Musik

im Mai

das Thema Treppenhaus und seine Renovierung rahmte den Monat ein:

er begann mit der wohltuenden Erfahrung, dass dieser Arbeitsberg, vor dem ich innerlich hufte, weil mir Ausräumen, Abkleben, Organisieren, all das unüberwindlich schienen, dass also solch riesiger Berg doch abzutragen ist, und zwar unerwartet schnell und leicht,
und damit einhergehend kam mir der Gedanke, dass ein Teil meines Belastungsgefühls immer im Vorgestellten, im Antizipierten verortet ist … was da für Möglichkeiten inneren Freiwerdens durchschimmern … und wie viel es noch zu üben gilt …

und er endete mit dem gleichen Thema, nämlich: „All die Tapeten an den betroffenen Wänden müssen ab“, so sagte der Mann von der Trocknungsfirma, nachdem er mit Hightech-Geräten vermessen hatte, was vom Ereignis drei Tage zuvor als Zeugnis verblieben war: feuchter Boden, auch unter dem Estrich, feuchte Wände, feuchte Möbelfüße, und feuchte Dinge ja sowieso
*
drei Tage zuvor nämlich war im Moment unserer Urlaubsheimkehr die Wasserzuleitung im Haus geplatzt – ganz großes Kino: binnen Minuten Kellerboden vollgelaufen, inmitten der Fontäne irgendwie doch den Hauptwasserhahn abgedreht, die Wasserströme durch Textilien- und Bettenberge versucht aus den Wohnräumen fernzuhalten (mäßiger Erfolg), bis endlich die Feuerwehr kam und auspumpte, und der Nachtschichtinstallateur das Rohr reparierte …
*
in dem Moment trat Entspannung ein, und Dankbarkeit: für all die Helfer (selbst der Bürgermeister kam, so ist das auf dem Dorf:)), für die sofortige Reparatur, obwohl wir schon Klo- und Duschangebote vom halben Dorf hatten, für die schnelle und kompetente Versicherung (bisher jedenfalls …) und vor allem dafür, dass es nicht während unserer Reise passiert war
(und im Nachhinein – zwei Tage später begannen überall ringsum die großen Unwetter und Überschwemmungen – dafür, dass es bei uns vergleichsweise glimpflich aussieht)
*
jetzt also ein neuer Berg Arbeit: immer noch Dinge weitertrocknen, Regale ausräumen und von den Wänden wegrücken, all das Geraffel in den Zimmermitten stapeln, Wände und Böden durch Geräte trocknen lassen, danach tapezieren lassen, Fußboden vielleicht neu machen lassen … (aber das ist schon nicht mehr im Mai, und vermutlich wird auch der Juni dafür nicht reichen)
*
Themensprung, es gab im Mai auch anderes:
zum Beispiel unseren wunderbaren Italien-Radreise-Urlaub
(ich empfehle übrigens ausdrücklich häusliche Unglücke der oben beschriebenen Art im erholten Zustand anzugehen, dann kann man sie entspannt und lächelnd wegstecken:))
*
noch ein wenig mehr verreisten wir: der Sohn zu einem Matheseminar nach Magdeburg (in den Ferien, ganz freiwillig;-)) und beide Kinder zusammen mit dem Schulorchester nach Frankreich in die Nähe von Paris, während ich auf einer kurzen Pfalzfahrt liebsten Freunden begegnete
*
kurz vor den Ferien gab es für den Sohn ein letztes Klaviervorspiel bei seiner alten, nun schon ehemaligen Lehrerin; nach 8 Jahren hatte ich Tränchen in den Augen, und er wohl auch (innerlich natürlich nur, wie das mit 14 so ist); dennoch sind sich alle sicher, dass Lehrerwechsel die richtige Entscheidung war und er bei dem neuen Lehrer ebenfalls aufblühen wird (seinem Spiel jedenfalls ist nach der kurzen Zeit schon so manches anzuhören)
*
und Schule?
ja, Schule habe ich auch gemacht, ein bisschen, ohne Extratermine und Extrajobs, einfach Unterricht vorbereitet und gehalten: solche Zeiten muss man ja auch mal festhalten (auch wenn sie nur 9 Schultage lang währten:))

 

12 von 12 im April

Das 12 von 12 ist mir schon zur lieben Gewohnheit geworden. Das verspätete Einstellen auch:)

12 von 12 im April (1)

Der Tag beginnt ruhig, ohne frühe Schule, daher sitze ich an der noch morgenschläfrigen Tastatur; ein weiterer Herbstreisepost wird fertig. Der graue Himmel vor dem Fenster ist nicht hell genug, um uns – mich und die Tastatur – aufzuwecken. Allerdings: um störende Spiegelungen auf dem Foto zu erzeugen, dafür reicht er allemal. Grmpf.

12 von 12 im April (2)

Nebenher ruft die tägliche Wäsche. Heute mit Rot&Rötlich, mein Lieblingskorb. Weil ich orange mag. Vor allem aber, weil die Socken aus dieser Trommel hinterher viiieeel leichter zusammenzupaaren sind als jene aus der Dunkel-Schwarz-Wäsche.
(Warum eigentlich tragen hier alle im Haus schwarze Socken? Und warum sind sich schwarze Socken untereinander immer so ähnlich? Aber eben: nur ähnlich und doch nicht ganz gleich, so dass das richtige Zusammenfügen ewig schwer und letztlich unlösbar bleibt?)

12 von 12 im April (3)

Ha, ich habe ein wenig Zeit übrig vor dem Losgehen und spiele Klavier. Das streichelt die Seele, besser kann man es nicht sagen.

12 von 12 im April (4)

Meine Arbeitsstelle ist heute – wie immer dienstags – die in der Stadt, dort, wo sich seit einem Vierteljahr eine Baustelle austobt. Das verlängert die Parkplatzsuche um eine gefühlte halbe Stunde und lässt das Ergattern einer Lücke allwöchentlich zum Erfolgserlebnis werden. Von oben geschaut, wirkt der Baufortschritt nicht gerade so, als hätte ich das Parkproblem heute letztmals gehabt.

12 von 12 im April (5)

Drinnen dann die sehr spezielle Ästhetik eines Computerraums, die erschließt sich einem ja auch nicht auf den ersten Blick. (Auf den zweiten übrigens auch nicht.)

12 von 12 im April (6)

Der Blick nach draußen verspricht dafür Sonnenlicht und schenkt Vorfreude auf den Nachmittag. Wie immer am Dienstg hat das jüngere Kind seinen Musikschulnachmittag neben einem wunderbaren Park …

Als ich allerdings meine Arbeit kurz darauf beendet habe, bin ich so müde, dass mir zum Spazieren in der Sonne einzig einfällt, dass ich ja auf ner Parkbank schlafen könnte. Oder aber in nem Straßencafé. Irgendwo halt, wo ich nicht Fuß um Fuß nach vorn setzen muss.

12 von 12 im April (7)

Das Spazieren fällt aber ohnehin aus, da sich der Himmel verdüstert hat.
(Vorn die Absperrung im Bild ist Absicht. An der Musikschule ist nämlich auch eine monatelange Baustelle. Parkplatzsuche hier wie da … man hätte das Kind Piccoloflöte lernen lassen sollen, das würde den Instrumententransport mit dem Auto und damit jegliche Parkplatzsuche vermeiden …)

12 von 12 im April (8)

Aus dem verdüsterten Himmel schüttet es alsbald; ich sitze im Auto und höre und schaue dem Regen zu. Gemütlich.

12 von 12 im April (9)

Und wenige Minuten später wieder so. April halt.

12 von 12 im April (10)

Und doch noch ein wenig Park. Die Blumen haben sich nach dem Guss noch gar nicht trockengeschüttelt.

12 von 12 im April (11)

Der Abend bleibt so ruhig wie der Tag selbst, ich habe wiederum Zeit für das Klavier. Wenn es sich danach anfühlt und ich Lust habe, übe ich sogar richtig:)
(Weil ich erst als Erwachsene angefangen habe zu spielen, aber vorher schon viel musiziert und daher viel mehr Erwartungen an den eigenen Klang habe als meine spätgeforderten Finger eigentlich noch liefern können, daher … ja daher treibt mich die Ich-will-das-aber-spielen-können-Lust manchmal zu solch selbstdisziplinierenden Aktionen wie einem Metronomtraining. Meine Kinder schütteln dann in der Regel den Kopf über mich. Und können die Läufe nicht mehr hören …)

12 von 12 im April (12)

Viel mehr geschieht nicht mehr. Der Timer der Kaffeemaschine muss um eine Stunde nach vorn gestellt werden, weil es morgen um 6 Uhr ins Auto zu steigen gilt, für einen Arbeitstermin in ner anderen Stadt. Daher ist vor Mitternacht das Licht aus. Wirklich mal.

