Monatsblicke

im Juni

Ein erschöpfter Monat ist dieser Juni. Wie immer um diese Zeit, da das Schuljahresende eingeläutet wird. Von Jahr zu Jahr aber stecke ich es schlechter weg. Nach der Himmelfahrtspause komme ich überhaupt nicht wieder in Tritt, die ersten Monatstage vergehen in lethargischem Waten durch die letzten Schulstunden, und sogar die Radreisevorbereitungen fließen nicht.
Die Reise selbst beginnt zäh und innerlich düster, es braucht lange, bis ich ins Unterwegssein hineinfinde.
Von dort zurückgekehrt, ist der halbe Monat um, ich trotte wieder durch Schultage, besser gestimmt zwar, jedoch auf einem anhaltenden Teppich der Erschöpfung.
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So sehen diese Tage also aus, die Korrekturen stapeln sich, darum auch ist es im Blog still geworden, darum ist mir kaum nach Schreiben zumute, darum schob sich dieser kurze Rückblick Tag um Tag um Tag hinaus. Es sind ja nicht nur Korrekturen. Da ist Hitze, unerträglich im Glasfassadenschulhaus, da sind Konferenzen und Sitzungen und Planungen fürs nächste Jahr, ein Wettbewerb ist auszuwerten, es gibt eine Mathenacht mit den 5. Klassen und eine Kollegenverabschiedung auf der Sternwarte. Vieles ist schön und bewegend. Und dennoch: Man mag nicht mehr, ich mag nicht mehr.
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Die Kinder stöhnen ähnlich, die Temperaturen in Verbindung mit dem Klassenarbeitsberg werfen noch jede Motivation um, es wird Zeit für Sommerferien.
Der Sohn möchte diese allerdings am liebsten überspringen und gleich nach Italien abfliegen, spätestens als er vor Vorfreude platzend von seinem Vorbereitungsseminar zurückkehrt. Solange beschäftigt er sich mit einem Online-Italienischkurs, lässt aber uns gegenüber noch keine neuerlernte italienische Silbe raus:)
Allmählich wird es in verschiedener Hinsicht ernst, wir kündigen Musikunterricht, Monatsticket und diverse andere Regelmäßigkeiten und beschäftigen uns mit Klavieranmietmöglichkeiten in Mailand, Kontoeröffnung und Versicherungsdingen. Das lenkt immer wieder den Blick darauf, wie bald er schon weg sein wird.
In diesen Tagen erhalten wir auch endlich Unterlagen für Gasttöchter, wir entscheiden uns und werden einander wunschgemäß zugeordnet. Ab September wird die Tochter also eine große Gastschwester haben, aus Slowenien kommt sie, alle sind vorfreudig gespannt.
Musik gibt es in diesem Monat vor allem in Form von vielen Proben, die Schuljahresabschlusskonzerte und -vorspiele stehen vor der Tür, die Kinder bereiten eine Cello-Klavier-Suite vor und üben miteinander anders als früher ohne gegenseitiges Anschreien, na bitte geht doch.
Für die Tochter gibt es eine wichtige Neuerung: Langgewünscht darf auch sie endlich eine Brille tragen. Beim Optikerbesuch zeigt sie sich entschlossen und wählt ein kräftig-grelles Modell, wennschon dennschon, wir sind gespannt:)
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Der warme Monat schenkt einige Treffen mit nahen Menschen. Meine Radreise hangelt sich von liebem Haus zu liebem Haus. Zu uns kommen Gäste, wir werden eingeladen, mit alten Freunden treffen wir uns in der Stadt. Und an vielen warmen langen Abenden sitze ich einfach nur allein im Garten. Neuerdings kann dort ein Feuer brennen, was mir vor allem die Seele erwärmt.

im Mai

Was für ein Auf-und-Ab-Monat. Da ist zunächst das Wetter, welches zwischen Fastwinter, Herbststürmen und Hochsommer alles aufbietet. Gelegentlich sogar ein wenig Frühlingsstimmung. Ich bin oft draußen, zu Fuß, auf dem Rad, mit der Kamera in jedem Fall, und am Monatsende bleiben viele Bilder. Im Innern. Und im Fotobearbeitungsordner.
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Ich eröffne meine Zeltsaison, sie beginnt schon am ersten Monatstag im Garten. Am Himmelfahrtswochenende radle ich eine weite Pfalzrunde und genieße das Zeltnächtigen. Umso schöner, dass ich die Urlaubsdinge gar nicht erst aufräumen muss, weil es gleich in die Pfingstferien weitergehen wird.
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Dazwischen erstreckt sich, so wie den ganzen Monat hindurch, eine nur zäh zu durchwatende Schularbeitsmasse. Mündliche Prüfungen, schriftliches Abitur, Steuergruppenarbeit, Unterrichtsbesuche, Referendarszoix, Mahnbriefe, Klassenkonferenzen, Klausuren und Nachklausuren, und ein bisschen Unterricht passt auch noch in jeden Tag … Es ist die Zeit im Jahr, wo die Kräfte allmählich nachlassen, wo mich der tägliche Schul-Irrsinn anfängt zu überfordern, wo ich zuweilen in eine Glocke eintauche, meine Kommunikationsfäden beginnen sich zu verheddern, ich werde ungehalten, unsensibel oder beides. Und draußen vor dem Fenster sprießt es, ist die Zeit des Wachsens gekommen, während wir in unseren Klassenzimmern hocken.
Wie gut, dass es die Pfingstferien gibt. Pauseschenkende zwei Wochen, um die sechs anschließenden Schuljahreswochen doch noch gesund zu überstehen.
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Die Kinder stöhnen ebenfalls, beide sind unlustig auf Schule, na gut, das sind sie öfter. Aber man spürt auch bei ihnen die Länge des Schuljahres und die nachlassende Kraft.
Immerhin aber erleben sie Tolles mit dem Schulorchester. Die Tochter spielt ein Opernprojekt mit, das dem Orchester – mehr als den Solisten – stehende Ovationen bringt, und beide reisen mit nach England auf ein Musikfestival. Die von der Reise resultierende Müdigkeit wird in den Juni hinübergetragen:)
Die Tochter feiert ihren elften Geburtstag mit einer riesigen Übernachtungsparty, wir haben ein volles Haus und am Ende des Wochenendes das Gefühl, nun umgehend ins nächste gehen zu wollen.
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Begegnungen gibt es viele. Solche mit langbekannten Menschen, auch aus den Augen verlorenen, auf der Beerdigung der Freundin. Solche mit tränenvollen Gesprächen hier im Dorf und um die Ecke, weil doch so viel Schweres zu tragen ist, derzeit, um mich herum. Solche mit Herz-zu-Herz-Gesprächen, mit hierher gereistem Besuch oder in Räumen, in die ich gereist bin. Es tut gut, das alles. Ich bin dankbar für dieses lebendige Netz, an dem wir ja immer noch weiter weben, wir alle.
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Dazwischen ringe ich viel. Mein Baum bietet seine alte Haut zum Anlehnen an, mein Cello schwingt zuweilen mit mir (zuweilen auch nicht), und da ist immer noch und immer wieder der tröstliche Blick in die Weite.
Was ich letztlich mitnehme aus diesem wild-grauen Mai, sind Bilder wie im letzten Blogpost. Ich spüre ein tragendes Lebensbett, trotz allem. Und beginne nun seufzend den Juni. Gleich wieder geht es auf’s Rad, es kann nur stärkend werden.

