Fragen

Zeitgedanken

Für mich sind Uhren Illusionsmaschinen. Man hört sie ticken, man sieht, wie ihre Zeiger sich bewegen, und mehr können sie eigentlich nicht. Mit diesem kleinen Trick aber gaukeln sie uns vor, dass die Zeit, die sie so offensichtlich messen, etwas Regelmäßiges sei, portionierbar wie ein Kilo Rinderhackfleisch. Doch das ist sie nicht. Eine Sekunde ist vielleicht eine Sekunde, vielleicht eine Sekunde – doch eine Sekunde ist deshalb noch lange keine Zeit.
[…]
So geht es mir mit der Zeit. Fast immer ist sie sehr lebendig für mich. Sie schlägt Purzelbäume, überholt sich manchmal selbst. Und dass sie vergeht, merke ich eigentlich nur dann, wenn sie mit der gemessenen Zeit kollidiert. Wenn mich zum Beispiel also irgend so ein dummes Monatsende dazu zwingt, meine Miete zu bezahlen. Oder ein Fahrplan dazu, meinen Flieger zu erwischen. Ansonsten aber ist Zeit für einen Weltumradler wie mich einfach der Fluss der Dinge. Und der fließt manchmal schnell und manchmal langsam.

Mir ist das besonders aufgefallen, als ich mir für dieses Buch mein kunterbuntes Leben noch einmal vor Augen führte. Sofort präsent sind all die wunderbaren Geschichten, die Landschaften, die Begegnungen, meine Empfindungen und all das, was unterwegs geschah. Doch als ich versuchte, das Ganze in ein zeitliches Korsett zu pressen, es mit präzisen Daten und Jahreszahlen zu etikettieren, wie es wahrscheinlich einige Leser erwarten, da merkte ich, wie ich Schwierigkeiten bekam. Rückblickend scheint es mir heute, als wären manche Dinge, die eigentlich kaum etwas miteinander zu tun hatten, in Wirklichkeit parallel zueinander passiert, also gleichzeitig. Andere scheinen sich, gemessen an ihrer Bedeutung, über Jahre zu erstrecken, dauerten vielleicht aber nur wenige Tage oder Wochen.
[…]
Daher stelle ich einmal frech das Folgende in den Raum: Eine Wirklichkeit, in der allein die Kausalität im Takt der funkgesteuerten Weltuhren sämtliche Parameter bestimmt, die hat schon Einstein abgeschafft! Und seitdem die Quanten-Theorie als moderne Grundlage der Wissenschaft gilt, lässt sich das altväterliche Newton’sche Weltbild erst recht nicht mehr aufrechterhalten! Das Dumme ist nur, die Menschen haben aus diesen zutiefst befreienden Erkenntnissen noch keine Konsequenzen für ihr Leben, ihre Wahrnehmung und Weltsicht gezogen – das alles beginnt gerade erst: in diesen Monaten und Jahren, um diesem Satz wenigstens zu seinem Ende noch etwas Greifbares mitzugeben.

[…]

Der größte – wiederum gefühlte – Unterschied zu Asien: Alles ist so grandios abseh- und vorhersehbar! Ein Preis ist hierzulande eben ein Preis, in Asien hingegen wird gefeilscht. Busse und Züge haben feste Abfahrtzeiten, in Asien wartet man, bis sie geruhen, vorbeizukommen. Die politischen Verhältnisse in Europa sind so stabil, dass es fast langweilig wird, und wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, dann muss man sich an Hunderte von Verkehrsregeln halten, wie alle anderen auch.

Ich denke, dass es in großem Maße diese verknöcherte Zeit ist, die den Europäern zum einen so viel Sicherheit vermittelt, sie zugleich aber auch um die meisten der überraschenden, funkelnden Wendungen bringt, die das Leben für uns Menschen eigentlich in petto hat. Man übersieht sie einfach, weil sie nicht in den Plan passen. Sie haben schlicht „keinen Termin“.

(aus Tilmann Waldthaler: Sieh diese Erde leuchten!)

 

Die Fragen lieb haben

… und ich möchte Sie, so gut ich es kann bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben, wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie jetzt nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antworten hinein.

(R. M. Rilke)

Anderswo

Immer noch infektgeplagt, sind mir die eigenen Worte heute blockiert. Darum teile ich einfach, was ich anderswo fand und las.

Von Bahnhöfen und reisendem Unterwegssein, von fremden Orten und Welten und einer Hoffnung, dass wir uns unsere jeweilige Andersartigkeit bewahren, schreibt Ulli in ihrem Blaue-Stunde-Text.

Um Begegnungen mit Menschen, welche von Beginn weg nicht so privilegiert wie wir leben dürfen, und um unsere – unser aller – Verantwortung füreinander geht es bei Anna.

