Ferien

#3wegsam-Bilder-10: Elblängs zur Grenze

Immer noch dreht sich hier vieles und ist noch lange nicht besänftigt. Die Tage wollen im Moment erstmal nur geschafft werden. Raum für Vertiefung suche ich vergebens, so gelingt mir auch Einkehr in Worträume kaum.
Aber mich an Bildern entlanghangeln und ein paar Gedanken hinauströpfeln lassen, das geht und tut gut. Während wohlige Erinnerungen in mir rühren und das Derzeitige sanft einbetten mit ihrem Fingerzeig auf den Fluss vom Gewesenen zum Künftigen, in welchem einzig das Jetzt, selbst das derzeitige Jetzt, die Brücke bilden kann. Ich lerne zu verstehen. Und lasse mich von meinen Bildern ein weiteres Mal forttragen.

In Dresden war ich stehengeblieben mit meinem Erzählen. Nach dem Begegnungsabend ist viel zu schnell Abschied. Jedoch: nur dann kann es neue Begegnung geben. Bald schon? In wenigen Wochen, stimmt’s?

 

Unten am Fluss blicke ich wehmütig flussabwärts. Es ist seltsam, an der einstigen Heimatstadt vorbeizufahren, ohne sie „richtig“ betreten zu haben. Natürlich war das Haus, in dem ich willkommen geheißen wurde, „richtiges“ Dresden, mehr als das. Was ich meine, sind wohl meine damaligen Orte und Kreise. Die waren allesamt im Stadtzentrum, hier flussabwärts hinter der Biege irgendwo auftauchend. Nächstes Mal werde ich nicht vorbeifahren.

 

Heute sehr wohl. Es geht nach Süden.
Nachdem ich den Fluss via Blaues Wunder gequert habe. Noch immer weiß ich nicht, ob der Name dieser Brücke irgendetwas mit der Redewendung „sein blaues Wunder erleben“ zu tun hat. Ich jedenfalls erlebe hier mein blaues Wunder – ganz wörtlich zu verstehen:) – und freue mich an der Samstagsstimmung auf Straßen und Wegen …

 

 

… und am lebendigen Uferleben, selbst wenn der eine oder andere allzu lebendige Spaziergänger mir vor’s Rad springt. Macht ja nichts, ich habe Zeit.

 

Schloss Pillnitz quert meinen Weg, und von da ab so manch bekannter Ort.

 

Bin ich doch zwei Jahre zuvor diese Strecke in umgekehrter Richtung mit dem Sohn gefahren, damals ging es von Prag an die Ostsee. Heute (und die nächsten drei Tage) fahre ich dem Damaligen entgegen und werde wehmütig. In Erinnerung an den ersten Reiseabschnitt mit ihm, nur wenige Tage ist das ja her, in Erinnerung an unser damaliges gutes Miteinandersein, und vor allem immer wieder mit dem Gedanken, dass solch gemeinsames Erleben in den nächsten Jahren immer seltener werden, je mehr er flügge wird. Damals wusste ich noch nichts Genaues von seinem Italienjahr, es war noch nicht klar, WIE nah das Weggehen sein wird, und doch spürte ich es.
Hier etwa – wie an vielen Ecken – ist er so präsent, dass ich ungläubig staune über die Detailliertheit meiner Erinnerungen. Wie uns damals scharfer Gegenwind fast zum Stehen und abwechselnd in die Verzweiflung trieb. Heute ist schon wieder Gegenwind, offenbar muss das hier so sein. Nur bin ich ruhiger und stampfe nicht mit dem Fuß auf, selbst innerlich nicht.

 

Wie wir damals an selbiger Stelle standen und den Brückentouristen ebenso wie den Kletternden zuschauten. Und ich dem Sohn erzählte von meinen Jahren in Dresden, in denen uns – dank einer wanderbesessenen Freundin – allsonntäglich der 6.37-Zug in diese Felsformationen brachte, auf dass wir atemlose Tage in ihnen erlebten.

 

Irgendwann stehe ich an einer Schranke. So ist das von Zeit zu Zeit, das war noch auf jedem Streckenabschnitt so.
Innerhalb des ohnehin schon ruhigen radelnden Unterwegsseins ist der Aufenthalt an Schranken nochmals der Inbegriff des Zur-Ruhe-kommens. Man steht dort und steht. Ohne etwas zu tun. Ohne weiterzukönnen. Ohne sich richtig in eine Pause zu begeben. Man steht eben. Einfach so. Man hat es auszustehen. Kein Wunsch, kein Wirken, kein Eingreifen. Ausharren und Sein.
Ein wahrer Zwischenzustand in der Mitte von allem, was man gemeinhin mit dem Attribut „sinnvoll“ belegt.
Augenöffnende Schranken.

 

Eine Pause nehme ich mir in Rathen, ich sitze und schaue auf den Fluss, um mich zu sammeln und mir klarzuwerden, dass ich wiederum überhaupt noch nicht weiß, wohin ich heute will. Es ist Nachmittag, und ich werde mich wohl nochmal noch ein Stückchen den Fluss entlangtreiben lassen.
(Rätselhaft immer wieder das, was nicht im Bild ist. Auf dieser menschenleeren Uferwiese sitzen nur ich und mein Fahrrad. Gähnende Weite. Eine Großfamilie mit Hund und Streit nähert sich. Und wo lassen sie sich nieder? Zwei Meter von mir entfernt. Ich verstehe das nicht. Ich verstehe es wirklich nicht.)

 

Wieder eine heftige Sohneserinnerung, ich gebe zu, heute ziehen die ein wenig im Herzen. Dort drüben, auf der anderen Seite der Fähre, unterhalb der Festung Königstein, sind wir damals eingekehrt, geschlaucht von Gegenwind, Wegsteigungen und einer morgendlichen Felswanderung, zu Fuß. Heute habe ich bis auf Gegenwind nichts von all dem gehabt. Einkehren muss ich trotzdem, sagt mir die Wehmut. Ohne Hunger, ohne Durst, aber den Ort brauche ich nochmals. Es ist ein seltsam Ding mit dem Erinnern.

 

Nun, und dann geht der Samstag in Dunkelheit über. Weil die Sonne untergeht, und weil Regenwolken aufziehen. Schnell kaufe ich noch ein, um vor den ersten Tropfen den letzten Zeltplatz auf deutscher Seite anzusteuern. Im Kirnitzschtal baue ich auf, direkt neben dem Zelt fährt eine Straßenbahn vorbei (doch doch, mitten in den Bergen:)), und pünktlich nach Kochen und Essen beginnt es zu regnen. Und wie.
Der Morgen empfängt mich voller Pfützen.

 

Das Tal in Niesel und Nebel, eng ans Haus schmiegt sich die Straßenbahn (Beweisfoto!), und ich breche auf, in Regensachen fühlt sich dieser sanfte Regen fast gemütlich an.