im April

Der Monat beginnt in frühlingshafter Wärme und wie immer mit dem 1. April, in den ich erstmals (?) von niemandem geschickt werde, nicht von den Kindern, nicht von Schülern. Bei letzteren liegt das wohl einfach daran, dass ich sie am Samstag nicht sehe:) Mir fehlt nichts, aber es fällt mir auf.
Zum Ende des Monats hin hat sich der heftige Frühling vom Monatsanfang zunächst wieder versteckt und schaut nur schüchtern um die Ecke. Man hofft ja doch, dass er sich im Mai endlich wieder hinaustrauen wird.
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Der Monat ist geprägt und dominiert von unserer New-York-Reise, von all dem Anstrengend-Spannenden schon vor dem Start (für uns, die wir sonst nie fliegend verreisen), von der Eindrucksflut der Riesenstadt, die zuweilen überfordert, von Jetlags, einer Tonne voller Fotos und Erinnerungen und von daraus geborenen neuen Reiseplänen:)
Durch die Reise übrigens fällt das Eierfärben natürlich aus, was vor allem ich ein wenig schade finde, wie ich zu meinem Erstaunen feststelle.
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Vor und nach den Ferien gibt es natürlich Schulzeit, ein wenig nur. Aber auch eine einzelne Woche kann im Anstrengungsgewand auftreten, was vor den Ferien vor allem daran liegt, dass nebenher die Packvorbereitungen laufen und derart fordern, dass kaum mehr genug Schlafzeit bleibt.
Nach den Ferien ist natürlich alles liegengeblieben – die kompletten Ferien wegzufahren bedeutet ja, dass das reinigende Alles-weg-Korrigieren, Alles-weg-Aufräumen, Alles-weg-Kommunizieren und Alles-weg-Vorbereiten, womit zweiwöchige Ferien gut gefüllt sein können, nicht stattfinden kann und die angrenzenden Schulwochen mit kaum zu bewältigender Arbeitsdichte gefüllt sind. (Darum übrigens werde ich ab nächstem Jahr ein wenig mehr Teilzeit nehmen, also ein wenig weniger Deputat haben: Um in Ferien wegfahren zu können, ohne mich vorher und nachher in die Erschöpfung zu arbeiten.)
Die Reste des in den Ferien Nichtgeschafften schleppe ich in den Mai, nicht zu Ende korrigierte und nicht fertig erstellte Klassenarbeiten, nicht vorbereitete mündliche Prüfungen, ein Schulcurriculum im Rumpfzustand und (psst!) ein paar längst fällige GBUs. (Wer nicht naturwissenschaftlehrend ist, möge sich nicht beunruhigen: diese Abkürzung muss man nicht kennen, und das Dahinterstehende ebenfalls nicht.)
Ich hechle den Erfordernissen hinterher und finde mich seit langem wiedermal in der Situation, dass ich spätabends ganz knapp und sozusagen von der Hand in den Mund erst vorbereite. Da kommt der ganztägige Pädagogische Tag gerade Recht, selbst wenn er an meinem unterrichtsfreien Tag liegt: muss ich am Vorabend wenigstens mal nichts vorbereiten.
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Den Kindern geht es mit ihren Schulaktivitäten besser, die Klassenarbeitsdichte ist gering, die Hausaufgabenmenge wohl auch. Jedenfalls sehe ich sie kaum mal etwas für die Schule tun und auch nicht fluchen.
Ihre Musik im Haus dagegen erfährt heftige Belebung. Die Tochter hat ein neues Cello und eine neue Lehrerin, neue Stücke, neuen Schwung, alles lässt sich gut an.
Der Sohn ist nach dem Jugend-musiziert-Wettbewerb regelrecht manisch in der Erarbeitung von Neuem. Prokofjew, Liszt, Chopin, Beethoven tönen durchs Haus, ich komme mit dem Notenkaufen kaum hinterher. Vor allem die Dauer des täglichen Übens stellt hohe Anforderungen an alle Zuhörendennerven, denn ja, ein Flügel ist laut und tönt durch alle Wände. Dafür wurden also Silent pianos erfunden.
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Für viel mehr ist kein Raum in diesem Monat, ich bin wenig draußen (außer natürlich in New York), ich lese wenig, komme kaum zum Celloüben. Es fließen Tränen, denn die Freundin stirbt. Andere nahe Menschen beenden ihren Lebenskreis. Im Kollegium werden zwei Kinder geboren, und eines darf nach Intensivstationsmonaten wieder nach Hause. Mein Knie – nur das Knie, aber doch – muckert und erinnert sanft daran, dass auch mein Platz in diesem Lebenskreis zwischen Geborenwerden und Sterben kein unveränderlicher ist.
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Mein innerer Grundzustand dieses Monats ist gehetzt und unzufrieden. Alles ist viel zu viel. Sehnsüchte liegen brach vor mir, ich habe zu üben.
Sei mir das am letzten Monatstag im Garten aufgebaute Zelt ein Hoffnungsschimmer, dass mit bald beginnenden Rad-und-Zelt-Zeiten endlich wieder Tage des Ruhens kommen werden, ich brauche sie so.

 

im März

Der Monat beginnt, während wir uns noch auf unserer Bergschneereise befinden, führt uns nach der Heimkehr in zaghaft frühlingsprießendes Wetter und endet mit ersten Fast-Sommer-Tagen. Im T-Shirt und dennoch schwitzend sitze ich am letzten Nachmittag des Monats am Fluss und ertrinke fast im Blütenbunt.
Ich bin viel draußen, schaffe mir ein neues Wegeritual rings um unser Dorf, am Wegesrand liegt immer wieder mein Baum, der tägliche Schulweg wird wieder auf den Fahrradsattel verlegt, Hängematte und Liegestühle bekommen eine Grundreinigung und anschließend häufigen Besuch von der Tochter und mir.
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Die Schule startet nach den Ferien heftig mit einem Stapel Vertretungsstunden, manchmal ist das eben so. Aber, hej: Ich fühle mich vor den Klassen mehr denn je wie ein Fisch im Wasser. In unserer kleinen Fünften gibt es unruhige Konstellationen und noch wenige Lösungsideen. Diese KollegInnen zu haben jedoch, mit denen man alles alles alles besprechen (und manchmal beweinen) kann, ist goldwert. Gerade in solch schwierigen Situationen.
Vom zweiten Dienstort verabschiede ich mich allmählich, mit einer langen Serie an Terminen, bei deren jedem ich innerlich ein kleines Häkchen setze. Gleichwohl zuckt es kurz in mir, als mich ein dritter Dienstort anspricht, sie hätten gehört, ich würde dort aufhören, ob ich nicht zu ihnen kommen wolle. Das schmeichelt und verlockt kurz, aber ich glaube, ich sollte bei meinem Nein bleiben.
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Der Sohn verbringt zwei Wochenenden auf Vorbereitungsseminaren für sein Italienjahr und bekommt wichtige Mailpost: Seine Gastfamilie. Es passt wie erträumt und führt zu jubelnder Aufregung hier im Haus. Die konkreten Planungen beginnen, vor allem, wie sich sein Klavierunterricht nun nach Mailand verlegen lässt. Das Klavier nämlich wird ihm gerade mal wieder zum wichtigsten Lebenselexier, er übt morgens mittags abends, lernt eine Sonate nach der anderen, ich komme mit dem Notenbestellen gar nicht hinterher. Und spielt am Ende des Monats auf dem Landeswettbewerb „Jugend musiziert“, Ergebnis gibt’s erst am Sonntag.
Die Tochter ist vom Weiterüben nach dem Januarwettbewerb weniger begeistert und schleppt sich mit Mühe durch die seit einem Jahr gleichen Stücke, sie wartet nur darauf, dass es morgen Nachmittag vorbei sein wird. Damit sie dann endlich auf ihr neues Cello umsteigen und sich der neuen Lehrerin widmen kann. Ja, der Monat endet mit der letzten Stunde bei ihrem sechsjährigen ersten und besten Cellolehrer.
In der Schule gibt es viele Klassenarbeiten, den Känguru-Wettbewerb und darüber hinaus Tochtertränen. Die tragen wir weiter in den nächsten Monat.
Der Sohn wählt eine neue Brille und verabschiedet sich vom langjährigen Harry-Potter-Nickelbrillen-Style, nun hat er auf der Nase, was alle tragen, das ist doch auch mal was. Die Tochter sucht ebenfalls nach ihrem eigenen Kleidungsstil und garniert das Ganze mit Unmengen an Kosmetik, deren Sinn und Funktion sich mir im Leben noch nicht erschlossen hat, ich lerne dazu;-)
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Wir schaffen es mal wieder ein paar liebe Menschen zu treffen, es beginnt schon in unserem Ferienbergdorf, und auch hier findet sich ab und zu Zeit für ein Weinchen mit Freunden. Ich schicke einen Stapel Papierpöste auf den Weg, von dieser Altmodischkeit will ich nicht lassen. Ein kleines Mädchen stirbt, ein Dorf weint, und der kranken Freundin geht es auch nicht gut. Wir sprechen in der Schule und zu Hause viel über’s Sterben und über die Netze, welche die Weiterlebenden nun haben. Und was wir dazu geben können. Ausgelöst dadurch formuliere ich erstmals im Leben auf einem Blatt Papier, im Moment noch in der Stichpunktversion, was ich mir für mein eigenes letztes Weggehen wünsche. Sollen hinterher ja nicht die anderen entscheiden müssen. Und man weiß nie, wann es soweit ist. Siehe letzten Monat …
Das Leben hat immer alles auf einmal in sich, eine große Osterreise will vorbereitet werden und strengt mich mit dem notwendigen Organisationskram schon ein wenig an, mal schauen, wie es dann dort wird. Im Moment bin ich müde, müde und müde, ich schlafe mal wieder viel zu wenig.
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Bei all dem trägt mich meine Musik, und wie. Der Monatsbeginn bringt ein neues Leihcello, welches das Wow nochmals steigert. Ich beginne eine erste Sonate von Cirri zu spielen (ab 2.45 vor allem: mein Traumsatz:)), die Tochter korrigiert: zu üben;-), und ich merke immer mehr, wie sehr mir dieses Instrument vorher im Leben gefehlt hat.
Und Lesen trägt, Schreiben noch viel mehr. Und natürlich – ein würdiger Schlusspunkt für diesen prallvollen Monat – Ihr, denen ich hier im Schreibraum begegne, Ihr tragt auch.
Danke für alles.