Und das Fragen, die Frage an sich, auf dem Land und anderswo, jedenfalls dem gegenseitigen Verständnis und der Öffnung für Neues dienend, betrachtet der Landlebenblog.

Was für wunderbare Bloglektüre sich mir immer wieder öffnet …

lebensverwaltend

Viel Zeit meines Lebens geht dafür drauf, dass ich das Leben nicht lebe, sondern verwalte. Diese Papier-, Telefon-, Rechnungs- und Organisationsdinge, von denen mein – und vermutlich unser aller – Alltag so voll ist, erlebe und empfinde ich mit als das Anstrengendste und Nervendste auf meinen To-do-Listen. Zu gern würde ich seinen Umfang verringern, allein ich weiß nicht wie. Denn es fiel und fällt mir schwer, meine Stimmung wenigstens im mittleren Bereich zu halten, wenn ich mich über längere Zeit mit diesen Dingen abgeben muss. So sehr ich mir auch sage, dass ich mich davon nicht beherrschen und trüben und vereinnahmen lassen will …

Darum schaue ich mir mal auf die Finger, was ich da alles so verwalte. Heute häufte es sich, weil ein Tag ohne Termine in Schule und anderem Dienstort und ohne familiäre Auswärtsaufgaben prädestiniert dafür ist, von den angestauten Verwaltungsbergen abzutragen, was geht. Das war heute …

… eine große Aufräumaktion der Papierablage, in der sich seit Mitte letzten Jahres fünf Höhenzentimeter Papier angestaut hatten, wo allein das Abheften in Leitzordner als Tagesaufgabe gereicht hätte; doch …
… meine dienstlichen Papiere enthielten unter anderem zwei Rentenbescheide mit Auflistungen all meiner Lebensarbeitszeiten, in denen sich Fehler befanden, so dass ich per Widerspruchsbogen reagieren musste …
… die Beihilfe- und Krankenversicherungsabrechnung wollte durchgesehen werden, weil da nicht alles Geld zurückgekommen war, es stimmte aber letztlich doch, und ich tütete nur noch den letzten Beihilfebescheid in den Umschlag an die Krankenversicherung …
… dabei fiel mir ein, dass ich lange keine Rechnungen bezahlt hatte, der Stapel der Arztrechnungen war schon wieder groß, eine ganze Überweisungsserie, doch für einen neuen Beihilfeantrag fehlte mir am Abend dann die Zeit …
… die Papiermengen wegen unseres Wasserrohrbruchs sind unermesslich, ich sortierte und tackerte und heftete ab, jetzt ist es endlich weg …
… die Unterlagen zu meinem Auffahrunfall im Dezember enthielten noch ein Fragezeichen und damit einen Anrufgrund bei der Versicherung, warum da jetzt so und so entschieden wurde …
… die Papierestapel der Kinder werden mit den Jahren auch nicht kleiner, all diese Zeugnisse, Erinnerungen, Organisationspapiere für ihre 1001 Aktivitäten, Anmeldungen, Abrechnungen, ich sortierte und heftete und tackerte, auch am Nachmittag noch mit dem Sohn zusammen, weil er allein seine Matheseminarpapiere u.ä. noch nicht gebändigt bekommt …
… dringend war ein Anruf bei der Austauschorganisation des Sohnes fällig, wegen seines neuen Personalausweises und wegen eines verpflichtenden Vorbereitungsseminars, und als Folge davon ein Brief an den Jugend-musiziert-Landeswettbewerb mit Bitte um Vermeidung einer Terminkollision …
… weil die Tochter das Cello wechselt, musste die Musikinstrumentenversicherung benachrichtigt werden, in diesem Zuge fragte ich gleich wegen einer Versicherung für mein Leihcello an, was einen Anruf beim Geigenbauer zur Folge hatte …
… wegen veränderter Stundenpläne musste ein Familienzahnarzttermin umgelegt werden …
… mit den anderen Streichquartetteltern lief den ganzen Tag ein Mailwechsel zum Terminfinden des gemeinsamen Essengehens …
… auf der Schulliste standen zwei Anrufe in Fremdschulen, um organisatorische Details für anstehende Unterrichtsprüfungen abzuklären – und weil Schulleiter erstmal so gar nicht zu erreichen sind, wurden aus den zwei Anrufen sieben …
… mit meinen Referendaren läuft ein Terminfindungsmailing, was nicht so einfach zu einem konstruktiven Abschluss zu bringen ist …
… für meine ganz eigene Unterrichtsverwaltung ergänzte ich alle Noten- und Verwaltungstabellen um Spalten für das zweite Halbjahr, um veränderte Excelformeln und um die notwendigen Umstrukturierungen …
… ebenfalls als verwaltend sehe ich meine heutige Unterrichtsvorbereitung an, denn ich übertrug nur alte Vorbereitungsbausteine in meine seit drei Jahren digital geführte Vorbereitung, scannte Aufschriebe ein und übertrug Tafelbildfotos in die Dokumente …
… rein organisatorischer Natur waren auch alle Schulmailkontakte des Tages: Elternsprechtagsvereinbarungen, Fachbereichsabsprachen, Wettbewerbsauswertung, Protokollerstellung …

