustrahlen, dass wir natürlich gern jetzt alle Fragen beantworten und alle Sorgen nehmen und überhaupt für Smalltalk zur Verfügung stehen. Die Coklassenlehrerin gesteht mir flüsternd, dass sie Smalltalk hasse – noch ein Punkt also, warum wir uns so gut verstehen:)

Wir bleiben tapfer. Ja, zwei blaue Hefter, wie auf der Materialliste. Nein, den Schülerplaner teilen wir erst im September aus. Aber natürlich können Sie sich noch im Herbst für die Mensa anmelden. Die Schließfächer gibt es direkt bei der Firma Astra-dingensbungens. (Mist, mir ist der Name entfallen.) Nein, den genauen Ort für’s Landheim können wir Ihnen noch nicht sagen, doch doch, alle Kinder schaffen diese Wanderung, haben Sie mal keine Sorge bitte, und ja, wir werden den Sitzplan ab und zu wechseln. Nein, wir unterrichten nicht alle Fächer in der Klasse, Ihr werdet etwa zehn verschiedene Lehrerinnen und Lehrer haben (große Augen!), ja, wir wissen, dass das an der Grundschule anders war. Chemie gibt es erst ab Klasse 8. Und nein, dieser Jahrgang wird sein Abitur nicht mit einem grafikfähigen Taschenrechner schreiben, da gab es eine neue Verordnung vom Kultusministerium. Was manche Eltern von Viertklässlern so umtreibt, wir bleiben geduldig und lächelnd.
Manche schieben ihr Kind zu uns hin, damit es uns schonmal die Hand schüttelt, nunja, immerhin beginne ich mich nun wirklich wirklich vorzufreuen, beim Blick in diese neugierig schüchternen Augen.
Der Cochef ist umringt von Elterntrauben, die unbedingt noch Änderungen in der Klassenzusammensetzung brauchen, damit ihr Kind bei uns eine Chance hat.
Hm, er erzählt uns später, dass er von 250 Wünschen zur Klasseneinteilung alle bis auf 6 berücksichtigen konnte (er ist genial, sagte ich das schon?), und trotzdem ist es offenbar nicht gut genug. Ich bewundere, wie er das aushält, wie er für die verfahrensten Situationen noch Lösungen findet – für unsere Kollegiumsbedürfnisse ja auch – und wie er die ganze Zeit mit Humor und – scheinbar – ohne Müdigkeit interagiert.

Irgendwann sind die letzten Kinder und Eltern weg, der Freundeskreis packt uns die Kuchenreste auf Teller, für zu Hause (wow, danke!, auch im Namen meiner Kinder), alle zusammen räumen wir die Mensa auf, schleppen Tische und Stühle, die kleinen Stühle alle in die hintere Ecke, ein paar Stapel Stühle in die obere Etage, die Tätigkeiten im Lehrerberuf sind gar vielfältig.

Sechs Uhr, Feierabend. Endlich nach Hause, endlich Zeit zum Korrigieren, haha. Ich bin zu müde. Biergarten und vor neun ins Bett, mein heutiges Geschenk an mich selbst.

Die Freuden des weißen Wahnsinns -20

Der Tag fühlt sich müde an, klar, es war zu wenig Schlaf, ich sollte besser für mich sorgen, will ich bis zum Ende durchhalten und gesund in die Ferien kommen. Dann irgendwann.

Sogar bei E., die ich in ihrem Zuhause unterrichte, seit sie das Krankenhaus verlassen durfte, gähne ich herum, kann ihr kaum folgen, wie sie mir ihre Lösungen erklärt. Wir lachen, weil ich so müde bin wie sonst die Schüler, und weil sie die gedanklichen Fäden heute besser in der Hand hält als ich.
Im nächsten Moment schaudert es mich, als ich mit ihrer Mutter spreche. Erstmals erzählt diese mir von den Tagen nach dem Unfall, von der ersten Zeit, und wie sie alle erst allmählich realisierten, dass der LKW nur Millimeter vom endgültigen Urteil entfernt zum Stehen gekommen war. Prioritäten, Sichten, Welten verschieben sich, ich ziehe meinen Hut vor dieser Familie, die mir jedes Mal so freundlich die Tür öffnet und sich für den Unterricht bedankt. Es ändert sich wohl alles, wenn man solches erlebt hat.

Gedankengeladen packe ich zu Hause meine Sachen für die Steuergruppentagung, wir bleiben über Nacht, tippe nebenher noch ein paar organisierende Mails und fahre in die Schule zu einem Elterngespräch.
Die Gedanken an E. sind dabei, als ich mit der anderen Mutter über die Zeugnisnote ihrer Tochter spreche, und dass das nur eine Zahl sei, die so gar nicht das Leben bedeute. Und doch, sagt die andere Mutter. Ich weiß ja, auch sie hat Recht. Zeugniszeit ist eine schwierige Zeit, irgendwie. Für viele Kinder, für viele Eltern, für uns.
Umso erfreulicher, dass das heutige Gespräch ein gutes wird, trotz der Note. Man sollte einander in die Augen schauen, wir, die LehrerInnen, und wir, die Eltern. Und dann wirklich über das Kind sprechen. Und nicht über unsere Animositäten, unsere Vorerfahrungen, unsere Weltempfindlichkeiten. Heute gelingt es, ich bin dankbar.

Zur Mittagspause steigen wir, die Steuergruppe, in ein paar Autos, fahren in die Pfalz, essen unterwegs gut, essen dort gut, tagen zwischendurch, schon in den Autos beginnend, sprechen über unser Schulentwicklungskonzept, versuchen die bevorstehende schulische Umgestaltung aus bislang nur theoretisch-gedanklichen in konkret-tatsächliche Bahnen zu lenken, es arbeitet sich gut, es formt sich etwas. Natürlich nur, weil es zuhauf Kaffee gibt. Ohne Kaffee kann so ein Lehrendenhirn vermutlich gar nicht arbeiten.

Abends steigen wir vom Berg des Tagungsheims ab in die pfälzische Kleinstadt, reden über dies und das und jenes und solches. Mit meiner Frage nach den Schulgottesdiensten treffe ich ebenso einen wunden Nerv wie mit meinem Nichtmitgehen zum Public Viewing. Letzteres erstaunt zumindest. Auf die Frage „Warum denn nicht?“ frage ich zurück „Warum denn sollte ich?“ So richtig weiß niemand eine überzeugende Antwort. Das war mir klar:)

Ich habe einen wunderbar ruhigen Abend in einem menschenleeren Gasthaus, das Städtchen verhält sich fußballruhig, die Luft vibriert vom Sommer, ich lasse mich durch die dunkelstillen Gassen treiben, liege auf einer Bank am Markt, mit Blick in den Sternenhimmel. Das Fußballspiel lässt mir viel wunderbaren Raum; es hätte ruhig auch Verlängerung geben dürfen;-)

Schließlich hole ich die KollegInnen ab, weil ich nicht allein durch den dunklen Wald zum Heim hochstapfen möchte. Das Spiel ist aus, sie schauen betreten, nun, so ist das eben, denke ich. Eine sagt: „Eigentlich waren unsere die besseren, sie hatten nur bei allen Chancen Pech.
Klingt wie „Zu Hause kann mein Kind immer alles, nur in der Arbeit dann ….“ Ich biete ihnen an, ein umsorgendes Elterngespräch mit ihnen zu führen. Sie lachen, immerhin.
Wir mögen uns ja trotzdem, sie mich, ich sie. Der Rest des Abends ist dunkle Nachtwanderung und Sitzen unter Sternenhimmel mit Nichtfußball und Nichtarbeit. Ich zeige ein paar Sternbilder, die zu kennen kann nie schaden.