im Februar

verlief manches anders als gedacht, wobei sich dies vor allem auf meine inneren Prozesse bezieht und ich jetzt zum Monatsende kaum ausmachen kann, was dieses „manches“ alles beinhaltet, und wann genau ich mich so außerhalb meiner selbst zu fühlen begann
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natürlich war es in der Schule heftig, mit Elternsprechtag und Elternabend und Wettbewerben und Konferenzen und vielen Vertretungen (alle sind krank, mich traf es ja auch ein zweites Mal) und der Terminhäufung am zweiten Dienstort – aber das ist es ja immer
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war ich erleichtert, als die Kinder ein paar Tage zu Schulorchesterproben verreist waren und die Termindichte darum ein wenig nachließ
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hatten wir lieben Berliner Besuch hier im Haus, was zwar einerseits kaum in den Alltag zu integrieren ist, aber andererseits in wohltuende, hilfreiche Gespräche führte
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spielte ich viel Cello – was sonst:) – und dies ist mir tatsächlich in so kurzer Zeit zu meinem wichtigsten Seelenbalsam geworden
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überlebte ich den 15. Februar und werde ihn von nun an als meinen zweiten Geburtstag im Jahr feiern (mehr möchte ich hier nicht davon erzählen)
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versuche ich nun, in den kurzen Ferientagen in unserer wohlvertrauten Bergwelt wieder in die Ruhe des Jahresanfangs zurückzufinden, was mir durch den heute gefallenen Schnee erleichtert wird, wenn dieser auch ziehende, schmerzende, traurige Erinnerungen aufwirbelt
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habe ich große Sehnsucht nach dem Frühling mit seiner lindernden Lichtheit

im Januar

ging es wie zu jedem Jahresstart erst einmal mit einem langsamen Tempo, einer noch stillen Zeit los – welch ein Glück diese langen Weihnachtsferien doch jedes Jahr sind!
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fanden darum – neben anderen Seelendingen – viel Schreiben, viele Bücher und sogar einige Filme Platz, bis der Wiederbeginn der Schule das Schwelgen in Buchstabenwelten ein wenig abebben ließ
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folgten auf erholsamste Ferienwochen vollgestopfte Schulwochen mit 120 Klassenarbeitskorrekturen, 140 Zeugnisnoten, Zeugnisschreiben, haufenweise Konferenzen, einer Reihe Unterrichtsprüfungen, Elterngesprächen, mehreren zu organisierenden Mathematikwettbewerben und und und … im Kalender dominiert in diesem Monat die Schulfarbe deutlich:(
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hat es mich zusätzlich gefordert, dass ich mittendrin für mehrere Tage fiebrig im Bett lag, wobei Termine – Zeugnisse und Prüfungen und so – ja nicht entsprechend nach hinten verschoben werden, so dass ich einen Kompromiss zwischen waagerechter Körperposition, Trotzdemkorrigieren, Krankmeldung für die Unterrichtsstunden und Nebenbeigesundwerden finden musste
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bin ich aber dennoch heil, auch innerlich, durchgekommen, und habe sogar jetzt zum Monatsende noch das Gefühl, ein wenig von der Anfangsruhe des Jahres in mir zu tragen
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war doch dieser Monat ein Versuch, mich nicht im ewigen To-do gefangen zu fühlen, sondern mich stärker zu besinnen auf das, was gelungen, geschafft, erarbeitet und erreicht ist, statt auf das, was immer und immer wieder noch fehlt – auch das gelang soweit und hinterlässt kleine Ahnungen, dass sich durch diesen anderen Blick ein insgesamt gesünderes Alltagssein leben lässt
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hat zu meinem inneren Wohlgefühl ganz wesentlich mein – ja, ich sage schon „mein“! – Cello und die Stunden, die ich mit ihm verbrachte, beigetragen; die Lehrerin, zu der ich in den Weihnachtsferien erst nur telefonischen Kontakt gehabt hatte, erwies sich in den ersten vier Stunden als für mich so passend, und die Ahnung von dem Bewegungs-, Singe- und Klanggefühl, welche das Instrument schenken kann, die ist nach wie vor einfach hach!
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musizierten auch die Kinder wie immer im Januar intensiv auf vielen Proben, Probevorspielen und zum Monatsende dem Jugend-musiziert-Wettbewerb, der – ich schrieb davon – diesmal eine ganz neue Erfahrung für uns brachte, welche ein jetzt umso intensiveres Zusammengehörigkeitsgefühl im Tochterquartett nach sich zieht, und ein fleißiges Üben bei Streicherduo und Sohn, da beide in zwei Monaten in der nächsten Runde weiterspielen dürfen
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hatten wir einigen, auch überraschenden Besuch hier im Haus und verbrachten warme Stunden mit Freunden
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reichte es mal wieder für so vieles nicht, aber das ist ja nichts Neues und wohl etwas, an das ich mich werde gewöhnen müssen, weil ich eben einfach so bin, dass ich immer mehr möchte als der Tag Stunden hat:)

im Dezember

schloss sich der Kreis dieses ereignisreichen Jahres mit stillen Tagen „zwischen den Jahren“, in denen wir wie immer kaum etwas taten außer – zumeist im Schlafanzug – vor uns hin zu leben, in den Bücherbergen aus der Bibliothek zu versinken, wieder zu uns zu finden und in innere und äußere Ruhe zu kommen;
dabei verabschiedete sich das Jahr mit einer hauchzarten Schicht Schnee am Altjahrstag, Beglückung für Kinderhände und Erwachsenenaugen gleichermaßen
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hatten wie immer in der Adventszeit Musikproben und -vorspiele das terminliche Zepter fest in der Hand: es waren – für beide Kinder zusammen – insgesamt 27 zusätzliche Proben und Vorspiele, das muss man erstmal in einem Monat unterbringen
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bewunderte ich die Kinder einmal mehr dafür, wie sie das aus- und durchhalten, dabei immer wieder voller Begeisterung musizieren und fast nebenher den Klassenarbeitsregen in der Schule absolvieren
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kam es daher einem Wunder gleich, dass wir dennoch Samstage für den Weihnachtsbaumwaldbesuch und unser traditionelles Plätzchenbacken mit der Plätzchenbackfreundin fanden – so spät zwar, dass wir nicht mehr schafften sie zu verzieren, aber der Wille zählt:)
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bot die Schule nicht nur für die Kinder, sondern auch für uns Lehrer nochmal alles auf, was zu einer ordentlichen Ferienreife nötig ist, so dass wir uns nach der letzten Stunde am 21. Dezember guten Gewissens einem stundenlangen Kollegiumsglühweintrinken hingeben durften
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konnte ich auf einem Stufentreffen des Abijahrgangs 2011 viele ehemalige Schüler wiedertreffen und auf teilweise erstaunliche Biographien blicken, soviel Unerwartetes geschah in so kurzer Zeit!
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waren einer der Höhepunkte wohl die zwei Celli, die hier Einzug hielten, und mit ihnen eine neue Passion: nach ersten Tönen auf dem 3/4-Instrument der Tochter war ich fasziniert und erstaunt, dass ich mir das Gefühl auf diesem Instrument immer genau so vorgestellt und erträumt hatte, unausweichlich also der Schritt, mir ein eigenes, ganzes Instrument zu leihen, ersten Unterricht zu nehmen und nun schon viele viele quietschend-kratzende Übungsstunden hinter mir zu haben, mit immer mehr Faszination, immer mehr Verliebtheit in diese Töne und dieses Gefühl, hach:)