So. Fazit: Alles was ich heute tat, war organisierender und verwaltender Natur. Ich habe kein einziges inhaltliches Gespräch geführt, weder mit den eigenen Kindern noch mit oder über Schüler, ich habe keine inhaltlichen Konzepte für meinen Unterricht kreiert, ich habe nichts geschaffen, ja ich habe noch nicht mal korrigiert – dieser Blogtext ist noch die kreativste Leistung des Tages.
Und doch war mein Tag mehr als voll. Es war viel. Und das ist keine einmalige Aktion, das ist Alltag. Es wird viel bleiben. Denn wegzulassen ist davon kaum etwas. Weder möchte ich die Aktivitäten der Kinder eindämmen – und diese sind hier in unserem Fall seit Jahren mit sehr viel Organisationsaufwand verbunden. Noch scheint mir bei meinem eigenen Papierkram viel Überflüssiges dabeizusein. Und die schulischen Dinge gehören nunmal einfach zum Job.
Dazu kommt, dass ich mich mit dem Telefonieren immer schwerer tue. Vor ein paar Jahren fand ich in meiner Telefonphobie einen leichten Lichtblick, da wurde es mir leichter. Derzeit ist es wieder arg. Jedes Greifen zum Hörer gleicht einem mentalen Dauerlauf, manchmal mit Sprintfinale, mit erhöhtem Puls, Haspeln, Stottern, in die falsche Rolle fallen, all das. Ich brauche entsprechend lange, um den Hörer aufzugreifen, sogar bei privaten Telefonaten geht es mir so, umso mehr mit fremden Menschen und organisatorischen Anliegen. Ein „nicht erreichbar, rufen Sie doch später nochmal an“ baut einen neuen Berg vor mir auf, mit jedem Versuch wird es mir schwerer. Wenn es irgendwie geht, schreibe ich stattdessen Mails, was dann natürlich wieder länger dauert. (Und doch habe ich heute 13 – in Worten: drei!zehn! – Telefonate geschafft. Ein Marathon.)
Also: es ist nicht einfach.

Und wie gehe ich nun damit um?
Rein äußerlich: ich habe immer noch nicht herausgefunden, ob ich all das Zeugs lieber in kleinen täglichen Rationen dosiere oder besser so wie heute große Mengen auf einmal angehe, um mich dann eine Zeitlang frei(er) davon zu fühlen.
Der Kern der Frage liegt aber wohl woanders. Wie ändere ich meine innere Einstellung dazu? Wie finde ich in eine positive(re) Beziehung zu dem, was mich in trübe Stimmung zieht, was ich nicht akzeptieren will als Teil des Ganzen, zu dem, was ich zuallererst immer als nervig, anstrengend und überflüssig empfinde? Bin ich doch Realistin genug um zu wissen, dass man heutzutage mit all diesem leben muss. Also bleibt von Love-it-leave-it-or-change-it bei näherer Betrachtung ja nur Love-it übrig. Kürzlich las ich Texte darüber, einen welch großen Einfluss unsere Gedanken auf unsere Gefühle haben. An Gedanken lässt sich eher stellschraubig drehen als an Gefühlen.
Hier bei diesem Verwaltungszeugs, das wäre doch ein geeignetes Übefeld für diese so viel weitreichendere Lebensaufgabe:
Wie verändere ich meine Einstellung zu den Dingen?

 

„Done“ statt „to do“

Es war ein Versuch. Oder: Es ist ein Versuch. Denn er läuft ja noch, ich habe ihn nicht abgebrochen. Da ist zuviel Bewahrenswertes. Aber auch Unmögliches. Ich werde eine andere Variante finden müssen, experimentieren, modifizieren, es passender für mich gestalten.