Mehr 12-von-12’s gibt es hier zu sehen.

im März

die Osterferien, in denen dieses Monatsende liegt, taten und tun gut:
vorher war wie immer viel liegengeblieben, und jetzt liegt ein bisschen weniger hier auf den ewigen Bergen herum, da ist sogar soviel abgearbeitet, dass der Monat mit einem Gefühl der Ruhe enden darf;
und mit der Erinnerung an kalte Tage, an ein verregnetes Ostereiersuchen auf der Terrasse (nicht im Garten, wegen der Nässe), an eine Reise nach Leipzig, bei der das Wetter sich ebenfalls wenig frühlingshaft zeigte – aber: das war alles nur im Außen, die Temperaturen, der Wind, der Regen, das ist alles nicht so wichtig; im Innen war und ist Frühling
*
in der Schule „prallvolle Vorferientage“ so schrieb ich im Februar – und so schreibe ich auch jetzt (das gilt wohl immer vor Ferien):
zwei Konferenzen, ein Tag der offenen Tür, neben diesen zentralen Terminen viele Eltern- und Schülergespräche, manchmal häuft sich das eben;
den Känguru-Wettbewerb an der Schule organisiert und durchgeführt;
für unsere Stufenfahrt der 10. Klassen nach Berlin etliche Museumsbesuche und weitere Programmpunkte organisiert und mich dabei wie eine Reiseveranstalterin gefühlt (was übrigens nicht mein Traumberuf wäre);
dazu war am anderen Dienstort vieles und noch mehr zu tun;
und neben oder bei oder über all diesem waren da lange Wochen voll inniger Gedanken an das Mädchen, an meine Schülerin, welche auf dem Heimweg von der Schule mit ihrem Fahrrad unter einen LKW gekommen ist – ein Schock, ein Ereignis zum Tiefdurchatmen, zum Hoffen und Beten, und in den letzten Tagen zum Aufatmen, weil sie es geschafft hat und sogar schon daran denken kann, dass sie in einigen Monaten wieder zu uns kommen wird …
*
berührt auf einem Abschlussabend den Filmbericht von Sohnes Südafrikareise gesehen und die jetzt, nach der Reise, sehr miteinander verbundenen Jugendlichen erlebt – hach! (und wieder mal gedacht: was für ein Glück unsere Kinder mit ihren zahlreichen Musiklehrern haben);
mit dem Sohn zum Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ nach Böblingen gefahren (also nee: natürlich mit beiden Kindern gefahren, nur hat die Tochter diesmal dort nicht gespielt) und einen tollen Preis für seine Cellopartnerin und ihn gefeiert;
ein Preisträgerkonzert und ein Kammerkonzert gehört;
und Sohns Abschied von der langjährigen besten Klavierlehrerin der Welt begangen, mit ein wenig Weh auf allen Seiten, doch der Schritt war längst fällig, der neue Lehrer wurde von ihr ausgesucht und vermittelt, vom Sohn beim Probevorspiel für „in Ordnung“ befunden (und vice versa wohl) und wird also ab nächste Woche versuchen, mit dem Sohn ebensogut zusammenzufinden wie die bisherige Lehrerin es vermochte
*
mehr als in den Vormonaten fotografiert und mich daran erfreut:)
mehr als in den Vormonaten Klavier gespielt und mich daran erfreut:)
mehr als in den Vormonaten gelesen und – man errät es leicht – mich daran erfreut:)
*
erste Male:
beim Schreiben eines Blogtextes die Diktierfunktion des Handys benutzt (als mir der Text nämlich einfiel und gerade keine Zeit mehr zum Schreiben war)

und das war’s schon mit den ersten Malen? kann ja fast nicht sein … und ist es vermutlich auch nicht …

12 von 12 im März

Nun habe ich mich ans 12 von 12 gewöhnt – in einem ganz positiven Sinne. Es macht mir von Mal zu Mal mehr Spaß, fotografierend durch meinen Tag zu gehen. Und heute, weil ja Samstag ist, bin ich sogar pünktlich mit dem Einstellen.

Mein übliches Samstagmorgen-Luxusdilemma liegt gestapelt vor mir: schreiben: diesen oder jenen Text? – oder lesen: dieses oder jenes Buch? – oder kommunizieren?
Jedenfalls: mit Kaffee, nur mit Kaffee. Bei dem es dann – wie so oft – bleibt. Der Stapel ist unangetastet. Es hat ja was, einfach nur zu sitzen und zu sein.

12 von 12 im März (1)

Nebenher läuft eine schnelle Morgenwäsche durch, und Trockner sei Dank hängt der Ertrag meiner Bemühungen kurz darauf überm Stuhl. Weil der Sohn in seiner (einzigen) schwarzen Konzertkleidung gestern Jugend-musiziert-Wettbewerb zu spielen hatte und heute Schulorchester, und weil man im Alter von 14 dieselben Klamotten keinesfalls an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ohne Zwischenwäsche anziehen sollte – aus Gründen:) – war dieser morgendliche Akt hausfraulichen Fleißes nötig geworden.

12 von 12 im März (2)

Ohnehin aber ist’s kein freier Bummelsamstag für mich und die Kinder, sondern Arbeitsvormittag. Wir haben in der Schule Tag der offenen Tür. Diese sieht hier zwar gerade geschlossen aus, aber nur, weil alle Besucher noch dem Orchester und diversen einführenden Worten lauschen, bevor wir – schon draußen wartend – sie dann durch’s Haus führen werden.

12 von 12 im März (3)

Schnell noch einen Blick in den Frühlingshimmel werfen, bevor wir für Stunden im Gebäude verschwinden müssen.

12 von 12 im März (4)

Die Viertklässler, von denen einige hoffentlich bald unsere Schüler werden, bekommen Knobelaufgaben zu lösen (ja, mit Ostereiern: ich war auch erschrocken:)) …

12 von 12 im März (5)

… und Naturphänomene an Modellen erklärt, …

12 von 12 im März (6)

… sie dürfen in einem lateinischen Theaterstück in das Haus einer römischen Familie eintauchen (nein, ich habe auch nicht verstanden, warum man dort Plüschhasen in Körben spazierenträgt, aber ich kann ja auch nicht richtig Latein) …

12 von 12 im März (7)

… ein paar wie Zauberwerk wirkenden chemischen Experimenten zuschauen …

12 von 12 im März (8)

… und einen Lego-Robotics-Parcour ausprobieren.
(Übrigens war es bei dem Gewusel ganz schön schwer, gesichtsfreie Bilder zu bekommen.)

12 von 12 im März (9)

Gegen 14 Uhr ist es geschafft, wir dürfen ins Wochenende. Die Tochter ist so k.o. wie ich und wirft zu Hause ihren lila Orchesterschal achtlos auf die grellrote Sporttasche. Eine Farbenkombination, die im Auge wehtut. Als ich sie mir mit dem Glas verdecken will, finde ich das Kaleidoskop der beiden Farben doch plötzlich nicht mehr so schlimm.

12 von 12 im März (10)

Der gestrige Wettbewerb hat wohl inspiriert. Beide Kinder üben ausgiebig wie sonst selten am Samstag. Die Tochter kommt zwischendurch fasziniert zu mir gelaufen: „Wenn ich mich in ein neues Stück ganz hineinvertiefe, dann vergeht die Zeit ja wie im Fluge?!“

12 von 12 im März (11)

Wie im Fluge vergeht auch mir mein restlicher Samstag.
Mittagsschlaf, Fotos sortieren (nicht nur diese hier), Blog schreiben.
Siedler spielen mit den Kindern (psst: heute stellte ich mir den Ritter auf die eigenen Felder und tauschte Rohstoffe gegen Küsschen – die Kinder waren sehr genervt, weil ich so demonstrativ das Gewinnen verweigerte bzw. verunwichtigte:)).
Und vor allem einige ich-denke-an-Dich-Karten auf die Reise zu Menschen schicken, welche gute Gedanken und Gebete gerade sehr gebrauchen können.

12 von 12 im März (12)

 

Andere 12-von-12-Einblicke gibt es hier.

im Februar

(Meine entschuldigende Vorrede ist diesmal schon keine mehr. Ich lerne dazu und merke seit Tagen, seit Dienstag dem Ersten genaugenommen, dass es richtig und stimmig ist, wenn ich meinen Monatsrückblick erst am Wochenende schreibe. Dann nämlich, wenn ich Zeit und Ruhe dafür habe.)

einen hellen, heilen Monat durchlebt, mit der Ahnung künftiger Räume, nicht nur zum Schreiben …
damit sich diese allerdings öffnen könn(t)en, müss(t)en Schule und sonstige Arbeit, ja, so manches in meinem derzeitigen Alltag, auf lange Sicht weniger Raum ein- und wegnehmen, mich weniger fordern und erschöpfen, was sie im Moment arg tun
*
nämlich, da war viel Schule:
wie immer prallvolle Vorferientage, durch die man sich so schleppt und an denen man sooo viel liegen lässt für die Woche nach den Ferien, in der man dann ja frischerholt sein wird;-)
die Nachferientage mit einem emotional schwierigen Pädagogischen Tag begonnen, mit der Beleuchtung einer schweren Situation für unsere Schule, aber einer umso friedlicheren Stimmung, einer berührenden Schulleiterrede (unter Tränen) und einem Abschluss dieser Phase, die uns nicht nur geknickt hinterlässt;
ansonsten noch Fachkonferenz, Elternsprechtag und zwei Elternabende gedrängt in zwei Wochen, naja, man ist das ja gewohnt:(
erstmals seit Monaten wieder an andere Schulen gefahren und Referendare besucht
*
zwischen all dem unsere traditionelle Fastnachtsferienskireise nach Italien, diesmal mit nur einem Kind;
dort in „unserem“ Ort trafen wir übrigens auf der Straße ewig nicht wiedergesehene Freunde (der Zufall ist kleiner als er scheint, denn vor 12 Jahren hatten wir sie genau dort auch kennengelernt)
*
die Kinder bei etlichen aufregenden Dingen begleitet:
Jugend-musiziert-Preisträger-und  Kammerkonzerte sind wir ja gewohnt, die Schulorchester“frei“zeit auch (diesmal allerdings neu: auch die Tochter darf mit und ist stolz und beglückt gleichermaßen);
neu: ein spannender Robotikwettbewerb des Sohnes (mit Zuschaumöglichkeit) und ein Mathewochenendseminar (ohne Zuschauer – was will man da auch sehen:));
das Aufregendste aber: seine Südafrikareise mit dem Musikschulorchester, für ihn ein Wow-Erlebnis vom Feinsten
*
und dann gab es in diesem Monat noch meine kleine „Schreibreise“, in der der Raum zwischen Stiften und Papier mit ganz viel von allem gefüllt war …
*
erste Male:
einen Blog erfolgreich zu WordPress umgezogen;
ein Kind „allein“ in ein Flugzeug steigen lassen, und dann gleich noch in eines auf die andere Erdhalbkugel – und meine Aufregung überlebt:)
ein Kinderinstrument kaputtgehen sehen und ersetzen müssen (was neben Versicherungsaufwand vor allem Herzblut kostete);
im Winterurlaub kein Meterchen Ski gefahren (einfach weil ich’s nicht (mehr) mag und dies eingestehen und äußern konnte);
drei Tage lang beide Kinder gleichzeitig nicht im Haus gehabt – so freie Tagesgestaltung im Schulalltag hatte ich das letzte Mal vor etwa 15 Jahren:)