im November

boten Himmel und Wetter alles dar, was sich auf ihrer Farbenpalette fand: vom goldenen ersten Tag, den wir für eine Herbstlaubwanderung nutzten, über nebliggraukalte „echte“ Novemberstimmung, bis hin zu den wieder blauhimmeligen frostweißen letzten Monatstagen
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standen bei beiden Kindern aufregende Neuigkeiten an:
für die Tochter fanden wir ein spektakulär gut klingendes 3/4-Cello und eine neue Cellolehrerin, mit der es sofort stimmte – auf beides muss sie jetzt zwar noch ein halbes Jahr warten, aber die Vorfreude und so…;
derweil sind die Jugend-Musiziert-Anmeldungen abgeschickt und das Üben am Klavier und in den Streicherensembles in vollem Gange – an Proben und Vorspielen bestand diesen Monat also kein Mangel;
viel wichtiger aber: der Sohn bekam nach einem Bewerberseminar eine Zusage für ein Schuljahr in Italien, jubelte laut, hatte mit uns zusammen eine dicke Bewerbungs- und Unterlagenmappe auszufüllen, muss nun in der Schule so manches regeln und bereitet sich innerlich darauf vor, hier – zunächst – auszuziehen (ja, das Mutterherz, das bis zuletzt ein wenig egoistisch auf eine Absage spekuliert hatte, weinte natürlich los, als die Zusage kam, hat sich aber mittlerweile in echte Mitfreude begeben und hofft einfach nur, den Moment des Abschieds am Flughafen im September dann irgendwie zu überstehen);
vielleicht ist es kein Zufall, dass wir uns gerade in diesen aufregenden Zeiten erstmals seit Jahren wieder eine Magen-Darm-Grippe ins Haus holten? (andererseits können wir uns ja glücklich schätzen, dass es ein solch banaler Infekt in die Monatserinnerungen schafft, weil er Seltenheitswert hat:))
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hatte ich nach den Ferientagen natürlich auch ein pralles Leben in der Schule, mit einem Pädagogischen Tag, viel Steuergruppenarbeit, der Organisation einiger Mathe- und Physikwettbewerbe und einem dreitägigen Schullandheim mit unseren lebendigen 5ern, das sich als unerwartet unkompliziert und berührend-erfreulich erwies;
nahm ich allmählich innerlich Abschied von meiner zweiten Dienststelle, weil meine Tätigkeit dort auslaufen wird, wie ich nun endlich offiziell regelte
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versuchten wir in unserem Haushalt ein wenig zu entschlacken – die Tochter ihre Kinderspiele, denen sie entwachsen ist, sowie eine Million Kleinstgeraffelteile, wie sie sich in einem Mädchenzimmer nunmal so ansammeln, und ich in den diversen Bereichen des Hauses, in denen sich die Kann-man-nochmal-gebrauchen-Dinge ballen; wir begannen damit, täglich je 10 Dinge auszusortieren, das wurde aber nach drei Wochen zu schwierig, daher müssen wir alltagskompatiblere Wege finden, oder aber den nächsten Entschlackungsschub einfach erst in den nächsten Ferien stattfinden lassen, mal schauen – der Prozess fühlt sich jedenfalls grundsätzlich sehr gut und erleichternd an
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reiste ich ein wenig mehr als sonst herum: ein Wochenende zu liebsten Freunden, und eines zu einem Jubiläumsschultreffen und damit in meine Vergangenheit – beides war innerlich sehr wärmend (wenn es auch schwer ist, mitten im Alltagsbetrieb übers Wochenende wegzufahren, weil der Arbeitsstapel danach fast nicht mehr aufzuholen ist);
planten wir eine große Reise für die Osterferien;
verlockte mich das neue Tochtercello, welches einem „ausgewachsenen“ schon sehr nahe kommt, es auch einmal zu probieren – und so streiche ich seit Tagen mit wachsender Faszination darauf herum, bin also infiziert und erwäge ernsthaft … naja, mal schauen, was der nächste Monatsrückblick darüber zu berichten weiß …;
bastelte ich erstmals eigene Adventskalender für die Kinder (macht ja sogar Spaß:)): da müssen sie also erst aus dem Haus gehen, damit ich das mal schaffe

im Oktober

war es warm und fast noch sommerlich, so wie in den letzten Jahren öfter um diese Zeit
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kam das Schulleben so richtig in Fahrt, so wie immer in diesem ersten Schuljahresabschnitt;
sind die neuen Klassen fürs Erste kennengelernt (inklusive aller Beglückungen und Schwierigkeiten, die solch ein Bezehungsaufbau mit sich bringt);
haben uns vor allem die neuen Kleinen anhaltend auf Trab gehalten, da liegt noch viel Arbeit vor uns, auch mit den Eltern, welche sich mehr als wir sorgend und fast schon panikmachend zeigen;
sind wir mit dem ganzen Kollegium zu einem fruchtbaren Pädagogischen Wochenende gefahren, was mir mal wieder gezeigt hat, wie dankbar ich mich an dieser Schule fühlen darf;
haben wir in der Steuergruppe getagt – u.a. wegen dieses Wochenendes -, in Konferenzen gesessen und sehr viele kleine Teamtreffen sitzend, stehend oder mailend absolviert
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habe ich ausnahmsweise mal auf der Mutterseite Elternabende besucht;
gab es nur wenige besondere Ereignisse im Leben der Kinder, aber dafür sehr viele Gespräche – über Schul- und Lebensdinge, über Freunde und Freundinnen, über Dinge, von denen Eltern „einfach keine Ahnung“ haben – hach, es ist so toll, große Kinder zu haben;
ja, das wurde mir mal wieder bewusst, wie groß sie geworden sind, rein körperlich schon: beim allfälligen Klamotten- und Schuhkauf nämlich, beim Sohn wird das immer komplizierter (zu groß für Kinder-, zu schmal für Männergrößen …)
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bin ich mit der Tochter am warmen langen Feiertagswochenende auf kleiner Radtour nach Strasbourg gewesen, sogar im Zelt, mit allen Freuden, die das Reisen in drei kurzen Tagen mit sich bringen kann;
habe ich versucht, in einen mit mir selbst verträglichen Alltagsrhythmus zu finden, was sich mehr und mehr als schwierig herausstellt – es sind wohl einfach zu viele Aufgaben, zu viel regelmäßig Anstehendes, als dass es gut machbar bleibt: hier steht Veränderung an, im Äußeren und im Innern;
habe ich daher mehr als sonst auf die Herbstferien hingehibbelt, einfach nur um dringende Dinge von allen möglichen Stapeln abzuarbeiten, ohne permanent die Uhr im Nacken zu spüren;
sind wir einen lang schon vor uns her geschobenen Möbelkauf angegangen: die Kinder durften von ihren Minikinderschreibtischstühlen auf richtig große aufsteigen, und ich habe mir ein Bett ausgesucht und bestellt, nachdem das derzeitige nicht nur klappert und wackelt, sondern mich mehr und mehr durch widerborstig aus der Matratze herauspiekende Federn zu wecken versucht (nicht witzig, das:));
bin ich schließlich – im Moment, wo ich dies schreibe – in der Mitte der Ferien und wohl dem Punkt größter Ruhe angekommen