 

Unten im Ort, in Bad Schandau, reißt der Himmel mehr und mehr auf, ich wage mich zu setzen und ….

 

… das viele Nass auf dem Rad zu drapieren, dass es ein wenig trocknen möge.

 

Ja, tatsächlich, bis auf eine einstündige Dusche später am Tag bleibt es blauhimmelig, ich bin dankbar, weil ich das Elbtal nochmals in vollen Zügen einatmen kann, bevor es sich auf der tschechischen Seite aufweiten und einen ganz anderen Charakter bekommen wird.

 

Vor lauter Einatmen verpasse ich mehrfach die Fähre, das muss man erstmal schaffen. Und auch auf diese darf ich nur dank  besonderer Großzügigkeit. Denn – „junge Frau, können Sie nicht lesen???“ – oben am Steg stand doch ein Schild, dass man diesen nicht betreten darf, bevor nicht die Erlaubnis … naja … gleich bin ich in Tschechien, manchmal sind deutsche Regeln und Gehorsamkeit ganz schön anstrengend.

 

Auf der anderen Flussseite ist schon Grenze, das ehemalige DDR-Grenzgebäude hat nur noch Strohmannfunktion, verströmt aber rein optisch immer noch seinen geballten Uncharme, manchmal gruselt’s mich, wenn ich mich an damalige Entwürdigungsprozeduren erinnere.

 

Der erste tschechische Ort – Hrensko – auf der anderen Seite, hier übernachteten wir vor zwei Jahren.

 

Und dann ist der Fluss nur noch Fluss, wird von keinerlei Häusern mehr gesäumt …

 

… bis die Grenzsteine auftauchen. So unsichtbar können Grenzen sein. Man schiebt hinüber, und schon darf man in einem anderen Land sein. (Ich bin sehr dankbar dafür.)

 

 

Die damaligen Live-Berichte finden sich hier und hier.

#3wegsam-bilder-9: Begegnungen

Schon viel habe ich gelernt auf diesem Reiseweg. Zum Beispiel, dass ich am gar nicht so frühen Nachmittag weiterfahre, ohne noch zu wissen wohin. Immer weniger brauche ich das feste (Tages)Ziel, kann ich eine gewisse Unbestimmtheit aushalten.
Hier an der Talsperre Spremberg ist schonmal Wasser, solche Plätze sind mir die liebsten. Allerdings ist es zu steril, befinde ich, und zu früh am Tage außerdem.

 

Und während ich so gedankenverloren weitertreidele, bin ich plötzlich in Sachsen.

 

Und noch überraschender: Ich bin in meinem Geburtskreis, und der liegt doch eigentlich an der östlichen Bundeslandgrenze, während ich hier im nördlichen Zipfel bin … naja, Geographie war nicht mein Lieblingsfach, und irgendwie fühlt es sich sehr heimelig an, unerwartet „zu Hause“ zu sein:)

 

Wasser findet sich auch, ein Zeltplatz in untergehender Sonne – am Horizont immer ein Kraftwerk, es ist Braunkohletagebaugegend.

 

 

 

Im morgendlichen Büro entsteht zunächst der tägliche Livebericht …

 

… bevor sich mir der Weg versperrt. Diese Furt nämlich ist im Weg. Nicht wirklich, natürlich. Ein Winzling an Furt. Aber die Schilder auf der anderen Seite weisen kilometerweit das Umkehren an, und entgegenkommende Radler berichten von Nichtpassierbarkeit und fast schon hochwasserartigen Zuständen. Nun ja, zehn Umwegkilometern und der Wahrheitsgehalt von Gerüchten und so …

 

Ein weiterer Tagebausee, Renaturierung nennt sich das Wiederherstellen der Landschaft. Auch wenn wiederum ein Kraftwerk aus der Ferne winkt und es der Landschaft etwas an Naturbelassenheit fehlt: Ich bin beeindruckt. Tatsächlich wächst und gedeiht es hier wieder.

 

Vorbei am Schloss Uhyst, welches wirkt, als ließe sich hier sehr authentisch ein Tbc-Sanatoriumsfilm drehen …

 

… und auf von der Welt verlassenen Sträßlein …

 

… komme ich irgendwann in Bautzen an.
Ein Minitwittertreffen winkt – hier im Bild der Blick von diesem auf Spree und Stadt – und erfreut mich sehr. Danke! Der Abend, die Gespräche und der Wein sind nicht auf Bildern festgehalten.

 

Der nächste Morgen bringt den Abschied vom Spree-Fluss mit sich, und viele viele Dörfer. Überall kontrastieren sich Alt und Neu, ist das Ursprüngliche mit neuer Farbe übertüncht, manchmal stehe ich verständnislosd davor, weiß ja aber, dass ich nicht im mindesten weiß, wie sich das Leben in diesen Dörfern im Wesen anfühlt.

 

Eines der Dörfer – ja, es liegt am Wegesrand, ich bin keinen Umweg gefahren – ist unsere Partnergemeinde. Huch – ich hatte das auf der Karte vorher nicht gesehen – und hach: als ich beim Dorfbäcker erwähne, woher ich komme, ist die Gastfreundschaft in Form geschenkter Kekspakete groß und fast zu voluminös für mein Fahrrad:) Ich freue mich heute noch an dieser Begegnung.

 

Und radele der nächsten entgegen.
Du Liebe, die Du  mir diesen Weg abseite der Haupttrasse empfohlen hast, leider weiß ich den Namen des Schlösschens nicht mehr (und bin jetzt, spät nachts) zu faul, dies zu recherchieren:)

 

Ich begegne einer Artgenossin …

 

… und Hügellandschaft zum Seeletanzenlassen. Was ich tue.

 

In Vorfreude zumal, dass ich gleich in Dresden erwartet werde. Und mir sogar entgegengefahren wird, hach. Ein Treffen mitten auf der Kreuzung, ein Weg durch die Dresdner Heide mit Plätzen, die Lieblingsortpotential haben, sollte ich jemals wieder in diese Stadt ziehen.

 

Für heute aber beziehe ich als Gast ein wärmendes Haus mit Speis und Trank und langen Lagerfeuer-Seelengesprächen.
Danke! Auch wenn es schon so lange her ist: Es wärmt noch immer.

 

Die Live-Berichte dieser Tage finden sich hier, hier und hier.

#3wegsam-Bilder-8: Längs der Spree

Oh, das tat gut gestern, das Blättern in den alten Bildern und Erinnerungen. So lasse ich gleich heute – nachdem der Tag mich erschöpft hat – weitere folgen.

 

Ein ruhiger Streckenabschnitt beginnt. Wieder treffe ich die Spree, sie wird jünger und jünger, bis Bautzen werde ich in ihrer Nähe bleiben. Doch zunächst verzweigt sie sich zum Spreewald, der hier seine ersten Ausläufer tastend vorausschickt …

 

… und dann die Landschaft allmählich zur Ruhe bringt.