Es ging und geht – wie schon so oft – um meinen Umgang mit der Zeit, mit dem engen Terminkorsett, den vielen anstehenden Aufgaben. Schon lange bedrängt mich zusätzlich zu der Tatsache, dass sie nunmal da sind, die vielen Aufgaben, was sich weder verhindern noch leugnen lässt, mein Umgang mit dem Vielen.
Obwohl der Kopf es besser wusste, hielt er über lange Jahre meine Hand nicht davon ab, bei jeder Gelegenheit – morgens, nach der Schule, zu Wochenendbeginn, zum Ferienanfang – lange lange To-do-Listen zu schreiben. Als bereite es mir besonderes Vergnügen, mir stets vor Augen zu führen, wieviel Unschaffbares ständig auf mich wartet. Denn allein die optische Länge der Liste machte sie zu einer Überforderung, mir war immer vorher schon klar, dass all das im gesetzten Zeitrahmen nie und nimmer zu erledigen sei. Zwar verschafft es mir Befriedigung, im Laufe der Zeit einen Punkt nach dem anderen auszustreichen, doch zu einem Ende der Liste kam ich nie. Stets blieb noch mehr offen als erledigt war. Auch wenn es mir nicht bewusst im Kopf hämmerte, irgendwie sagte ich mir damit ja doch immer wieder selbst, dass ich es nicht schaffe. Dass alles viel zu viel ist. Oder ich eben zu langsam. Oder zu abgelenkt. Zu verzettelt. Zu undiszipliniert. Irgendwie so.
Warum ich mich so lange auf diese Listen fokussierte, sie mir fast als Lebensgeländer dienten, ich mich ihnen und ihrem permanenten Zugzwang aussetzte, weiß ich gar nicht. Ich litt nicht sonderlich darunter. Es war eben normal, die Dinge nicht zu schaffen.
Die erste unschaffbare Liste schrieb ich übrigens mit etwa 12 Jahren. Ich weiß heute noch, welche Punkte ich in meinem damals schon vollen Leben nicht unterbrachte. Ich holte das Undurchgestrichene von damals übrigens nie mehr auf. Das meiste hat sich nur im Laufe des Lebens erledigt. Von meiner Liste, die ich mit Beginn des Mutterschutzes des Sohnes, jetzt 15einhalb, schrieb, ist übrigens auch noch etwas offen. Und wahrscheinlich von allen Listen, die ich im Laufe meines Lebens schrieb.

Möglicherweise findet Ihr das befremdlich. Ich selbst ja auch:)  Wie kann man seine eigenen Lebensbereiche nur so vollpacken, dass es zwangsläufig überläuft? Warum will ich immer mehr als möglich ist? Warum bin ich hier nicht Realistin genug? Warum setze ich mich dem immer wieder aus?

Und wie fühlt es sich eigentlich an, wenn ich auf solche Listen verzichte?

Die Idee hatte ich schon lange: Nicht mehr den Fokus auf das Unbewältigte legen, sondern auf das, was hinter mir liegt, das Geschaffte, das Getane. Nicht notieren, was vor mir liegt, sondern was ich hinter mich gebracht habe. Jeder Tag ist ein leeres Blatt, das zu füllen ist. Und kein volles, das ich Zeile für Zeile auszulöschen habe.
Eine völlig neue Sichtweise.

Seit Beginn des Jahres probiere ich es aus. Und – was ja nicht überrascht – es hat meinen Alltag veändert.
Tatsächlich spüre ich, wie mich To-do-Listen bedrängen. Erst jetzt, wo sie weg sind, spüre ich das. Ich erlebe eine für mich neue Langsamkeit, jedenfalls phasenweise. Mir gelingt es besser, mir selbst gut zu tun. Etwa indem ich eher und ohne Gewissensbisse schlafen gehe, indem ich mich ans Cello setze, oder ans Buch, oder an die Schreibtastatur, zuweilen auch stundenlang. Ich schaffte es, mich krankzumelden. Ich gab Klassenarbeiten ein paar Tage später zurück, um nicht mehr nachts zu arbeiten. Ich ließ Nichtdringendes liegen.
Stattdessen füllte ich meine Tage so, wie es für mich stimmig war. Reichten die Kräfte weit, füllte sich die Done-Liste des entsprechenden Tages – manchmal schrieb ich sie auf Papier, manchmal nur in meinen Gedanken – zügig und mit Vielem. War ich müde und erschöpft oder mit anderem angefüllt, fanden sich am Abend nur sehr wenige Punkte darauf, na und.
Es war insgesamt gemächlicher, ruhiger, gesünder und in allem mir und meinen Bedürfnissen angemessener.

Aber.
Natürlich gibt es ein Aber. Ein großes sogar.
Es passt nämlich nicht. Es passt hinten und vorn nicht. Dieser Monat war ja nur ein einzelner kurzer Zeitraum im Laufe des Alltagsstroms. Natürlich ist es nicht von Belang, dass in diesen Wochen etliches liegenblieb. Nur: Irgendwann muss das alles getan werden. Das Liegengebliebene nachgeholt, das dann Akute zusätzlich getan und ein paar Langzeitdinge auch endlich angegangen werden.
Im Haushalt, das klingt so banal, sind Dringlichkeiten offengeblieben. Noch fault keine Wäsche im Korb vor sich hin, aber fast, im übertragenen Sinne jedenfalls. Die akuten Familienorganisationsdinge habe ich alle untergebracht, ein paar Langzeitpflichten aber schön verdrängt, für später. Kontakte liegen brach, selbst solche, die mir ein Herzensanliegen sind. In der Schule habe ich von der Hand in den Mund gearbeitet, das wird sich in den nächsten Wochen rächen.