im September

ein Monat zwischen einer großen und einer kleinen Radreise: die ersten 11 Tage gehören zum langen Sommer-#3wegsam, der Nachmittag des letzten Septembertages zu einer Kurzradtour mit der Tochter nach Strasbourg;
ein guter Monat also, der sich zwischen solchen Pfeilern aufspannen darf, und der zudem fast sommrig daherkommt, mit Hitze, dass es hinter den Glasfenstern der Schule schon zu viel ist, und mit Sonne, die wärmt und erhellt und freut und all das
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dazwischen ein Schuljahresstart, der mich in einiger Hinsicht selbst überrascht;
wie ich etwa mein langsames Reisetempo in den abrupten Hamsterradstart übernehme und erstmals seit … Berufsbeginn? … mich nicht gehetzt fühle, keine Kopfschmerzen in der ersten Schulwoche habe;
dass ich es an vielen Tagen schaffe, meine Vorbereitungen am Nachmittag fertigzustellen, oder wenigstens abends nicht länger als bis zehn am Schreibtisch zu sitzen, einfach dadurch, dass ich Arbeit für den nächsten Tag liegen lasse;
weil ich mehr als früher ein Schritt-für-Schritt schaffe, weniger parallel bearbeite, insgesamt ruhiger vor mich hin werkele
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dabei ist es viel in diesem Schulstartmonat, wie immer:
das Kennenlernen von 120 neuen Gesichtern (und die Erkenntnis, dass mir Namenlernen jedes Jahr schwerer fällt);
ein rasanter Start mit unserer neuen 5. Klasse, die sich als unerwartet verhaltensoriginell erweist, wie man es freundlich formulieren könnte, die uns – auch nach mehreren Wochen noch – vor große Rätsel und etliche Probleme stellt;
ein holpriger Start mit dem neuen Mathekurs, der zum Monatsende aber schon die Aussicht auf glattere Wege öffnet;
erste Elterngespräche und Klassenkonferenzen;
Fachkonferenzen und Gesamtkonferenz, eine Tagung, etliche kollegiale Kooperationstreffen – für einen Monat mehr als genug
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gleichzeitig starten die Kinder ihr neues Schuljahr, als Sechstklässlerin und als Neuntklässler: ihre Freuden- und Unmutsäußerungen über die Lehrerzuteilung, über die ersten Schultage, über neue Rituale, über Empörendes auch, sind häufiger als sonst Thema am Abendessenstisch;
Musikunterricht und Sport beginnen wieder, alles wie gehabt;
für den nunmehr 15jährigen konkretisieren sich unsere Überlegungen, ob er das nächste Schuljahr im Ausland verbringt, allerdings ist bisher noch offen, ob das, was er wünscht, überhaupt funktionieren kann;
die gerade noch so kleine Tochter beginnt mit Farbe auf Nägeln und im Gesicht zu experimentieren – huch, sie werden so schnell groß:)
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zum Monatsende spüre ich erste Erschöpfung, die natürlich schwer willkommen zu heißen ist, aber wohl eine wichtige Botschaft mit sich bringt: merke ich doch, dass ich in dem eingeschlagenen langsameren Tempo, das mir angemessen ist und gut tut, einfach nicht alle Dinge bewältigen kann, die mein Alltag so vor mir ausbreitet;
schwierig mir dies einzugestehen, da ich es ja jahrelang dennoch bewerkstelligte – und doch sollte ich wohl ernstnehmen, was mir im erschöpften Grauschleier der letzten Monatstage entgegenkommt:
so wie in den letzten Jahren kann und will und werde ich nicht weiteragieren;
nur: das Gefüge meiner Alltagsdinge ist durch so viele Hebel, Stangen, Zahnräder und Riemen miteinander verknüpft, dass es eine sehr langfristige Aufgabe wird herauszufinden, an welchen Stellen zu schrauben sein wird, damit nicht alles auseinanderfällt und sich dennoch ändert, was mir im Moment die Luft nimmt

im Juli

(auch diesen Monatsrückblick habe ich, wie schon den Vormonatstext, vergessen einzustellen; weil ich wie gesagt so lange auf Reisen war)

ein Monat, in dem ich viel schrieb, es wurde fast jeden Tag ein Blogtext, um – vor allem für mich selbst – das Schuljahresende mit seiner nicht nur gefühlten Überfülle an Dingen einmal festzuhalten
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selbst wenn man das alles in einer Liste knapp zusammenfasst, wird es eine stattliche Aufzählung:
das Ende der Berlinstufenfahrt, einer rundum gelungenen Reise, die dennoch eine lang nachhallende Erschöpfung im Schlepptau hatte;
eine Steuergruppentagung in einem pittoresken Tagungsort in der Nähe, von dem wir nur leider vor lauter Tagen nicht viel mitbekamen;
ein Begrüßungsnachmittag für die künftigen 5. Klassen, bei dem Vorfreude aufkommt, bald wieder mit den ganz Kleinen:) zu tun zu haben;
Hausunterricht bei E.;
ein nachgeholtes Fachschaftstreffen mit einem pensionierten Kollegen;
Projekttage, die in ein Schulfest mündeten;
endlose Korrekturstapel, und anschließend natürlich Notenschluss, Nachmittage voller Notenkonferenzen, Zeugnisausdrucke, all das;
das Überstehen der letzten Schultage, mit Abschieden Ausblicken, mit Feedbackrunden und Rätseln, mit Eisessen und Kinobesuch;
der Zeugnistag mit den traditionellen Kollegiumsverabschiedungen, diesmal mit ganz besonders vielen Kolleginnen und ganz besonders vielen Tränen;
und parallel dazu: Aufräumarbeiten am heimischen Schreibtisch, im Lehrerzimmer und in der Physiksammlung, dazu viele viele Vorbereitungen fürs nächste Schuljahr – das alles drängte sich auch noch in die letzten Schulwochen, will ich doch vom ersten bis zum letzten Ferientag wegfahren
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den Kinder merkte man die Ferienvorfreude auch mehr und mehr an, ihre Erleichterung, wenn die letzten Arbeiten vorbei sind, wenn die Termine allmählich ausdünnen, wenn die Reisevorbereitungen immer mehr Raum einnehmen;
so Terminhäufungen zum Schuljahresende, wie sonst nur im Advent: Klaviervorspiele und Orchesterkonzerte, ein Modulfest, Fußballspiele und Trainingsgruppensommerfeste;
eine Übernachtung bei Freundinnen und ein Kindergeburtstagsbesuch;
ein Kinderkardiologentermin, bei dem glücklicherweise wie vor Jahren schon nur Harmloses im Arztbericht steht;
und am Ende des Monats zwei Zeugnismappen, so dass wir nun quasi einen 9t- und eine 6t-Klässlerin haben:)
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das Schuljahresende mündet in Radreisevorbereitungen, der Monat endet mit dem Start der großen sechswöchigen Reise …

 

im Juni

(oh je, ich hab vergessen, den Text einzustellen, einfach so vergessen; vielleicht weil ich zum Monatswechsel in Berlin und später so lange auf Reisen war?)

nach dem Wasserrohrbuch muss getrocknet werden, im Keller, im frisch renovierten Treppenhaus, in den angrenzenden Räumen, unterm Parkett und den Fliesen – darum stellt man uns fünf dröhnende Maschinen in die Räume, die mich im Laufe der Wochen ziemlich Nerven kosten werden: da alle Türen ausgehängt sind, kann ich nicht mal ne akustische Dämpfung zwischen mich und den Lärm schieben
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zum Glück ergibt es sich, dass ich in der Trocknungszeit ein wenig wegfahren darf,
einerseits nach Berlin nämlich, mit vier 10. Klassen, eine riesige Stufenfahrt, die wohl gut konzipiert ist und rundum gelingt – sagen alle:) – Berlin ist hektisch, anstrengend und laut, hat aber im Hostel wenigstens keine Trocknungsmaschinen stehen;
andererseits nach Leipzig zum Bachfest, wo ich meine wunden Ohren mit Musik und Begegnungen heilen lassen darf
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die Kinder reisen ebenfalls ein wenig umher:
beide zusammen zu einem Musikwochenende in die südtschechische Partnergemeinde,
der Sohn zur Bundesrunde der Mathematikolympiade in Jena,
die Tochter zu Probentagen mit ihrer Musiktheater-AG
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und dazwischen versuchen wir Alltag unterzubringen:
den Klassenarbeitsmarathon des nahenden Schuljahresendes – für die Kinder tritt danach Entspannung ein, für uns Lehrpersonen die heißeste Phase des Schuljahres;
all die Musikaktivitäten, wie immer, dazu Sohns erstes Klaviervorspiel beim neuen Lehrer (es ist überraschend:));
Tochters engagiertes und verstärktes Fußballtraining mit dem ersten Turnierspiel ihrer noch jungen Karriere;
und eine letzte U-Kinderuntersuchung – jetzt ist sie also groß, und mir ist ein wenig wehmütig
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in die Schule hinein weht schon der Hauch des nahenden Schuljahresendes:
ich lasse alle restlichen Klassenarbeiten schreiben (und packe sie für Berlin in die Reisetasche, von wo ich sie am Ende der Reise unangetastet wieder herausholen werde);
überschlage mich am anderen Dienstort fast vor lauter Beratungsgesprächen verschiedenster Art;
freue mich unendlich, dass E., die vor Monaten so schwer verunglückt ist, endlich aus der Klinik heimkehrt und von nun ab von uns zu Hause unterrichtet wird;
und – nicht ganz unwichtig – genieße einen wunderbaren Kollegiumsausflug mit einem wunderbaren Kollegium
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und dann gibt es noch Tochters Kinderübernachtungsgeburtstag, der wegen Gewitterwarnung in Form eines riesigen Matratzenlagers im Dachstudio stattfindet und – erste Male! – nicht von mir mit Spielen ausgestattet werden muss („Mama, sei nicht peinlich!“), weil die tollen Mädchen (11 sind es!) sich nachmittags, abends, nachts (?) und morgens mit Sport-, Sprach-, Lach- und Essspielen zu beschäftigen wissen, dass einem beim Zuschauen und Zuhören das Herz ganz warm wird