 

 

 

 

 

Das Wasser kommt näher …

 

… bis ich das erste „Spreewaldboot“ entdecke, hach.

 

Leider ist der Lübbener Zeltplatz laut, kleiner Planungsfehler, ich hätte ja gleich in die mittige Stille der Wasserarme fahren können. So bleibt mir für morgens noch ein Stück Kanalweg …

 

… ein wenig Unruhebeobachtung  in den Stocherkahnhäfen …

 

 

… und dann bin ich allein.

 

Ich finde den idyllischsten Zeltplatz bisher. Vor lauter Einatmen-Ausatmen und seligem Seufzen vergesse ich zu fotografieren:)
Und dann ist da ein kurzzeitiger Fahrzeugwechsel, ich hatte mich darauf so hingefreut, auch dies wieder eine wärmende Erinnerung. Man treidelt so einsam durch die Wasserkanälchen, außer dem Eintauchen des Paddels (was in der Fachsprache sicher anders heißt:)), den Wasser- und Baumgeräuschen und dem eigenen Atem ist nichts zu vernehmen. Die Schleusen stören nicht durch Motorgeräusche, man bedient sie kurbelnd per Hand. Nur wenn man allein ist, kann man das Boot ja schlecht leer in der Schleusenwanne lassen. Also trägt man es einfach auf dem Landweg um die Schleuse herum. Das geht leichter als es sich anhört. Was danach allerdings weit schwerer als vermutet geht: Das Einsteigen ins Boot – ohne jeden Halt am Ufer. Nuja, ich möchte mein Eiern und Schwanken nicht von außen gesehen haben, aber nass geworden bin ich jedenfalls nicht:)

 

 

Am Morgen hat es geregnet, ich halte den tropfendnassen Zeltplatz doch noch auf einem Bild fest …

 

… und bewege mich weiter Richtung Süden. Die verschiedenen Gestalten des Weges, immer den Fluss an der Seite, Asphalt und Sand wechseln sich ab, es ist wohltuend leer …

 

 

… und ja, er kann auch bürgerlich-brav-parkartig, der Spreeradweg, wie man sieht.

 

 

Und plötzlich, in solchen Momenten merke ich immer, wie sehr ich versunken bin im Grün, steht man an so einer Ecke. Ein Schreck, weil die Welt eben doch keine bukolische ist.

 

Cottbus. (Nach)Mittagspause. Neben meinen Brötchen und Äpfeln ausgebreitet liegt die Karte, und es kreist im Kopf die Überlegung, wo ich wohl heute zelten könnte.

 
Doch davon später …

Die Live-Berichte dieser Reisetage finden sich hier, hier und hier.

#3wegsam-Bilder-7: Erinnerungen rund Berlin

Ob ich die Bilder der letzten noch bis zur nächsten Radreise sortiert haben werde???
Das gegenwärtige Leben ist allzu prall gefüllt, immer wieder lasse ich den nächsten Bilderordner „für morgen“ liegen, wie das so ist.

Nun aber, da hier ringsum soviel Unschreibbares geschieht, wo ich in den Gegenwartsdingen schwer ins Innehalten finde, nehme ich mir für einen Abend das Versenken in vergangene Reisetage als Ruhepol.

Das letzte Mal über diese Reise erzählte ich hier. Dort schrieb ich auch, wie dicht hier die Erinnerungen am Wegrand lagern und wieviel verschlossene Erinnerungskammern sich plötzlich öffnen. Dies ist mit der Stadtgrenze Berlins mitnichten vorbei, im Gegenteil.

Bahnhof Fangschleuse. Der Name lässt Glocken in mir klingen, der Blick auf die Karte verrät, dass ich es richtig erinnere. Mönchwinkel und der Störitzsee, häufiger Kindheitswochenendverbringort …

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… ich muss dorthin, unbedingt. Ein Pfad durch den Wald lässt mich den See finden. Und ja, er ist’s:) Auch wenn ein Jugendcamp das gewohnte Ufer belegt und der Blickwinkel ein anderer ist, ich sitze an genau diesem See …

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… und fahre durch genau diesen Wald wie damals. Nur das Haus, in dem wir immer wohnten, das steht wohl nicht mehr. Keines von denen, die ich sehe, kommt in Frage … ich fahre weiter.

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An Ferienlager-, Klassentreffen- und Tagesausflugsorten vorbei, bis zum Scharmützelsee, dessen spezieller Name mir heute erstmals auffällt. Doch nein, die Recherche bei wikidingens ergibt, dass das Wort überhaupt nicht bedeutet, was es nahelegt. Man kann sich also beruhigt an den Ufern des Sees niederlegen.

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Oder auch sich einen Campingplatz suchen. Auf einem mit Telefon am Eingang, ha. Soweit begeistert mich der Blick in die Vergangenheit.

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Als ich mich am späteren Abend dann allerdings ans Seeufer zur Badestelle aufmache und nur marode Holztritte finde …

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… umgeben von einer in der Vergangenheit schon verrotteten Feriensiedlung …

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… deren einziger Seezugang von Yachtbadenden belegt ist, da ist mir die Romantik des nostalgischen Blicks zusammen mit der Badelust vergangen.

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Ich begnüge mich mit dem Schauen aufs Wasser. Auf’s gegenüberliegende Ufer, auf jenen Hafen, in dem viele Jahre lang „unser“ Boot lag.

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Und in die Abendrotstille …

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Nach einer ersten Nacht im Zelt …

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… führt mein Weg weiter am See entlang, wenn er nicht durch Golfplätze oder Wellness-Ressorts versperrt ist. Oder aber durch neue Ferienanlagen, jetzt wird auch klar, warum alles Alte verrotten muss. Ich irre ein wenig durch diese immer gleichen Häuserzeilen, auch jetzt noch geschüttelt von deren Monotonie und Sterilität, ein Schnell-weg-Bedürfnis macht sich in mir breit.

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Zumal der See vollbebootet und ferienmenschenumlagert ist.

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Es gibt stillere Pfade. Entlang dem Kleinen und dem Großen Glubigsee zum Beispiel. Das klingt schon wieder, als wäre ich hier im Ferienlager gewesen … was ich aber nicht mehr herausfinden kann.

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Ob das hier war?

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Egal. Ich lasse mich auf den Wald ein, es duftet nach Kindheit, nach Heimat, nach Geborgenheit, mehr kann ein Reisetag kaum schenken.

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Und wenn sich dann am Wegesrand noch eine Mittagessensbank findet …

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Die Live-Reiseberichte der damaligen Tage finden sich hier und hier.