Was also tun? Wie lässt sich das Dilemma lösen?
So Fragen an mich selbst. Ich werde weiterexperimentieren … 

Immer wieder

Jedes Mal kann ich es nicht fassen. Jedes verdammte Mal.

Warum bemerkt Ihr nicht, dass Ihr D. immer weiter in die Ecke drängt, wieso seht Ihr seine Tränen nicht, wie schafft Ihr es, über sein Leid hinwegzuschauen?
Was treibt Dich an, ihn immer und immer wieder anzugreifen, bis er sich nur noch klein und ängstlich vor Dir versteckt?
Wieso machst Du mit, wie ein schlechtes Echo? Brauchst Du das, um Dich selbst zu spüren?
Nennt Ihr das Freundschaft, wenn Ihr Euch zusammenschließt, um ihn nach außen zu drängen?
Ist es seine Stärke, oder seine Weichheit, oder seine Ehrlichkeit, die Euren Neid auslösen, so dass Ihr ihn nicht neben Euch sein lassen könnt?
Warum lügt Ihr alle mich an – da wäre noch etwas zu klären – wenn doch alles längst klar ist, in Form eines am Boden liegenden Besiegten?
Du, hast Du das all die Zeit gar nicht mitbekommen?
Und Du, Du meinst, es wäre doch nur ein Scherz gewesen, immer und immer wieder?
Du fandest das alles nicht so schlimm? Hast Du D. nie in die Augen gesehen, wo seine Angst flackerte?
Du, Du weißt doch von zu Hause, wie es sich anfühlt, wenn man nicht füreinander da ist?
Und Du, dagegen, kennst das ganze Gegenteil, bist so geborgen in Deiner Familie, wieso hast Du D. nicht von Deiner Kraft abgegeben?
Und Du, wie kannst Du nachmittags in die Sozial-AG gehen, um anderen Menschen zu helfen, und vormittags derart die Augen verschließen?
Welch sensible Musik aus Dir ertönt, bei jedem Konzert bestaune ich es, aber hierhin, zu ihm, hast Du Deine Empfindsamkeit nie gerichtet?
Wie sanft Ihr mit den jüngeren Klassen seid, wenn die Eure Hilfe brauchen. Nur in der eigenen Klasse, da erkennt Ihr den akuten Hilfebedarf nicht?
Wie solidarisch Ihr miteinander umgeht, Eure gesamte Gruppe, nur ihn habt Ihr übersehen? Über eine so lange Zeit? Immer und immer wieder?
Wieso stellt Ihr Euch nicht vor ihn, wenn er wieder einmal ausgelacht wird?
Wieso traut Ihr Euch nicht, dazwischenzugehen?
Wieso habt Ihr all die Monate geschwiegen? Euren Eltern gegenüber? Uns gegenüber?

Schaut, Ihr hättet es ja nur den beiden nachzumachen brauchen. Den beiden einzigen verbliebenen Freunden, die sich mutig zu ihm gestellt haben. Die als einzige zu ihm gehalten, die zuweilen sogar ihre Stimme erhoben haben.
Schaut, wie es geht. Macht es D.s unglaublich tollen Freunden nach. Ihr alle.
Bitte.

Außerdem braucht Ihr jetzt wohl uns Erwachsene, um wieder hinauszufinden aus der Verstrickung. Wir werden es versuchen. Wir alle werden alles versuchen, was wir vermögen.
Irgendwie möchte man Euch kaum die Schuld geben. Die Erwachsenenwelt lebt es ja nicht anders vor.
Und doch. Wir wollen Euch zeigen, dass es andere Wege gibt.
Wir sind für Dich da, D. Von jetzt ab wissen wir Bescheid, werden wir auf Dich achtgeben, werden wir unser Möglichstes tun, damit es Dir wieder besser geht.
Wir sind für Euch da, liebe Klasse. Wir werden zusammen hinschauen lernen. Und Mut üben. Dass Ihr Euch in Zukunft zusammentut, Eure gesammelte Kraft einsetzt, damit niemandem von Euch mehr so etwas geschehen muss.
Wir sind für Euch da, Ihr, die Ihr es nicht besser konntet bisher. Wir werden versuchen, mit Euch zusammen Wege aus der Sackgasse heraus zu finden.