Die Freuden des weißen Wahnsinns -21

Ob man jetzt, im Juli, im Sommer des Jahres, überhaupt noch lernen könne und solle, und ob es in der Schule nicht auch mit weniger und in langsamer ginge, zumal ich erschöpft wirke und bin, werde ich gefragt.
Der helle Wahnsinn sei das, antworte ich, der helle Wahnsinn immer in diesen letzten Schuljahreswochen. So wie hier dopple ich aus Versehen diesen Ausdruck binnen weniger Sätze, heller Wahnsinn im Quadrat sozusagen. Die Steigerung „weißer Wahnsinn“ wird geboren und gefällt mir so sehr, dass ich unter diesem Titel hier notieren möchte, woraus er denn besteht, dieser Alltag des Kaum-noch-Luft-holen-Könnens in den letzten Schulwochen.
Aus Mühen, aus Strapazen, aus Erschöpfung, das ist klar. Aus Freuden? Doch, ja, ich glaube, auch das. Jedenfalls wenn man ein bisschen sucht, bleibt es freudvoll, selbst in diesen Wochen. Und doch wäre diese Dichte auf Dauer kaum aushaltbar. Drum zähle ich den Countdown. In drei Wochen ist Tag 0: Schuljahresende und Ferienbeginn. So starten meine Schuljahresendprotokolle heute also mit Tag minus einundzwanzig.
(Ich bin gespannt, ob ich es schaffen werde, täglich zu schreiben. Und ob das Schreiben mir hilft, diese drei Wochen leichter zu sehen und zu tragen.)

Ein ganz normaler Schultag mit vier ganz normalen Stunden, das ist insofern bemerkenswert, als von jetzt ab eigentlich ständig alles ausfällt. Abschlussfahrten, Projekttage, Notenkonferenzen, Schulfest, Sportfest, Extradingens hier, Sondertermin da. Wann hat das angefangen, dass Schuljahresenden so zerfasern?
Drum also staune ich: vier ganz normale Physikstunden heute, oha.
Eine Klasse versorge ich mit dem letzten Thema des Schuljahres (und vor dem Abwählen des Faches:)), die andere Klasse ist meine, daher quillt es vor Orgazeugs nur so über. Für Künftiges: Mathekurswahlinformationen, Sportkursentscheidung, Kurswechselfragen. Für Baldiges: Projekttage mit Hin-und-Her-Überlegungen und noch so gar keinem Konzept von meiner Seite stehen vor der Tür, ich gebe mal eine Liste durch, das ist immer gut. Für Ständiges: warum das mit den Entschuldigungszetteln denn so schwer sei, verdammt. Und für Vergangenes: Nach der Rückkehr aus Berlin sahen wir uns noch nicht im Unterricht, wir müssen unbedingt so manches austauschen. Sie wirken begeistert, ich bin es auch. Wir kommen in ein gutes Gespräch, zuweilen brechen wir in Lachsalven aus.
Ein Schultag, an dem man nicht mit einer Klasse gemeinsam gelacht hat, ist kein guter Tag.

Das Lehrerzimmer ist spürbar von Schuljahresendgewusel geflutet. Die Projekttage wabern durch den Raum, kaum einer ist recht glücklich mit dem diesjährigen Konzept, Ahnungslose befragen andere Ahnungslose.
Klassenlehrerteams erbetteln frühe Noten, weil A, B und C die Schule wechseln wollen – klar, ich korrigier das schnell mal zwischendurch fertig;-)
Mein Co und ich erbetteln im Gegenzug ja auch Vorläufig-Noten, und im Aneinandervorbeirennen verständigen wir uns kurz, dass wir unbedingt noch die Elterngespräche wegen M, N und O führen müssen, wann auch immer wir die hineinquetschen. Zumal Eltern ja auch nicht rund um die Uhr Zeit haben. (Und gern denken, wir Faulen stellen uns nur an bei der Terminsuche.)
X, Y und Z dagegen haben sich für dies und das beworben und benötigen ein Gutachten, könntest Du mir nicht nachher mal paar Notizen geben, wie sie&er sich in Mathe macht. Hm, klar, immer gern doch.
Kollegin H bietet einen Nachschreibtermin an und wird dafür von allen geliebt. Nur ich bin zu doof zu bemerken, dass ich die K noch hätte reinsetzen müssen – vor Berlin war’s mir untergegangen – und verpasse diese bequeme Gelegenheit. Ärgerlich und naja, isso.
Die Abfahrkoordination für die Steuergruppentagung schleppt sich hin, noch immer wissen wir nicht, wer wann wo morgen mit wem fährt, wir sind dann halt spontan.
Für den Sonntagstermin ist’s nicht besser, immerhin zurre ich fest, dass ich bei B mitfahren darf und mich – Vorsatz! – hier mal um nichts weiter mehr kümmern werde.
Zwischendurch schneit die Schulleitung ins Lehrerzimmer und hängt die neuen Klassenlehrerteams für Stufe 5 ans Schwarze Brett. Weil es da am Freitag Nachmittag schon den Freundeskreisempfang gäbe – nun ja, wir sind doch mit der Steuergruppe weg, ärgerlich!, aber andererseits: Zeitliche Kollision sorgt dafür, dass ein Termin weniger im Kalender steht:)
Und dann juchzen wir uns gegenseitig zu: Ich werde mit einer Traumkollegin im Klassenlehrerteam arbeiten, lauter fantastische MathekollegInnen sind in den drei Parallelklassen. Was wollen wir mehr, wir schauen glücklich vorfreudig aufs nächste Jahr.

Der Griff in mein Fach lässt mich kurz erstarren: nur 10 von 30 Fehleranalysen der 7er liegen dort, die Klasse hatte schon bessere Quoten. Klar, die waren auch im Landheim und können nicht mehr. Dabei wollte ich’s doch als Zünglein an der Waage bei so manchen Zeugnisnoten nutzen … muss ich wohl andere Zünglein suchen. Der winzige Stapel lohnt kaum zum Nachhausetragen, ich entscheide, ihn schnell hier durchzuschauen, auf einem meiner nicht vorhandenen Arbeitsplätze im Lehrerzimmer, inmitten meines mittagessenden Kollegiums. Immerhin, niemand spritzt mir mit seinem Essen auf die Hefte.

Insgesamt bin ich sieben Stunden in der Schule: vier Unterricht, eine für die 7er-Durchsicht, der Rest ist Kommunikation.
Viel später als gedacht komme ich nach Hause, dort wartet Korrigieren, Korrigieren, Korrigieren. 90 Physikarbeiten to go. Wenn ich sie nächste Woche zurückgeben will,  muss ich in den nächsten Tagen den Turbogang einschalten. Heute läuft der auf Autopilot, ich bin begeistert von meinem Tempo und meiner Ausdauer:)
Tatsächlich schaffe ich noch vor Mitternacht den ersten von drei Stapeln fertig, mündliche und Zeugnisnoten inklusive. Geht doch.

Am Abend, in der Nacht sagt man wohl gemeinhin dazu, zähle ich meine Arbeitsstunden der bisherigen Woche zusammen, ich protokolliere sie ja seit Jahren mit, aus Gründen.
31,5. Bravo. Bei einer 80%-Stelle bin ich für die Woche sozusagen fertig und hab bis Sonntag frei. Scherzle zur Nacht.

 