Winterwoche

Während sich in den letzten Tagen der Frühling entfaltet hat und heute der erste richtige Garten- und Terrassentag Leib und Seele erwärmt hat, platzen diese Bilder jetzt vielleicht etwas unerwartet ins aufsprießende Grün. Trotzdem. Für mich selbst wenigstens bin ich nochmals zurück in die Ferienwoche gereist und erinnere mich …

 

… an Francescas kleines Hotelchen, das wir nun im zehnten Jahr besuchten (Jubiläum:)) …

 

 

… an den so vertrauten Blick aus unserem Zimmer, jeden Tag sich wandelnd …

 

 

 

 

 

 

 

 

… an Himmel und Weite …

 

 

 

 

 

 

 

 

… an die weißen Weiten …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

… an die eindrückliche Gestalt der Berge …

 

 

 

 

 

 

 

 

… und natürlich an Dolce Vita:)

 

 

 

 

Bis zum nächsten Jahr dann …

 

 

 

WmDedgT 03/2017

Sonntag, der Tag ohne Weckerklingeln, lässt mich aus einem Traum aufwachen, in dem es um eine Tasche ging, welche in Form, Größe und Haptik meinem Ideal nahekam, welche ich also nicht haben kann und werde, die somit eine Traumtasche bleiben wird, was gut so ist, ich lächle beim Erwachen.

Diesen Tag heute hätte es eigentlich gar nicht gegeben, was heißen soll: Hätte es nicht gestern im Bergort geschneit und genebelt und geregnet, dann wären wir heute erst abgefahren und kaum erst hier, so dass wir direkt von der Autobahn in den Alltag hätten stolpern müssen. So aber hat das Wetter eine Entscheidung und damit diesen Tag ohne jeden Plan, frei von jeglichem Tunmüssen geschenkt. Die Tageszeiten fließen unter mir hinweg und das Uhrzeitkonzept erreicht mich heute nicht. Hach.

Zunächst, was liegt im Morgenbett näher: Ich lese, lese und lese. Die Enden meiner Reiselektüren sind im heutigen Tag besser aufgehoben als in den kommenden Tagen, wenn das Rad wieder hektisch zu kreisen begonnen haben wird. Ich lese also, so lange, bis die Kinder nach Frühstück verlangen. Es gibt faule Aufbackbrezeln mit nicht viel dazu; nach der satten italienischen Woche braucht es das auch nicht.

Weil das Gespräch auf den Alltag kommt und ohnehin schon Märzanfang ist, greife ich mir nach dem Essen den Familienplaner und beginne – wir sind da ganz undigital:) – all unsere Terminzettel und -hefte für den nächsten Monat zu synchronisieren. Nebenher läuft die erste Wäsche, und damit, finde ich, habe ich zunächst genug getan – der Sonntag darf wieder sonntäglicher werden.

Wobei ich beim Lesen von den Büchern mittlerweile zu Blogs und weiter weg ins Netz abschweife und dabei – ganz heimlich, noch ohne mich irgendwo zu melden – mal in meine beiden Dienstmailaccounts schaue. Uiuiui, schnell wieder zumachen. Ich bin ja eigentlich noch gar nicht da:)

Gehe ich lieber ans Cello, heute ist unser letzter Tag, eigentlich hatten wir uns vor der Reise schon verabschiedet. (Morgen wird es beim Geigenbauer getauscht, was nicht an mir oder ihm, dem Cello, liegt, sondern eine eigene Geschichte ist.) Nun also treffen wir uns doch noch einmal. — Es ist ein wenig ernüchternd. Die Hände haben alles verlernt. Scheinbar natürlich nur. Aber trotzdem. So spiele ich eine ziemlich große Weile vor mich hin und sinniere über Verlieren und Wiederfinden und Lebensgeduld und Gelassenheit …

Bis mich das frühlingliche Draußen verlockt, da tut sich plötzlich ein Weg vor mir auf, der unbedingt gegangen werden will. Jetzt. Und öfter noch. Genau genommen habe ich mir mit dem heutigen Gang ein Ritual geschaffen. (Und dass ich nach erstmaliger Durchführung bereits das Perfekt verwende, liegt an meiner Entschiedenheit und der Bedeutung, die dieser Weg für mich hat.)

Der Fotoapparat war auch dabei, auf dem heutigen Weg, und auf der Ferienreise ja sowieso. Während nach meiner Heimkehr ins dämmernde Haus all die Fotos auf den Computer hinüberwandern, linse ich ihnen zu – und staune schon einmal. Vorfreude auf das Sichten und Wiedererkennen macht sich breit.

Jetzt erstmal Essen, inzwischen Abendessen zu nennen, und anschließend mit den Kindern zusammen Reisetaschen auspacken und die ersten Wäschehaufen verräumen. Und weil wir alle so gut in Trab sind, packen wir gleich noch die Schultaschen für morgen, erinnern uns an zu unterschreibende Zettel, zur richtende Räder, zu bestellendes Essen, zu organisierende Fahrten und zu stellende Wecker. Soifz, jetzt doch kurz ein Ferienendewehmutsgefühl.

Ich dämpfe es noch ein wenig ab, indem ich den Rest des späten Abends in Erinnerungen lese, dazu Seelenmusik höre, ein wenig mit Farbstiften experimentiere, jetzt hier schreibe und viel zu spät ins Bett gehe. Morgen an meinem langen Schultag werde ich das bereuen, aber für jetzt fühlt es sich genau richtig an.

 

Andere Was-machst-Du-eigentlich-den-ganzen-Tag-Erzählungen gibt es bei Frau Brüllen.

 

Heimkehr

Die Berge hinter Nebelschwaden versteckt, als verweigerten sie den Abschied. Was der kleine Mensch nur immer interpretiert, denken sich die großen Berge. Und verstecken sich weiterhin.
Wolken schütteln sich aus, ein Frau-Holle-Schneeregen grüßt.
Die Sonne malt einen Regenbogen, wir fahren mitten hindurch. Frühlingswärme unter Schneegipfeln, Farbdurcheinander zum Schwindeligwerden.
Dazu Erinnerungen aus einem halben Reiseleben, Gewitter gab es viele, sie liegen längs der Strecke und winken.
Ein Drama, was der Himmel heute bietet.