Wir sind für Euch da.

(Mobbingsituation, siebte Klasse. Eine von unendlich vielen Klassen,  die es (be)trifft. Trauriger Alltag.)

Der Mangelblick

Ich sehe den schmerzenden Fuß,
und nicht, dass meine Beine mich schon ein Leben lang tragen.

Ich sehe die fehlende Butter,
und nicht das selbstverständliche Brot.

Ich sehe die Anstrengung der täglichen Aufgaben,
und nicht deren erfüllende Buntheit.

Ich sehe die Unwegsamkeit der Täler,
und nicht, dass Berge fliegen lassen.

Ich sehe die Krumen des Mangels,
und nicht das Beet der Fülle.

Ich sehe die Momente des Schmerzes,
und nicht das Meer voller Heilung.

***

Wann habe ich diesen Mangelblick erlernt, wann kam er zu mir?
Und ihn umzuwandeln, umzukehren, was braucht es dazu?

Traumrollen

Einer steht vom Tisch auf und simuliert Kranksein. Er braucht es so.
Andere spielen mit kleinen Käfern, modellautogleich, gemeinsam wuselnd im Sand.
Noch jemand sitzt auf einer Bank, stellt sich schlafend und blinzelt durch die geschlossenen Lider, unablässig sich mühend, nichts zu verpassen.
Eine Frau kommt hinzu. Steht unbeteiligt daneben und doch im Zentrum. Deckt auf, enttarnt, lässt die Rollen der anderen auffliegen.

Was man so träumt.

Mir ist sofort nach dem Aufwachen entfallen, welchen der Spieler ich mich nahe fühlte.

 

Fragen ans Ich

„Die Menschen sind geradezu süchtig nach dem, was ihnen nicht guttut. Sie glauben offenbar, es wäre blamabel, gemäß ihren tatsächlichen Talenten zu leben. Dieses sich zum eigenen Vorteil nicht bescheiden können und an den Angebereien und G’schaftelhubereien teilhaben zu wollen, ist eine Geisteskrankheit. Von den daraus abgeleiteten Überforderungen werden sie dann herumgeschubst und geraten ins Trudeln. Es ist wie bei denen, die nicht die geringste Begabung fürs Reiten haben, und eines Tages lesen sie irgendwo den Spruch ˋDas Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferdeˋ, den gewiss ein Sattelerzeuger als Reklame erfunden hat, und jetzt wollen sie unbedingt auf ein Ross hinauf. Sie tun es. Dann passiert, dass sie abgeworfen werden, und während sie mit ihrem Zuckergoscherl im Gatsch liegen und ihnen alles weh tut, flüstert ihnen der innere Hausteufel: ˋDu musst zurück in den Sattel, denn dort wirst du ja das Glück erfahren.ˋ Sie tunˋs wieder und, bumsti, liegen sie wieder auf der Erdˋ und so weiter ad infinitum, bis sie halt endgültig zerschmettert sind.“

„Diejenigen, die sich für nützlich halten, sind oft eine Pest für die Menschheit und machen das Einfache mit Leidenschaft kompliziert. Die Taugenichtse, zu denen auch ich mich, mit Stolz, zähle, hinterlassen keine Kriege und andere Tragödien, sie spazieren im Dasein herum und können genießen, was es gerade im Angebot gibt. Sie kennen den Wert des vermeintlich Wertlosen und sehen das Talmihafte der Kronjuwelen der Weltenlenker, oder so ähnlich, oder was weiß ich.“

Julian übte gerne, seine ganze Aufmerksamkeit in einzelne Schritte zu legen. Dann spürte er den Druck, den die Begegnung seiner Schuhsohlen mit dem Granit der Pflasterung hervorrief, ebenso das Anspannen und Entspannen seiner Waden und Oberschenkelmuskeln, das Abfedern, das die Ferse leistete, oder die makellosen Bewegungen seiner Kniegelenke. Ein andermal nahm er bewusst die Gerüche wahr […] So lernte er bald, dass alle Stunden aus derart vielen, für gewöhnlich überhörten, übersehenen, überrochenen, überfühlten Nuancen und Vorkommnissen bestanden, dass man sich fragte, an wen all dies Getümmel eigentlich adressiert war. Gab es für jedes Signal, das ausgesandt wurde, einen Empfänger? Dienten sie als Orientierungshilfe für Luftgeister oder Dybbuks? Waren etwa die Millionen von Geräuschen Grundlage und Impulsgeber für bestimmte unerforschte Abläufe bei Fauna und Flora? Es gab eine Welt hinter der Welt, dessen war er sich sicher. Aber wo befanden sich die Durchschlüpfe in diese Dimension, und welche Techniken musste man beherrschen, um dort Fuß zu fassen? […] Was er als besonders bemerkte, entsprach allerdings für die meisten seiner Leser dem reichlich Unauffälligen und Leisen, das häufig überhaupt erst durch seine Beschreibungen in ihre Wirklichkeit trat. In einer Gesellschaft des groben Rasters und der Vereinfachungen war er ein altmodischer Parteigänger der Zwischentöne und Verästelungen.

