Natur

Baumwandelweg #5

Durch ein Jahr hindurch begleite ich ein Motiv, einen Baum, seine Veränderungen und seine Konstanz mit der Kamera.  Dies ist ein Beitrag zu Zeilenendes Projekt „12 Monate“ . Dieser Baum und unsere Begegnungen erzählen eine ganz eigene Geschichte, welche in diesem Jahr weitergeschrieben werden wird.

 

 

Du lieber Baum,

so hatte ich mir das ja nicht vorgestellt. Dass ich mich so selten – nicht einmal jede Woche – zu Dir auf den Weg machen würde. Dass mir so oft die Zeit zum Tagesende doch nicht reichen würde. Dass mich, bei allem Wünschen und Wollen und Sehnen, stets andere Dinge von der kurzen Reise in Deine Welt abhalten würden.

Dabei tust Du mir gut. Unendlich gut, möchte ich emphatisch ausrufen. Von jeder kurzen Reise zu Dir komme ich beschenkt und gestärkt zurück. Ich bringe Bilder mit, die – eingebrannt in die Seele – weitertragen durch meine Tage. Ich darf mich bei Dir anlehnen – und gehe hernach leichter meine eigenen Schritte. Ich sehe Dein Ringsumher, eine Welt des Blühens, Reifens und Vergehens, und fühle mich getröstet. Alles wird leichter, wenn ich nur kurz bei Dir war.

Nun, ich bin wohl nicht besonders gut darin, gut auf mich aufzupassen. Sonst käme ich viel öfter. Vielleicht kann ich dies noch lernen. Für den Anfang aber haben wir wenigstens diese monatliche Begegnung, durch das äußere Ritual des Fotoprojekts fest vereinbart. Vor dieser fliehe nichtmal ich:)

Danke für die Geborgenheit, die Du mir gestern schenktest. Die Felddecke um Deinen Fuß hat sich nun deutlich sichtbar in die zweite Jahreshälfte aufgemacht. Kaum kam ich noch durch zu Deinem Stamm.

Doch dann sitze ich, rücklings an Dich gelehnt …

 … und schaue in all die satte Reife, die wärmenden Farben des erwachsenen Korns. Die zuweilen schmerzlich schnell verlaufende Zeit hält für einen Moment inne, nimmt mich bei der Hand und zeigt, dass es gut ist, so wie es ist. Dass Felder und Bäume eben reifen. Und Kinder auch.
Ja, der Sohn zum Beispiel. Noch nennt man ihn nicht erwachsen. Aber gemessen an dem kleinen Bündel, welches ich vor fast 16 Jahren im Arm hielt, ist er es eben doch. – Noch knapp 11 Wochen, bis er weggehen wird. Für lange, und ein bisschen schon für immer. Knapp 11 Wochen, von denen wir kaum eine Handvoll noch gemeinsam verbringen werden. Eine kleine Träne darf ich darum weinen, an Deinen Stamm gelehnt. Ich lerne die Lektion ja dennoch.

Weitergehen.
Obwohl zu Hause die Korrekturen, das Abendessen, die Wäsche, die Schulliste wartet, gehe ich weiter. Wenn auch nicht die große Runde.
Viele Spuren …

… in regelmäßigen und unregelmäßigen Schwüngen. Stimmt meine Vermutung – ich bin ja doch ein ewiges Stadtkind – dass diese Spuren schon mit der Aussaat gelegt werden, dass sie, anfangs noch unsichtbar, bereits im Boden angelegt sind, wenn das Korn noch nicht mal seine Spitzen ans Licht zu strecken beginnt?
Und ist das nicht wie mit meinem Tages-, Wochen- und Jahreslauf? Seine Richtung ist seit langem feststehend. In welchen Spuren sich mein Familien- und mein Schulleben bewegen wird, dies habe ich vor langer Zeit entschieden. Dass mein Leben und Alltagsleben damit überwältigend prall und zuweilen überfordernd gefüllt sein werden, diese Spur habe ich bewusst gesetzt.
Ich seufze. Es stimmt ja, Ihr Spuren. Ich gehe Euch. Es ist alles gut, wie es ist. Mögen da auch 120 Korrekturen auf dem Schreibtisch liegen, und die Kinderterminliste nie abreißen. Es ist gut.

Es ist gut.
Dieser Satz trägt mich nach Hause. Im goldenen Farbenrad der Felder und unter dem fallenden Abendlicht …

… wird plötzlich klein, was mich vorhin noch ganz verzagt gemacht hat.
Dass plötzlich der Kühlschrank seinen Geist aufgegeben hat und die Jahreszeit eiliges Handeln gebietet. Dass sich das Durcheinander nicht lichten will. Dass der so wichtige Kontakt holpert und im Moment durch nichts zu glätten ist. Dass sich die Versicherung schon wieder nicht meldet. Dass ich vor dem Brief sitze, Wort um Wort zusammenstolpere und doch am Ende immer alle verwerfe. Dass ich mit vielem zu spät dran bin …

Ich schaue den Himmel an, und Dich, Du Baum.
Dann werden diese Dinge klein.
So wie sie zu sein haben, weil sie es sind.

Und in mir wird es weit.
Weil es so zu sein hat?
Nein, dies ist Geschenk. Weitwerdendürfen ist Gnade.

Danke.

 

 

Meine bisherigen Baumwandelbilder finden sich oben unter Blog/Zwölf Monate.
Andere Beiträge von Zeilenendes 12-Monats-Projekt kann man hier finden.

Mittsommernacht

Es hallt in mir wider, dieses Feuer,
das mir noch vor kurzem hier bei mir, in meinem Garten, überhaupt nicht vorstellbar schien,
das – oder: dessen bergende Schale – ein wenig zufällig hierher fand,
so dass ich es gestern, als der (All)Tag voll und hitzig und bis zur Erschöpfung drückend sich seinem Ende zuneigte, entzünden konnte,
verwindend und verwandelnd das Unleichte eines Tages, der zum Entmutigen geeignet gewesen wäre, hätte ich dies zugelassen,
weil mich nämlich sehnte nach einem sanften Ausklang der Schwerigkeit, und ja – in größerem Bogen geschwungen – dieses gewachsenen hellen halben Jahres,
weil ich hineingeben wollte von meinem Gewesenen und herausziehen wollte für mein zu Werdendes,
weil das Helle – in mir, in der alles umfangenden Dämmerung, im Ahnen – sich zu verbinden trachtet mit elementarem Licht, wie die Flamme es schenkt,
weil mein irrender Blick zu sich und in mich hinein findet durch das Tänzeln der Flamme um ihre Mitte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und während sich vor meinen Augen alles zu Glut wandelt, belebt mich innerer Tanz.

In Demut.
In Dankbarkeit.
In Hingabe.

Ein Reiseblick

Meine Reise ist vorbei, und noch lange nicht vergangen.
Viele mitgebrachte Bilder sind angeblickt, und noch lange nicht durchschaut.
Ich bin wieder hier, und noch lange nicht fort von dort.

Genau vor einer Woche war es, als wir durch’s geborgenheitspendende Grün streiften, auch an diesem Hollerbusch vorbei.
Es ist nicht jener von diesen Bildern, aber es war mit ihr.

 

 

Ich schaue, mich erinnernd, in die Welt dieses guten Hollerbuschs hinein. Da ist so vieles. Ich mag gar keine Worte dafür suchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und ich mochte die Bilder auch nicht kleinstellen. Eigentlich würde ich mich gern noch tiefer hineinentdecken …

 

WmDedgT 06/2017

Ein Monatsfünfter. Die Was-machst-Du-eigentlich-den-ganzen-Tag-Reihe als Anlass, doch einen meiner Radeltage zu erzählen. Ansonsten nämlich ist dies die erste längere Radreise seit – hm, ich weiß gar nicht: jemals? – auf der ich nicht täglich blogge. Es passt diesmal nicht in meine Stimmung hinein, die mich schwerer als sonst durch die Tage gehen lässt, selbst hier unterwegs.

Aber jetzt. Also los.