Und dann sind wir daheim. Ein einziges Wetterwirbeln im Kopf. Und jetzt?

im Februar

verlief manches anders als gedacht, wobei sich dies vor allem auf meine inneren Prozesse bezieht und ich jetzt zum Monatsende kaum ausmachen kann, was dieses „manches“ alles beinhaltet, und wann genau ich mich so außerhalb meiner selbst zu fühlen begann
*
natürlich war es in der Schule heftig, mit Elternsprechtag und Elternabend und Wettbewerben und Konferenzen und vielen Vertretungen (alle sind krank, mich traf es ja auch ein zweites Mal) und der Terminhäufung am zweiten Dienstort – aber das ist es ja immer
*
war ich erleichtert, als die Kinder ein paar Tage zu Schulorchesterproben verreist waren und die Termindichte darum ein wenig nachließ
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hatten wir lieben Berliner Besuch hier im Haus, was zwar einerseits kaum in den Alltag zu integrieren ist, aber andererseits in wohltuende, hilfreiche Gespräche führte
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spielte ich viel Cello – was sonst:) – und dies ist mir tatsächlich in so kurzer Zeit zu meinem wichtigsten Seelenbalsam geworden
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überlebte ich den 15. Februar und werde ihn von nun an als meinen zweiten Geburtstag im Jahr feiern (mehr möchte ich hier nicht davon erzählen)
*
versuche ich nun, in den kurzen Ferientagen in unserer wohlvertrauten Bergwelt wieder in die Ruhe des Jahresanfangs zurückzufinden, was mir durch den heute gefallenen Schnee erleichtert wird, wenn dieser auch ziehende, schmerzende, traurige Erinnerungen aufwirbelt
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habe ich große Sehnsucht nach dem Frühling mit seiner lindernden Lichtheit

Bergreisenotizen

Wenn ich den ganzen Tag Zug fahren darf, bin ich ganz vorfreudig und aufgeregt.
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Wir sitzen in Wagen 259. Das ist 7 mal 37. Sooo schön – mein Herz hüpft.
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K1 und ich daddeln beide auf unseren Tatschfohns rum. Geben uns den Anschein eines total unkommunikativen Mutter-Sohn-Paares. Dabei diskutierten wir eben noch, ob man den Südpolsatz einfach so im Beweis verwenden dürfe. Und weitere Absonderlichthemen.
*
„Wenn das Herz denken könnte, stünde es still.“ Gelesen.
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Wer bin ich, wenn ich alle Gewänder und alle Etiketten ablege?
Was meine Lektüre so an Fragen aufwirft.
*
Umsteigen in München. Unbeirrt von geographischen Realitäten singt es in mir „Jetzt fahr’n wir über’n See, über’n See, jetzt fahr’n wir über’n …“
*
Berge in Sicht, italienische Zugansagen, Sonne vor dem Fenster.
Der helle Süden jubiliert in mir.
*
Brennero. I carabinieri tragen Pistole und telefonino. Zum Glück benutzen sie nur letzteres. Solange steht der Zug.
Ich bin solange der Zug auf nem Bahnhof steht, darfste nicht aufs Klo Jahre alt.
*
Hoch über uns die Brennerautobahn. Ich suche mit den Augen nach dem Go-Trabi-Go-Huckepack-Gefährt.
*
Ende der Zugfahrt in Bolzano. Über dem Bahnhofsdach winken uns die zart alpenglühenden Berge zu.
*
Das Auto schraubt sich in die Höhe. Seine Dachbox singt ein Lied in Quarten. Nicht ganz sauber. Muss mal wieder gestimmt werden.
*
Seekrank, da tippend während Serpentinenfahrt.
Hatte das Jetzt-fahr’n-wir-über’n-See-Lied doch Recht.
*
Angekommen. Nach weniger als 12 Stunden Fahrt.
Francesca umarmen. „Siete arrivati a casa.“
Si:)
Prosecco&Essen&Rotwein.
Und jetzt Bett.


#3wegsam-Bilder-6: Zwischenziel Berlin

Nach elf Tagen rollen wir auf Berlin zu, die Zeit verging viel schneller als gedacht und gewollt, und weil diese Etappe die letzte gemeinsame ist (wer weiß: für immer? der Sohn ist 15, und ob er nochmal mit seiner alten Mutter … naja … jetzt nicht sentimental werden …), feiern wir die mit einem Rieseneisbecher irgendwo in Berlins sich weit hinziehenden Speckgürteldörfern.

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Die Einfahrt in die Stadt dann ist unkonventionell, weil das Navi uns kurz vor dem Ziel auf eine autobahnartige Schnellstraße führen will und uns nur der Feldweg daneben bleibt, um zu überleben. Dieser aber biegt alsbald von der Straße ab und führt über Felder, Wiesen, Brache und Niemandsland. Hier kennt sich auch das Navi nicht mehr aus. Einzig der Sonnenstand zeigt an, dass wir noch halbwegs auf dem richtigen Planeten sein müssen.
Und bald auch das bekannte Kraftwerk, nicht schön, aber wegweisend:) …

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… dann ein Stück auf dem Mauerradweg entlang … 

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… durch eine Kleingartenanlage, über breitspurige Bahnanlagen, durch ein Kleinvillenviertel, und plötzlich stehen wir vor dem Mama-Oma-Haus, in dem wir schon sehnlichst und mit Essen erwartet werden. Die Tochter ist übrigens auch hier:)

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Die Tage in der Großstadt sind anstrengend, wie immer, ich bin nicht mehr metropolenadaptiert, das ganze Laute, Viele, Umtriebige tut mir fast körperlich weh, zumal nach den ruhigen Fahrradzeiten. Der Sohn und ich empfinden es anfangs beide als Lücke, morgens nicht mehr aufs Rad zu steigen; erst nach ein paar Tagen gewöhne ich mich daran und denke, dass es auch ein Leben nach dem Radeln gibt.
Doch nach einer Woche geht es – nachdem ich die Kinder schnell mal eben mit dem Zug nach Hause gebracht und von dort mein Zeltzeug geholt habe – weiter. Von hier aus allein.

Das Rad wird neubepackt, da liegt das Alleinreisegeraffel ausgebreitet. Es sieht viel aus, auch für mich. Am Ende aber wird gar nicht so viel Überflüssiges dabeigewesen sein. Lediglich ein paar der warmen Sachen – ich hatte den Bayerischen Wald im September als kalt befürchtet, was er aber nicht war – und Fahrradreparaturzeugs sowie Sanitasche – glücklicherweise – werden am Ende nicht benutzt worden sein.

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Nun aber schnalle ich erstmal alles aufs Rad, von hier ab fahre ich mit Vordertaschen weiter, und frühstücke ein letztes Mal im Vatergarten, bevor ich allein auf dem Weg bin.

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Stadtausfahrt über Köpenick, radwegformidabel und – zumal am Sonntag – schön ruhig, das sind hier alles vertraute Kindheitsblicke.

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Der Himmel und das Rathaus – ohne Hauptmann:) – von Köpenick …

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… und dann geht es längs der Spree zum Müggelsee. 

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Hier waren wir in der Kindheit baden, Schlittschuh laufen, Volleyball spielen, radeln, sonntagsausflügeln … das Verkommen macht umso trauriger. 

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Auch staune ich, wie wenige Menschen hier sind. Es ist ein wetterprächtiger Sonntag im August, es ist auch vom Stadtzentrum nicht zu weit, und doch ist auf Radwegen, am Ufer und in Picknickstuben gähnende Leere, ich wundere mich.