Der vollkommene Süden. Er wusste nicht genau, was die Eigenschaften dieses Gebiets waren, aber deren Wirkungen glaubte er zu ahnen: allen voran jene bedeutende innere Ruhe, die Antworten von Klarheit auf wichtige Fragen zuließ. Ganz bei sich selbst würde man dann sein, keiner und keinem die Macht gebend, einen zu verletzen. Imstand, den eigenen Wert zu erkennen und zu achten und endlich Vertrauen zu stiften zwischen Körper, Geist und Seele. Versöhnt mit sich selbst, Augenblick um Augenblick die Herausforderung annehmend, die eigenen Möglichkeiten bis zum Äußersten zu leben.

Ein Potpourri, das mich aufhorchen lässt. Gefunden in André Hellers „Das Buch vom Süden“.

Es sind ja immer wieder diese Fragen, an mein Ich, an seine Entscheidungen, die kleinen alltäglichen, und die großen weiterreichenden:

In welche Sattel klettere ich, obwohl sie mir nicht passen? Wo erliege ich dem groben Raster, den Vereinfachungen, wo sitze ich dem Talmihaften auf und lasse mich blenden? An welche „Nützlichkeiten“ verschwende ich meine Zeit und Kraft?

Und:

Durch welche Augen muss ich blicken, damit mir die Welt hinter der Welt sichtbar wird, mehr und mehr? Wie öffne ich mich für das „vermeintlich Wertlose“, für all die „Zwischentöne und Verästelungen“? Was bedeutet das für mich: im Dasein herumzuspazieren?
Und wo finde ich meinen eigenen Süden? Er muss ja nicht vollkommen sein …

Fragen, die ich jetzt einfach so stehenlasse. Die weitergetragen werden wollen und weitertragen.

Über die Geduld

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und 
dann gebären…
Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…
Man muss Geduld haben
mt dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher,
die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich, 
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.
(aus einem Brief von Rainer Maria Rilke „an einen jungen Dichter¨)

Herbstradeln Tag 4: Gaildorf – Bad Wimpfen

Bis auf die ersten Morgenkilometer – die fast noch dunkle, jedenfalls nebeldiesige Auf-und-Ab-Strecke nach Schwäbisch Hall – ist mir mein Weg heute nicht neu. Und das, ich bin selbst erstaunt, ändert alles. Mein Sehen, mein Lauschen, mein Betrachten, mein Erwarten. Dass ich nicht zum ersten Mal hier entlang fahre, lässt mich sofot ins Damals rutschen, es nimmt mir mein Erleben. Jedenfalls einen Teil davon.

Damals, vor anderthalb Jahren war es, probierte sich die Tochter auf einer ersten Übernachtungsradtour. Wir wollten für den Sommer wissen, ob sie diese Reiseart möchte, und wieviel sie fahren kann. Unsere beiden Tagesetappen und noch ein bisschen mehr fahre ich heute in einem Rutsch.
Ich durchlebe die ganze Strecke immer mit Blick auf das Damals, merke ich. Erinnere mich, hole Emotionen wieder hervor, gleiche ab. Und bin irritiert, wenn es streckenweise keine Erinnerung gibt. Denn seltsam, die Linie als Ganze ist mir entfallen. Pünktchen flammen auf, oder ausgewachsene Punkte, aber kein Ganzes.
Dort hinter jener Ecke kommt gleich … hier haben wir gehalten … hier gegessen … dort gesessen … hier war sie wütend … dort kraftlos … hier lachten wir … hier mussten wir uns vor Hitze die T-Shirts ausziehen … hier lag ein Geocache … und dort noch einer, den wir nicht fanden … hier fotografierten wir … dort schnauzte uns der Mann an … hier sahen wir den Segelfliegern zu … dort den Schützen … hier gab es ein Eis … und dort nicht.
Punkt um Punkt ersteht vor meinem inneren Auge. Dazwischen sind Lücken. Blicke, die ich noch nie gesehen habe. Oder die ich einer anderen Reise zugeordnet hätte.