im Januar

(Ich gebe es auf, ich richte mich damit ein, und das ist wahrscheinlich sogar gut. Nämlich dass es mir in diesem Leben, na: in diesem Blog jedenfalls, wohl nicht mehr gelingen wird, pünktlich zu sein. Nicht bei selbstverursachten Terminierungen wie etwa dem Wunsch(?), genau zu Monatswechsel zu schreiben. Nicht bei Anlässen, die dringlich schreibendes Reagieren nahelegten und mich damit in langandauerndes innertextliches Verharren ohne Finale (=Textprodukt) werfen. Nicht bei der Aufarbeitung von Vergangenheiten irgendwo zwischen Radreisen und Familiensachen.
Jedenfalls: Ich gebe es auf. Die nächste Stufe wäre jetzt, die entschuldigende Vorrede auch noch wegzulassen. Für heute setze ich sie erstmal ganz klein. In der Hoffnung, dass Menschen mit schwerlesenden Augen genug technische Hilfsmittel beherrschen, um sich die Schriftgröße altersgerecht:) hinauszuzoomen.)

den Monat und das Jahr mit ein paar kranken Tagen, Schlappgefühl und Halsweh begonnen, die noch aus dem alten Jahr herüberragten; trotzdem aber war mir im Innern heil und hell zumute – an den Kranktagen und danach, den Monat hindurch und darüber hinaus, immer heiler, immer heller, ja …
*
Schule und Arbeits langsam angehen können, weil wir zunächst einen Drittelmonat Schulferien hatten, dann aber umso heftiger starten mussten:
mit 120 Klassenarbeiten, Korrekturen, mündlichen Noten und Zeugnissen,
mit Konferenzen am laufenden Band,
mit einem fast doppelten Klassenlehrerjob, da mein Coklassenlehrer ausfiel,
dabei mit viel Unterstützung durch meine Chefs, immerhin,
und mit einem Neustart am anderen Dienstort (der meine Für-mich-Zeitfenster wieder kleiner werden lässt, ich muss zusehen, trotzdem in der Ruhe zu bleiben)
*
irgendwann hatte der Korrektur- und Notenmarathon ein Ende, und ich verbrachte das letzte Wochenende des Monats auf einem einsamen Gehöft mit zwei (wenn auch leider nicht drei) wunderbaren Menschen, in Innen- und Außenfeuerherzensgespräche eingewoben
*
und Musik gab es – wie immer in unserem Hause, wie immer in diesem Monat zumal: beide Kinder spielten wieder bei Jugend musiziert,
und ich hatte erstmals den Eindruck, dass ich mich emotional nicht mehr so stark hineinhänge, nicht mehr fürs Üben so sehr verantwortlich fühle – ein sehr gutes, befreiendes Gefühl,
umso besser (! – ja, doch: das könnte so stimmen) gelang beiden ihr Vorspiel; der Sohn darf jetzt noch weiterüben, da es eine Runde weitergeht
*
Was noch?
Ach, ich könnte, wenn ich’s denn hier erzählen würde (was ich aber nicht tue), noch einen Roman anfügen. In dem spielen Telefone, Briefpapiere, Krankenhäuser, Zahnärzte, Fotoapparate, Kopfhörer und weitere marginale Alltagsgegenstände wichtige Rollen. Die Hauptrollen aber … ach, ich wollte ja nicht erzählen. Deswegen bleibt hier nur stehen: Die Hauptrollen spielen drei Pünktchen, noch unausgefüllt.

Zurückerinnert in ein reiches Jahr

Ja, ich bin zu spät. Die letzten Tage lag ich so erkältet und mit matschigem Kopf im Bett wie lange nicht. Aber auch ohne dies ist die Verspätung dieses Blogeintrags passend, ist doch eines der mich umtreibenden Themen, derzeitig besonders, ein anderer Umgang mit selbstgeschneiderten Terminkorsetts. Nichts anderes ist es, wenn einem das Kalenderdatum zum Zwang gerät. Besser wäre es doch, hier einfach sagen zu können: Ganz gleich ob am 31. Dezember oder am 2. Januar oder am 37. Juni – ich danke für ein vergangenes reiches Jahr. Und dafür, dass ich dies jederzeit, auch heute, am 5. Januar, tun darf.

An seinen letzten Tagen streifte ich – wie immer – gedanklich im vergehenden Jahr umher. Ließ meine Blicke durch Fotoordner, Tagebuch und Blogeinträge wandern, nahm den Familienplaner von der Wand und blätterte, ebenso im Taschenkalender. Ein Kaleidoskop des vergehenden, nun vergangenen Jahres kam zu mir zurück. Es entfaltete sich vor mir mit all seinen Schätzen, seiner Weite, seiner Fülle.
Ich staune. Ja, ich möchte danken.

Danke für mein Leben mit diesen wundervollen Kindern, immer und immer wieder …
… wie jedes auf seine Art, auf sehr eigenen Füßen durchs Leben geht und zuweilen mich sanft an die Hand nimmt, so dass auch ich neu schauen und meine Schritte anders setzen kann …
… wie der Sohn voll in die Pubertät eingetaucht ist (inklusive Schlafen bis 2 und größtenteils liegendem Absolvieren der Tagesstunden:)) und wir trotzdem nicht den Beziehungsfaden verloren haben, nach jedem – beiderseitigem – Laut- und Ungeduldigwerden wieder aufeinanderzu gehen können und uns eine neue Form der Nähe erarbeiten …
… wie die Tochter ihren Schulwechsel mit jauchzender Freude bewältigt hat, neue Freiheiten und Möglichkeiten gustiert, in ungeahnter Selbstständigkeit zurechtkommt (und auch ich – bei Kind2 nun also – lerne loszulassen, mich nicht mehr so sehr für ihr Lernen verantwortlich fühle und es darum umso besser läuft) und – das Wichtigste – endlich in einer Klasse gut angenommen ist, neue Freundinnen gefunden hat, sich verabredet, übernachtet, Geburtstage feiert, all das, was manche Kinder immer schon haben und hatten, darf sie nun auch erleben.

Danke für die Menschen, die ich als Geschenk auf meinen Wegen erleben darf …
… für nahe und fernere Freunde, mit denen wir häufig oder selten zueinanderfinden …
… für neue Menschen hier im Ort, die wir erst in diesem Jahr kennengelernt haben und mit denen es spontan so herzlich warm ist, dass wir uns auf mehr freuen dürfen …
… für innige Begegnungen in diesem Schreibraum; in diesem Jahr sind kostbarste Fäden hinzugekommen, die weit über das Virtuelle hinausreichen.

Danke für meine Arbeit, in der ich mich nach wie vor im schönsten Beruf der Welt wähne …
… für die täglich geschenkte Lebensfülle der jungen Menschen, die ich im Aufeinanderzugehen sehen darf …
… für meine in jeder Hinsicht herausfordernden 10. Klassen, mit denen wir noch Berge besteigen müssen, dann allerdings zum Ende des Schuljahres – als Belohnung? – gemeinsam nach Berlin fahren dürfen …
… für die Fragen in den Augen der 7t-Klässler, für die sie kaum Worte finden können, und für meine Ideen, die mir hin und wieder kommen, so dass manchmal ein „Ach so“ aus Schülermund und -augen mich ganz demütig macht …
… für unser Lehrerzimmer voller Kollegialität, Hilfsbereitschaft und Lachsalven, und für meine Schulleitung, die nach wie vor und immer noch mehr die beste der Welt ist.

Danke für mein Unterwegssein …
… für mehrere lange Radl-Alleinreisen, erstmals mit Zelt, mit noch intensiverem Draußenleben, an den frühlingskalten Mecklenburger Seen vorbei, sommers entlang der Ehemalsgrenze, und dann im herbstlichen Bayern  …
… für Reisen in den italienischen Schnee, nach München, nach Hamburg, nach Berlin, zu einem wiederum belebenden Klassentreffen, auf ein einsames Gehöft (das an jenem Wochenende alles andere als einsam war) …
… und nicht zuletzt für die Wege rund um unser Dorf.

Danke für die viele Musik hier in unserem Hause …
… wie die Kinder sich im Musizieren zu Hause fühlen, sich in immer neue Projekte stürzen, beglückt von Musikwochen zurückkehren, immer wieder gutgelaunt in ihren Unterricht gehen und von ihren Lehrern zurückkehren …
… dass wir nun das schwierige Thema des Klavierlehrerwechsels beim Sohn angegangen sind, mit hoffentlich erfolgreichem Ausgang …
… und auch wieder für unser Wettbewerbsdurchleben (wobei es dieses Jahr an unsere Grenzen ging, weil beide Kinder zum Landeswettbewerb und der Sohn wiederum zum Bundeswettbewerb fuhr; uns allen wurde spätestens dort bewusst, dass die Kinder unbedingt vor der Ehrgeiz- und Erfolgsfalle zu schützen sind, zumal beide dies selbst aus dem Bauch heraus signalisieren).

Danke für jeden Moment, in dem ich bei mir sein durfte …
… schreibend, lesend, fotografierend, Klavier spielend, Dinge betrachtend, staunend, atmend, sitzend, einfach nur da sitzend …
… insbesondere für die Ruhe, welche sich im letzten Vierteljahr in mir ausbreitete, da ich meine Teilzeitfreiheit vor allem dafür nutzte, alles langsamer anzugehen.