im März

die Osterferien, in denen dieses Monatsende liegt, taten und tun gut:
vorher war wie immer viel liegengeblieben, und jetzt liegt ein bisschen weniger hier auf den ewigen Bergen herum, da ist sogar soviel abgearbeitet, dass der Monat mit einem Gefühl der Ruhe enden darf;
und mit der Erinnerung an kalte Tage, an ein verregnetes Ostereiersuchen auf der Terrasse (nicht im Garten, wegen der Nässe), an eine Reise nach Leipzig, bei der das Wetter sich ebenfalls wenig frühlingshaft zeigte – aber: das war alles nur im Außen, die Temperaturen, der Wind, der Regen, das ist alles nicht so wichtig; im Innen war und ist Frühling
*
in der Schule „prallvolle Vorferientage“ so schrieb ich im Februar – und so schreibe ich auch jetzt (das gilt wohl immer vor Ferien):
zwei Konferenzen, ein Tag der offenen Tür, neben diesen zentralen Terminen viele Eltern- und Schülergespräche, manchmal häuft sich das eben;
den Känguru-Wettbewerb an der Schule organisiert und durchgeführt;
für unsere Stufenfahrt der 10. Klassen nach Berlin etliche Museumsbesuche und weitere Programmpunkte organisiert und mich dabei wie eine Reiseveranstalterin gefühlt (was übrigens nicht mein Traumberuf wäre);
dazu war am anderen Dienstort vieles und noch mehr zu tun;
und neben oder bei oder über all diesem waren da lange Wochen voll inniger Gedanken an das Mädchen, an meine Schülerin, welche auf dem Heimweg von der Schule mit ihrem Fahrrad unter einen LKW gekommen ist – ein Schock, ein Ereignis zum Tiefdurchatmen, zum Hoffen und Beten, und in den letzten Tagen zum Aufatmen, weil sie es geschafft hat und sogar schon daran denken kann, dass sie in einigen Monaten wieder zu uns kommen wird …
*
berührt auf einem Abschlussabend den Filmbericht von Sohnes Südafrikareise gesehen und die jetzt, nach der Reise, sehr miteinander verbundenen Jugendlichen erlebt – hach! (und wieder mal gedacht: was für ein Glück unsere Kinder mit ihren zahlreichen Musiklehrern haben);
mit dem Sohn zum Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ nach Böblingen gefahren (also nee: natürlich mit beiden Kindern gefahren, nur hat die Tochter diesmal dort nicht gespielt) und einen tollen Preis für seine Cellopartnerin und ihn gefeiert;
ein Preisträgerkonzert und ein Kammerkonzert gehört;
und Sohns Abschied von der langjährigen besten Klavierlehrerin der Welt begangen, mit ein wenig Weh auf allen Seiten, doch der Schritt war längst fällig, der neue Lehrer wurde von ihr ausgesucht und vermittelt, vom Sohn beim Probevorspiel für „in Ordnung“ befunden (und vice versa wohl) und wird also ab nächste Woche versuchen, mit dem Sohn ebensogut zusammenzufinden wie die bisherige Lehrerin es vermochte
*
mehr als in den Vormonaten fotografiert und mich daran erfreut:)
mehr als in den Vormonaten Klavier gespielt und mich daran erfreut:)
mehr als in den Vormonaten gelesen und – man errät es leicht – mich daran erfreut:)
*
erste Male:
beim Schreiben eines Blogtextes die Diktierfunktion des Handys benutzt (als mir der Text nämlich einfiel und gerade keine Zeit mehr zum Schreiben war)

und das war’s schon mit den ersten Malen? kann ja fast nicht sein … und ist es vermutlich auch nicht …

Elternsprechtag

Diese Nachmittage sind wirkliche Herausforderungen. Als unerträglich, als regelrechten Horror habe ich sie früher empfunden, als Stunden, nach denen ich meinen Namen nicht mehr buchstabieren und mein Auto nicht mehr wiederfinden konnte. Und nach denen ich oft unangenehme Begegnungen zu  verarbeiten hatte.

Seit ein paar Jahren geht es mir besser damit. Was anders ist, weiß ich nicht genau. Natürlich bin ich im Laufe der Zeit routinierter geworden, und ruhiger. Früher war ich für alle und jeden da, habe noch eben schnell hier wie dort versucht, im Gespräch die Welt zu retten.
Wenn ich jetzt die 18 Gespräche im 180-Minuten-Fenster festgezurrt habe, und vorher oder nachher oder zwischendurch ein Kopf durch die Tür gesteckt wird, ob ich mal eben Zeit hätte, sage ich einfach nein. Wissend, dass ich sonst Kraftreserven anzapfen müsste, die ich nicht habe. (Ich verstehe nicht, wie die Kollegin mit den 28 Gesprächen das schafft. Sie ist nichtmal jünger als ich.) Und die Welt zu retten versuche ich schon lange nicht mehr.

Statt dessen höre ich mehr zu. Ich versuche so wenig wie möglich selbst zu sagen, und schon gar nicht rede ich als Erste.
Da musste ich erst drauf kommen. In meinen Anfangsjahren bereitete ich – in meiner Unerfahrenheit und Aufregung – für jedes Gespräch einen kleinen Vortrag vor. Ich übergoss die Eltern, ob sie wollten oder nicht, mit meiner Sicht auf ihr Kind. Wie oft ich dabei wohl am Gesprächsanliegen vorbeigeredet habe?
Jetzt beginne ich immer mit der Frage an die Eltern, was sie herführe, und was ich für sie tun könne. Und wenn dann nur ein „wegen meines Kindes … ich wollte mal hören …“ kommt, frage ich nach, was es, das Kind, denn zu Hause erzähle, was es beschäftige.

Dieser Zugang hat sich bewährt. In der Regel weiß ich nach zwei Minuten, ob und wo es brennt. Bleiben acht Minuten für gegenseitiges Informieren, Abgleich unserer Beobachtungen und gelegentlich sogar erste Ideen einer Problemlösung. Oh ja, weil wir weniger Zeit an Nebenschauplätzen verplaudern, sind die Gespräche viel häufiger als früher wirklich lösungsorientiert.
Was mein Wenigersprechen, mein Mehrhören aber in jedem Falle als „Ertrag“ für mich mit sich bringt, ist ein neuer Blickwinkel, eine Zwischen-den-Zeilen-Information oder einfach nur eine kurze Berührung, welche ich mitnehmen darf.

Mit C.s und M.s Müttern hätte ich aus meiner Sicht gar nicht sprechen müssen. Dabei wäre es für meine Psychohygiene gut, noch viel mehr solche Gespräche einzustreuen, in denen ich nämlich ausschließlich Staunen, Freude und Respekt über solch großartige, selbstständige und umsichtige junge Menschen mitteilen kann. Der Satz „Ihr Kind ist toll“ lässt nicht nur eine Mutter strahlen.
Diese beiden Gespräche habe ich mir übrigens an den Anfang und ans Ende gelegt. Die strahlen so nämlich auf alle dazwischenliegenden Gespräche aus.

K.s Mutter sorgt sich wegen der schriftlichen 3. Ich runzele innerlich die Stirn und versuche nach außen zu tragen, wie frei und offen, wie selbstbestimmt und glücklich ich ihre Tochter erlebe. Wie wach auch, und mit welch tiefem Verständnis der Materie. Welch Zufall dann aber immer mit hineinspielt, ob nun eine 3 oder eine 2 unter der Arbeit steht, und dass sie sich doch um diese Zahl nicht sorgen solle. Ihr „trotzdem“ kann ich nicht ganz zerstreuen – und kann nur hoffen, dass K. sich in ihrer Unbeschwertheit dem Leistungsdruck entgegenstellen kann.
Bei S. bin ich mir da nicht so sicher, und als ich die nervöse, zweifelsgeplagte, fahrige Mutter vor mir sitzen habe, verstehe ich auch ihn weit besser. Von nichts kommt nichts, und immerhin weiß ich nun, vor welchem Hintergrund er sich selbst zerknirscht. Und dass ich manche „Hebel“ wohl eher in einem weiteren Elterngespräch als am Kind allein ansetzen müsste.

O.s und G.s Eltern wollen eine feste Aussage, ob ihr Kind in der Kursstufe Physik abwählen solle; H.s Mutter möchte von mir eine Anleitung für den bevorstehenden Jahresvortrag der Tochter. Dass ich all das mit den Schülern selbst besprechen werde (oder bereits habe) und dass ich es für extrem wichtig halte, den Kindern nicht die Verantwortung in ihren eigenen Bereichen abzunehmen, wird vielleicht nicht gern gehört, aber zähneknirschend akzeptiert. Ich gebe nämlich diesbezügliche Informationen einfach nicht an die Eltern heraus:)

W.s Eltern beschweren sich massiv über Kollegen und über die damit verbundene Unglaubwürdigkeit unserer Schule; folglich hätte meine Arbeitsweise ja keinerlei Basis, und meine Einschätzung der Arbeitshaltung  der Klasse wäre eine Unverschämtheit. Upps, ich zucke kurz zusammen. (Das waren die Gespräche, die mich früher überfordert haben.)
Heute bleibe ich ruhig, verwahre mich gegen die untragbare Form der Kritik, verweise auf Aufgaben und Grenzen (!) meiner Rolle als Klassenlehrerin sowie auf die Notwendigkeit einer konstruktiven Kommunikation mit der Schulleitung. (Die Elternvertreterin hatte mir – als ob sie geahnt hätte – wenige Minuten zuvor mitgeteilt, wie passiv sich die Elternmehrheit verhalte, so dass sie keinen Kommunikations- und Vermittlungsauftrag der Klasse mehr herauslesen konnte.)
Ich schaffe es, das Gespräch dann doch noch auf meinen Physikunterricht und W. in ihm zu lenken.