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Wenigstens ab und zu ist eine Menschenseele am See, möchte ich fast aufatmen:)

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Der weitere Weg ist gesäumt von Erinnerungen an Ausflüge, Wandertage, Spaziergänge, auch schon mit dem Sohn, der ja seine ersten drei Lebensjahre in Berlin aufgewachsen ist … all das flutet mich. Diese Kanäle gehören zum sogenannten Neu-Venedig, naja, es ist nicht ganz was der Name verspricht:)

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Die umliegenden Ortsteile sind vollgepropft mit villesken Neubauten. Da freut sich das (Kamera)Auge, wenigstens ab und zu ein echtes Haus vor die Linste zu bekommen. Mit Altersspuren als Zeichen seiner Lebendigkeit …

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Nicht weit mehr, dann treffe ich auf die Stadtgrenze. Und weil wir ortseingangs auf dem Feldweg um ein Berlin-Schild gebracht worden waren, halte ich jetzt wenigstens das Ausfahrtsschild fest. Berlin grenzt hier nämlich direkt an die nächste Gemeinde namens Erkner. Endstation der S-Bahn-Linie, mit der ich damals so oft fuhr …

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Auch hier Müggelspreewasser noch und noch …

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… und plötzlich stehe ich, unvermutet, an einer Ecke des Werlsees, der uns in Oberschulzeiten als DER Badesee diente, wenn wir hitzefrei und deswegen schon gegen Zwei Schulschluss hatten. Wie oft sind wir mit den Klassenfreunden hierhergeradelt und lagen dann genau hier, weiter unten am Ufer, im Sand, so mit 15, 16, 17, 18 … hach …
 

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Das waren die ersten von zahlreichen Wiederbegegnungen, die nächsten Tage werden voll davon sein. Ich lege ein wenig meine Route danach aus und werde noch vieles wiedertreffen.

Die damaligen Live-Berichte dieser Tage finden sich hier, hier und hier.

im Januar

ging es wie zu jedem Jahresstart erst einmal mit einem langsamen Tempo, einer noch stillen Zeit los – welch ein Glück diese langen Weihnachtsferien doch jedes Jahr sind!
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fanden darum – neben anderen Seelendingen – viel Schreiben, viele Bücher und sogar einige Filme Platz, bis der Wiederbeginn der Schule das Schwelgen in Buchstabenwelten ein wenig abebben ließ
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folgten auf erholsamste Ferienwochen vollgestopfte Schulwochen mit 120 Klassenarbeitskorrekturen, 140 Zeugnisnoten, Zeugnisschreiben, haufenweise Konferenzen, einer Reihe Unterrichtsprüfungen, Elterngesprächen, mehreren zu organisierenden Mathematikwettbewerben und und und … im Kalender dominiert in diesem Monat die Schulfarbe deutlich:(
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hat es mich zusätzlich gefordert, dass ich mittendrin für mehrere Tage fiebrig im Bett lag, wobei Termine – Zeugnisse und Prüfungen und so – ja nicht entsprechend nach hinten verschoben werden, so dass ich einen Kompromiss zwischen waagerechter Körperposition, Trotzdemkorrigieren, Krankmeldung für die Unterrichtsstunden und Nebenbeigesundwerden finden musste
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bin ich aber dennoch heil, auch innerlich, durchgekommen, und habe sogar jetzt zum Monatsende noch das Gefühl, ein wenig von der Anfangsruhe des Jahres in mir zu tragen
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war doch dieser Monat ein Versuch, mich nicht im ewigen To-do gefangen zu fühlen, sondern mich stärker zu besinnen auf das, was gelungen, geschafft, erarbeitet und erreicht ist, statt auf das, was immer und immer wieder noch fehlt – auch das gelang soweit und hinterlässt kleine Ahnungen, dass sich durch diesen anderen Blick ein insgesamt gesünderes Alltagssein leben lässt
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hat zu meinem inneren Wohlgefühl ganz wesentlich mein – ja, ich sage schon „mein“! – Cello und die Stunden, die ich mit ihm verbrachte, beigetragen; die Lehrerin, zu der ich in den Weihnachtsferien erst nur telefonischen Kontakt gehabt hatte, erwies sich in den ersten vier Stunden als für mich so passend, und die Ahnung von dem Bewegungs-, Singe- und Klanggefühl, welche das Instrument schenken kann, die ist nach wie vor einfach hach!
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musizierten auch die Kinder wie immer im Januar intensiv auf vielen Proben, Probevorspielen und zum Monatsende dem Jugend-musiziert-Wettbewerb, der – ich schrieb davon – diesmal eine ganz neue Erfahrung für uns brachte, welche ein jetzt umso intensiveres Zusammengehörigkeitsgefühl im Tochterquartett nach sich zieht, und ein fleißiges Üben bei Streicherduo und Sohn, da beide in zwei Monaten in der nächsten Runde weiterspielen dürfen
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hatten wir einigen, auch überraschenden Besuch hier im Haus und verbrachten warme Stunden mit Freunden
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reichte es mal wieder für so vieles nicht, aber das ist ja nichts Neues und wohl etwas, an das ich mich werde gewöhnen müssen, weil ich eben einfach so bin, dass ich immer mehr möchte als der Tag Stunden hat:)

#3wegsam-Bilder-5: Auf die Heimat zu

Das graue Wetter vor dem Fenster, das Ende der rastlosen Korrekturtage und dass ich begonnen habe, ein Buch über eine lange Radreise zu lesen, haben mich wieder zu den Fotos gezogen. Die letzten Sommerradreisebilder gab es hier.

Unsere Pension in Dessau ist nicht viel idyllischer als dieses Flugzeugmuseum, lohnt also das Fotografieren nicht. Hier dagegen hält es den Sohn für eine Weile.

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Der Weg aus Dessau heraus ist holprig …

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… und von einem weiteren verlockenden Museum gesäumt. Wenn es nur nicht schon so spät wäre …

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… hätte es für mehr als das Lesen eines wegweisenden Satzes gereicht.

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Wiederbegegnung mit dem Elberadweg …

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… und dann mit – ha, nein, das ist noch gar nicht die Elbe, sondern die Mulde:) …

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… und nun der Elbe also.

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Auf der anderen Seite fühlen wir uns schon wie kurz vor Berlin, mit dem Fläming beginnt die kindheitsvertraute Landschaft.

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Nur ist lang nicht mehr alles wie es war, die Dörfer leergewohnt, …

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… die ehemaligen LPGs stehen verwitternd im Gras, …

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… nach offenen Gasthäusern muss man lange suchen.

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Es bleiben Weite und Himmel …

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… und das Heimkommen ins Land Brandenburg.