Danke auch für all das, was in diesem Jahr fehlte. Es wäre, schriebe ich es auf – wie vielleicht bei jedem Menschen? – eine lange Liste.
Wie letztes Jahr schon schreibe ich mir dies dazu:
Die wesentlichen Dinge kannst du nicht machen, sondern nur empfangen. Aber du kannst dich empfänglich machen!
(aus Martin Schleske: Der Klang)

im Dezember

weniger als üblicherweise in diesem Monat gearbeitet – nur wenige Korrekturen, nur eine Fortbildung, wenig Extras, weil gerade Pause am zweiten Dienstort ist, aber trotzdem in einem großen Erschöpfungsgefühl gelebt
*
wie schon vor einem Jahr: ein dienstliches Nein ausgesprochen, auf das ich – wegen seiner Unmissverständlichkeit – ein bisschen stolz bin:)
*
die derzeitige Anspannung auch dadurch gespürt, dass die Erkältungskäfer sich mit keinem Beinchen in die Schulzeit wagten, mich aber sofort zu Ferienbeginn an den Weihnachtstagen und darüber hinaus flachlegten
*
diesen kleinen Infekt, der bald vergehen wird, nehme ich aber gern, wenn ich an die schweren Erkrankungen hier im nahen und fernen Umfeld denke, von denen ich in diesen Wochen erfahren habe
*
umso mehr wird einem dann wieder bewusst, wie wichtig es ist, die Zeit mit uns selbst und mit nahen Menschen zu nutzen – der Monat hatte viel davon: Freundesbesuche, Treffen auf Konzerten, Verabredungen zum Glühweintrinken, Lebkuchenhausbauen, Spielabende, gemeinsame Lese-, Bau- und Puzzlesessions …
*
Musiktermine waren es etwas weniger als sonst, der Kalender zeigt – kaum zu glauben – nur fünf Vorspiele und Kinderkonzerte;
auch die Jugend-musiziert-Vorbereitungen, die immer in diese Monate fallen, laufen – wegen leichterer Programme – weniger intensiv und fordernd als sonst, was uns allen gut tut;
emotional bewegend dafür Überlegungen, Gespräche, Entscheidung und Vorspiel wegen des lang überfälligen Klavierlehrerwechsel des Sohnes – der ist nun also in die Wege geleitet und führt hier allseits zu einem weinenden und einem lachenden Auge
*
erste Male:
wegen leerer Batterie mit dem Auto auf dem Supermarktparkplatz hängen geblieben und abschleppen lassen müssen
das allererste minikleine Tochtercello verkauft, mit ziehendem Herzen (jetzt haben wir immer noch eins zu viel, aber das wird nicht mehr so weh tun)
einen Asylarbeitskreis mitgegründet
anonym etwas zu Weihnachten verschenkt

im September

Das ist wohl wenig überzeugend: Eigentlich wollte ich erzählen, dass der September von meiner Stundenreduktion, meinem Teilzeitbeginn und damit von einströmender Ruhe und dem wohltuenden Gefühl, endlich wieder alle Alltagsdinge in Gelassenheit bewältigen zu können, dominiert war.
Als erstes aber muss nun hier stehen: Ich habe diesen Septemberrückblick vergessen. Nachdem ich ein paar Stichpunkte notiert hatte, einfach VERGESSEN, daraus einen Post zu machen. So kenne ich mich nicht …
Vielleicht drehe ich`s um und schaue anders darauf: Gelassenheit bedeutet auch, mich nicht durch selbstverordnete Regeln, Disziplinierungen und Rituale einzuzwängen. Blogpläne und -vorsätze werden zu solchen, wenn ich um jeden Preis glaube etwas schreiben zu müssen, wenn es sich in mir so gar nicht nach Schreiben anfühlt.
So also?
Jedenfalls: keine Rechtfertigung, keine Entschuldigung bitte. Der Rückblick kommt verspätet, Punkt. Und was heißt schon verspätet?

Die Schule nun also in Teilzeit:
* obwohl Schulanfangszeit war, habe ich mich nicht gehetzt gefühlt, habe alle anstehenden Dinge Schritt für Schritt abgearbeitet, mir neue „Arbeitsbegrenzungsregeln“ gesetzt (doch: hier dienen mir Regeln als hilfreiches Geländer, damit der Arbeitsgaul nicht mit mir durchgeht) – möglichst nicht nach 22 Uhr arbeiten, möglichst am Wochenende 36 Stunden am Stück freimachen – und bisher eingehalten
* in großer Freude meine ersten Schulwochen durchlaufen: drei komplett neue Klassen mit 90 Schülern kennengelernt (Fotos sind auf Handy, Namenlernen wie Vokabeln, bald kann ich auch die letzten langhaarigen dunkelbrilligen absolut gleich aussehenden Mädchen benennen) und zum Teil auf den ersten Blick in die Klassen verliebt (die Physik-Zehnte am Nachmittag: hach! meine Klassenlehrerklasse: ebenfalls hach! und die Siebte: die hat natürlich auch noch eine Hach-Chance)
* Konferenzmarathon, Steuergruppensitzung, konzeptionelle Arbeit in kleinen Gruppen – und bei allem die gute Atmosphäre im Lehrerzimmer eingeatmet
* zwei, drei freie Vormittage pro Woche genossen und für Schreibtischarbeit genutzt, so dass die Abende weitgehend arbeitsfrei waren: ein ungewohntes Gefühl (ab Januar wird die Woche wieder voller)

Die Kinder werden groß:
* einen 14. Geburtstag gefeiert, erste Stimmbruchüberschlagungen wahrgenommen und wegen Wachstumsschüben stapelweise Kinderklamotten aus den Schränken aussortiert & neue besorgt
* die Schulhefte mit „Klasse 5“ und „Klasse 8“ beschriftet – wow!
*  Tochter am Gymnasium eingeschult, ihre freudigen ersten Schritte begleitet, unter anderem fuhr sie sofort ins Landheim und geht ins große Schulorchester, fährt allein mit dem Rad über die Dörfer und kümmert sich so selbstständig um ihre Dinge, dass mir zuweilen die Kinnlade runterklappt
* das Termintetris an den einzelnen Wochentagen zurechtgeruckelt, wir wissen allmählich, wer wann wohin fährt und zurückkehrt und gebracht und geholt werden muss

Der September hatte aber auch noch Ferientage, die jetzt – vier Wochen später – so fern erscheinen:
* in Berlin bei Eltern und Freunden gewesen
* wieder mal ein Klassentreffen in der Uckermark genossen (wir machen das jährlich, seit vor drei Jahren unser aller Kinder mit dabei waren und jetzt fast mehr als wir Erwachsenen darauf dringen, dass es keinesfalls nächstes Jahr nicht stattfinden darf:))
* über einen Musikschulaustausch eine tschechische Familie mit 13jährigem Cellisten zu Gast gehabt, was uns bestaunenswertes Proben und Konzertieren der beiden Söhne bescherte – und den Vorsatz, nächstes Jahr als Familie einen Gegenbesuch abzustatten, vermutlich auch mit Noten im Gepäck

Und sonst noch:
* lieben Besuch empfangen
* zu lieben Menschen auf ein Fest gefahren
* wieder mehr Klavier gespielt (SEHR viel sogar)
* dafür weniger gelesen
* aber mehr geschlafen als üblicherweise zu Schulzeiten. Das soll ja nicht schaden:)

im Juni

meine wunderbare Radreise in Berlin beendet,
dort in weniger als 48h zehn erwachsene und einige kleine Freunde getroffen (besonders gut der Samstag: Cafè-Kneipen-Tour mit fünf Stationen, das habe ich nicht mal zu Studentenzeiten geschafft),
im Rest des Monats im Kopf bereits die nächste Tour angeträumt und konkret geplant, Karten besorgt, JuHe gebucht, Radladen konsultiert für ein paar Bauarbeiten an den drei Rädern
ergo: ganz schön viel Urlaubsgefühl für einen Nichtferienmonat
***
aber auch vollgepfropfte Schulzeiten:
Steuergruppentagung mit viel Konzipieren, Ausdenken, Anreißen, Abarbeiten, Lachen (und Trinken, ja, abends)
mündliches Abitur, Abistreich, Abientlassfeier, Abiball (auch mit etwas Trinken, nun ja)
und damit man nicht meint, Lehrer würden nur im Alk schaffen können:
der Pädagogische Tag zu unserem neuen Schulkonzept, die GLK und die Fachkonferenz und überhaupt der tägliche Unterricht verliefen komplett ohne einen Tropfen:)
Verabschiedungsgedanken für einen unserer liebsten Kollegen gemacht – wie weh das tut, wie ungern wir ihn ziehen lassen
***
gefeiert mit dem Sohn: Empfang der Bundespreisträger in der regionalen Musikschule – wie schon letztes Jahr war das unglaubliche Buffett beim besten Willen nicht kleinzubekommen, was ein – wenn auch schwacher – Ausgleich dafür war, dass der kommunikative Ärger mit der Duo-Mitfamilie weiterging, ja, weitergeht
(dass der Sohn nun nächstes Jahr mangels Partner und wegen Lehrerneusuche und überhaupt mit dem Wettbewerb aussetzen will, lässt die ganze Familie aufatmen)
***
Musikhighlights der Kinder wie immer bei uns monatsfüllend:
Sohn auf Orchesterreise geschickt und heile wiederbekommen (dort eine Premiere für ihn: er ist gesegelt)
dann ihm auf dem Schulkonzert gelauscht – erstmals hat er neben seiner Klarinettenrolle in zwei Stücken einen Klavierpart bekommen
Tochter am Tag der offenen Tür der Musikschule mit dem Cello in Aktion gesehen
beide Kinder in Vorfreude aufs nächste Jahr hüpfen sehen: sie, weil sie dann endlich auch ins große Schulorchester darf; er, weil er mit der Musikschule eine Südafrikareise vorhat – man oh man, manchmal werde ich auf meine eigenen Kinder neidisch:)
und mein eigenes Klavierspiel dümpelt ein wenig vor sich hin
***
Tochters Kindergeburtstag gefeiert: eine Zeltübernachtung im Garten, abenteuerlich, nur bissl wenig Schlaf (sagt die Mutter)
***
mit der Tochter geübt: Schulweg mit dem Fahrrad fahren – nächstes Jahr darf sie das allein, und ich muss sie wieder ein Stück loslassen
***
Sohn bestaunt: wie er trotz seiner tausend Nebenschuldinge doch einen vergleichsweise großen Ehrgeiz zeigt, sich für die Schule anzustrengen – ich habe aufgehört mich einzumischen, biete nur noch Hilfe an wenn es wo brennt – und siehe da: ich darf ein unglaublich selbstständiges großes Kind erleben
***
und zum Schluss ein paar unbedeutende erste Male:
Hautarzt-Screening (fühlt sich bissl an wie Fleischbeschau)
Schlüssel verloren (und erst im nächsten Monat wiedergefunden – hihi, das war heute:))
mich einer kurz-prägnanten Schreibform zugewendet, von der ich nie dachte, dass ich jemals … ich übe mich dort noch im inneren Ankommen
Bügelberg abgearbeitet (wobei das nicht wirklich ein erstes Mal ist: vor 17 Jahren hatte ich das schonmal)
***
nun würde ich gern mit einem ganz bedeutenden ersten Mal schließen, fiele mir ein solches ein
jedoch: über sehr lange Zeit, eigentlich den ganzen Monat hindurch, diese Fülle an Leben ein- und auszuatmen gewusst, in einer sehr dankbaren Gestimmtheit – das ist doch auch was.
Das ist vielleicht schon alles!