L.s Eltern verlangen, dass ich gegen die Passivität und Introvertiertheit ihres Sohnes Maßnahmen ergreife. Beide sitzen vor mir zehn Minuten lang quasi ohne Blickkontakt, die Mutter scheut jede Silbe, der Vater pult während seiner äußerst langsamen Worte beständig am Heftpflaster seines Daumens herum. Hm, lege ich die beiden Bilder übereinander, sitzt eins zu eins  der L. vor mir. Bei dem Anliegen der Eltern weiß ich nun auch nicht …

F.s Pflegemutter kommt zum fünften Mal in diesem Schuljahr zu mir, wir brauchen nur fünf Minuten, tauschen kurz den Stand der Entwicklung zu Hause und bei mir auf der Schulbank aus. Diese Frau beeindruckt mich tief. Sie holt gerade mit einer Tonne voller Liebe einen jungen Menschen aus einem frühkindlichen Lebensabgrund in ein gelingendes Leben zurück. Ja, F. wächst vor unseren Augen. Im Moment reift in ihr der Satz: „Ich kann ja etwas„, das sehen wir schon. Dürfte ich diesen Satz noch aus F.s Munde hören, bevor ich sie wieder abgeben muss, wäre dies ein großes Geschenk.

Um genau diesen Satz geht es übrigens in mehreren Gesprächen, wenn auch bei keinem anderen Kind so global gemeint, sondern lokal auf mein Fach bezogen. Das Selbstbild Ich-kann-Mathe-nicht-und-werde-es-auch-nie-können ist weitverbreitet.
Während ich früher eher vom „Tropf der Nachhilfe“ abgeraten habe – weil sich viele Kinder beginnen im Unterricht zurückzulehnen, ihr eigenständiges Denken aufgeben und letztlich bis zum Abitur auf Hilfe von außen angewiesen sind – scheint mir mittlerweile wichtiger, dass manche Kinder die notwendige Unterstützung von außen bekommen, um ihr negatives Selbstbild wandeln zu können. Auf lange Sicht – so hoffe ich wenigstens – können sie vielleicht nicht unbedingt oder nicht nur in der Mathenote gewinnen, sondern in etwas viel Wichtigerem: im Selbstwertgefühl.
Genau so offen sage ich das den Eltern, wenn ich zu Nachhilfe befragt werde. Ich bin übrigens überzeugt, dass die Kinder in der Regel selbst wissen, ob ihnen diese Form der Hilfe gut tun würde, und rate deswegen immer, das Kind die Entscheidung selbst treffen zu lassen.

Eines der wichtigsten Anliegen hat O.s Mutter. Sie bekam von ihrer Tochter keine Befugnis, mir dies mitzuteilen, wir sprechen sozusagen im Geheimen, aber sie findet es extrem wichtig. Ich auch, als ich alles gehört habe.
O. ist der festen Überzeugung, ich „kann sie nicht leiden“. Sie macht es an zwei konkreten Punkten fest und lässt sich dabei seit Wochen weder von ihren älteren Geschwistern, die mich alle aus dem Unterricht kennen, noch von ihren Eltern, die mich folglich auf vielen Elternabenden erlebt haben, beirren.
Der Mutter ist es ganz unangenehm, mir die harten Aussagen der Tochter über mich mitzuteilen, aber ich bin nur dankbar. Nicht nur, weil wir kurz aufdecken können, welche Situationen O. damals missverständlich interpretiert haben könnte und woher ihr für mich unverständlich verschlossenes Gesicht rührt. Sondern vor allem, weil wir nun gemeinsam überlegen können, wie ich dieses Beziehungsmissverständnis vielleicht wieder aufzulösen schaffe. Der Satz „Deine Mutter hat mir erzählt …“ darf dabei nicht andeutungsweise fallen. Ich hoffe es gelingt trotzdem.

Am Ende des Nachmittags bin ich ganz bewegt, in wie vielfältigen Formen sich die immer gleiche Sorge um das eigene Kind äußert, wie sehr in den Blick- und Zugangsweisen all der Eltern auch immer deren eigene Schulbiographie sowie die eigenen Ängste und Nöte sichtbar werden, und wie sehr manche Kinder Kopien ihrer Eltern zu sein scheinen. Oder umgekehrt?
Und mir kommt es mehr und mehr, dass diese Gesprächsnachmittage möglicherweise für mich wichtiger sind als für die Eltern?

Jedenfalls, es sind Eindrücke genug für ein langes Ausschlaf- und Erholungswochenende. Als ich ins Lehrerzimmer komme, sinkt gerade die 28-Gespräche-Kollegin auf ihren Stuhl. Ich flachse herum, ob jetzt nicht noch wir ein Elterngespräch machen wollten. Sie ist in diesem Jahr die Deutschlehrerin meiner beiden Kinder.
Ja, müssen wir„, sagt sie, „bloß nicht mehr heute.
Ich schaue wohl irritiert, denn eigentlich wusste ich von keinerlei Problemen, und ohnehin bekomme ich in der Schule mehr als genug mit, als dass ich offizielle Elterngespräche bräuchte.
Unbedingt müssen wir reden. Deine Kinder in Deutsch – ich muss Dir so viel Tolles erzählen …
Oh.
Ja: Der Satz „Dein Kind ist toll“ lässt nicht nur die Lehrerin strahlen:)

 

Liebe Abiturienten,

natürlich war morgens die Schule verbarrikadiert, unser Parkplatz zugeparkt, laute Musik auf dem Schulhof. Gähn, nichts Neues unter der Sonne, dachte ich so.

Doch dann. Eigentlich war es sofort sichtbar. Wäre man nur ohne Vorurteil dazugekommen. Ihr tanztet da vorn, warft Konfetti (und nicht irgendein Ollzeug, Mehl oder so, von dem die Schüler sich in den Vorjahren bekleckern lassen mussten), und hattet da schon kleine witzige Aktionen vorbereitet. Die Schüler schauten ganz ungläubig. Kennen es ja nicht anders, als dass sie beim Abistreich nass und schmutzig gemacht werden, und dass es das dann war. Diesmal also weder nass noch schmutzig, und gewesen war es das noch lange nicht.

Natürlich – altbekannt – ein Parcours in die Schule hinein: über Stangen und Geröll drüber und unter Strippen und Planen hindurch klettern. Doch hier ein erstes Novum: Ihr hattet uns hinten eine Tür offen gelassen. Uns sogar drauf hingewiesen welche. Denn klar, als Lehrer hat man nur bedingt Freude daran, über Stangen und Geröll drüber und unter Strippen und Planen hindurch zu klettern. Und dabei aus dem Augenwinkel immer im Blick zu haben, dass all den kletternden Kleinen nichts passiert. Aufsichtspflicht und so. Dafür hattet diesmal ihr gesorgt: euch mustergültig an der Strecke postiert, Hilfestellungen, Sicherheitsabsperrungen, Verwarnungen für junge Regelbrecher. Sicherheitsdienste hätten ihre wahre Freude an euch gehabt.

Ein wahres Juchhu entfuhr uns, als wir das Lehrerzimmer betraten: Luftballonbällebad bis Bauchhöhe, da wird der Lehrer wieder zum Kind. Und – boah, ej (wer hat das bezahlt?) – quer über unsere Arbeitsplätze verteilt Kisten mit süßen Teilchen. Ich halte mir jetzt noch den prallen Bauch. Das war wirklich SEHR nett und liebevoll von euch! Und nicht genug: damit wir auch ausgiebig frühstücken können, habt ihr das traditionelle Schulhausrichten – alles, was ihr in der Nacht so umgeordnet habt, müssen die Schüler in detektivischer Kleinarbeit wieder zusammensammeln – in die Hand genommen. Die Kleinen angeleitet, die Stühlewanderungen durchs Haus koordiniert, beim Suchen vermissten Inventars Tipps gegeben … Ihr habt wirklich an alles gedacht. Wie oft schon waren wir Lehrer in dieser Phase höchst angenervt. Diesmal durften wir einfach nur frühstücken. Ihr habt es wirklich sehr gut mit uns gemeint!

