Lyrimo

Lyrimo #7-#8-#9: Fast ein Zyklus

#9: Eine Ver-Geschichte

Verträumt.
Verwoben.
Versprochen.

Versucht.
Verbogen.
Verzagt.

Verloren.
Verzweifelt.
Vergangen.

Verlassen.
Verdorrt.
Verwundet.

Verwinden.
Verzeihen.
Vertrauen.

.

.

.

#8: Einsilbig

Ein Tag
kommt.
Bin wach, zu spät,
es ist grau,
trüb und dumpf,
voll von Weh.
Neu:
die Wut, der Zorn.
Ein Schrei,
zu mir, zu ihm:
Wer bin ich, bist Du, sind wir?

Sie nimmt die Hand:
Es ist gut.
Ja, mein Kind.
Ein Tag
geht.

.

.

.

#7: Ein Elfchen

Leben
rüttelt, mich,
wirft Wogen, hohe.
Stelle ich mich hinein.
Leben

Lyrimo #6: Abendgrün

Der Tag, lang war er,
Begegnung und Trennung mit Tränen,
das fremde Leid, das eigene,
in mehreren Herzen zuhaus.
Verloren in Dingen und Zeiten
und Formen und Sprachen,
ich suche und irre.
Was ist mein Leben, was macht es aus?
Wo war Geborgenheit?
Welch eine Leere.

Der Abend.
Grün – die Farbe der Hoffnung. Sagt man.
Und so hoffe ich.

Lyrimo #5: Medientransfer

Quietschen hinter der Ecke,
ruckelnder Wagen im Kopfsteingleis:
Ja, die Zwei ist’s – Unsere!
Einsteigen ins Vertraute,
Holzgeruch und Polsterschimmern,
Messingkühle, Fensterknarzen,
Glockenbimmeln, Türenschlag.
Mit Geschaukel und Gezuckel
durch die ach so geliebten Straßen.
Und bald schon wieder aussteigen,
ein paar Schritte noch
mit Koffer und Rucksack ins Omahaus.
Angekommen.
„Habt Ihr die Bahn genommen?“
„Klar. Wie immer. Die Zwei.“
Die sich, in der Ferne gerade noch zu sehen, weiterächzt.
In majestätischer Langsamkeit.

Lyrimo #1: Ein Gedicht zu Ehren von …

Zu ihr gekommen
      ein Zufall, ein sogenannter,
      in den Hallen der Wissenschaft
      durch ein fremdes Auge der Faszination geschaut
      in jenes Gesicht der dichten Worte.

Begegnet
      der Muse, den Weg entlanggehend – göttliches Lallen wie Fieberbefall,
      einem Lauschen durch Vorhänge des Nebels und niedagewesene Herbste,
      „Nun ist das Wort aus Stein gefallen“ ,
      „Und das können Sie beschreiben?“, und ich sagte: „Ja.“

Gefunden
      die Tür zu des Poems Spiegelwelten,
      Geheimnisse des Dichterhandwerks,
      unverschämte und zärtliche Verse,
      „Ins Gedicht gehört das Unerhörte“.

Bei ihr. Der Achmatova.

(Zitate, auch über das direkt Zitierte hinaus, sind pure Absicht.)