im März

das Gegenwärtigste vorab: ein paar Taschen vollgepackt und ins Auto geschleppt, uns dazu gesetzt, laaange gefahren, laaange mit einer Fähre übers Meer geschippert, und nun beginnen gerade unsere zwei Sizilienferienwochen
*
ein Konzert mit András Schiff gehört – selten habe ich über zwei Stunden wie elektrisiert auf meinem Stuhl gesessen, gefangen in atemberaubender, intimer Musik
*
eine Sonnenfinsternis in Volksfeststimmung auf unserem Schulhof erlebt
(und dazu die Tochter aus der Grundschule befreit, wo sie die Kinder hinter verschlossenen Vorhängen vor „diesen Strahlen“ schützten – ich hatte mich ja spontan bereit erklärt, der gesamten Tochterklasse mit Hilfe meiner zwei „Sofi-Brillen“ peu a peu einen Blick auf das Himmelsspektakel zu gewähren und dazu in der Klasse zu erklären, warum das jetzt nicht die Mondsichel ist, aber der Schulleiter wagte dies nicht zu gestatten, da keine schriftlichen Einverständniserklärungen aller Eltern vorlagen – immerhin gab er mir meine eigene Tochter mit hinaus ins gefährliche Licht :))
*
nun, die Grundschulzeit geht dem Ende zu – den letzten dortigen Elternabend habe ich geschwänzt (zugunsten unseres Kollegiumsstammtischs), und seit letzter Woche ist die Tochter am Gymnasium angemeldet, an meinem nämlich, wie der Bruder
*
apropos Bruder: die große Zimmerentrümpelungsaktion ist fast vollendet, radikal entsorgt er die Kindheit und plant ein Jugendzimmer, säckeweise trägt er Spielzeug, Bücher und vor allem die Kreativitätswerke seiner jungen Jahre nach draußen, was mich gleichermaßen erstaunt (diese Fülle!) und schmerzt (vorbei! nicht schon loslassen müssen!)
*
und dann noch: Zahnspange ja oder nein? – ich argwöhne Geldverdienwillen der Kieferorthopädin, wanke und schwanke in der Entscheidung und habe so gar keine Lust, mich mit den Details dieses Themas auseinanderzusetzen
*
erfreulicher wie immer unsere Musik-Erlebnisse:
Streichquartett- und Orchestervorspiel,
und beide Kinder zum Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ begleitet (wo die Jury trotz mehrerer Patzer und suboptimalen Spiels, wie wir alle fanden, offenbar dem Zauber des Zusammenspiels des Sohn+Freundin-Duos erlegen ist und die beiden noch eine Runde weiterschickte)
*
also: eine große Ferienwohnung in Hamburg gesucht und gebucht, gleich für die beiden Musiklehrer mit, so dass wir eine Pfingstwoche dort verbringen werden – damit muss ich dann leider meine ursprünglich geplante Italienradtour verwerfen bzw. verschieben
*
in der Schule dies und das:
Abitur geschrieben (naja, nicht ich – aber man schreibt ja immer ein bisschen mit) und begonnen zu korrigieren
den Känguru-Wettbewerb für 300 Schüler unserer Schule geplant und koordiniert
Gutachten und Prüfungen – die genaue Zahl habe ich schon verdrängt
Tests in allen meinen Klassen geschrieben – und auf der Fähre gleich korrigiert, damit dann wirklich endlich Ferien sein können:
kurz vor Sonnenuntergang, auf der Höhe von Sardinien, war ich tatsächlich fertig, packte den Rotstift weg, trat an Deck in Wind und Sonne hinaus und sah ringsum Meer, Meer, Meer …

im Januar

den Monat und das Jahr mit einer stillen Silvester-Neujahrsfeier und einer kleinen Reise begonnen
*
die Kinder in einer intensiven musikalischen Zeit begleitet, mündend im Jugend-musiziert-Wettbewerb und der Freude (und Last: die Gefühle sind vor allem bei der Tochter gemischt), dass es immer noch weitergeht, weil sie sich in die nächste Runde gespielt haben
*
ein Halbjahreszeugnis in Empfang genommen, welches erstmals ein wenig Pubertät widerspiegelt – nu ja, trotzdem ist noch alles bestens
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von der echten Grippe verschont geblieben, nicht aber von langanhaltend quer durch die Familie ziehenden Hals- und Kopfschmerzen
*
eine Kindes-Allergiediagnose gestellt bekommen und erste Maßnahmen in die Wege geleitet
*
wie passend dazu in beiden Kinderzimmern große Aufräum-Entrümpel-Aktionen gestartet: das große Kind wünscht ein Jugendzimmer, wobei die Requisiten der Kindheit nur mehr stören; das kleine Kind bekommt folglich Gegenständliches vererbt und muss sich von Kleinkindsachen trennen
*
zu meiner großen Freude die erste Klavierstunde seit Monaten gehabt und voller Inspiration so viel gespielt wie lange nicht – hach!
*
erstaunlich viel gelesen: jeden Tag ein paar Zeilen, so kommt man auch in Korrekturzeiten durch Bücher
*
ja, Korrekturzeiten: 5 Klassenarbeiten geschrieben, also 150 Hefte korrigiert, 150 schriftliche und 150 mündliche Noten gegeben, 150 Zeugnisnoten erstellt und bei dieser Gelegenheit über 150 Schüler nachgedacht (zugegeben: über jeden nur ein bisschen, wie auch anders)
*
in drei schulischen Konferenzen gesessen: das frisst immer einen ganzen Nachmittag und gehört zum weniger erquicklichen Alltagsgeschäft
*
mehrere Prüfungen abgenommen und zahlreiche weitere organisiert
*
ein paar Gespräche wegen meiner Arbeitsüberlastungssituation geführt
*
und trotzdem genug geschlafen, meine 24-h-Wochenendfrei-Regel eingehalten, viel gelacht, lieben Besuch am Tisch bewirtet und öfters in den Himmel geschaut

in die Woche geblickt #3

dankbar
für unsere Klavierlehrerin, ja! Und für unser Bauchgefühl damals, als wir sie auf den Fluren der Musikschule sahen und ohne zu zögern sagten: Die ist es. Seit sieben Jahren nun ist sie musikalische Ziehmutter des Sohnes. Und noch viel mehr. VIEL mehr!

berührt
von Gelesenem

begegnet
einer Schülerin, die gerade im Ausland ist, per Email: das war wirklicher als je im Klassenzimmer, nie hätte ich solche nahen Worte erwartet, nie solche Offenheit …

gespürt
wie gut es tut, Stapel um Stapel abzuarbeiten und dann wegzutragen, welche Erleichterung sich immer einstellt, wenn am Ende alle Noten eingetragen, alle Gespräche geführt, alle Konferenzen vorbereitet sind

geübt
mit Übermüdung und Überforderung umzugehen: ja, ich wurde laut und ungerecht in dieser Woche, gegenüber meinen und gegenüber den Schulkindern, wenn im Innern die Kräfte für gelassenes Strahlen und lächelndes Reagieren nicht mehr reichten; immerhin gestehe ich mir dies inzwischen ein Stück weit zu; andererseits ist und bleibt es ungerecht gegenüber Unschuldigen; es müsste sich am besten immer so auflösen wie am Freitag in der Schule – als nämlich ein Schüler mein Fass zum Überlaufen brachte, ich plötzlich sehr laut wurde, die Klasse mich mit erschrockenem Dackelblick anschaute, so dass ich realisieren und aussprechen konnte: „Ach Mensch, entschuldige, jetzt bekommst du die geballte Erschöpfung meiner Woche ab …“ – ich lächelte unbeholfen, der Schüler lächelte zurück, nickte, und alles war gut. Den Mund hielt er von da an auch:) — und mich hatte dieses Erleben so sehr zu mir zurückgebracht, dass ich eine erneute Herausforderung, von der wir am Nachmittag erfuhren, mit dem gleichen Lächeln auf den Lippen empfangen konnte: das schaffen wir auch noch