Ich wache gegen sieben Uhr auf und schaue den grau-regendrohenden Himmel an. Schnell zusammenpacken, bevor das Zelt nass wird. Frühstücken kann ich später. Immer wieder erstaunlich, dass es eine Stunde braucht, bis das gesamte Geraffel verstaut ist. Vielleicht könnte diese Form des Reisens noch mehr Reduktion vertragen?

Als ich die letzte Zeltplane zusammenlege, schieben zwei vollstbepackte Radler vom Ende des Platzes vorbei. Wohin ich unterwegs sei, fragen sie, ich erzähle. Und dann erzählen sie. Auf der Rückreise einer 12-Monats-Tour durch mehrere Kontinente sind sie. Ja, stimmt, das Gepäck, die Fähnchen, die Webseite auf dem Rahmen. Ich erzähle von meinen Sabbatjahrplänen, das ist noch weite Ferne. Diese Begegnung aber ermutigt mich einmal mehr. (Er ist übrigens auch Lehrer und hangelt sich, so habe ich das verstanden, seit dem ersten Sabbatjahr von einem zum nächsten.) Schaut doch mal: http://www.diezweiunterwegs.de

Überm Plaudern wird es fast neun, wir schieben noch gemeinsam zum Kiosk, wo ich – der Himmel regnet doch wirklich gleich los – unter einem Riesenschirm meinen Kocher in Gang setze und frühstücke. Während am Nachbartisch ein Mann sein zweites Bier öffnet. Wie da gleich die Vorurteilsschublade in mir aufgeht. Wie ich beschämt zusammenzucke, als mich der Mann anspricht. Und beginnt zu erzählen, sein ganzes Lebenselend tönt durch den lächelnden Mund hindurch. Dass er morgen wieder arbeiten müsse, wie furchtbar die Arbeit sei, und wie schlechtbezahlt, und wie es doch keinen anderen Weg gäbe. Wohin ich fahren würde, fragt er. Wie das so sei, allein unterwegs. Ich erzähle. Er hört mit offensten Augen zu. Und kauft mir schließlich am Kiosk eine Flasche Wasser. Ich wehre erst ab, doch er lässt es sich nicht nehmen: Ich MÖCHTE Dir dieses Wasser kaufen und mitgeben.

Es ist zehn, als ich losfahre. Um nicht wieder die Schleife um den riesigen Platz zu nehmen, plane ich eine Abkürzung. Denkste. Monsterhaft-düstere Veranstaltungshallen und Mercedes-Benz haben die Flächen nach ihren Plänen gestaltet, und die sehen halt keine Durchradler vor. Ich irre in den gruselig menschenleeren Arealen umher, bis ich auf ein verschlauftes Straßenkreuz treffe. Ein paar Windungen noch – fast wäre ich dabei auf die Autobahn geraten – und dann habe ich endlich den Neckarweg wieder. Wenngleich den Neckar noch lange nicht. Öde ist es hier. Ein beindustrieanlagter Fluss. Dazwischen Häuschensiedlungen. Zu meiner Überraschung gibt es zuweilen Ostputz, diesen grau-bräunlichen, wenn Ihr versteht, an Häusern und Garagen. Hach, das lässt mich gleich ein wenig heimisch fühlen. In meiner Familie wird meine Ostputzgaragenfotografierobsession ja liebevoll-spöttisch belächelt. Hier kann ich ihr frönen, ohne mir Kommentare einzufangen:) Und wirklich, dieses Alte, Unvollkommene, das macht mir wirklich ein wohliges Gefühl. Als ich 1991 nach Tübingen und damit erstmals in den „Westen“ zog, nahm ich alles – Gebäude wie Menschen – als steril geleckt wahr und fühlte mich unendlich einsam. Manchmal schaue ich heute noch mit meinem damaligen Blick auf die Welt, bzw. auf deren Oberflächen … Doch ich schweife ab.

Ich durchradle also viel viel Industrie, zum Glück ist Feiertag und damit Ruhe, und auch auf dem Radweg ist es erträglich voll, denn es beginnt zu nieseln. Kein Regen, kein Nichtregen, eine Schrödingersche Unentschlossenheit dazwischen. Regenjacke an, Regenjacke aus, so wird das über mehrere Stunden gehen, genau genommen bis kurz vor dem Ziel.
Eine Brötchenpause in einem Park, die Augen müssen die grüne Insel aufsaugen, meditatives Fahren auf Holperwegen, der Weg nähert sich endlich wieder dem Fluss, und ich komme im Treten an.

Gegen zwölf bin ich in Plochingen. All die Orte längs der Strecke, die Namen, markante Gebäude, der Talanblick, dies ist mir alles noch erstaunlich vertraut. War dies doch meine häufige Zugstrecke nach Stuttgart, damals, als ich in Tübingen lebte.
Im Innern der meisten Orte war ich aber wohl nie. Hier in Plochingen jedenfalls nicht. An das Hundertwassergebäude könnte ich mich erinnern. Umlagert von bunt-grell-neongekleideten Radlergruppen ruft es mir allerdings nur ein Schnell-weiter zu. Nicht dass sich dieser Pulk noch vor mich schiebt und ich mich mit ihm verheddere. (Die Wahrscheinlichkeit aber ist klein. Größere Gruppen fahren nach meiner Erfahrung seltenst flussaufwärts.)

Der Weg biegt ab, so wie der Fluss auch, es geht nun Richtung Südwesten. Der Wind hat mitgedreht, so ist das ja immer. Dieses noch nicht erforschte steter-Gegenwind-Phänomen. Dafür wird der Weg zwischen den beiden Neckararmen naturwild und stimmungsvoll urig, das tut gut.

In Nürtingen – ist es zwei Uhr? die Uhr ist nicht so wichtig – biege ich ab und trete ins Städtchen hoch. Und finde dort Feiertagsverlassenheit und leere Straßenrestaurants vor, klar bei Niesel und diesen Temperaturen, wer mag dort sitzen. Auch mich lockt es nicht, obwohl mir sehr nach einem warmen Getränk zumute ist.

Weiter am Fluss entlang, im Nieselregen treiben, bis mich ein Badesee anlacht. Nicht zum Baden, brrr, obwohl es Mutige tun. Aber ein überdachter Imbiss, genau das suche ich. Etwas in den Magen bekommen, dazu eine Holunderschorle, ist zwar nicht warm, aber trotzdem genau das, was ich jetzt brauche. Ich sitze lange, der Seeblick ist beruhigend, es ist auch nicht mehr weit bis Tübingen. Naja, eigentlich wollte ich dort sehr früh ankommen, um alte Studentenzeitorte wiederzufinden, dieser Plan löst sich am See in Luft auf:)

Über die restliche Strecke gibt es nur noch zu sagen: Ein weites grünes Tal. Rechts und links Hügel. Eine Landschaft zum Fallenlassen, ein Ort zum Bleiben.
Mich aber treibt um, was ich am Telefon höre. Mehrmals in diesen Tagen jetzt schon, heute besonders schwierig auszuhalten, wir telefonieren einige Male. Immerhin: die Bahnverbindungen von hier nach Hause sind gut und regelmäßig, dies beruhigt uns alle. Und noch benutze ich sie nicht …