Und wie ihr später in die Klassen gekommen seid, um den „Unterricht“ zu übernehmen. Auch dabei: sooo kooperativ. Wenn wir nicht eh schon vorher eingeweiht waren, habt ihr euch gern noch für eine Viertelstunde wegschicken lassen. Ich schreib doch nächste Woche mit den 8ern die Arbeit. Das Experiment musste noch durch. Danke, dass ihr flexibel wart. Danach habe ich gern euch an den Lehrertisch gelassen. Euer Programm für die Klassen war wohl sehr speziell und individuell für jede einzelne Klasse gestaltet. Kein Nullachtfuffzehn, haben uns die Schüler erzählt. Ich les demnächst mal nach, denn ihr habt alle Inhalte akribisch in den Klassenbüchern vermerkt. Ganz wie es sein muss in einem ordentlich dokumentierten Schulbetrieb.

Wir selbst waren, wie gesagt, ja nicht dabei, sollten ins Lehrerzimmer gehen. Das Frühstück war aufgeräumt, und es gab einen Film für uns. Nur für uns. Toll. Dass unser Beamer nicht funktionierte und wir alle vor dem winzigen Laptop hockten, dafür konntet ihr ja nichts. Wir waren auch so begeistert. Und werden von nun an bei künftigen Abistreichen immer gleich morgens die Frage stellen: „Dürfen wir Film schaun?“ Mitlesende Lehrer kennen diese Frage und ihren Tonfall. Und nein, vor „Film“ gehört keinesfalls ein Artikel.

Danach kamen leider unsere zwei „echten“ Unterrichtsstunden. Das ist immer Vereinbarung: 3. und 4. ist Unterricht, ihr dürft(et) nicht stören. Habt ihr wirklich nicht, auch dies ein Novum. Es danken vor allem jene Kollegen, die an dem Tag (leider) eine Klassenarbeit geplant hatten. Das war mir ja mal passiert, den Termin in meiner Planung völlig verpennt. Gestern haben wir uns gemeinsam erinnert: das wart nämlich IHR, mit denen mir das passiert war. Damals in der 7. Klasse. Physikarbeit über Optik. Ich weiß noch, wie ihr bibbernd, weil nassgespritzt, gleichwohl willig, da kein Mensch eine Arbeit verschieben möchte, für die er schon gelernt hat, inmitten des Abistreichgetummels emsig eure Physikarbeit geschrieben habt. Asche auf mein Haupt. Und ein Kompliment für euren damaligen Willen, Jahre später. Trotzdem habt ihr es mir gestern nicht heimgezahlt. Ihr seid eben einfach großartig.

In der 5./6. Stunde dann der Höhepunkt des Tages. Der sich in so manchen Jahren schon zum Gähnen einfallslos in die Länge gezogen hat. Oder gar ganz ausgefallen ist. Ihr aber habt eine kleine Rahmenhandlung erschaffen (mal eben die Klassensprecher entführt, damit sie freigespielt werden können) und koordiniert alle Schüler aus dem Schulhaus abgeholt. Was dann auf dem Sportplatz abging, darüber blieb uns fast der Mund offen stehen: Ihr habt sie stufenweise gesammelt und aufgestellt – so viel Disziplin ist in einer 800er-Masse selten – sie instruiert, Ruhe und Zuhören eingefordert (wir mussten grinsen: habt ihr uns imitiert, aber perfekt). Und dann ging’s los, jede Klassenstufe ihr Spiel. Nun könnte man ja meinen, Pubertierende rollen dann einfach müde mit den Augen, und das wars. Eure Spiele aber waren einfach nur Klasse. Wagenrennen, Bierpong, das Rüsselspiel, der etwas andere Staffellauf, und der adaptierte Eierlauf. Mensch, ich hatte schon vergessen, dass 11-bis-17-jährige juchzen und jubeln und kreischen und engagiert kämpfen können, ohne sich dabei peinlich zu fühlen. Wahrscheinlich haben sie sich so ungehemmt darauf eingelassen, weil ihr es ihnen vorgemacht habt. Und weil eure Spiele wirklich großartig kreativ waren. Wir Lehrer standen einfach nur kopfschüttelnd staunend, wie ihr unsere Schülerscharen zu nehmen, packen und begeistern vermochtet.

Und am meisten beeindruckt mich, dass ihr, wie es schien, ALLE beteiligt wart an dieser Aktion. Dass ihr sie gemeinschaftlich geplant und durchgeführt habt, euer ganzer Jahrgang. Und rührend, wie ihr anschließend zerknirscht euer Bedauern geäußert habt, dass beim großen Sportplatzevent keine Extrastation für die Lehrer dabeigewesen wäre, das hättet ihr irgendwie vergessen. Nee nee, war schon gut so. Ein bisschen Aufsichtspflicht mussten wir ja doch wahrnehmen (obwohl ihr auch hierbei wieder umsichtig, verantwortungsvoll und reif wart), und wir hatten wirklich Freude an den Schülerstationen. Wagenrennen und Bierpong, ich zum Beispiel.

Ehrlich: Euer Abistreich war ein Geschenk. Auf ner Skala von 1 bis 10 geb ich mal 12 Punkte. Und sage: Dass ich das noch erleben durfte. Wir engagieren euch als Coaches für die Abistreiche künftiger Jahrgänge.

Und nun geht gut ins Leben hinaus. Es ist natürlich ein bisschen schade – es war gerade so schön mit euch. Aber ihr seid eben reif. Und WIE reif ihr seid! Wir wünschen euch von Herzen, dass ihr in euer „echtes“ Leben ebenso kreativ und bunt startet, dass ihr andere Menschen ebenso begeistert und mitreisst wie gestern, dass ihr die Umsicht und Verantwortung weiterlebt, die ihr hier zum Abschied gezeigt habt, dass ihr euch verschenkt mit allem, was ihr zu geben habt. Das ist eine Menge. Ja, ihr seid für uns ein Geschenk gewesen.
Und ich wünsche euch, dass ihr in eurem Leben die Freude weiterlebt, die ihr mit uns gestern geteilt habt. Auch wenn diese im Leben zuweilen stillere Formen annehmen wird – möge sie euch nie ganz verloren gehen!

Wir werden euch vermissen. Vorher aber stoßen wir noch an, übermorgen auf dem Abiball. Auf die vier Jahre, die ich euch unterrichten durfte. Und auf die vielen Jahre, die jetzt vor euch liegen. Und sollten uns noch mehr Gründe zum Anstoßen einfallen – gern! Ich komm extra nicht mit dem Auto.