geteilt
einen Blumenstrauß für die Kollegin, deren Mutter starb, und einen für den Kollegen, dessen Frau an Krebs erkrankt ist

mir selbst geschenkt
einen Joghurt und einen Kaffee, die ich mir in einer Minipause an einem Querdurchdielandefahrtag in einem Supermarkt holte – kurz mal im Auto sitzen, ohne dass es sofort weitergeht, mit Blick in den Himmel: gut war das

in die Woche geblickt #1

dankbar
für gewesene und nachwirkende Ferien, fast frei von Terminen und Aufgaben, für pures Sein, ohne äußere Zeitbedrängnis, für das Zu-mir-kommen in tiefem Sinne, und für Zeit mit den Kindern; unter anderem spielten wir viel – was aber oft anstrengend war, weil beide Kinder schlecht verlieren können, es fließen Tränen, es fliegen Dinge über den Tisch … bis ich eines Tages sagte, ich würde nur noch ohne solch emotionalen Ausbrüche mit ihnen spielen und dies ernst meinte – da kamen sie am letzten Ferientag angebettelt: Jetzt könnten sie dies. Und wirklich: Manchmal rangen sie sichtbar mit sich, aber gleichzeitig versuchten sie über sich selbst zu lachen, Spielstände nicht allzu ernst zu nehmen, sich einzulassen auf das Zufällige des Würfels – und plötzlich wurde es ein wunderbarer Ferienendespielabend, an dem wir gemeinsam an diesem Spiel saßen, uns gegenseitig Chancen zuspielten, miteinander über Tricks und Schliche lachten – ein wunderbares Geschenk.

berührt
von drei Töchtern – und diesem Bild: sie als Musik zu spüren, jede in ihrer eigenen Stimme, und in ihren Variationen des Seienden und zu Formenden die Kraft der gesamten Musik zu hören

begegnet
auf einer kurzen Reise zu Ferienende einem nahen Menschen, einer ganzen Familie, vielen Fragen und nur sehr wenigen Antworten (aber doch …) – und wie auf jeder Reise begegnet man sich unterwegs auch immer selbst;
am Mittwoch dann waren wieder die Kollegen um mich, in einer anderen Form von Nähe, mit Neujahrsumarmungen, mit ersten Gesprächen — und dann vielen müden, wirklich müden Schülern (und meiner Unfähigkeit, aus eigener Müdigkeit heraus animierend zu wirken)

gespürt
wie zu Schulbeginn Kraft zurückkehrt – Kraft wieder zu arbeiten, und Kraft, mich den Lähmungen, die dies erneute Rund-um-die-Uhr-Beschäftigtsein mit sich bringt, zu widmen,so dass alles auf neue Weise zu fließen beginnt

geübt
ja: nochmal ein Bahnhofsbild – weil ich dort saß, im trübesten Wetter, inmitten von Plätschermusik und lärmenden Menschen, und mich schon wieder in eine Art Resignation zurückziehen wollte, um zu konstatieren, dass ein Hineingehen in innere Welten bei solchem Lärm und Wetter eben nicht möglich ist – um während des Aufschreibens genau dieser Worte zu spüren, dass doch … dieser Ort jetzt mein Ort ist, und mir Raum bietet für alles, was zu mir gehört – und in dem Moment wurde es leichter und lebbar (und dann habe ich versucht, diese Erkenntnis auf den Schulflur mitzunehmen … ich übe weiter …)

geteilt
Worte an und für mich selbst – und dann war da noch ein Brief, der mich sehr berührt hat und dessen Worte in mir nachwirken und zu Sagendes nach sich ziehen werden, bald

mir selbst geschenkt
diese Ferienmomente (die sich noch nicht als vergangen anfühlen), wenn morgens im Haus noch alle schlafen und ich mit Lichtern, Buch oder Tagebuch sitze, oder einfach nur in den Garten schaue

zusammenerinnert

An seinem letzten Tag streife ich im vergehenden Jahr umher. Lasse meine Blicke durch Fotoordner, Tagebuch und Blogeinträge wandern, nehme den Familienplaner von der Wand und blättere, ebenso wie im Taschenkalender. Kaleidoskopartig kommt dieses vergangene Jahr zu mir zurück. Im ersten Erinnerungsgefühl war es mir karg und ärmlich erschienen. Nun entfaltet es sich vor mir mit all seinen Schätzen, seiner Weite, seiner Fülle. Ich staune. Und ich möchte danken.

Danke für mein Leben mit diesen wundervollen Kindern, immer und immer wieder …
… wie jedes auf seine Art tief aus sich heraus strahlt …
… wie sie mich in so verschiedenartigen Lebenssituationen sanft an die Hand nehmen und mir in ihren Fragen und Antworten wichtige Herzens- und Wesensdinge aufzeigen …
…  wie beide ihre eigenen kreativen Wege gehen (und in diesem Zusammenhang lernte ich in diesem Jahr mehr als je zuvor, mich auf ihr Chaos einzulassen, auch auf das in den Kinderzimmern:)) …
… ja, dass wir im Gespräch geblieben sind, egal wie das Pubertieren des großen und das Pubertätsimitieren (?) des kleinen Kindes dazwischen grätschen wollten …
… dass ich einmal erleben durfte, als Lehrerin des Sohnes zu arbeiten (im schulischen Sinne: in einer AG, er mit Gleichaltrigen zusammen – das war schon ein besonderes Gefühl) …
… und zum Thema Schule: Sehr dankbar bin ich dafür, dass beide in diesem Jahr dort lebbare Zeiten verbrachten, dass sie von ihren Lehrern wahrgenommen wurden, dass sie sich mit ihren Mitschülern arrangierten, wenn sich auch Freundschaften im Schulraum spärlich entwickeln. (Wir hatten schon schwerere Schulzeiten. Und bessere kaum, bei beiden Kindern nicht.)

Danke für nahe Menschen, die mit mir und uns Schritte gehen …
… für viele Begegnungen hier im Haus, für Freunde, die nah wohnen und öfter hier sind, und für fernere, denen ich seltener gegenübersitzen kann – besonders beglückt hat mich dieses Jahr, dass wir zweimal mehrere Tage mit der Patenkindsfreundesfamilie verbrachten …
… für die „Backtraditionsfreundin“, mit der jedes Jahr unser Advent (und nicht nur der) verbunden ist …
… für innige Begegnungen, die ich hier in diesem Schreibraum haben darf …
… für eine Freundschaft, die nach längeren Irritationen über das Jahr hinweg vor wenigen Tagen in eine warme Umarmung mündete …
… für wiedergefundene Menschen: Kindheitsfreundinnen auf einem Jubiläumstreffen, dreißig Jahre nicht gesehen, jetzt wieder- und ganz neu begegnet – in einer Intensität, die wir vorher nicht für möglich gehalten hätten …
… und für verlorene: für die Kollegin, die ich gern noch näher kennengelernt hätte, bevor sie uns für immer verließ – tief nachhallend ist die besondere Wärme, die in unserer Schule, in unserem Kollegium durch die erste Trauerzeit trug.

Danke für meine Arbeit, in der ich mich nach wie vor im schönsten Beruf der Welt wähne …
… für all die geschenkte Lebensfülle, das tägliche Aufeinanderzugehen mit den jungen Menschen, das Teilen und Begegnen …
… für neuerwachte Nähe zu meinen Fastabiturienten, für meine immer noch so offenherzigen Sechstklässler, deren Augen strahlen wie zu Beginn der fünften Klasse, als wir uns kennenlernten, und für meine neue erfrischende Pubertätsneunte (sie haben Lieblingsklassenpotential:)) …
… für so viele Unterrichtsideen, die von innen und außen auf mich zugeflogen kommen, dass ich kaum schaffe alles zu Taten werden zu lassen – aber wenn es dann gelingt, dass Ach-so-s aus Schülermund und -augen hervorspringen, oder wenn jemand einfach kurz aufatmet, weil die Angst vor Mathe – für den Moment – verflogen ist – dann möchte ich mich am liebsten still und demütig niedersetzen …
… für ein Lehrerzimmer, in dem miteinander gelacht, gefreut und gesorgt wird, in dem wir uns austauschen, Probleme loswerden und bei Bedarf auch eine Rückenmassage erhalten können, in dem es sich warm und geborgen anfühlt …
… aber auch für ein berufliches Nein, das ich schaffte auszusprechen, was ich nicht zuletzt meinem Körper verdanke, der mir in den letzten Monaten gezeigt hat, dass es zu viel wird. (Jetzt, wo ich davon schreibe, spüre ich gleich wieder seine Reaktionen. Ja, ich höre. Mein Teilzeitantrag ist abgegeben, ein Arzttermin vereinbart.)
… und in diesem Zusammenhang: Danke für meine Schulleitung. Wie gut, dass sie auch oder gerade in einer solchen Situation zuhören, mich bestärken und unterstützen, ja, fast mehr auf mich achten als ich das selbst vermag.

Danke für all das geschenkte Unterwegssein …
… für Radreisen über 1, 2, 4 oder 16 Tage (mein Mathematikerkopf merkt an: es fehlt die 8:)) …
… für Reisen in den Schnee …
… für – wieder mal – ein Klassentreffen mit berührenden Begegnungen …
… für Berlinwege, die mich unter anderem in meine musikalische Kindheit zurückführten …
… und nicht zuletzt für die Hügel rund um unser Dorf, die oft genug, meist spätabends, bereit sind, mein Gedanken- und Emotionenkreisen zu tragen.