 

im Mai

das Thema Treppenhaus und seine Renovierung rahmte den Monat ein:

er begann mit der wohltuenden Erfahrung, dass dieser Arbeitsberg, vor dem ich innerlich hufte, weil mir Ausräumen, Abkleben, Organisieren, all das unüberwindlich schienen, dass also solch riesiger Berg doch abzutragen ist, und zwar unerwartet schnell und leicht,
und damit einhergehend kam mir der Gedanke, dass ein Teil meines Belastungsgefühls immer im Vorgestellten, im Antizipierten verortet ist … was da für Möglichkeiten inneren Freiwerdens durchschimmern … und wie viel es noch zu üben gilt …

und er endete mit dem gleichen Thema, nämlich: „All die Tapeten an den betroffenen Wänden müssen ab“, so sagte der Mann von der Trocknungsfirma, nachdem er mit Hightech-Geräten vermessen hatte, was vom Ereignis drei Tage zuvor als Zeugnis verblieben war: feuchter Boden, auch unter dem Estrich, feuchte Wände, feuchte Möbelfüße, und feuchte Dinge ja sowieso
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drei Tage zuvor nämlich war im Moment unserer Urlaubsheimkehr die Wasserzuleitung im Haus geplatzt – ganz großes Kino: binnen Minuten Kellerboden vollgelaufen, inmitten der Fontäne irgendwie doch den Hauptwasserhahn abgedreht, die Wasserströme durch Textilien- und Bettenberge versucht aus den Wohnräumen fernzuhalten (mäßiger Erfolg), bis endlich die Feuerwehr kam und auspumpte, und der Nachtschichtinstallateur das Rohr reparierte …
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in dem Moment trat Entspannung ein, und Dankbarkeit: für all die Helfer (selbst der Bürgermeister kam, so ist das auf dem Dorf:)), für die sofortige Reparatur, obwohl wir schon Klo- und Duschangebote vom halben Dorf hatten, für die schnelle und kompetente Versicherung (bisher jedenfalls …) und vor allem dafür, dass es nicht während unserer Reise passiert war
(und im Nachhinein – zwei Tage später begannen überall ringsum die großen Unwetter und Überschwemmungen – dafür, dass es bei uns vergleichsweise glimpflich aussieht)
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jetzt also ein neuer Berg Arbeit: immer noch Dinge weitertrocknen, Regale ausräumen und von den Wänden wegrücken, all das Geraffel in den Zimmermitten stapeln, Wände und Böden durch Geräte trocknen lassen, danach tapezieren lassen, Fußboden vielleicht neu machen lassen … (aber das ist schon nicht mehr im Mai, und vermutlich wird auch der Juni dafür nicht reichen)
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Themensprung, es gab im Mai auch anderes:
zum Beispiel unseren wunderbaren Italien-Radreise-Urlaub
(ich empfehle übrigens ausdrücklich häusliche Unglücke der oben beschriebenen Art im erholten Zustand anzugehen, dann kann man sie entspannt und lächelnd wegstecken:))
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noch ein wenig mehr verreisten wir: der Sohn zu einem Matheseminar nach Magdeburg (in den Ferien, ganz freiwillig;-)) und beide Kinder zusammen mit dem Schulorchester nach Frankreich in die Nähe von Paris, während ich auf einer kurzen Pfalzfahrt liebsten Freunden begegnete
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kurz vor den Ferien gab es für den Sohn ein letztes Klaviervorspiel bei seiner alten, nun schon ehemaligen Lehrerin; nach 8 Jahren hatte ich Tränchen in den Augen, und er wohl auch (innerlich natürlich nur, wie das mit 14 so ist); dennoch sind sich alle sicher, dass Lehrerwechsel die richtige Entscheidung war und er bei dem neuen Lehrer ebenfalls aufblühen wird (seinem Spiel jedenfalls ist nach der kurzen Zeit schon so manches anzuhören)
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und Schule?
ja, Schule habe ich auch gemacht, ein bisschen, ohne Extratermine und Extrajobs, einfach Unterricht vorbereitet und gehalten: solche Zeiten muss man ja auch mal festhalten (auch wenn sie nur 9 Schultage lang währten:))

 

im April

war es voll, sehr voll –  wann ist das bei mir denn mal nicht so? – und trotzdem, oder nein: einfach so, ohne trotzdem, ohne deswegen, einfach so: war es ein guter Monat
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im schleppenden, immer wieder verzögerten Frühlingsbeginn erste sonnige Radtouren und immer mehr Balkon- und Terrassenkaffees genossen
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wunderbare Konzerte bei einem Musikfestival gehört
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einen sehr berührenden Brief von der Freundin bekommen,
und dazu ein Notizbüchlein mit dem Titel „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, welches ich als Anregung nahm und seither nutze, um darin tatsächlich die Momente meines Alltags festzuhalten, welche ich „verlorene“ Zeit (und Kraft und Energie) nennen könnte – das schenkt mir einen erhellenden Blick auf all das Tun und Sein in meinen Tagen und meine Möglichkeiten, mich nicht im Ungesunden zu verlieren, sondern im Guten zu sammeln
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mit den Kindern – wie immer zu Frühlingsanfang – das Manöver Klamotten- und Schuhkauf angegangen, und zwar, weil ich dazulerne, diesmal mit getrennten Einkaufsterminen – also einzeln je einen halben Samstag im Örtchen mit den Geschäften verbracht, und – tata! – bei allem Notwendigen (bzw. überhaupt der Frage: notwendig oder nicht) weder mit der Tochter noch mit dem Sohn in eine Missstimmung geraten (wir fühlen uns darum sehr friedensnobelpreisverdächtig:))
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beide Kinder begeistert über ihre GirlsDay-BoysDay-Erfahrungen berichten hören – Tochter war beim Bäcker, Sohn in der Apotheke, und wie immer brachten sie unglaublich viel Neues mit
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einen ruhigen Schulmonat bei beiden begleitet – ist ja logisch, so wie ich zu Hause nichts zu korrigieren habe, schreiben auch meine Kollegen derzeit wenige Arbeiten, und folglich musste hier niemand auf irgendwelche gehäuften Klassenarbeitsserien lernen – hach, wie gut
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Musik gab es dafür ein wenig mehr im Haus, weil die Tochter über die Rückkehr der Quartettlehrerin aus dem Sabbatjahr glücklich und der Sohn durch den neuen Klavierlehrer hochmotiviert ist, so dass er viel und intensiv übt wie selten im Leben
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in der Schule wenig Korrekturen
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dafür umso mehr Gespräche, nämlich vor allem Vor- und Nachbesprechungen der großen Schülerjahresvorträge (für Hiesige: das sind die GFS) und weitere schwierige Beratungssituationen
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Abituraufsichten – aber das war’s auch schon für mich mit dem diesjährigen Abitur, weil ich erstmals in meinem Berufsleben weder Erst- noch Zweit- noch Drittkorrekturen habe (ob die mich vergessen und aus ihren Listen gestrichen haben;-)?)
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wie immer ein paar Konferenzen
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und ein Pädagogischer Tag, an dem ich für einen der Workshops zuständig und – zugegeben – ein wenig aufgeregt war (neidvoll auf die Kollegen schauend, die einfach  morgens hinkamen und sich wie die Schüler in die Reihen und Angebote setzten:))
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die Ergebnisse des Känguru-Wettbewerbs aus Berlin zugeschickt bekommen, also an der Schule die Preisverleihung organisiert
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weiterhin für die 10er-Stufenfahrt nach Berlin viele Stunden herumtelefoniert, sortiert, geplant (und umgeplant) – und kein Ende damit in Sicht
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und – hurra! – einen beruflichen Entschluss nicht nur zu Ende gefasst, sondern durch dienstliche Mitteilung nach „oben“ zur endgültigen Umsetzung gebracht:
ich werde meinen zweiten Dienstort verlassen und in absehbarer Zeit wieder nur noch an der Schule arbeiten;
eine lange Liste an Gründen gibt es dafür, am wichtigsten aber: dass mir die zeitliche und kräftemäßige Zerrissenheit auf so vielen „Baustellen“ immer weniger gut tat;
noch ein reichliches Jahr also, und dann werde ich wieder fokussierter auf meine Schule und vor allem auf die direkte Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen sein – JA!