Ihr seid toll. Nur damit ihrs wisst.
Eure Frau Rebis
(die jetzt ein Tränchen im Auge hat)

Ein Freitag

Irgendwann fand ich in irgendeinem anderen Blog: Wie läuft mein ganz alltäglicher Tag ab?
Ich las mich fest in dieser und jener fremden Tagesschilderung. Und fragte mich, wie eine solche Auflistung bei mir aussehen würde. — Gestern nun bin ich mit Stift und Notizblock durch meinen Tag gezogen.
(Vorsicht: lang! Ich ahnte vorher nicht wie …)

5.55 Weckerklingeln. Etwas zu früh – ich liebe es nicht hetzen zu müssen. Bin ich wach, lese ich ein wenig, oder sitze einfach nur da, habe eine kurze Für-mich-Zeit. Im Moment bin ich zu müde, schalte den Wecker ein paarmal auf Snooze, froh, dass ich noch weiterdösen darf.
6.20 dann aber aufstehen, Kaffee holen (Zeitschaltuhr-Segen:)), ein paar Barfußschritte auf der Terrasse, kalte Winterluft spüren, Tisch decken. Und plötzlichahnend zusammenzucken … das ist doch bestimmt schiefgegangen: Ja, richtig geahnt :( – die Haare der schlafenden Tochter triefen fettig (gestern Läuseinfo aus der Grundschule, prompt bei ihr auch wieder Nissen – wie das???, also Nyda drauf, anschließend habe ich sie ganz allein mit Shampoo waschen lassen und nicht dran gedacht, dass sie das so flüchtig macht, dass es nicht reicht zum Fettauswaschen). Ich werfe sie aus dem Bett: Schnell schnell, nochmal Haare waschen – eigentlich bin ich bei meinen Kindern optisch anspruchsarm, aber sooo kann sie nicht in die Schule. Sie springt verstehend auf, flitzt unter die Dusche, ich schäume heftig (nur Shampoo:)), ziehe mich nebenher an, wecke rufend den Sohn, rubble sie trocken, hektisches Essen und Brotdosenpacken, nebenher hält immer eine von uns den Fön in die tropfnassen Haare – Zähne, Schuhe, Ranzen … puh … 7.15 alle im Auto. Stolz auf mich, dass ich nicht laut geworden bin. Und die Kinder waren toll:)

7.30 Schulparkplatz, alle drei in bester Laune: Tschüß, bis nachher, schon sind die Kinder weg.
Heute mal nichts mehr zu kopieren, entspannt ins Lehrerzimmer, nen Tee kochen und sogar dran schlürfen (Luxus!), nebenher sortieren: die Sachen für die erste Stunde in die Tasche, den Rest aufs Tischchen, Tablet hochfahren, Klassenbuch holen, Blick aufs Schwarze Brett und auf meine Vorbereitung: Wie starte ich jetzt gleich die Stunde?, mit der Kollegin Wandertagstermin abklären (oder eben nicht: Ich mail dir am Wochenende.), auf der großen Liste einen Klassenarbeitstermin umtragen, plötzlich fällt mir’s wieder ein: Oh doch, ich hab ja das Arbeitsblatt verändert, zum Glück keine Schlange am Kopierer. Und zum Glück tut er, was er soll, der Kopierer.

7.40 Es klingelt zum Reinkommen, eine Traube 8er kommt zum Protokollabgeben vors Lehrerzimmer gestürmt: Doch nicht jetzt, ich muss zum Unterricht (sie offenbar nicht?) – Ok, gebt schon her (ist ja Deadline), sie kramen gemächlich in ihren Taschen. Ich drücke einem vorbeieilenden 6er den Klassenzimmerschlüssel in die Hand, damit sie schon in den Raum können, die 8er suchen immer noch: Macht schon hin, sonst bin ich weg (sie schauen flehend) – es klingelt zum Unterricht – Also zack zack jetzt. Der Flur ist lang …

7.47 Mist, ich bin zu spät (das wird ein wiederkehrendes Thema …), sind aber erst zehn Schüler da. Upps, da ist wohl der Zug … naja … um 7.52 kommt dann der Rest. Auch die, die jetzt eigentlich im Chor sein sollten wegen der Gute-Laune-Aktion … – Ähm, was macht ihr denn hier? – Wir wollten keine ganze Mathestunde versäumen. – Doch doch, das bekommt ihr schon hin, kommt halt um neun Uhr zurück, dann besprechen wir noch das Wichtigste. Ab mit euch.
7.55 endlich Anfang, Hausaufgabenvergleich, die Schüler erklären sie sich gegenseitig, ich lausche, es ist eine Freude: Komma unter Komma, ganz einfach. – Aber wohin kommt dann die 6, die hat doch kein Komma??? Ich greife das nochmal im Klassengespräch auf. Und taste mich fragend durchs Thema: Wo ist Unklares geblieben? Stelle ein paar Denkfragen rund um die Regeln. Es läuft, es sitzt, es geht gut heute.
8.08 „Forschungshefte“ austeilen, in Gruppen die ersten Erkenntnisse zum neuen Thema abgleichen, ich freue mich wie ein kleines Kind über jeden emphatischen Achso-Ausruf. Als ich dann auch noch meinen neuen orangefarbenen Folienstift ins Spiel bringen kann, um den „Nachdenkstand“ an einem besonders sonnigen Beispiel zu skizzieren, ist meine Lehrerfreude perfekt:) So kann ich sie beruhigt in die weitere Denkarbeit entlassen.
8.21 also Schreibphase: sie zeichnen, grübeln, probieren aus, versuchen sich an Regelformulierungen. Sichtbarer Trainingseffekt der letzten Monate: inzwischen machen sie das großartig, trauen sich, Eigenes niederzuschreiben, sind konzentriert – ich könnte ihnen stundenlang zuschauen. Habe leider nebenher zu tun. Entschuldigungen abhaken, Klassenbucheintrag, Material für fehlende Schüler in Hüllen stecken, Notizen über offene Fragen eintippen, Tafelbild vorbereiten.
8.29 klopft es: der Gute-Laune-AK mit Gitarre, Chor und Süßigkeiten. Naja, die können ja nicht ahnen, dass sie mitten in unsere schöne Schreibruhe hineinplatzen. Singen, Malen, Raten, und dann gibt es Schoki für alle. Nur nicht für mich, ich ziehe eine Schnute (ich weiß ja: später im Lehrerzimmer wird in unseren Fächern auch was liegen.) Im Moment grinst Silas erstmal: Vielleicht waren die Lehrer ja nicht brav genug? Fünf andere Schüler strecken mir ihren Riegel hin: Nein nein, so habe ich meine Schnute nicht gemeint:)
8.37 der Versuch, in die vorherige Konzentration zurückzukehren, was natürlich nicht funktioniert. Zu viel Aufregung. Ohnehin sind Helen und Robert schon fertig, flüstern mir ihre Regel ins Ohr (bingo – während andere gerade noch ihr Blatt einkleben: so ist das ja immer). Schnell den beiden eine Zusatzdenkaufgabe geben, Arbeitsende für alle ankündigen, ach so: die Zeit nutzen, um Klassenarbeitshefte und „Problem des Monats“ einzusammeln.
8.46 besprechen wir an der Tafel, wie das Addieren von Brüchen denn nun geht. Wunderbar: auch die Stillen können erklären, was sie herausgefunden haben, erste Rechnungen klappen. Eintragen ins Merkheft, eigene Beispiele dazu, immer mit Zeichnung. Ich schreibe ein geeignetes Hausaufgabenpotpourri an die Tafel: Fangt schon an damit. (Was ich sonst nie mache, aber heute kommen ja noch die Chorkinder zurück, die gleich eine Extrakurzversion der Stunde brauchen.)
9.05 sitze ich mit denen also zusammen: Bruchaddition im Schnelldurchlauf, die wichtigsten gedanklichen Schritte, wo können sie Hilfe bekommen, falls etwas unklar ist. Sorgenfalten vor allem auf Karas Stirn, beruhigende Worte: Ich weiß, dass du das hinbekommst.
9.15 Klingeln, die anderen packen ein, wir am Schnelldurchlaufstisch sind noch nicht ganz fertig. Aus dem Augenwinkel sehe ich den Ordnungsdienst entfleuchen, pfeife ihn zurück, vorher schnell noch ein Foto vom Tafelbild gemacht, mit den Chorkindern alles Restliche abklären, sie zum Sport losschicken, mein Geraffel zusammenpacken.
9.19 Raum verlassen, der Flur ist wiederum lang. In Gedanken noch in der Klasse: warum Sarah schon so lange fehlt, und dass Huberts Eltern wohl die richtige Entscheidung getroffen  haben, warum Hendrik immer so auftrumpfen muss, und wie Verena, Hella und Piet in letzter Zeit aus sich herausgehen.

Zwischenstation Lehrerzimmer. Umpacken, kurzer Gruß nach rechts und links. Wie lange ich manche Kollegen nicht richtig gesehen habe. Aber jetzt erstmal: Klo oder nicht Klo? Ich muss ins Außengebäude und werde zu spät kommen. Trotzdem. Zumal dort keine Toilette ist. Also schnell.