So ist es sechs Uhr geworden, als ich in Tübingen einrolle. Im Gegensatz zum Tal unterwegs scheint mir, dass ich mich an gar nichts erinnere. An GAR nichts. Wie eine noch nie betretene Welt, ich bin ganz geschockt, wie ich hier gelebt haben kann, ohne diese Innenstadt wahrzunehmen. Vielleicht waren wir ja damals wirklich nur auf studentischen Pfaden unterwegs?
Die Wilhelmstraße, klar, die ist mir dann doch nicht aus der Erinnerung verschwunden. Das Gebäude, in dem man mich wegen meines DDR-Abitur nicht einschreiben konnte oder wollte, in dem ich sechs Wochen lang den Kampf um Formalitäten führte. Die Mensa, ungemütlich-vertraut wie je. Der Park, das Studentenwerksgebäude, das Lustnauer Tor.
Mein Wohnheim, das sieht aus wie damals. Ist halt ein Vierteljahrhundert älter geworden. Durch ein offenes Fenster sehe ich: Die Regaleinrichtung der Zimmer noch wie damals, nur die Lampenschirme wurden durch modernere ersetzt. Was das Gedächtnis so festhält. Gern hätte ich noch ins Innere geschaut, aber es scheint kaum jemand daheim zu sein, niemand öffnet die Tür, dann eben nicht.
Den Weg von dort in die Stadt – ob ich den damals radelnd, zu Fuß oder mit dem Bus zurücklegte? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß auch nicht mehr, wie ich immer auf die Morgenstelle kam, zum Institut hoch. Heute zeigt mir mein Navi, dass es 150 Höhenmeter sind, ich nehme davon Abstand, am Abend noch hochzuradeln. Dafür muss ein späterer Tübingen-Besuch gut sein.
In der Altstadt erkenne ich die Gassen nicht wieder, nur einzelne Punkte flackern in der Erinnerung auf. Das Wirtshaus an der Krummen Brücke, in dem ich das erste Weizenbier meines Lebens trank. Das Eiscafé San Marco, in dem ich nur selten saß, es war zu teuer. Denn aus ebenso formalen Gründen konnte damals auch mein Bafög-Antrag über Monate nicht bearbeitet werden, wovon ich damals lebte, weiß ich gar nicht mehr, jedenfalls beantragte ich keine Sozialhilfe, wie mir die Dame auf dem Bafög-Amt ob meiner Ungeduld lapidar empfohlen hatte:)
Der Brunnen auf dem Platz. Hier war es, genau hier, ich erinnere mich. Mein erster Tag in der Stadt, in der Nacht war ich mit dem Zug aus Berlin angereist, hatte mein Wohnheimzimmer bezogen, spazierte durch meinen neuen Ort. Und begann genau hier am Brunnen spontan zu weinen. Zu einsam war ich in der neuen heilen Welt, damals 1991. Heute, die Nachrichten von zu Hause im Ohr, laufen mir auch ein paar Tränen. (In Kombination mit Sonnencreme ist dies dann auch noch in den Augen schmerzhaft, übrigens.)

Zwischendurch habe ich auf dem Campingplatz eingecheckt und aufgebaut. Der teuerste meiner Campingkarriere übrigens, meine ich. Und dann schließt dessen Tor um zehn, nicht mal langen Ausgang bekommt man:) Ich esse im Wirtshaus an der Krummen Brücke, das muss sein, und eile dann aber – mit Blick auf die zehn-Uhr-Sperre – schnell zurück. Puh, geschafft.
Ein letztes Bier am Campingplatz.

Wie und ob es die nächsten Tage radelnd weitergeht, wird sich zeigen. Erstmal bringt mir der Schlaf Beruhigung.

Noch mehr Was-machst-Du-eigentlich-den-ganzen-Tag-Einträge gibt es hier.

Pfalzradschnipsel

 

#1

Versuchen, ob vier Tage auf dem Rad reichen, die Erschöpfung vom Rücken zu nehmen. Kraftloses Lostreten.

 

 

Mich dabei zwingen, einmal nichts zu schreiben. – Der Ruhe im Kopf helfen ihr Werk zu tun.

 

 

Unfähig zu entscheiden, ob ich rechts oder links des Flusses fahren will.
Schon die kleinen Dinge überfordern mich.

 

 

Den Rhein überqueren. Schön ist er  hier nicht.

 

 

Viele Kilometer des ersten Tages als nichtgefahrene empfinden. Den Faden zu mir selbst immer wieder verlieren. Noch längst nicht da sein auf dem Rad.

 

 

Jedoch: 95 Kilometer, als wenn es kaum etwas wäre. Staunen über radelnde Kräfte. Eine Eruption des in mir Vergessenen.

 

 

 

#2

Unendlich guter Schlaf. Aus der Abendkälte in nächtliche Morgenwärme. Physikalisch-meteorologisch eher unwahrscheinlich. Es ist eh alles im Innern.

 

 

Schreiben am Weiher, mein Schreibschweigen unterliegt. Es geht nicht anders. Mein Kopf wird sonst nicht ruhig. Schlimm.

 

 

Umfahrungen suchen – für Städte und Menschenmassen. In Alleinseinstälern wird das Treten Elexier.

 

 

Höhenmeter hinaufschwitzen. Und versuchen mich dabei selbst zu verstehen.

 

 

Mich auf einer Höhenstraße wiederfinden, die Sehnsüchte weckt. Mehr als das.

 

 

Einkehr bei Freunden. Gut, das.

 

 

 

#3

Geerdet im frischen Morgengrün.

 

 

Geborgenheit in vielen Formen lesen.

 

 

Den Rückweg als Weiterfahrt begreifen, nicht als Kehrtgewendetes.

 

 

Atmen. Immer nur atmen.

 

 

Den Spiegel sehen. Den inneren vor allem.

 

 

Erfüllt sein vom Radeln, in wortlosem Leuchten.

 

 

 

#4

So früh aufwachen und aufstehen, dass ich selbst erschrecke.

 

 

Anklänge an eine andere wohlvertraute Landschaft – hier ist eine kleine Sächsische Schweiz:)

 

 

Den Pfälzer Wald nur ungern verlassen. Ein Ort zum Wiederkehren.

 

 

In der Bruthitze der Rheinebene fast ersticken, und doch immer weitertreten.

 

 

Die Bewegung in ein einfaches Weiterrollen verwandeln. Vor allem als die Kilometerzahl dreistellig wird.

 

 

Ich ahnte ja. Nur nicht in welchem Maße: Es erdet …

 

Baumwandelweg #4

Durch ein Jahr hindurch begleite ich ein Motiv, einen Baum, seine Veränderungen und seine Konstanz mit der Kamera.  Dies ist ein Beitrag zu Zeilenendes Projekt „12 Monate“ . Dieser Baum und unsere Begegnungen erzählen eine ganz eigene Geschichte, welche in diesem Jahr weitergeschrieben werden wird.

 

Mein Baum musste bis heute auf mich warten, es ist ja auch fast noch Sonntag:)
(Gestern nach nahezu 120 km Radfahren reichten weder Zeit noch Kraft für den Weg hinauf.)

 

 

Grün ist er geworden, und grün ist es rings um ihn. Kaum finde ich noch einen Weg zu seinem Stamm durch die hochgewachsenen Halme.

Heute lehne ich mich lange an. Es ist nötig.

 

 

Und ringsum blüht der Wolkenhimmel auf.

Danke, Du Baum.

 

Meine bisherigen Baumwandelbilder finden sich hier, hier und hier  – bzw. alle zusammen oben unter Blog/Zwölf Monate.
Andere Beiträge von Zeilenendes 12-Monats-Projekts kann man hier finden.

Die Musik, die wir sind

Hast du gehört, der Winter ist vorbei!
Nelken und Basilikum platzen vor Lachen.

Kaum von der Reise zurück, ist die Nachtigall schon Gesangslehrer für die Vögel.

Die Bäume überreichen Gratulationen.
Die Seele tanzt durch die Tür zum König hinauf.

Anemonen erröten, weil sie einen Blick
von der nackten Rose erhaschten.

Der einzige faire Richter, der Frühling,
breitet sich im Gerichtssaal aus.

Und ein paar Dezember-Diebe
huschen davon.

Die Wunder vom Vorjahr
sind bald Vergessenheit.

Aus Nicht-Existenz wirbeln neue Geschöpfe hervor,
Galaxion um ihre Füße verstreut. Hast du die getroffen?

Hörst du, wie in der Wiege die Jesus-Knospe summt?
Eine kleine Narzisse – Inspektor von Königreichen!

Ein Fest ist in Gang. Horch:
Es ist der Wind, der den Wein ausschenkt!

Früher versteckte die Liebe sich
hinter Bildern. Damit ist Schluss!

Der Obstgarten steckt seine Lampions auf.
In Lumpen stolpern die Toten herbei.

Nichts bleibt in Fesseln oder gefangen.
Du sagst: „Stopp dieses Gedicht hier

und wart, was als Nächstes kommt.“ Sofort.
Gedichte sind nur Gekritzel bei der Musik, die wir sind!

(Rumi)

Alltagsglück #1

Einen Dienstort in 35 km Entfernung könnte man als Anlass nutzen, um sich zu ärgern. Oder aber, um eine kleine Radtour drumherum zu bauen.