im März

die Osterferien, in denen dieses Monatsende liegt, taten und tun gut:
vorher war wie immer viel liegengeblieben, und jetzt liegt ein bisschen weniger hier auf den ewigen Bergen herum, da ist sogar soviel abgearbeitet, dass der Monat mit einem Gefühl der Ruhe enden darf;
und mit der Erinnerung an kalte Tage, an ein verregnetes Ostereiersuchen auf der Terrasse (nicht im Garten, wegen der Nässe), an eine Reise nach Leipzig, bei der das Wetter sich ebenfalls wenig frühlingshaft zeigte – aber: das war alles nur im Außen, die Temperaturen, der Wind, der Regen, das ist alles nicht so wichtig; im Innen war und ist Frühling
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in der Schule „prallvolle Vorferientage“ so schrieb ich im Februar – und so schreibe ich auch jetzt (das gilt wohl immer vor Ferien):
zwei Konferenzen, ein Tag der offenen Tür, neben diesen zentralen Terminen viele Eltern- und Schülergespräche, manchmal häuft sich das eben;
den Känguru-Wettbewerb an der Schule organisiert und durchgeführt;
für unsere Stufenfahrt der 10. Klassen nach Berlin etliche Museumsbesuche und weitere Programmpunkte organisiert und mich dabei wie eine Reiseveranstalterin gefühlt (was übrigens nicht mein Traumberuf wäre);
dazu war am anderen Dienstort vieles und noch mehr zu tun;
und neben oder bei oder über all diesem waren da lange Wochen voll inniger Gedanken an das Mädchen, an meine Schülerin, welche auf dem Heimweg von der Schule mit ihrem Fahrrad unter einen LKW gekommen ist – ein Schock, ein Ereignis zum Tiefdurchatmen, zum Hoffen und Beten, und in den letzten Tagen zum Aufatmen, weil sie es geschafft hat und sogar schon daran denken kann, dass sie in einigen Monaten wieder zu uns kommen wird …
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berührt auf einem Abschlussabend den Filmbericht von Sohnes Südafrikareise gesehen und die jetzt, nach der Reise, sehr miteinander verbundenen Jugendlichen erlebt – hach! (und wieder mal gedacht: was für ein Glück unsere Kinder mit ihren zahlreichen Musiklehrern haben);
mit dem Sohn zum Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ nach Böblingen gefahren (also nee: natürlich mit beiden Kindern gefahren, nur hat die Tochter diesmal dort nicht gespielt) und einen tollen Preis für seine Cellopartnerin und ihn gefeiert;
ein Preisträgerkonzert und ein Kammerkonzert gehört;
und Sohns Abschied von der langjährigen besten Klavierlehrerin der Welt begangen, mit ein wenig Weh auf allen Seiten, doch der Schritt war längst fällig, der neue Lehrer wurde von ihr ausgesucht und vermittelt, vom Sohn beim Probevorspiel für „in Ordnung“ befunden (und vice versa wohl) und wird also ab nächste Woche versuchen, mit dem Sohn ebensogut zusammenzufinden wie die bisherige Lehrerin es vermochte
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mehr als in den Vormonaten fotografiert und mich daran erfreut:)
mehr als in den Vormonaten Klavier gespielt und mich daran erfreut:)
mehr als in den Vormonaten gelesen und – man errät es leicht – mich daran erfreut:)
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erste Male:
beim Schreiben eines Blogtextes die Diktierfunktion des Handys benutzt (als mir der Text nämlich einfiel und gerade keine Zeit mehr zum Schreiben war)

und das war’s schon mit den ersten Malen? kann ja fast nicht sein … und ist es vermutlich auch nicht …

im Februar

(Meine entschuldigende Vorrede ist diesmal schon keine mehr. Ich lerne dazu und merke seit Tagen, seit Dienstag dem Ersten genaugenommen, dass es richtig und stimmig ist, wenn ich meinen Monatsrückblick erst am Wochenende schreibe. Dann nämlich, wenn ich Zeit und Ruhe dafür habe.)

einen hellen, heilen Monat durchlebt, mit der Ahnung künftiger Räume, nicht nur zum Schreiben …
damit sich diese allerdings öffnen könn(t)en, müss(t)en Schule und sonstige Arbeit, ja, so manches in meinem derzeitigen Alltag, auf lange Sicht weniger Raum ein- und wegnehmen, mich weniger fordern und erschöpfen, was sie im Moment arg tun
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nämlich, da war viel Schule:
wie immer prallvolle Vorferientage, durch die man sich so schleppt und an denen man sooo viel liegen lässt für die Woche nach den Ferien, in der man dann ja frischerholt sein wird;-)
die Nachferientage mit einem emotional schwierigen Pädagogischen Tag begonnen, mit der Beleuchtung einer schweren Situation für unsere Schule, aber einer umso friedlicheren Stimmung, einer berührenden Schulleiterrede (unter Tränen) und einem Abschluss dieser Phase, die uns nicht nur geknickt hinterlässt;
ansonsten noch Fachkonferenz, Elternsprechtag und zwei Elternabende gedrängt in zwei Wochen, naja, man ist das ja gewohnt:(
erstmals seit Monaten wieder an andere Schulen gefahren und Referendare besucht
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zwischen all dem unsere traditionelle Fastnachtsferienskireise nach Italien, diesmal mit nur einem Kind;
dort in „unserem“ Ort trafen wir übrigens auf der Straße ewig nicht wiedergesehene Freunde (der Zufall ist kleiner als er scheint, denn vor 12 Jahren hatten wir sie genau dort auch kennengelernt)
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die Kinder bei etlichen aufregenden Dingen begleitet:
Jugend-musiziert-Preisträger-und  Kammerkonzerte sind wir ja gewohnt, die Schulorchester“frei“zeit auch (diesmal allerdings neu: auch die Tochter darf mit und ist stolz und beglückt gleichermaßen);
neu: ein spannender Robotikwettbewerb des Sohnes (mit Zuschaumöglichkeit) und ein Mathewochenendseminar (ohne Zuschauer – was will man da auch sehen:));
das Aufregendste aber: seine Südafrikareise mit dem Musikschulorchester, für ihn ein Wow-Erlebnis vom Feinsten
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und dann gab es in diesem Monat noch meine kleine „Schreibreise“, in der der Raum zwischen Stiften und Papier mit ganz viel von allem gefüllt war …
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erste Male:
einen Blog erfolgreich zu WordPress umgezogen;
ein Kind „allein“ in ein Flugzeug steigen lassen, und dann gleich noch in eines auf die andere Erdhalbkugel – und meine Aufregung überlebt:)
ein Kinderinstrument kaputtgehen sehen und ersetzen müssen (was neben Versicherungsaufwand vor allem Herzblut kostete);
im Winterurlaub kein Meterchen Ski gefahren (einfach weil ich’s nicht (mehr) mag und dies eingestehen und äußern konnte);
drei Tage lang beide Kinder gleichzeitig nicht im Haus gehabt – so freie Tagesgestaltung im Schulalltag hatte ich das letzte Mal vor etwa 15 Jahren:)