9.25 Klingeln, und ich eile gerade erst die Treppe runter. Unten treffe ich den Differenzierungskollegen – er sei heute in 012, sagt er mir. Hä – ich dachte, du bist heute nicht da? Ich hab das jetzt gar nicht vorbereitet. Oh je, wie machen wir denn jetzt, damit’s sinnvoll wird? *grübel* Am besten, du kommst nachher rüber und holst dir die Schüler ab, bis dahin habe ich mir überlegt, was du mit denen machst. – Mist, er hatte doch wirklich gesagt … Aber die Differenzierungsstunde (eine Stunde von vier wöchentlich sind wir zu zweit in der Klasse) soll nicht einfach so verpuffen. *grübel grübel – wie konzipiere ich jetzt um?* Zum Glück ist der Weg ins Außengebäude weit, und als ich ankomme, habe ich die Stunde im Kopf umgebaut.
Die Schüler stehen natürlich noch vor der Tür, ich dämme den immerwährenden Mitteilungsdrang der 9er etwas schneller als sonst ein und fühle mich selbst ganz gehetzt, als ich – die Uhr vor Augen: in 35 Minuten kommt der Kollege – „Potenzgleichungen“ an die Tafel schreibe.
Zunächst mal Lücken Lücken Lücken, so ist das in Mathe Klasse 9. Hier mal schnell Potenzfunktionen wiederholt, dort das ewige Alles-auf-eine-Seite-bringen, Minus-mal-minus-ist-plus, Warum-ist-die-Parabel-nach-oben-geöffnet und Ja-die-p-q-Formel-musst-du-auswendig-kennen. Kunstturnen mit Dauerspagat zwischen Anspruch und Umfang des Bildungsplans und dem, was die Schüler leisten können. Ja, können. Diese hier wollen nämlich. Sie wollen so richtig. Ich fühle mich durch die Klasse reich beschenkt. Sie engagieren sich, fragen, haken nach, arbeiten selbstständig, sind einsichtig und emsig. Dass es das heutzutage noch gibt, möchte man fast sagen. Und trotzdem ist da eine Kluft. Wir rattern durch die Themen und Fragen, sie verblüffen mich heute mit ihrer Mitarbeit (aha, die Einzelgespräche zeigen Wirkung *freu*), sie sind sooo schnell und kommen mit mir zusammen außer Atem …
10.05 haben wir’s geschafft: eine Übersicht ist erstellt, warum es mal zwei, mal eine, mal keine Lösung gibt, wie man’s erkennt, wie man umstellt, wie man’s löst. Ein erster Überblick scheint vorhanden.
10.10 kommt der Differenzierungskollege, wir scrollen in meinen Vorbereitungen, überlegen schnell, wie wir in der knappen Dreiviertelstunde jetzt am besten vorgehen, wie weit wir kommen können, welche Übungen dann Hausaufgabe sind. Er fotografiert sich mein Tablet ab und rennt seiner Gruppe hinterher ins Haupthaus.
10.18 sind nur noch 15 Schüler im Raum, es wird ruhig, fast intim. Platz und Zeit, sich bei jedem mal danebenzusetzen. Sie brauchen jetzt Zeit, die Hetze der ersten Stundenhälfte setzen zu lassen. Dafür klappt es ganz gut. Viele Aufgaben, unterschiedlich schwierig. Manche bräuchten eine Eins-zu-Eins-Betreuung. (Ja, 15 ist immer noch viel, denke ich, während ich von Platz zu Platz hopse.) Zwischendurch trage ich ins Klassenbuch ein, notiere in meinen Aufzeichnungen, wie ich heute abgeändert vorgegangen bin, was in die nächste Stunde verschoben ist …
10.42 klopft der Chef, upps? Die Mutter von Stina sei da. Schreck – hoffentlich nichts Schlimmes? Nein nein, Stina habe nur einen Kliniktermin vergessen. Ich plaudere kurz mit der Mutter, wie sich die Tochter denn so mache, klar, ich kann verstehen, dass sie die Gesprächsgelegenheit nutzt, Stina packt derweil ihre Sachen zusammen – Schönes Wochenende! – und ist weg.
10.50 Welche Fragen sind offengeblieben? Viele, immer noch. Zwei Beispiele nochmal gemeinsam an der Tafel, diese Umformungen sind aber wirklich tückisch, finde ich ja selbst. Ich versuche sie zu beruhigen: Fehler sind nicht schlimm. Rechnet zu Hause, so weit ihr kommt. Bringt eure Fragen mit in die nächste Stunde.
10.57 Die andere Gruppe kommt zurück. Wie weit seid ihr gekommen? – Es passt zu unserem. Ab mit euch in die Pause. Nur mit Lara, Saskia und Kathi will ich noch kurz sprechen: dass ich sie heute erstmals im Unterricht wahrnehmen konnte, und wie toll ich das finde. Und mit Doreen: Wie beeindruckt ich bin, dass sie sich nicht entmutigen lässt. Wirklich.
11.03 kommt die Aufsicht, fast schließt sie mich ein. Ich sitze nur still am Tischlein und mache noch meine Notizen. Es ist meine 6er-Parallelkollegin, also schnell mal die Gelegenheit nutzen, dass wir uns sehen: Wie weit bist du bei den 6ern? Wie ist deine Arbeit ausgefallen?
11.07 Der lange Weg ins Haupthaus.Ich komme an, als es schon wieder zum Reingehen klingelt. Blöd, muss ich mitten im Geschubse die Treppe hoch.

Zwischenstation Lehrerzimmer. Wieder umpacken. Aus Versehen fahre ich mein Tablet runter. Gleich darauf wieder hoch. Mit Passwortvertipper, natürlich. Der 12er Parallelkollege fragt was wegen der nächsten Klausur. Stimmt, noch fünf Doppelstunden bis dahin, wir sollten uns langsam absprechen (Lass uns am Wochenende mailen.) Eine andere Mathekollegin sitzt am Tisch, schüttelt den Kopf über ihre Unterrichtssituation: Was würdest du denn machen? Kurzaustausch, nur ein paar Sätze, über Ideen, so zwischen Tür und Angel, manchmal hilft das schon. Es tut uns in dem Moment beiden gut. Auch wenn wir schon wieder zu spät kommen.
Ich nehme die restlichen 8er-Protokolle aus meinem Fach, damit ich sie nachher nicht vergesse, bemerke meinen Durst und dass die Wasserflasche in der Tasche leer ist. Auffüllen muss jetzt noch sein, auch wenn es schon wieder klingelt.