Es ist früh, als ich aufbreche, hinauf und hinab ins Tal, das zum Fluss führt.
Wie sogleich die Bluse im Wind flattert, und der Wind in der Bluse. Ich bin schon da.

 

 

Der Fluss schenkt seinen weisen Lauf und nimmt mich an die Hand, damit meine Bewegung nicht stockt. Ich rolle und rolle, an seiner Seite durch die große Stadt hindurch, auf altbekannten Pfaden ins jenseitige flache Land.

 

 

Dort dann, am Dienstort, widme ich mich meinen Aufgaben, fokussierter und klarer als häufig, während in mir stille Vorfreude auf den Rückweg blüht. Über die Hügel werde ich fahren, schließlich muss ich nicht wie vormittags in gefasster äußerer Form an einer Arbeitsstelle ankommen:)

Windjacke, Fleeceshirt und Schal auf dem Gepäckträger schmunzeln leise, während ich in Sommerhitze hinauftrete. Die Sonnencreme ruft laut von zu Hause aus, dass ich sie vergessen habe. Man wird sehen, morgen auf meiner Nase.
Heute aber, heute hier zu fahren, war meine beste Idee seit langem. Gemäß diesem hier:
Eine halbe Stunde Meditation ist absolut notwendig, ausser, wenn man sehr beschäftigt ist, dann braucht man eine ganze Stunde. (Franz von Sales)

 

 

Welch kleine feine Dörfer, die mir bisher entgangen sind. Welch Landschaft zum Verlieben. Ich frage mich, warum ich dies bisher kaum getan habe.

 

 

Lediglich, dass keine Eiscafés am Wegesrand liegen … nun ja … kurz vor dem Heimatdorf findet sich doch noch eines. Dafür, dass morgen ein prallevoller Schultag und noch nichts vorbereitet ist, sitze ich in größter Gelassenheit dort und habe die Ruhe weg. Ich wundere mich selbst.

 

Von Zeit zu Zeit die Augen öffnen für das klein-große Glück am Wegesrand …

 

12 von 12 im Mai

Vorgestern war es nun schon, dieser Zwölfte. Aber Bilder rosten ja nicht, und verfallen nicht auf der Kamera, solange man mit anderen Lebensdingen beschäftigt ist. Also dürfen sie ruhig heute noch kommen:)

 

 

Der Morgen ist regnerisch und so dunkel, dass mir Kerzen für meine Morgenstunde als stimmig erscheinen.

 

Ich schreibe einen Brief, möchte ein kleines Päckchen dazupacken und diese Steine mitschicken. Hühnergötter, von der Ostsee. Steine mit einem Loch. Man findet sie am Strand, wenn man lange sucht, und man sagt, sie bringen Glück. Dort, wo sie jetzt hinwandern werden, braucht es dieses gerade sehr dringend.

 

Draußen regnet es, meine Gartenmorgenrunde fällt kurz aus, kaum wage ich mich unter der Terrasse hervor.

Es folgt ein Schultag, bilderlos, ich trage keine Kamera mit und hätte heute auch keine Chance gehabt, kurz innezuhalten. Manche Tage sind sportlich, um es milde auszudrücken.

 

Das Wochenende beginnt mit meinem Entschluss, die Korrekturen zunächst beiseite zu legen. Am Sonntag vielleicht, spüre ich, eher geht das nicht, ich bin erschöpft, brauche jetzt erstmal Musik – ja! – und Ruhe. Und sowieso: Vorfreude, heute bekomme ich noch Besuch:)

 

Mittlerweile haben sich die morgennassen Blätter trockengeschüttelt …

 

… und das pralle Leben räkelt sich in der Sonne.

Weil es so strahlt vom Himmel, nehme ich den Weg ins Nachbardorf unter die Füße und gehe mein Fahrrad abholen.

 

Es hatte ein bisschen Reparatur nötig, damit es mich ganz bald wieder tragen kann, wohin die Unterwegsträume reichen.

 

Zurück segelt es sich ganz leicht, an den Feldern vorbei …

 

… durch ein Blütenmeer …

 

… und mit kleinen zarten Versehrtheiten am Wegesrand.

Der nun beginnende Teil des Tages bleibt ohne Bilder, obwohl die Kamera auf dem Beifahrersitz liegt, es will nicht zu einem Foto kommen. Mein Aufbruch nach Frankfurt, lieben Besuch vom Bahnhof abzuholen, ist noch pünktlich. Dann Unfallstau auf Autobahn I. Autobahnwechsel. Unfallstau auf Autobahn II. Runter auf die Landstraße. Stau auf Landstraße, denn schließlich haben alle hierher gewechselt. Ich schwitze schon ob meiner arg verspäteten Ankunft, als es aus dem Zug twittert, dass es in diesem nicht besser ausschaue. Streckenstehen vom Feinsten, Verspätung von 60 Minuten mindestens und das nicht etwa in Frankfurt. Endstation Offenbach. Freitag der Fastdreizehnte. Was haben Menschen in Nichthändiehzeiten eigentlich in Situationen wie diesen gemacht? Wir schreiben hin und her, während ich noch in Frankfurt am Bahnhof stehe und dann nach Offenbach aufbreche. Diesen Ort hätte ich nicht gebraucht- jedenfalls: sein Charme erschließt sich einem nicht auf den ersten Blick:)
Aber: nach einiger Umrundung des Bahnhofes finden und umarmen wir uns, kaufen an der Tankstelle zwei Bier (alkoholfrei;-)) für die nun etwas längere Heimfahrt, machen es uns im Auto gemütlich und erreichen den mit Lasagne gedeckten Tisch immerhin noch vor Mitternacht.

 

Wir freuen uns an Leipziger Mitbringseln …

 

… und an einem wichtigen Utensil für die nächsten Stunden.
Bis es uns – es war nach Zwei, oder? – ins Bett treibt.

 

Mehr 12 von 12 gibt es wie jeden Monat bei Draußen nur Kännchen.

Baumwandelweg #3

Durch ein Jahr hindurch begleite ich ein Motiv, einen Baum, seine Veränderungen und seine Konstanz mit der Kamera.  Dies ist ein Beitrag zu Zeilenendes Projekt „12 Monate“ . Dieser Baum und unsere Begegnungen erzählen eine ganz eigene Geschichte, welche in diesem Jahr weitergeschrieben werden wird.

Gestern zeigte sich mein Baum in grellem Tageslicht. Ein ungewohntes Bild, diese undifferenzierten Farben. Weil ich früher als sonst hier war, stand die Sonne noch sehr hoch.

Beinahe hätte ich mich in diesen Tagen ja in einer Grollschleife verfangen, oder in einem Verzagtheitstümpel, in einer unguten Mischung aus beidem. Die vergangene Woche war gefüllt mit vielfältiger Unruhe, mit Trauer, innerer Angespanntheit wegen zahlreicher dringender Dinge, auf die ich mich einfach nicht konzentrieren kann, mit wenig Schlaf, Unausgeglichenheit und Überforderung in mancherlei Hinsicht.
Und plötzlich realisiere ich, dass das halbe lange Wochenende schon vorbei ist und ich zwar etliche Kinder- und Haushaltssachen abgearbeitet, aber noch keine einzige von diesen wirklich dringenden Schulsachen angefangen habe. Und dass ich an diesem sonnigen langen Wochenende noch keinen Schritt vor die Tür gesetzt habe (bis auf den Schuh- und Klamottenkauf mit den Kindern, haha).

Stopp. Innehalten. Durchatmen. Was geschieht hier gerade? Wieso lasse ich das zu? Was kann ich für mich tun?

Wie gut, dass letzter Monatssonntag ist, dass mein Baumwandelweg eh „dran“ ist. Möglicherweise hätte ich sonst gestern wirklich nicht aus der Schleife herausgefunden. Manchmal braucht es ja äußere Hilfen zum Aussteigen aus dem inneren Ungutkarussell.

Noch bevor ich mich auf den Weg mache, folge ich einem anderen Impuls, den ich der Tochter gestern noch ausgeredet hatte. Wir bauen das Zelt auf. Mit dem festen Plan, abends dorthinein schlafenzugehen.