im Januar

(Ich gebe es auf, ich richte mich damit ein, und das ist wahrscheinlich sogar gut. Nämlich dass es mir in diesem Leben, na: in diesem Blog jedenfalls, wohl nicht mehr gelingen wird, pünktlich zu sein. Nicht bei selbstverursachten Terminierungen wie etwa dem Wunsch(?), genau zu Monatswechsel zu schreiben. Nicht bei Anlässen, die dringlich schreibendes Reagieren nahelegten und mich damit in langandauerndes innertextliches Verharren ohne Finale (=Textprodukt) werfen. Nicht bei der Aufarbeitung von Vergangenheiten irgendwo zwischen Radreisen und Familiensachen.
Jedenfalls: Ich gebe es auf. Die nächste Stufe wäre jetzt, die entschuldigende Vorrede auch noch wegzulassen. Für heute setze ich sie erstmal ganz klein. In der Hoffnung, dass Menschen mit schwerlesenden Augen genug technische Hilfsmittel beherrschen, um sich die Schriftgröße altersgerecht:) hinauszuzoomen.)

den Monat und das Jahr mit ein paar kranken Tagen, Schlappgefühl und Halsweh begonnen, die noch aus dem alten Jahr herüberragten; trotzdem aber war mir im Innern heil und hell zumute – an den Kranktagen und danach, den Monat hindurch und darüber hinaus, immer heiler, immer heller, ja …
*
Schule und Arbeits langsam angehen können, weil wir zunächst einen Drittelmonat Schulferien hatten, dann aber umso heftiger starten mussten:
mit 120 Klassenarbeiten, Korrekturen, mündlichen Noten und Zeugnissen,
mit Konferenzen am laufenden Band,
mit einem fast doppelten Klassenlehrerjob, da mein Coklassenlehrer ausfiel,
dabei mit viel Unterstützung durch meine Chefs, immerhin,
und mit einem Neustart am anderen Dienstort (der meine Für-mich-Zeitfenster wieder kleiner werden lässt, ich muss zusehen, trotzdem in der Ruhe zu bleiben)
*
irgendwann hatte der Korrektur- und Notenmarathon ein Ende, und ich verbrachte das letzte Wochenende des Monats auf einem einsamen Gehöft mit zwei (wenn auch leider nicht drei) wunderbaren Menschen, in Innen- und Außenfeuerherzensgespräche eingewoben
*
und Musik gab es – wie immer in unserem Hause, wie immer in diesem Monat zumal: beide Kinder spielten wieder bei Jugend musiziert,
und ich hatte erstmals den Eindruck, dass ich mich emotional nicht mehr so stark hineinhänge, nicht mehr fürs Üben so sehr verantwortlich fühle – ein sehr gutes, befreiendes Gefühl,
umso besser (! – ja, doch: das könnte so stimmen) gelang beiden ihr Vorspiel; der Sohn darf jetzt noch weiterüben, da es eine Runde weitergeht
*
Was noch?
Ach, ich könnte, wenn ich’s denn hier erzählen würde (was ich aber nicht tue), noch einen Roman anfügen. In dem spielen Telefone, Briefpapiere, Krankenhäuser, Zahnärzte, Fotoapparate, Kopfhörer und weitere marginale Alltagsgegenstände wichtige Rollen. Die Hauptrollen aber … ach, ich wollte ja nicht erzählen. Deswegen bleibt hier nur stehen: Die Hauptrollen spielen drei Pünktchen, noch unausgefüllt.

im Dezember

weniger als üblicherweise in diesem Monat gearbeitet – nur wenige Korrekturen, nur eine Fortbildung, wenig Extras, weil gerade Pause am zweiten Dienstort ist, aber trotzdem in einem großen Erschöpfungsgefühl gelebt
*
wie schon vor einem Jahr: ein dienstliches Nein ausgesprochen, auf das ich – wegen seiner Unmissverständlichkeit – ein bisschen stolz bin:)
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die derzeitige Anspannung auch dadurch gespürt, dass die Erkältungskäfer sich mit keinem Beinchen in die Schulzeit wagten, mich aber sofort zu Ferienbeginn an den Weihnachtstagen und darüber hinaus flachlegten
*
diesen kleinen Infekt, der bald vergehen wird, nehme ich aber gern, wenn ich an die schweren Erkrankungen hier im nahen und fernen Umfeld denke, von denen ich in diesen Wochen erfahren habe
*
umso mehr wird einem dann wieder bewusst, wie wichtig es ist, die Zeit mit uns selbst und mit nahen Menschen zu nutzen – der Monat hatte viel davon: Freundesbesuche, Treffen auf Konzerten, Verabredungen zum Glühweintrinken, Lebkuchenhausbauen, Spielabende, gemeinsame Lese-, Bau- und Puzzlesessions …
*
Musiktermine waren es etwas weniger als sonst, der Kalender zeigt – kaum zu glauben – nur fünf Vorspiele und Kinderkonzerte;
auch die Jugend-musiziert-Vorbereitungen, die immer in diese Monate fallen, laufen – wegen leichterer Programme – weniger intensiv und fordernd als sonst, was uns allen gut tut;
emotional bewegend dafür Überlegungen, Gespräche, Entscheidung und Vorspiel wegen des lang überfälligen Klavierlehrerwechsel des Sohnes – der ist nun also in die Wege geleitet und führt hier allseits zu einem weinenden und einem lachenden Auge
*
erste Male:
wegen leerer Batterie mit dem Auto auf dem Supermarktparkplatz hängen geblieben und abschleppen lassen müssen
das allererste minikleine Tochtercello verkauft, mit ziehendem Herzen (jetzt haben wir immer noch eins zu viel, aber das wird nicht mehr so weh tun)
einen Asylarbeitskreis mitgegründet
anonym etwas zu Weihnachten verschenkt

im November

den Monat mit einer Münchenreise begonnen, von dort in leuchtenden Herbstfarben und fast sommerartiger Wärme nach Hause geradelt;
es war gut, in jenen Tagen Kraft getankt zu haben für den ganzen Monat, denn für weitere Reisen und Unternehmungen (auch innere) fand sich kaum Raum;
nur ein Termin durfte nicht ausfallen: Plätzchenbacken mit der Adventsbackfreundin – wir sind mit dieser Tradition jetzt im 12. Jahr, und es ist besonders berührend, dass auch ihre Abiturientintochter und mein Achtklässlersohn immer noch großen Wert darauf legen dabei zu sein
***
in der Schule weiter in meine reduzierte Stundenzahl hineingefunden – das Ziel wäre: mir ein reduziertes Arbeits- und Lebenstempo so zu eigen machen, dass ich gar nicht mehr anders kann;
und doch war da natürlich bergeweise Arbeit:
Korrekturstapel (in welchem Monat wäre das nicht so?) mit vielen Rückmeldegesprächen
Konferenzen und Steuergruppensitzungen
ein Pädagogischer Tag
Begleitung von Schülern zu einem Mathematikwettbewerb
eine Fortbildung in Tübingen (so ganztägig leider, dass ich kein einziges Eckchen meiner Erinnerung wiedergesehen habe)
***
von den Kindern wie immer gut beschäftigt gewesen:
immer noch der Tochter bei der Schulalltagseingewöhnung geholfen (aber sie kommt in die selbstständigen Gänge, da scheint sich gerade ein Schalter umzulegen)
vom Sohn beschenkt worden mit mehreren Elternabenden, mit einem einwöchigen Austauschpartner (dessen „Bespaßung“ sicher nicht zu meinen Lieblingsmuttertätigkeiten gehörte) und mit endlosem Formularkram wegen einer bevorstehenden Südafrikakonzertreise
***
in den wenigen Zeitfenstern wie immer viel zu wenig gelesen, geschrieben, fotografiert etc.,
dafür mehr geschlafen und geträumt, einfach nur dagesessen, und, wie ich in diesen Tagen merke, einiges Inneres nach oben kommen lassen – gut dafür wieder Raum zu haben, auch wenn ich mich gerade mit Händen und Füßen wehre und natürlich, es wäre so bequem, ausweichen möchte