Wie kommt das? Was fädelt sich als bleibende Erinnerung ein, was nicht? Wieso sind es keine Linien, nur unterbrochene Muster, die in mir bleiben?
Und wieso versperrt mir das Altdaseiende ein Neubetrachten? Dies ist meine wichtigste Frage. Wieso hatte der Weg heute keine Chance, mir zu einem neuen zu werden?
Wie kann, wie könnte ich denn mit Erinnerungen umgehen, dass daraus etwas Neues erwächst? So dass das Alte nicht perpetuiert, sondern zu einem fruchtbaren Boden für neues Keimen wird? So dass ich nicht in Wehmut und Bedauern rückwärtsgewandt lebe und mir das Hinterhertrauern zum Leitmotiv wähle?
Hier bin ich an einer für mich wesentlichen Frage angekommen. (Bei der es um so viel mehr als Radfahren geht.)

Die Antworten darauf werde ich nicht heute finden, nicht jetzt. Zumal sowieso Zeit ist, mich wieder auf den Weg zu machen. Denn was ich bei allem Erinnern auch spürte: Ich vermisse sie, die Tochter. Und den Sohn. Es zieht mich nach Hause.
Jetzt.
Letzte Etappe.

Wichtiglinks

Mich lähmen diese Ereignisse. Was in der Reisezeit schon schwierig war, ist mir nun gänzlich unmöglich: Einfach von irgendetwas zu plaudern. Einfach ein Buch lesen, wo es um irgendetwas geht. Einfach meine kleinen persönlichen Befindlichkeiten vor mir selbst und anderen auszubreiten.
Doch, ja, wir leben hier weiter. Lachen mit den Kindern, sind viel bewusster als sonst dankbar für das, was wir haben, gestalten unsere Tage bunt und farbenreich, begegnen einander. Und das alles ist wichtig. Sich der Lähmung nicht hingeben. Und sich um sich selbst kümmern, scheinen die Befindlichkeiten noch so nichtig zu sein. Wenn ich selbst nicht hell bleibe, kann ich nicht nach außen strahlen. Niemandem würde das nützen.
Aber dringlicher als je nagen in mir Hilflosigkeit, und Hand in Hand damit die konkrete Suche nach Möglichkeiten, unser Glück, das wir geschenkt bekamen, weil wir gerade hier leben dürfen, und in der jetzigen Zeit, wenigstens im Kleinen zu teilen. Abzugeben. Weiterzuschenken. Mitanzufassen.
Da sind einige ganz konkrete Ideen in meinem Kopf. Wenn ich am Montag wieder zu Hause bin, bleibt noch eine ganze Ferienwoche, um mich diesen intensiv zu widmen. Damit jedenfalls anzufangen.

Und hier teile ich ein paar Links. Texte, die mir auf verschiedenen Ebenen in den letzten Tagen wichtig waren. Die ich gern weiterverbreiten möchte, aus meiner eigenen Sprachlosigkeit heraus.

Da ist zunächst die Aktion Blogger für Flüchtlinge – denn ja, es braucht Geld. Auch privat gespendetes Geld. Ganz viel. Zusammengesetzt aus ganz vielen Wenigs.

Ein augenöffnender Artikel über die Vorboten der neuzeitlichen Völkerwanderung.

Dazu sehr passend ein Blick von Frau Meike auf das Globale, welches wir – spätestens jetzt und hoffentlich – nicht mehr länger und für immer ausblenden können. Viel Weises in diesem Artikel.

Ein Post mit vielen Hintergrundinformationen zum Land Syrien, welches bisher, bevor ich dies las, immer nur ein entfernter Fleck auf der Landkarte war. Ich wusste all das nicht.

Und Hintergrundinformationen zum Lande Sachsen, das sich dieser Tage so oft in den Schlagzeilen findet. Auch die Kommentardiskussion sehr interessant.

Nicht unwichtig die Frage, ob und wie man mit Menschen ins Gespräch kommen kann, welche auf der anderen Seite der Argumentationsskala agieren. Denn wir wohnen hier alle zusammen in einem Land, in einer Stadt, in einem Dorf. Auch die, welche tief im Innern vielleicht am liebsten mitanzünden würden. Vielleicht werde ich solchen demnächst in meinem Lehrerzimmer begegnen, in der Nachbarschaft, auf dem Klassentreffen – wer weiß? Einfach nur sich moralisch überlegen fühlen ist keine Lösung. Es braucht Worte.

Und es braucht aufrüttelnde Bilder; hierzu noch einmal Frau Meike. Warum der Unterschied zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen ein nur von uns konstruierter ist: Ein Kind, sie zu beschämen.

Sehr sehr viel weiter gedacht, über die aktuelle akute Situation hinaus: Welche Aufgaben stehen auf lange Sicht vor uns?

Und nicht zuletzt hat Maximilian Buddenbohm Texte zum Thema zusammengestellt: hier und hier.
(Ich habe noch nicht geschafft alle zu lesen, aber ich bin sicher, dass man bei ihm – wie immer – nichts falsch macht, seine Links anzuklicken.)