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Auch wenn der Weg zuweilen versperrt ist, plötzlich und unerwartet, wenn wir also durch märkische Sandwege schieben und uns streckenweise am Sonnenstand orientieren müssen, …

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… es fühlt sich heimisch an. (Zu den Kindheitserinnerungen kommen ab Bad Belzig auch die an die Tour vor drei Jahren, als wir die Berlinstrecke in umgekehrter Richtung fuhren.)

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Bad Belzig hält eine Biergarten-Eiscafé-Herberge für uns bereit, …

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… und am nächsten Tag werden die Wälder sandig-kieferndominiert, es heimatet sehr.

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Hier hatten wir vor drei Jahren übernachtet …

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… und hier ebenso Ärger beim Fotografieren bekommen wie jetzt. Warum ich das damals fotografieren wollte, ist unwichtig, ich weiß nur noch, wie mir fast die Kamera aus der Hand geschlagen wurde. Diesmal war es ähnlich.

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Berlin ist nahe, die Großbaustelle ist eindeutiges Indiz.

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Auf den nächsten Bildern – ein ander Mal – werden wir am Ziel sein.

 

Die damaligen Live-Berichte dieser Tage finden sich hier und hier.

 

 

#3wegsam-Bilder-4: Ebene Leichtigkeit

 

Der Regen hat aufgehört. Bevor er wieder anfangen wird. Doch bis dahin werden noch ein paar Kilometer vergehen.
Zunächst: Den Ausgang von Mechterstädt finden …

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… und hinauf, irgendein Hügel ist immer im Weg. Der Blick zurück auf den Thüringer Wald …

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… lässt unsere Schönwetterhoffnung schwinden.
Dafür können wird es beim Fotografieren von Himmelsbildern nicht langweilig …

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… und bei Flussbildern sowieso nicht. Das hier ist die Unstrut, der wir mehr als einen Tag lang folgen werden. Einer der schönsten Radwege, die ich getroffen habe.

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Nach also einem weiteren Regentag übernachten wir in Sömmerda, in einer Pension, die sich im Innern weitaus freundlicher gibt als es dieser Hinterausgangsblick vermuten lässt.

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Am Morgen werfen wir einen kurzen Blick ins Stadtzentrum …

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… bevor uns die grünen Weiten wieder haben.

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In der Ferne der Kyffhäuser ..

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… Schotterwege, wie ich sie liebe (wirklich! das Geräusch ist so heimelig) …

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… und Felder, die schon den Herbst anzeigen.

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Kurz vor Querfurt erreichen wir Sachsen-Anhalt — und werden von diesem Dramahimmel empfangen.

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Auf Querfurts Burg bin ich fast allein. Der Sohn ist im Hotel geblieben, und auch sonst streicht niemand hier umher.

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Ein Fenster trägt Bart …

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… und der Turm Zopf.

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Und der Himmel schenkt Licht. Endlich. (Um zu spoilern: Morgen Vormittag wird er uns wieder haben, der Regen.)

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Wir verlassen Querfurt, um den ganzen Tag durch die weite Ebene zu fahren, möglichst bis zur Elbe, so ist der Plan.

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Zunächst schiebt uns Rückenwind, wenn auch – ja, schon wieder – mit Regen.

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In Halle klart es auf, mit der Geschwindigkeit eines Aprilwetterwechsels ist es plötzlich blau am Himmel.

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Und bunt auf dem Marktplatz: Beachvolleyball ohne einen Beach weit und breit.

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Am Nachmittag spüren wir endlich Sonne auf dem Rücken und im Gesicht. Wie ich das vermisst hatte, merke ich erst jetzt. Auch die Stimmung wird hell.

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Zum Glück. Denn der Weg zieht sich. Der Wind hat sich gegen uns gestellt. Die Landschaft ist flach, baumlos und folglich ohne Windschatten, und die Ortschaften halten kein Eis bereit. Heute hätten wir es gebrauchen können …

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Aber nun, irgendwann kommen wir an. In Dessau an der Elbe, wie morgens angedacht. Ein Katzensprung noch nach Berlin …

 

Die damaligen Live-Berichte dieser beiden Tage finden sich hierhier und dort.

 

#3wegsam-Bilder-3: Rennsteigquerung

 

Am nächsten Morgen wird es laut, wir wohnen gegenüber einer Baustelle, die ab sechs Uhr in Schwung kommt,  das ist einfach ein Imperativ: Schnell weg aus der Stadt!

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Laute lärmende staubige graue Straßen, wir erwischen wohl eine unidyllische Trasse, aber wenigstens ist sie gut ausgeschildert.

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So dass wir schnell im „Freien“ sind, in ruhiger, großstadtarmer Landschaft also.

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Irgendwo stoßen wir auf eine Autobahn. Der Blick auf die Karte verrät: Wir sind schon oft auf dieser grauen Spur gereist. Welch Kontrast das ist: Unsere 7-Stunden-Strecke nach Berlin dehnen wir gerade auf knapp zwei Wochen aus.

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Unser tägliches Eis bekommen wir in einem Ort, dessen Name insbesondere den Sohn begeistert:)

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Während mein Glücksmoment eher der erste Hauch von Mittelgebirgsatmosphäre ist, es wird nadelwaldiger und karger, irgendwie. Wir nähern uns spürbar den Bergen.

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Der nächste Morgen zeigt sich schon im Ansatz verregnet. Zunächst ist es Niesel, später wird daraus ein ausgewachsener Landregen mit Schauer-Zwischenspielen.

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Darum bleibt die Kamera bilderarm, man will sie nicht unnötig baden. Nur ab und zu, wenn das Nass abschwächt oder ich ein wenig geschützt stehen kann, hole ich sie raus. Es kommt auf’s Bild, was zufällig am Wegesrand liegt.

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Manchmal ist es ein hoffnungtragendes Blümchen in einer riesigen grauen Mauer.

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Nach etlichen Auf-und-Ab-Kilometern – wir überqueren Rhönausläufer – liegt das Werratal vor uns. Unten treffen wir wieder eine Brücke unserer Berlin-Autobahn, darunter quer der Werratalradweg, auf dem mich meine Tour des vergangenen Jahres ein paar Kilometer entlanggeführt hat.

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Und während ich schwelgend fotografiere, hachze und mit Erinnerungsschwaden um mich werfe, übt der Sohn sich in Geduld und sucht sich seine Art von Beschäftigung.

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Der Rest der Strecke bleibt verregnet. Es wird immer ärger. Sogar der Sohn – auf obigem Bild noch in der coolen Mama-ich-frier-doch-nicht-Kleidung eines 15jährigen – zieht sich die Regenjacke über. Hose und Gamaschen verweigert er weiterhin hartnäckig, klar, das Ende der Regenmesslatte ist noch nicht erreicht, fahren wir doch tapfer bis sechs Uhr weiter.