11.17 Einen Stock nach oben, der Flur ist lang. Ich bin zu spät. Eine Schülerin auch. Wir können uns gegenseitig verstehen:) und plaudern auf dem Weg zum Raum. Der 12er-Kurs ist wie immer freitags müde, ich hebele ziemlich herum, um die Grundgedanken der letzten Stunde – Hessesche Normalenform – nochmals klar herauszustellen. Im Grunde ist ihnen vieles klar, es ist nur eben Freitag letzte Stunde. Ein paar Unklarheitspünktchen sind geblieben, ich denke mir schnell zwei „Klarheitsbeschaffungsübungen“ aus und lasse sie miteinander die Hausaufgaben besprechen.
11.42 Wir sind soweit, die letzten verbleibenden Abstandssituationen anzugehen – das Anschauungsmaterial habe ich natürlich komplett in meinem Fach im Lehrerzimmer vergessen. Naja, ich habe hier Besen, Klapptafeln, Buchdeckel, Stifte, Finger und Arme – geht doch. Von letzteren leider nur zwei, daher komme ich beim Veranschaulichen irgendwann an meine Grenzen (sieht wahrscheinlich eh schon abizeitungsbeschreibungswürdig aus, wie ich da herumfuchtele). Aber ohnehin sollen die’s jetzt selbst erarbeiten.
12.02 darf ich mich hinsetzen. Wie gut ein Stuhl tut, ein einfacher Stuhl. Unterschreibe Entschuldigungsformulare, fülle das Kursheft aus, überlege, welche Gruppen ich nachher ihre Ergebnisse vorstellen lasse, schaue denen also zwischendurch über die Schulter, finde tolle Lösungswege vor und probiere schonmal aus, ob der Projektor funktioniert, das weiß man schließlich nie. Zwischendurch lausche ich den Diskussionen: dass man doch eigentlich auch Extremwerte bestimmen könnte, wenn beide Punkte auf beiden Geraden wandern. Ja, recht haben sie. Funktionen von zwei Variablen. Haben wir in der Schule leider nicht – „leider“ nur für diesen Kurs bzw. diese Schüler, die hier gerade ganz eigene gedankliche Wege gehen.
12.18 Arbeitsende, weil nun in allen Gruppen der Ideenpool erschöpft zu sein scheint. Benjamin und Willo erklären ihre Lösung, sie erfinden noch die Faust zur Veranschaulichung von Punkten:) und geben überhaupt alles. Der Kurs ist begeistert, es gibt Szenenapplaus, ich bin beeindruckt.
12.30 Weil das heute nicht mehr zu toppen ist, und weil die Denkgeschwindigeit am Freitagmittag ohnehin schon reduziert ist, plane ich schnell um und lasse ein paar neue Aspekte für kommenden Mittwoch übrig. Die Schüler sind nicht undankbar, vor allem diejenigen, die noch nicht dranwaren. Dafür lasse ich sie heute noch eine erste „echte“ Abituraufgabe lösen. Wie immer leicht unsinnig eingekleidet: Schatten von Laternenstäben auf Zelte und Abstände von Zeltstangen und Lampenschnüren – wann im Leben wird man sowas jemals berechnen??? (Die Pseudoanwendungsaufgaben im Mathematikunterricht, das wäre ein eigenes Thema …)
12.42 Ich lese die Schattenwurflänge vor, höre einige Juchzer, schreibe Hausaufgaben an und wünsche schönes Wochenende. Benjamin und Willo bekommen noch eine differenziertere Rückmeldung und strahlen. Karsten fragt, ob ich bemerke, dass er sich jetzt mehr bemühe – klar tue ich das! Und Muriel wischt wie immer die Tafel.

12.47 Ruhe. Sitzen. Trinken.
Ich räume mein Zeugs auf, mache mir Notizen zu allen Schülern, die mir heute im Laufe des Tages aufgefallen sind, in allen drei Klassen. Mündliche Noten sind ja irgendwie keine Bauchnoten. Und am Nachmittag habe ich das Wichtigste vielleicht schon wieder vergessen. Zumal: nach diesem Nachmittag. Außerdem tippe ich in meine Vorbereitungsdokumente gleich noch ein, wie ich in der nächsten Stunde weitermachen werde. Das weiß ich jetzt viel besser als in ein paar Tagen. Von außen wirke ich in dem Moment wohl wie: einsame Lehrerin, schlaff über Tisch hängend, in verlassenem Lehrerzimmer auf verlassenem Schulflur …
13.02 Ich breche Richtung Lehrerzimmer auf. Aus den anderen Klassenzimmern kommen auch noch Kollegen gekrochen. Keiner sagt mehr was. Es reicht für den Moment mit Reden.
Vor dem Lehrerzimmer sitzt schon Kind 1. Es wird ein Weilchen warten müssen. Kind 2 fehlt noch, und ich habe meinen restlichen Kruscht zu erledigen. Packe ein, was mitgeht, und aus, was hierbleibt (und entdecke zu Hause dann doch, dass ich einen dicken Ordner zuviel mitgeschleppt habe). Der Differenzierungskollege ist jetzt da, wir tauschen aus, was wir in unserer Parallelstunde gemacht haben. Mein Lieblingskollege weint über seinen 11er-Kurs: Was er mit den Null-Punkte-Schülern machen solle? Kurzer Ideenaustausch. Teetasse in die Spülmaschine, Mitteilungsfach leerräumen – die Blätter wachsen von allein nach:( – ich überfliege alles und sortiere: Tasche, Tisch, zurück ins Fach. Der Wer-kommt-mit-Pizza-essen-Ruf erschallt. In anderthalb Stunden ist Elternsprechtag. Die meisten Kollegen bleiben hier. Beneidenswert, denke ich. Mittagspause haben, das wär’s jetzt …

Draußen warten die Kinder, wir schlurfen zum Auto. (Nein, stimmt nicht: Die Kinder hüpfen. Auch das noch. Jetzt bitte keine Aktivität mehr von mir erwarten.)
13.20 Abfahrt. 13.35 Zu Hause. Der Papa hat für uns alle Pizza auf den Tisch gestellt, ohne die würde ich heute nicht … nein, jetzt kein Selbstmitleid, bitte. Solch ein Glück, für den Moment einfach nur zu sitzen und zu essen. Die Kinder reden über lineare Funktionen und über das Zählen von Buchstaben in Deutsch – hä? Wenn ich nachfrage, erzählen sie mir nie was?! Zum Glück erwartet niemand einen Redebeitrag von mir.

14.00 Ich kann entscheiden: Kurz wegnicken oder Kaffee? Ich wähle ersteres, kippe aufs Sofa und bin zu schlapp mir einen Wecker zu stellen, also habe ich Sorge einzuschlafen und raffe mich nach zehn (gefühlt zwei) Minuten wieder auf.
14.15 rufe ich durchs Haus, dass wir in fünf Minuten fahren müssen. Die Kinder packen ihre Sachen, Cello, Noten, Bücher, Handys, Fahrkarte.
14.20 sitzen wir im Auto, ab in den Musikschulnachmittag, 14.35 lasse ich sie aus dem Auto. Heute müssen sie allein dableiben: Ich lasse mein Handy eingeschaltet, du fährst mit dem 15.47-Zug – hast du einen Schlüssel? – und dich holt der Papa um fünf ab. Und ich düse zur Schule.
14.50 mit quietschenden Reifen einbiegen, natürlich kein Parkplatz frei, was kommen diese Eltern aber auch alle mit Auto …
15.00 ein besonderer Termin: ich als Mutter, das habe ich noch nie gemacht. Aber dieser eine muss sein. Ist mir so lieber als im Lehrerzimmer im Arbeitsalltag.

15.30 dann beginnen meine eigenen Termine. 15 eingeplante, sechs noch schnell dazwischengeschobene, das alles in drei Stunden. Gute Gespräche werden es, 21 mal in die Welt eines Schülers eintauchen, einvernehmlich. Ich hatte schon andere Elternsprechtage und bin ganz glücklich mit dem Verlauf des heutigen. Der Kaffee der SMV rettet mich immer wieder aus Zwischentiefs, und das Fenster muss ich, um ein Minimum an Konzentration zu bewahren, so weit geöffnet halten, dass alle Eltern in Jacken sitzen bleiben. Dafür sind die Worte warm, wenigstens.
Aber mehr erzählen mag ich davon jetzt nicht mehr. Auch noch heute fühle ich mich müde von diesem Tag.
(Apropos müde: Lese ich meine Vormittagsschilderung jetzt durch, verstehe ich endlich, warum ich nach der Schule immer müde bin. So richtig richtig müde. Elternsprechtag ist selten, aber dieser Vormittag, der ist ganz normaler Alltag. Es war noch nicht mal ein schwieriger Tag. Keine besonderen Vorkommnisse, keine Aufsicht, keine Physikexperimente in den Pausen aufgebaut, keine Schüleremotionsausbrüche, keine Tränen, keine prekären Situationen.)

Als ich gegen 19 Uhr das Schulhaus verlasse, weiß ich immerhin noch meinen Namen und wo ich das Auto geparkt habe. Den Autoschlüssel zu finden dauert dann etwas länger. Und dass man am Radioknopf kein Licht einschalten kann, das erschließt sich mir auch erst nach längerem Versuchen.
19.20 Ich bin zu Hause, die Kinder auch. Alles hat gut geklappt, sie warten aufs Abendessen. Nö, heute nicht ich, kann ich noch aus dem Sessel dahinhauchen. Sie haben Erbarmen mit mir und decken den Tisch. Nur die Sektflasche, die hole ich mir selbst aus dem Kühlschrank.
Waren es zwei Gläser, oder drei? Habe ich um acht schon geschlafen, oder erst um neun?
Der letzte Gedanke ist: Wochende, nur noch Wochenende.
Und: Noch eine Woche bis zu den Ferien …