Danke für die viele Musik hier in unserem Hause …
… wie gut die Kinder es mit ihren Lehrern getroffen haben, wie liebevolle, warme und fruchtbare Beziehungen sich dort entfalten, teilweise schon über viele Jahre …
… wie ich Jahr für Jahr mehr lernen darf, das Wachsen und Werden von Musik aus sich selbst? aus dem Instrument? aus dem Kind? heraus zu hören (eine sehr weittragende Erfahrung, dass man Hören lernen muss – und kann) …
… für jede Freundschaft, die die Kinder über die Musik gefunden haben …
… und auch für unser Wettbewerbserfahren und -durchleben (ja, ein Thema zum Dranspalten, ich weiß, daher die oft in mir grübelnde Frage, ob meine Rolle eher im Bestärken oder im Bremsen besteht) – dieses Jahr haben wir den Sohn zum Bundeswettbewerb begleitet und dort, oder eher: auf dem langen Weg dorthin staunend beobachtet, wie er geduldig und ausdauernd arbeitet, ringt, kämpft, durchhält, um am Ende den Erfolg selbst staunend, still lächelnd und mit einem fast erschrockenen „das hätte ich nie gedacht“ in Empfang zu nehmen (etwas, was er nirgends sonst so wie hier lernen kann).

Danke für jeden Moment, in dem ich bei mir sein durfte …
… vor allem durch die Musik, in der auch ich so vieles für mich finde; dass sich mein Klavierspielen immer noch wie Wow und Was-ich-schon-immer-wollte anfühlt (und weil ich seit dem Frühjahr  digital spätabends üben kann, werde ich nun wieder regelmäßigen Unterricht vereinbaren) …
… vor Kerzen sitzend, einfach nur sitzend …
… manchmal innig lesend …
… hin und wieder ins Schreiben eintauchend, das heilsam den Lebensfluss und mich selbst zu mir zurückzubringen vermag.

Danke auch für all das, was in diesem Jahr fehlte …
… es wäre vielleicht eine lange Liste, wenn ich sie denn aufschriebe …
… aber sie steht für den Moment nicht mehr wie eine Mauer vor mir, sondern wie ein Weg voller Aufgaben – teils von mir aktives Tun erfordernd, teils mich zum Bereitsein auffordernd, so wie ich – ein Geschenk des Neujahrsmorgens – las:
Die wesentlichen Dinge kannst du nicht machen, sondern nur empfangen. Aber du kannst dich empfänglich machen!
(aus Martin Schleske: Der Klang)

Wochenrückblick 47/14

Wetter
von allem etwas, täglich anders, aber immer noch (zu) warm – die Vorstellung, dass heute in der benachbarten Stadt der Weihnachtsmarkt eröffnet wird, passt so gar nicht zu den immer noch zweistelligen Temperaturen
gemacht
diese Woche dürfte der Schuldichtigkeitsgipfel des Jahres gewesen sein – es kulminierten drei Klassenarbeiten (das wars dann aber für dieses (Kalender)Jahr) mit meinen Verantwortlichkeiten für diverse Mathematikwettbewerbe der Schule, dazu ein Pädagogischer Tag mit Vor- und Nachbereitung, Schulkonferenz, Beratung von Referendaren, auch tränenreich (zum Glück noch nicht bei mir, so weit isses noch nicht …); und dann gab es noch … den verpassten Abgabetermin bei der Bücherei … den Schreck, dass die Kinder ja noch gar keine Winterschuhe haben (wie auch?, ich meine: wozu auch?) … zur Abwechslung ist nur mal das Telefon kaputt (Kinderspiel gegen Spülmaschine und Herd) … und der Cellolehrer der Tochter muffelt mich an, weil ich irgendeine Terminabsprache verbaselt habe (wofür ich recht herzlich danke :( ) … Jeans und Socken sind schon wieder alle in den Wäschebergen verschwunden oder zu klein/zu kurz, das Mensaticket immer noch weg, die Augen des Sohnes unter der Frisur auch – alles im grünen Bereich also
gehört
ein erstes Klarinettenvorspiel des Sohnes
gelesen
natürlich nur wenige Seiten, in diesen Zeiten, dafür umso intensiver – in David Grossman „Der Kindheitserfinder“ (diese Innensicht eines heranwachsenden Jungen – wow und puh – ich sehe dann sehr nachdenklich auf mein Exemplar hier: wovon ich wohl alles so keine Ahnung haben mag?)
nachgedacht
über das Loslassen im Großen wie im Kleinen, über meine Mutterticks (die Kinder sind so ehrliche Spiegel), über das perpetuierte schlechte Gewissen im Kopf (mir vor Augen gehalten, als der Sohn plötzlich – erstmals – wegen Kopfschmerzen aus der Schule abgeholt werden wollte und der Vater nicht erreichbar war: nun ist sein Schulflur ja mein Schulflur, wir saßen da also gemeinsam, und in mir ratterte es, dass ich jetzt nur die Wahl habe, eine schlechte Mutter zu sein oder eine schlechte „Arbeitnehmerin“, wie es so schön heißt – ist ja eigentlich klar, wie zu entscheiden ist, aber es fiel mir trotzdem schwer)
gefühlt
auch in einem anderen Dilemma, nämlich was mir in den wenigen Stunden bzw. Minuten, die mir in diesen Wochen neben der Arbeit bleiben, das Wichtigste ist – Klavierspielen, Schreiben (laut oder leise oder endlich antwortend auf so viele hier liegende geschenkte Worte), Hinausgehen und den Herbst einatmen – alles fehlt mir, von allem habe ich zu wenig
gestaunt
wie ich trotzdem langsam wieder in ein zuversichtliches Sein und Schauen hineinfinde, nach sehr nebligen Wochen
geübt
und – wie ich finde – schon ganz schön weit gekommen: das Chaos in den Kinderzimmern nicht zum täglichen Familienthema zu machen, sondern es dort zu lassen wo es hingehört: zu den Nebenschauplätzen des Lebens
gefreut
über Innigkeit mit den Kindern, als wir alle drei auf dem Fußboden im Wohnzimmer hocken und einmütig Wäsche sortieren und legen – erstaunlicherweise erzählen die Kinder in solchen Momenten mehr aus ihrem Leben als dann, wenn ich es – neugierig – provozieren will, etwa mit der dämlichen Frage beim Mittagstisch, wie es in der Schule war (ich habe noch etwa 8 Jahre Zeit, mir diese Frage abzugewöhnen; ich arbeite dran)
begegnet
einem ehemaligen Kollegen zum Mittagessen am Fluss – eine Oase mitten in meinem wöchentlichen Herumgefahre; und nach langem mal wieder dem Klarinettenlehrer zu einem kurzen Gespräch (wie sanft, wie liebevoll, wie gut es der Sohn hier getroffen hat)
berührt
vom Strahlen der Tochter, welches sie so unendlich aus sich zu schöpfen scheint
Ausblick
zu Ende korrigieren und ein paar weitere Nachmittags- sowie ein Samstagstermin, dann wird es schulisch ruhiger; dafür freue ich mich auf viel Musik, auf endlich wieder Momente zum Luftholen, auf das Mittagessen mit der Freundin, auf das Weiterlesen des Buches, auf den beginnenden Advent
Dankbarkeit
dafür, dass die Weite innen wie außen nicht verloren geht, wenn es auch zwischendurch so scheinen mag

Wochenrückblick 46/14

Wetter
ein immer noch (zu) warmer Herbst, mit Wolken, Regen, Wind – und ab und zu einem Fünkchen Sonne 
gemacht
Schule, Schule und Schule, unter anderem mit den ersten Korrekturen des Jahres – wie das zwischen Herbst- und Weihnachtsferien immer so ist; die üblichen Kindertermine, zumeist Musik, aber auch Bücherei, Spaziergang am Fluss, eine Samstagsfahrt zu einem Mathewettbewerb in einer nicht um die Ecke liegenden Stadt; Samstagsabendfilm als Wochenendbeginn; vorher noch schnell den Wäschekreislauf wieder in Bewegung gebracht (schon normalerweise braucht ein Wäschestück hier wohl 2-3 Wochen, bis es wieder am Ausgangsort anlangt, jetzt aber waren die Schränke leer, und auf den Kinderzimmerböden wuselten im trauten Miteinander dreckige, noch nicht in den Korb gewanderte und eigentlich schon saubere, nur noch nicht wieder einsortierte Stücke, und auch ich wusste bei den im Haus herumstehenden Körben nicht mehr ob schmutzig oder sauber … nun ist mal wenigstens sortiert und zu Bergen geworfen); und dann ein Sonntag, der so viel Kraft in sich trug – in Form von Worten – geschriebenen und gelesenen -, von Bildern, von Musik, von Stille
gehört
ein neuer Cellobogen macht sooo viel neuen Klang – hä? – ich wusste nicht, wieviel vom Bogen abhängt (klar, sonst gäbe es wohl nicht Bögen für mehr als 1000 Euro …)
gelesen
immer noch „Und plötzlich waren wir Verbrecher“ – ich wurde immer langsamer beim Lesen, weil ich aufgesogen habe, wie man sich in Zeiten äußerster Bedrängnis selbst bewahren und gar finden kann; dann – als Empfehlung zugeflogen: „Das Pubertier“ – naja, braucht man nicht, aber ich bin eine disziplinierte Bücher-zu-Ende-Leserin; und nun beginne ich zwei von David Grossman – ja, gleichzeitig: eines über das Werden, eines über das Vergehen
nachgedacht
über liebevoll geschenkte Worte, welche die meinen sind und vorher auch schon die meinen waren – nur braucht es manchmal eben einen Spiegel
gefühlt
von meiner Arbeitsmenge so weit erschöpft, dass mir im Laufe der Woche einige Male fast die Tränen kamen, doch dann …
gestaunt
… begab es sich, dass ich an einem Abend meine Schreibtischdinge unerwartet früh fertig bekam, eine Stunde oder noch mehr bis zum Schlafen plötzlich ganz meine war, ich tauchte in Gedanken und bald schon in ein Fließen voller Langsamkeit ein … und war … ruhig? still? zuversichtlich? … ja. 
geübt
den Blick auf meine Kraftquellen zu richten, so dass mir diese wieder mehr zutragen
gefreut
über mich berührende Hände, Bilder, Worte in Momenten, in denen ich es brauchte; und dass der Sohn „danke“ sagt, wenn ich ihm bei seinen Sachen helfe
geärgert
dass ich diese „Rubrik“ noch immer nicht herausnehme, irgendwie der Vollständigkeit halber jede Woche aufs Neue nachgrübele, was hier hineinzuschreiben sei – und doch merke, dass „Ärgern“ wohl nicht zu meinem Emotionenspektrum zählt
begegnet
einer Freundin zum Mittagessen, mitten in der Woche (so lange vor uns hergeschoben, und dann war es plötzlich ganz einfach, sich diese Stunde freizunehmen); einer nahen Stimme und einem mich (be)treffenden Bild in einem Brief; meiner eigenen Stimme im Tagebuch; und meiner Musik am Klavier
Ausblick
noch fünf Wochen bis zu den Weihnachtsferien, könnte ich jetzt in Fortsetzung der vergangenen Woche schreiben – doch es hat sich einiges gelüftet, ich bin mit dem Blick wieder mehr in der Gegenwart – und habe in den nächsten Tagen vor, einiges an Arbeit wegzuzaubern – nicht durch Abarbeiten, sondern durch Wegfallenlassen, Aussitzen, Ignorieren, Kürzertreten (mal schauen, ob ich dies dann wirklich mit Konsequenz durchziehe)
Dankbarkeit
für den Himmel, unter dem ich heute spazieren gehen durfte