Dann schnalle ich die Kameratasche um, eine warme Jacke braucht es nicht, von draußen weht es warm hinein, und laufe los. Vorfreudig und viel ruhiger schon bin ich als noch eine Stunde zuvor, auch wenn es im Kopf weiterwirbelt. So viel darf ich nicht erwarten, immerhin lässt das Puckern im Herzen nach, die Beengtheit in der Brust, die Fahrigkeit der Bewegungen, all das. Ich gehe.
Ob ich viel sehe? Ich befinde mich heute sehr eingeengt in mir, blind fast. Starre viel vor mich hin. Halte ab und zu die Kamera irgendwohin.
Und doch ist das Außen da. Es umhüllt und trägt.
Mögen nun einfach Bilder sprechen.

Auf meinen Baumpfaden …

… wird es farbig und duftend.

Am Wegesrand wartet sie, die Einsame. Wie tapfer. Wie strahlend.

Zumeist aber blicke ich in die Weite. So gut tut das.

Der Frühling hat seine letzten Zeichen stehenlassen, auch wenn die Farb- und Duftwelt schon frühsommerlich wirkt.

Der Wind trägt alles zu mir und alles wieder fort.

Und irgendwann sitze ich unter meinem Baum, lehne mich an. Geborgen ist es hier. Unter diesem Dach und inmitten des Feldes.

Wieviel Nahrung mir der Weg heute geschenkt hat.

Später beginnt eine Zeltnacht, in der ich so gut wie die ganze letzte Woche nicht schlafe. Schon beim Hineinkriechen fühle ich mich am Sehnsuchtsort angekommen, passend dazu hatten heute erste Radreisepläne in meinem Kopf getanzt. Es ist nicht so kalt wie unsere Kleidungshüllen vertragen hätten. Die Tochter kuschelt sich wohlig in ihren Schlafsack, ich schaue ihr beim Einschlafen und beim Aufwachen zu. Der Morgen weckt vogelzwitschernd und später regengetröpfelnd, hach, ich sollte ins Zelt umziehen. Das wäre immerhin ein Lebenskonzept für schlechte Zeiten …

Ein paar Stunden voller Momente, die ich mir in meinen Schirmen auffange. Für spätere Zeiten, vielleicht für den morgigen Tag schon, wenn es wieder arg wird. Ich trage meine Schirmmomente jetzt mit mir.

Danke, Du Baum.

Meine bisherigen Baumwandelbilder finden sich hier und hier.
Andere Beiträge von Zeilenendes 12-Monats-Projekts kann man hier finden.

#3wegsam-Bilder-11: Auf bekannten Wegen

Ob ich es wohl schaffe, heute tatsächlich weniger Worte um die Bilder zu machen? Wie in den letzten Tagen bin ich abgrundmüde, mir ist kaum nach Sagen, und dann plaudert es doch los, sobald sich meine Erinnerungskästchen öffnen. Also mal schauen – diese Reiseerinnerungsbilderposts entstehen tatsächlich ganz spontan. Insofern weiß ich wirklich nicht, was hier in einer halben Stunde veröffentlicht werden wird:)

Das tschechische Land begrüßt mich mit einem heftigen Gewitterguss, welcher uns als bunte Radler-Wanderer-Gruppe unter einem Unterstand zusammenführt. Mit jedem pitschnassen Ankömmling wird es enger … und am Ende haben die Deutschen die wichtigsten tschechischen und die Tschechen die wichtigsten deutschen Wörter erlernt, Baby Martina ist von allen Seiten ausgiebig beknuddelt worden und beginnt das Leben in Radlerkreisen zu genießen, mit entgegenkommenden Radlern sind alle Tipps und Hinweise ausgetauscht – Zeit für Aufklarung des Himmels. Es klappt. Der Rest des Tages (und der nächsten auch, übrigens) bleibt weitgehend regenfrei.

(Aha, hier geht die Plauderei schon wieder los:))

 

Die Erinnerungsbilder von vor zwei Jahren kommen unerwartet klar hinter jeder Ecke hervor, ich kann mich an viele Wegbiegungen erinnern, selbst, wenn ich jetzt in die Gegenrichtung fahre.

Als erster Ort im neuen Land kommt Decin …

 

… dessen Schloss ich heute weitoben am Wegesrand liegenlasse.

 

Usti nad labem bleibt gleich ganz auf der anderen Flussseite, ich nutze die flinken Uferwege, die – bis auf Brückenausläufer – die Stadt großräumig umfahren.

 

Die Gestalt des Flusses wandelt sich bald in eine solche.

 

Und ich kann kaum anders als den gleichen Übernachtungsort wie damals zu wählen, …

 

… auf dem Zeltplatz bin ich so gut wie allein, hier ließe sich ruhig auch länger bleiben.

 

 

 

Am Morgen eine schnelle Stadtdurchfahrt durch Litomerice …

 

… vor erneuten Kilometern direkt am Fluss …

 

… und seinen Uferorten.

 

 

 

 

 

Melnik, so schnell schon bin ich kurz vor Prag. Dass ich die Strecke kenne, lässt sie mir unter anderem kürzer erscheinen. Ein interessantes Phänomen. (Hier zu Hause ziehen sich mir bekannte Strecken eher in die Länge. Nachgrübelstoff.)

 

Hier fließt die Moldau (rechts) in die Elbe (links). Vom Wasservolumen her, heißt es, sei die Moldau der mächtigere Fluss. Geographisch korrekt wäre es also, wenn vor kurzem in Hamburg die Moldauphilharmonie eröffnet worden wäre. Sozusagen. Aber das lässt sich wohl nicht mehr revidieren. Zumal einem das Wort „Moldauflorenz“ nicht so gut über die Lippen geht:)

 

Jedenfalls, ich verlasse die Elbe, ihre Quelle sitzt im nördlicher liegenden Riesengebirge, da will ich nicht hin. Das hellblaue e-Schild, das gleiche wie auf dem deutschen Elberadweg, tausche ich gegen das mittelblaue V. Denn Moldau heißt auf tschechisch Vltava. Warum das so ist, konnte mir noch niemand erklären. Mit einer Lautverschiebung hat es ja wohl nichts zu tun. Die von mir befragten tschechischen Menschen sind dem Rätsel auch nicht auf die Spur gekommen.
Von jetzt ab also: Vltava-Radweg Nr. 7.

 

Das erste Stauwerk folgt nach einem Kilometer, man zählt hier flussaufwärts.

 

Dieses Brückenbild hat lediglich Erinnerungswert. Schleppten wir doch damals unsere Räder samt Gepäck über dieses Brückchen; das vergisst man nicht so schnell.

 

Während ich diesmal schlauer bin und ein paar Kilometer weiter in ein verlassenes Dorf radle, um mich von dem aus seinem Haus geklingelten Fährmann über den Fluss bringen zu lassen.

 

 

 

Ein Übernachtungsort findet sich heute direkt am Fluss, …

 

… und morgens fährt mir der Schleppkahn quasi durchs Zelt.

 

 

 

Hier übrigens mal ein Lob auf die hiesigen Radwege. Die bisherigen. Später im südlichen Landesteil werden sie sich als noch ausbaufähig erweisen. Bisher aber ist es großartig. Oft sind es sehr durchdachte und radlerfreundliche Lösungen wie etwa diese Radwegquerung, die unter der Fahrbahn aufgehängt ist, so dass man nicht extra zum Fluss hinunter und wie hinaufkurbeln muss.

 

Kurz vor Prag schwächelt der Weg für eine kurze Strecke. Es sind nur 3 Kilometer, aber diese bewirken selbst beim Schieben – streckenweise weiche ich darauf aus – ein zittriges Gefühl in den Beinen. Hier auf dem Bild sieht es harmlos aus, war es aber nicht. Dichteste Ufernähe bei 2-3-Meter hoher Uferkante. Es gibt nicht umsonst eine Ausweichroute oben über den Berg. Mit Kindern sollte man diese hier nämlich unbedingt vermeiden …

 

Nun also: Prag ist in Sicht.

 

Vorher noch ein wenig Volkssport – an jedem Flussstückchen sieht man solche Wassertrainingskanäle – …

 

… bevor die Großstadt auf mich zukommt …

 

… und kurz darauf unser Hotelboot von damals.

Und hier, am Startpunkt der damaligen Reise, höre ich für heute zunächst auf.

 

Die damaligen Liveberichte dieser Tage finden sich hier, hier und hier.

 

 

#3wegsam-Bilder-10: Elblängs zur Grenze

Immer noch dreht sich hier vieles und ist noch lange nicht besänftigt. Die Tage wollen im Moment erstmal nur geschafft werden. Raum für Vertiefung suche ich vergebens, so gelingt mir auch Einkehr in Worträume kaum.
Aber mich an Bildern entlanghangeln und ein paar Gedanken hinauströpfeln lassen, das geht und tut gut. Während wohlige Erinnerungen in mir rühren und das Derzeitige sanft einbetten mit ihrem Fingerzeig auf den Fluss vom Gewesenen zum Künftigen, in welchem einzig das Jetzt, selbst das derzeitige Jetzt, die Brücke bilden kann. Ich lerne zu verstehen. Und lasse mich von meinen Bildern ein weiteres Mal forttragen.

In Dresden war ich stehengeblieben mit meinem Erzählen. Nach dem Begegnungsabend ist viel zu schnell Abschied. Jedoch: nur dann kann es neue Begegnung geben. Bald schon? In wenigen Wochen, stimmt’s?

 

Unten am Fluss blicke ich wehmütig flussabwärts. Es ist seltsam, an der einstigen Heimatstadt vorbeizufahren, ohne sie „richtig“ betreten zu haben. Natürlich war das Haus, in dem ich willkommen geheißen wurde, „richtiges“ Dresden, mehr als das. Was ich meine, sind wohl meine damaligen Orte und Kreise. Die waren allesamt im Stadtzentrum, hier flussabwärts hinter der Biege irgendwo auftauchend. Nächstes Mal werde ich nicht vorbeifahren.

 

Heute sehr wohl. Es geht nach Süden.
Nachdem ich den Fluss via Blaues Wunder gequert habe. Noch immer weiß ich nicht, ob der Name dieser Brücke irgendetwas mit der Redewendung „sein blaues Wunder erleben“ zu tun hat. Ich jedenfalls erlebe hier mein blaues Wunder – ganz wörtlich zu verstehen:) – und freue mich an der Samstagsstimmung auf Straßen und Wegen …

 

 

… und am lebendigen Uferleben, selbst wenn der eine oder andere allzu lebendige Spaziergänger mir vor’s Rad springt. Macht ja nichts, ich habe Zeit.

 

Schloss Pillnitz quert meinen Weg, und von da ab so manch bekannter Ort.

 

Bin ich doch zwei Jahre zuvor diese Strecke in umgekehrter Richtung mit dem Sohn gefahren, damals ging es von Prag an die Ostsee. Heute (und die nächsten drei Tage) fahre ich dem Damaligen entgegen und werde wehmütig. In Erinnerung an den ersten Reiseabschnitt mit ihm, nur wenige Tage ist das ja her, in Erinnerung an unser damaliges gutes Miteinandersein, und vor allem immer wieder mit dem Gedanken, dass solch gemeinsames Erleben in den nächsten Jahren immer seltener werden, je mehr er flügge wird. Damals wusste ich noch nichts Genaues von seinem Italienjahr, es war noch nicht klar, WIE nah das Weggehen sein wird, und doch spürte ich es.
Hier etwa – wie an vielen Ecken – ist er so präsent, dass ich ungläubig staune über die Detailliertheit meiner Erinnerungen. Wie uns damals scharfer Gegenwind fast zum Stehen und abwechselnd in die Verzweiflung trieb. Heute ist schon wieder Gegenwind, offenbar muss das hier so sein. Nur bin ich ruhiger und stampfe nicht mit dem Fuß auf, selbst innerlich nicht.

 

Wie wir damals an selbiger Stelle standen und den Brückentouristen ebenso wie den Kletternden zuschauten. Und ich dem Sohn erzählte von meinen Jahren in Dresden, in denen uns – dank einer wanderbesessenen Freundin – allsonntäglich der 6.37-Zug in diese Felsformationen brachte, auf dass wir atemlose Tage in ihnen erlebten.

 

Irgendwann stehe ich an einer Schranke. So ist das von Zeit zu Zeit, das war noch auf jedem Streckenabschnitt so.
Innerhalb des ohnehin schon ruhigen radelnden Unterwegsseins ist der Aufenthalt an Schranken nochmals der Inbegriff des Zur-Ruhe-kommens. Man steht dort und steht. Ohne etwas zu tun. Ohne weiterzukönnen. Ohne sich richtig in eine Pause zu begeben. Man steht eben. Einfach so. Man hat es auszustehen. Kein Wunsch, kein Wirken, kein Eingreifen. Ausharren und Sein.
Ein wahrer Zwischenzustand in der Mitte von allem, was man gemeinhin mit dem Attribut „sinnvoll“ belegt.
Augenöffnende Schranken.

 

Eine Pause nehme ich mir in Rathen, ich sitze und schaue auf den Fluss, um mich zu sammeln und mir klarzuwerden, dass ich wiederum überhaupt noch nicht weiß, wohin ich heute will. Es ist Nachmittag, und ich werde mich wohl nochmal noch ein Stückchen den Fluss entlangtreiben lassen.
(Rätselhaft immer wieder das, was nicht im Bild ist. Auf dieser menschenleeren Uferwiese sitzen nur ich und mein Fahrrad. Gähnende Weite. Eine Großfamilie mit Hund und Streit nähert sich. Und wo lassen sie sich nieder? Zwei Meter von mir entfernt. Ich verstehe das nicht. Ich verstehe es wirklich nicht.)

 

Wieder eine heftige Sohneserinnerung, ich gebe zu, heute ziehen die ein wenig im Herzen. Dort drüben, auf der anderen Seite der Fähre, unterhalb der Festung Königstein, sind wir damals eingekehrt, geschlaucht von Gegenwind, Wegsteigungen und einer morgendlichen Felswanderung, zu Fuß. Heute habe ich bis auf Gegenwind nichts von all dem gehabt. Einkehren muss ich trotzdem, sagt mir die Wehmut. Ohne Hunger, ohne Durst, aber den Ort brauche ich nochmals. Es ist ein seltsam Ding mit dem Erinnern.

 

Nun, und dann geht der Samstag in Dunkelheit über. Weil die Sonne untergeht, und weil Regenwolken aufziehen. Schnell kaufe ich noch ein, um vor den ersten Tropfen den letzten Zeltplatz auf deutscher Seite anzusteuern. Im Kirnitzschtal baue ich auf, direkt neben dem Zelt fährt eine Straßenbahn vorbei (doch doch, mitten in den Bergen:)), und pünktlich nach Kochen und Essen beginnt es zu regnen. Und wie.
Der Morgen empfängt mich voller Pfützen.

 

Das Tal in Niesel und Nebel, eng ans Haus schmiegt sich die Straßenbahn (Beweisfoto!), und ich breche auf, in Regensachen fühlt sich dieser sanfte Regen fast gemütlich an.

 

Unten im Ort, in Bad Schandau, reißt der Himmel mehr und mehr auf, ich wage mich zu setzen und ….

 

… das viele Nass auf dem Rad zu drapieren, dass es ein wenig trocknen möge.

 

Ja, tatsächlich, bis auf eine einstündige Dusche später am Tag bleibt es blauhimmelig, ich bin dankbar, weil ich das Elbtal nochmals in vollen Zügen einatmen kann, bevor es sich auf der tschechischen Seite aufweiten und einen ganz anderen Charakter bekommen wird.

 

Vor lauter Einatmen verpasse ich mehrfach die Fähre, das muss man erstmal schaffen. Und auch auf diese darf ich nur dank  besonderer Großzügigkeit. Denn – „junge Frau, können Sie nicht lesen???“ – oben am Steg stand doch ein Schild, dass man diesen nicht betreten darf, bevor nicht die Erlaubnis … naja … gleich bin ich in Tschechien, manchmal sind deutsche Regeln und Gehorsamkeit ganz schön anstrengend.