Stimmbildung

Es ist ein schon ein paar Wochen her. Dort, auf jenem Wochenende, begegnete ich ihr.
Oder eigentlich ja mir. Als ich da nämlich stand – in der Einzelstimmbildung – in vorsichtigem Ertasten, in Kontakt und Konfrontation mit den eigenen Tönen, im erinnerten und wiederkehrenden Gefühl, dass – und wie! – es im ganzen Körper schwingt. So dass der Teil meines Ichs mitvibriert, den man dann gar nicht mehr Körper nennen kann.
Ja, so war das immer im Gesangsunterricht.

Eine sanfte Entscheidung, bisher noch nicht in die Tat einer konkreten Verabredung umgesetzt, aber doch seit jenem Tag präsent: diese Frau wäre es. Mit ihr würde ich einen neuen Versuch wagen, das Singen wieder in meinen Alltag zu holen.
Nicht, um wie zu Studentenzeiten in kleinen Kirchen solistisch aufzutreten. Nicht, um wie damals in guten, besseren und unglaublichen Chören mitzusingen, oder im Stadttheater als Aushilfe auf der Opernbühne zu stehen. Nicht um in irgendeiner Weise mit meiner Singstimme in irgendeine besondere Form der Öffentlichkeit zu gehen. Ganz im Gegenteil. (Ich traue mich ja kaum zu singen, sobald jemand hier im Haus ist.)
Ich brauche den Unterricht bei dieser Lehrerin nur noch für mich. Um mich zu spüren. Um mir aus einer ganz nahen Position heraus zuzuhören. Um genau in mich und meine Töne hineinzufühlen. Um die Klänge – und darin mich – zu erkennen. Um zu mir zu kommen, bei mir zu sein, in mir zu bleiben. — Und dann: Um zu staunen, zu schweben, zu leben. — Wer sich jemals intensiv durch sein eigenes Singen hindurch gespürt hat, wird verstehen, wovon ich rede.

Und um – hm, wie soll ich das sagen? Das was ich jetzt spontan schreiben wollte, klingt sicher unverständlich. Also hole ich weiter aus: Zwei gute alte Bekannte hatte meine wiederkehrende Stimme im Gefolge. (Immer wenn alle aus dem Haus sind, sobald ich allein bin, singe ich sofort los.) Wie diese Bekannten nennen? Sagen wir mal: Herr Wollen und Frau Lautstärke.
Gewollte Lautstärke also, Dauerbegleiter meiner Stimme. Immer schon. – Immer noch? Ich werde nachdenklich. Versuche in den Begleitern zu lesen wie in einem Spiegel.
Das Gefühl nicht genug gehört worden zu sein (immer schon?) – daher soll es laut klingen, daher arbeite ich an jedem Ton mit aller Kraft, presse ihn in Räume mit noch mehr Resonanz, binde ihn an Orte, die eigentlich für andere Klangfarben bestimmt sind, überfrachte ihn mit Forcierung.
Nicht loslassen, nicht einfach zulassen, nicht mir selbst (und der Welt) zuhören zu können – daher halte ich fest und mache und tue und will und sorge dafür, dass es klingt wie eben ich mir das jetzt vorstelle. Und nicht wie sich der Ton im Moment einfädelt und ergibt und fügt.
Die Dinge mit Kraft in die Hand zu nehmen. Mit unguter Kraft, die krank macht.
Herr Wollen und Frau Lautstärke also. Wie sehr mir diese beiden vertraut sind. Noch von damals. Ohne sie konnte ich gar nicht singen.
Und übrigens, sie bringen immer auch ihr Kind mit. Das heißt Heiserkeit. Kaum eine Stunde gesungen – und schon wehrte sich etwas in mir. Mist, sagte ich damals immer, ignorierte, und sang weiter.

Jetzt also schon wieder, sofort waren die beiden wieder da. Nur habe ich diesmal – ganz anders als damals – auch ihr Kind sofort um die Ecke lugen sehen. Und haben nicht die Augen davor verschlossen, dass es gleich eintreten wird. Nein. Diesmal habe ich es willkommen geheißen. Habe es gefragt, was es mir mitbringt, dieses Kind Heiserkeit. — Da bin ich ganz still geworden. Und habe verstanden.
Vielleicht weil ich doppelt so alt bin wie damals – ob es daran liegt? Oder daran, dass ich so manches erlebt und erfahren habe inzwischen? Oder daran, dass ich – selbst ohne zu singen – so manch Heiserkeit durchlebt habe, mich ihr stellen und fügen musste, immer wieder, so dass sie mir eine gute Vertraute geworden ist, mit der ich fast schon befreundet bin?
Gut so, sage ich also jetzt. Ich darf in diesen drei Gästen wie in einem Buch lesen. Wollen, Lautstärke, Heiserkeit. Und dazwischen ich. Nicht mehr trotzig mich dagegenstellend, nicht mehr das Buch umschreiben wollend. Sondern lauschend und schauend, was ich denn nun dort alles für mich herauslesen kann.

Und siehe da – gleich auf Seite Eins:

Die größte Kraft auf der Welt ist das Pianissimo.
(Maurice Ravel)

Ich höre.
Und übe zu singen.

PS: Eigentlich schrieb ich hier ja von meiner Arbeit als Lehrerin. Nicht vom Heiserwerden durch das Sprechen vor der Klasse – nein, das meinte ich nicht. In Dezibel zu messende Energie, geschrieene Lautstärke im Klassenzimmer, die war noch nie meins. Sondern ich spreche von all der Energie, die ich als Frau Rebis einsetz(t)e, um die Beziehung zu „meinen“ jungen Menschen zu gestalten. Von all meinem Wollen und Forcieren und Nichtloslassen und Überfrachten meiner TöneSchüler mit Kraft, die letztlich als ungute wirkt. Davon, dass ich meine Energie stets mehr in mein Tun als Lehrerin bündelte als sie sich im Sein meiner Schüler entfalten zu lassen. Erst allmählich beginne ich zu verstehen: Erst wenn ich meine Lehrerstimme ins Pianissimo geführt habe, wird alle Heiserkeit verschwunden sein. Erst dann wird es sich richtig anfühlen.

PPS: Es kann kein Zufall sein, dass mir mein erster Gesangsunterricht, vor bald 20 Jahren war das, genau in der Zeit zufiel, als auch meine Entscheidung reifte Lehrerin zu werden. So stimmig, die Stimme als Spiegel.

Lebensatem

Ich fahr dann mal singen. Hierher (klick).
Wenn ich nur dran denke, lebe ich auf. Und wenn ich erst auf dem Weg bin. Und wir uns dann dort treffen.
Das erste Einatmen, der erste Ton, die ersten Klänge.
Eintauchen, Schweben, Vibrieren.
Einatmen, mit allen Fasern.
Ausatmen, aus der Tiefe heraus.
Ein und Aus und Ein und Aus. Mitten hindurch. Allezeit.
Singen eben.

Es gibt wenige Dinge, ohne die ich mir das Leben nicht vorstellen möchte. Singen ist eines davon.

Und kaum zwei Tage ist es her, dass auf berührendste Weise die Wurzeln meines Musik-Erlebens zu mir zurückkehrten. 30 Jahre hatte ich diese fast wie vergraben und vergessen. Als dann die Email in meinem Postfach landete, mir ein Bild dazu vor Augen erstand – ein kleines Mädchen mit Zopf, damals in Moskau 84, die Bilder dazu, die Lieder, die Empfindungen, all unser Sein damals – da hatte ich binnen zwei Stunden eine Reiseplanung verändert, ein paar Bahntickets gebucht, eine Handvoll Emails geschrieben, was wiederum die Reiseplanung anderer Menschen veränderte … und nun befinden wir uns alle in einem fast verrückt anmutenden Vorfreudegefühl. Das Weißt-Du-noch unserer ersten freudig überraschten Hin-und-Her-Mails ist voller Ahnung darüber, dass es nicht nur Vergangenes ist, was wir teilen. Wir haben ja schließlich Musik geteilt, eine Kindheit lang. … Zwei Monate noch bis zum Wiedersehen.

Und nun erstmal zwei Stunden bis zum ersten Ton.
Singen eben.