 

Auf der anderen Flussseite ist schon Grenze, das ehemalige DDR-Grenzgebäude hat nur noch Strohmannfunktion, verströmt aber rein optisch immer noch seinen geballten Uncharme, manchmal gruselt’s mich, wenn ich mich an damalige Entwürdigungsprozeduren erinnere.

 

Der erste tschechische Ort – Hrensko – auf der anderen Seite, hier übernachteten wir vor zwei Jahren.

 

Und dann ist der Fluss nur noch Fluss, wird von keinerlei Häusern mehr gesäumt …

 

… bis die Grenzsteine auftauchen. So unsichtbar können Grenzen sein. Man schiebt hinüber, und schon darf man in einem anderen Land sein. (Ich bin sehr dankbar dafür.)

 

 

Die damaligen Live-Berichte finden sich hier und hier.

Baumwandelweg #2

Durch ein Jahr hindurch werde ich ein Motiv, einen Baum, seine Veränderungen und seine Konstanz mit der Kamera begleiten.  Dies ist ein Beitrag zu Zeilenendes Projekt „12 Monate“ . Dieser Baum und unsere Begegnungen erzählen eine ganz eigene Geschichte, welche in diesem Jahr weitergeschrieben werden wird.

 

 

Heute sehe ich meinen Baum in rotem Abendlicht. Und er sieht mich in traurigem Gewand. Erschöpft und vom Weinen müde schleiche ich zu ihm und kann mich nicht dafür öffnen, was sich an und um ihn im Vergleich zum letzten Mal verändert hat.
Dabei bin ich seit meinem letzen Bild häufig hier entlang gegangen. Doch ich trage oft so viel mit mir herum, dass ich den Blick kaum auf das Außen zu richten vermag. Auch heute bin ich zu sehr in mir gefangen. Dabei täte es gut hinzuschauen. Dass die Knospen gewachsen sind im letzten Monat. Das weiß mein Kopf, mein Auge hat es nicht wahrgenommen. Dass das Feld gemäht (oder wie sagt man?) ist, bemerke ich nur dunkel, erst auf dem Foto wird es mir bewusst. Dass das rötliche Licht wärmt, auch dieses Erleben tröpfelt nur langsam in mich.

Vor allem ist mein Bedürfnis heute mich anzulehnen. So wie es unter meinen letzten Fotos in einem Kommentar steht: „An Bäumen anlehnen ist wie Handy an Akku stöpseln, nur in Mensch.“ Genau so.

Danke, Du Baum.

 

Andere Beiträge von Zeilenendes 12-Monats-Projekts kann man hier finden.

 

#3wegsam-bilder-9: Begegnungen

Schon viel habe ich gelernt auf diesem Reiseweg. Zum Beispiel, dass ich am gar nicht so frühen Nachmittag weiterfahre, ohne noch zu wissen wohin. Immer weniger brauche ich das feste (Tages)Ziel, kann ich eine gewisse Unbestimmtheit aushalten.
Hier an der Talsperre Spremberg ist schonmal Wasser, solche Plätze sind mir die liebsten. Allerdings ist es zu steril, befinde ich, und zu früh am Tage außerdem.

 

Und während ich so gedankenverloren weitertreidele, bin ich plötzlich in Sachsen.

 

Und noch überraschender: Ich bin in meinem Geburtskreis, und der liegt doch eigentlich an der östlichen Bundeslandgrenze, während ich hier im nördlichen Zipfel bin … naja, Geographie war nicht mein Lieblingsfach, und irgendwie fühlt es sich sehr heimelig an, unerwartet „zu Hause“ zu sein:)

 

Wasser findet sich auch, ein Zeltplatz in untergehender Sonne – am Horizont immer ein Kraftwerk, es ist Braunkohletagebaugegend.

 

 

 

Im morgendlichen Büro entsteht zunächst der tägliche Livebericht …

 

… bevor sich mir der Weg versperrt. Diese Furt nämlich ist im Weg. Nicht wirklich, natürlich. Ein Winzling an Furt. Aber die Schilder auf der anderen Seite weisen kilometerweit das Umkehren an, und entgegenkommende Radler berichten von Nichtpassierbarkeit und fast schon hochwasserartigen Zuständen. Nun ja, zehn Umwegkilometern und der Wahrheitsgehalt von Gerüchten und so …

 

Ein weiterer Tagebausee, Renaturierung nennt sich das Wiederherstellen der Landschaft. Auch wenn wiederum ein Kraftwerk aus der Ferne winkt und es der Landschaft etwas an Naturbelassenheit fehlt: Ich bin beeindruckt. Tatsächlich wächst und gedeiht es hier wieder.

 

Vorbei am Schloss Uhyst, welches wirkt, als ließe sich hier sehr authentisch ein Tbc-Sanatoriumsfilm drehen …

 

… und auf von der Welt verlassenen Sträßlein …

 

… komme ich irgendwann in Bautzen an.
Ein Minitwittertreffen winkt – hier im Bild der Blick von diesem auf Spree und Stadt – und erfreut mich sehr. Danke! Der Abend, die Gespräche und der Wein sind nicht auf Bildern festgehalten.

 

Der nächste Morgen bringt den Abschied vom Spree-Fluss mit sich, und viele viele Dörfer. Überall kontrastieren sich Alt und Neu, ist das Ursprüngliche mit neuer Farbe übertüncht, manchmal stehe ich verständnislosd davor, weiß ja aber, dass ich nicht im mindesten weiß, wie sich das Leben in diesen Dörfern im Wesen anfühlt.

 

Eines der Dörfer – ja, es liegt am Wegesrand, ich bin keinen Umweg gefahren – ist unsere Partnergemeinde. Huch – ich hatte das auf der Karte vorher nicht gesehen – und hach: als ich beim Dorfbäcker erwähne, woher ich komme, ist die Gastfreundschaft in Form geschenkter Kekspakete groß und fast zu voluminös für mein Fahrrad:) Ich freue mich heute noch an dieser Begegnung.

 

Und radele der nächsten entgegen.
Du Liebe, die Du  mir diesen Weg abseite der Haupttrasse empfohlen hast, leider weiß ich den Namen des Schlösschens nicht mehr (und bin jetzt, spät nachts) zu faul, dies zu recherchieren:)

 

Ich begegne einer Artgenossin …

 

… und Hügellandschaft zum Seeletanzenlassen. Was ich tue.

 

In Vorfreude zumal, dass ich gleich in Dresden erwartet werde. Und mir sogar entgegengefahren wird, hach. Ein Treffen mitten auf der Kreuzung, ein Weg durch die Dresdner Heide mit Plätzen, die Lieblingsortpotential haben, sollte ich jemals wieder in diese Stadt ziehen.

 

Für heute aber beziehe ich als Gast ein wärmendes Haus mit Speis und Trank und langen Lagerfeuer-Seelengesprächen.
Danke! Auch wenn es schon so lange her ist: Es wärmt noch immer.

 

Die Live-Berichte dieser Tage finden sich hier, hier und hier.

#3wegsam-Bilder-8: Längs der Spree

Oh, das tat gut gestern, das Blättern in den alten Bildern und Erinnerungen. So lasse ich gleich heute – nachdem der Tag mich erschöpft hat – weitere folgen.

 

Ein ruhiger Streckenabschnitt beginnt. Wieder treffe ich die Spree, sie wird jünger und jünger, bis Bautzen werde ich in ihrer Nähe bleiben. Doch zunächst verzweigt sie sich zum Spreewald, der hier seine ersten Ausläufer tastend vorausschickt …

 

… und dann die Landschaft allmählich zur Ruhe bringt.

 

 

 

 

 

Das Wasser kommt näher …

 

… bis ich das erste „Spreewaldboot“ entdecke, hach.

 

Leider ist der Lübbener Zeltplatz laut, kleiner Planungsfehler, ich hätte ja gleich in die mittige Stille der Wasserarme fahren können. So bleibt mir für morgens noch ein Stück Kanalweg …

 

… ein wenig Unruhebeobachtung  in den Stocherkahnhäfen …

 

 

… und dann bin ich allein.

 

Ich finde den idyllischsten Zeltplatz bisher. Vor lauter Einatmen-Ausatmen und seligem Seufzen vergesse ich zu fotografieren:)
Und dann ist da ein kurzzeitiger Fahrzeugwechsel, ich hatte mich darauf so hingefreut, auch dies wieder eine wärmende Erinnerung. Man treidelt so einsam durch die Wasserkanälchen, außer dem Eintauchen des Paddels (was in der Fachsprache sicher anders heißt:)), den Wasser- und Baumgeräuschen und dem eigenen Atem ist nichts zu vernehmen. Die Schleusen stören nicht durch Motorgeräusche, man bedient sie kurbelnd per Hand. Nur wenn man allein ist, kann man das Boot ja schlecht leer in der Schleusenwanne lassen. Also trägt man es einfach auf dem Landweg um die Schleuse herum. Das geht leichter als es sich anhört. Was danach allerdings weit schwerer als vermutet geht: Das Einsteigen ins Boot – ohne jeden Halt am Ufer. Nuja, ich möchte mein Eiern und Schwanken nicht von außen gesehen haben, aber nass geworden bin ich jedenfalls nicht:)

 

 

Am Morgen hat es geregnet, ich halte den tropfendnassen Zeltplatz doch noch auf einem Bild fest …

 

… und bewege mich weiter Richtung Süden. Die verschiedenen Gestalten des Weges, immer den Fluss an der Seite, Asphalt und Sand wechseln sich ab, es ist wohltuend leer …

 

 

… und ja, er kann auch bürgerlich-brav-parkartig, der Spreeradweg, wie man sieht.

 

 

Und plötzlich, in solchen Momenten merke ich immer, wie sehr ich versunken bin im Grün, steht man an so einer Ecke. Ein Schreck, weil die Welt eben doch keine bukolische ist.

 

Cottbus. (Nach)Mittagspause. Neben meinen Brötchen und Äpfeln ausgebreitet liegt die Karte, und es kreist im Kopf die Überlegung, wo ich wohl heute zelten könnte.

 
Doch davon später …

Die Live-Berichte dieser Reisetage finden sich hier, hier und hier.

#3wegsam-Bilder-7: Erinnerungen rund Berlin

Ob ich die Bilder der letzten noch bis zur nächsten Radreise sortiert haben werde???
Das gegenwärtige Leben ist allzu prall gefüllt, immer wieder lasse ich den nächsten Bilderordner „für morgen“ liegen, wie das so ist.

Nun aber, da hier ringsum soviel Unschreibbares geschieht, wo ich in den Gegenwartsdingen schwer ins Innehalten finde, nehme ich mir für einen Abend das Versenken in vergangene Reisetage als Ruhepol.

Das letzte Mal über diese Reise erzählte ich hier. Dort schrieb ich auch, wie dicht hier die Erinnerungen am Wegrand lagern und wieviel verschlossene Erinnerungskammern sich plötzlich öffnen. Dies ist mit der Stadtgrenze Berlins mitnichten vorbei, im Gegenteil.

Bahnhof Fangschleuse. Der Name lässt Glocken in mir klingen, der Blick auf die Karte verrät, dass ich es richtig erinnere. Mönchwinkel und der Störitzsee, häufiger Kindheitswochenendverbringort …

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… ich muss dorthin, unbedingt. Ein Pfad durch den Wald lässt mich den See finden. Und ja, er ist’s:) Auch wenn ein Jugendcamp das gewohnte Ufer belegt und der Blickwinkel ein anderer ist, ich sitze an genau diesem See …

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… und fahre durch genau diesen Wald wie damals. Nur das Haus, in dem wir immer wohnten, das steht wohl nicht mehr. Keines von denen, die ich sehe, kommt in Frage … ich fahre weiter.

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An Ferienlager-, Klassentreffen- und Tagesausflugsorten vorbei, bis zum Scharmützelsee, dessen spezieller Name mir heute erstmals auffällt. Doch nein, die Recherche bei wikidingens ergibt, dass das Wort überhaupt nicht bedeutet, was es nahelegt. Man kann sich also beruhigt an den Ufern des Sees niederlegen.

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Oder auch sich einen Campingplatz suchen. Auf einem mit Telefon am Eingang, ha. Soweit begeistert mich der Blick in die Vergangenheit.

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Als ich mich am späteren Abend dann allerdings ans Seeufer zur Badestelle aufmache und nur marode Holztritte finde …

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… umgeben von einer in der Vergangenheit schon verrotteten Feriensiedlung …

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… deren einziger Seezugang von Yachtbadenden belegt ist, da ist mir die Romantik des nostalgischen Blicks zusammen mit der Badelust vergangen.

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Ich begnüge mich mit dem Schauen aufs Wasser. Auf’s gegenüberliegende Ufer, auf jenen Hafen, in dem viele Jahre lang „unser“ Boot lag.

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Und in die Abendrotstille …

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Nach einer ersten Nacht im Zelt …

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… führt mein Weg weiter am See entlang, wenn er nicht durch Golfplätze oder Wellness-Ressorts versperrt ist. Oder aber durch neue Ferienanlagen, jetzt wird auch klar, warum alles Alte verrotten muss. Ich irre ein wenig durch diese immer gleichen Häuserzeilen, auch jetzt noch geschüttelt von deren Monotonie und Sterilität, ein Schnell-weg-Bedürfnis macht sich in mir breit.

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Zumal der See vollbebootet und ferienmenschenumlagert ist.

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Es gibt stillere Pfade. Entlang dem Kleinen und dem Großen Glubigsee zum Beispiel. Das klingt schon wieder, als wäre ich hier im Ferienlager gewesen … was ich aber nicht mehr herausfinden kann.

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Ob das hier war?

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Egal. Ich lasse mich auf den Wald ein, es duftet nach Kindheit, nach Heimat, nach Geborgenheit, mehr kann ein Reisetag kaum schenken.

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Und wenn sich dann am Wegesrand noch eine Mittagessensbank findet …

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Die Live-Reiseberichte der damaligen Tage finden sich hier und hier.

Zarte Pflanze Hoffnung

 

Sie wächst karg, in sich zurückgezogen.

 

 

Das Grün in sich verborgen, streckt sie ihre Fühler zum Licht …

 

 

… und duckt sich immer wieder in den Schatten.

 

 

Sie beginnt aus dem Nichts zu wachsen …

 

 

… und setzt ihr filigranes Wesen den Stürmen aus.

 

 

Wie ein Wink weist sie in die Weite.

 

 

Für sie.
Und für die kleine M., die ihren Weg auf die andere Seite sucht.
Für ihre Familien.
Und für uns alle.

 

12 von 12 im März

Spät, aber doch: Meine 12-von-12-Bilder vom gestrigen Sonntag. Meine Wortfindungsfähigkeit hat sich zu so vorgerückter Stunde wohl schon schlafengelegt, daher bleiben die Bilder wortarm.

 

Vom Terrassenkaffee, dem allerersten des Jahres ….

 

… mit hindernisverstelltem Blick hinunter ins Dorf (noch: bald wird er hinter den Blättern verschwunden sein) …

 

… zieht die Sonne mich auf einen Spätvormittagsspaziergang …

 

… und mitten hinein in die noch karge …

 

… aber aufknospende Frühlingswelt.

 

Ein Gruß winkt von diesem Bild:))

 

Und zu Hause, als ich wieder angekommen bin, versucht die Tochter in Schwung zu kommen, ohne aus der Hängematte zu fallen.

 

Mittlerweile ist es mittags und die Arbeit ruft laut, zum Warmwerden einen Wettbewerb organisieren …

 

… und dann korrigieren korrigieren korrigieren.

 

Die Tochter ist auch beschäftigt, ein Referat steht an – das Thema ist ja nicht schwer zu erraten.) – und ich helfe, wenn auch nur dadurch, dass ich meine Druckerdienste anbiete.

 

Nebenher läuft ein wenig Haushalt.
(Socken lassen sich einfach nicht apart aufs Bild drapieren,da  kann noch so viel Natur ringsum sein).

 

Nicht viel reizvoller sehen Wäscheberge aus, aber das war nun einmal das letzte Bildmotiv, was mir vor dem Schlafengehen über den Weg lief. Immerhin liegt ein Lieblingsshirt des Sohnes obenauf …

 

Mehr 12 von 12 gibt es wie jeden Monat bei Draußen nur Kännchen.