Am nächsten Morgen: Himmel leider unverändert. Man braucht die Abfahrt gar nicht hoffnungsvoll hinauszuzögern, von einem Ende des Horizonts bis zum anderen weht es uns grau an.

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Wir richten uns innerlich auf einen unsonnigen Tag ein und starten gen Rennsteig. Nicht an seiner höchsten Stelle wollen wir ihn überqueren, aber doch müssen wir ein wenig hoch. Die „Hohe Sonne“ ist als Querungspunkt anvisiert.

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Bis dahin regnet es, und regnet, und regnet. Wir halten kaum an, außer für die Wegsuche. Der auf der Karte eingezeichnete Radweg erweist sich leider als Mountainbike-Pfad, für uns nicht zu machen, also werden es ein paar Kilometer Bundesstraße. Da der Regen aber schon unsere gesamte Genervtheit aufbraucht, kommt es auf ein paar Autos nicht mehr an:)

Oben!
Ein Dach zum Untersetzen!

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Und warme Nahrung. Die hat es allerdings nicht aufs Bild geschafft, weil die flüssige ihr die Show stiehlt. Fassbrause als Farbtupfer des Tages. Denn der Himmel ist grau. Das sagte ich ja schon.

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In der Ferne dort unten, das ist die Wartburg. Später rollen wir an ihr vorbei, haben aber keine Lust, die Kuscheligkeit unserer Regenklamotten zu verlassen und abzusteigen. Darum bleibt es bei diesem Fernblick.

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Von Eisenach gibt es aus gleichem Grunde keine Bilder. Wir fahren durch, lassen uns von Autos nassspritzen und schauen nicht groß rechts und links. Ohnehin waren wir letztes Mal ausgiebig hier. So durchradeln wir die historische Stätte, stellen fest, dass die Unterkünfte teuer sind, legen deswegen noch ein paar Kilometer drauf, vorbei an der „Wuthaer Verwerfung“ (was man sich so von Schautafeln für Wörter merkt;-)), bevor wir in Mechterstädt ein Dach über dem Kopf finden.

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Von hier müssen wir nach Berlin nur noch herunterrollen. Glauben wir. Und der Regen lässt nach. Glauben wir auch:)

 

Die damaligen Live-Blog-Berichte dieser Tage finden sich hier, hier und hier.

 

#3wegsam-Bilder-2: Auf und Ab zum Main

 

Ein nebelschwadendurchzogener Klostermorgen, …

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… und wenn man mit einem pubertierenden Kind unterwegs ist, darf man die ersten Morgenstunden in Seelenruhe und -frieden allein im Klosterhof verbringen, schreibend schwelgend träumend, und natürlich kaffeetrinkend.

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Den Schlaf lässt sich der Sohn erst von der unmittelbar bevorstehenden Frühstücksbüfettschließung nehmen – da springt er auf und drängelt direkt auch schon zum Losfahren. Es hat ihn gepackt. Mich ja sowieso:)

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Das sanfte Jagsttal behält uns noch gut zwanzig Kilometer bei sich, dann geht es ans Aufsteigen. Auf eine Hügelkette nämlich, die hinüber zum nächsten Fluss führt. Die sieht hier so arglos aus, ist aber in Wirklichkeit von 35 Grad, Schattenlosigkeit, staubverbreitenden Mähdreschern und einer lauten Autostraße gesäumt. Tritt für Tritt schaffen wir uns hoch – wie gesagt, dem Bild sieht man den Schweiß nicht an.

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Drüben, unten, dort, wo es endlich Eis gibt, heißt der Fluss zu meiner Überraschung gar nicht Main. Es ist die Tauber, der Main wird uns erst morgen begegnen. Geographie 5, setzen:)

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Es ist jedoch egal, Radweg ist Radweg. Wir bringen den heutigen früh zu Ende, legen sogar einen Aufwärts-Schlussspurt ein (drahtig wie dieser hier:)) …

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… und übernachten in einem Weinort, ohne uns vom abendlichen Weinfest verlocken zu lassen. Schlafen ist dringlicher, schließlich ist erst der dritte Ferientag und das Erholungsbedürfnis entsprechend.

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Am nächsten Tag also geht es  nun wirklich zum Main, wieder durch ein Auf und Ab. Heute schaffe ich es weit besser, in einen meditativen Zustand hineinzufinden. Als fliegen wir durch die goldgelben Welten.

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Kurz vor Würzburg wird es waldig. Ein Symbolbild für unser Unterwegssein …

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Die Stadt empfängt uns mit einem Spektakel am Mainstrand, mit viel zu vielen Menschen und dann doch einem unerwartet sommerlauschigen Abend auf ihren Brücken und Plätzen.

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Die damaligen Live-Berichte dieser beiden Tage finden sich hier und dort.

Feriengeschenke

Vorbei sind sie, die Ferien. Mein Kerzenteller, der mich durch die Zeit begleitet hat, spürt das; soeben ist die zweite von sechs Kerzen erloschen, den restlichen verbleiben noch wenige kurze Stündchen. Schnell ist die Zeit vergangen, die anfangs wie eine ewige, unberührte Decke vor mir gelegen hatte. Wie immer fühlt es sich am Ende zu kurz an. Doch wie viele Geschenke haben die Tage bereitgehalten …

… wie die Kinder sich bei allem Großwerden, bei aller pubertierender Scham doch dem Weihnachtsbaumschmücken nicht entziehen wollen; da werden sie plötzlich wieder zu Kindern. Nur eines hat sich verändert, wie der Sohn bemerkt: „Ich wollte gerade fragen: ‚Mama, kannst Du die Sterne da oben aufhängen?‘, da fiel mir ein, ich bin ja größer als Du.“ :) …

… wie ich am Geschenk meiner wilden fünften Klasse eine Karte voll liebevoll gestalteter blumen- und smilieverzierter Unterschriften finde, keine wie die andere – hej, Kinder, das hat mir die Tränchen ins Auge getrieben (was ich Euch morgen unbedingt gleich als erstes sagen muss) …

… wie wir allmählich in die Ruhezeit „zwischen den Jahren“, in unsere „Schlafanzugtage“ hineingleiten, mit viel Lesen, Puzzlen, gemeinsamem Musizieren, Spielen, Schreiben, Filmschauen, Basteln, vor allem aber: ohne irgendwelche Planungen …

… wie ich es endlich schaffe, meiner Sommerradtour wiederzubegegnen, weil ich erstmals Zeit habe, die Fotos richtig anzuschauen, wie ich dazu die Live-Blogposts wiederlese, mich in jeden einzelnen Tag zurückversetze, ihm Farben gebe und vor mich hinträume …

… wie ich auf einem Abiturjubiläumstreffen eingeladen bin, meine ehemalige Klasse wiedertreffe und wir in gute Gespräche finden – über erstaunliche Lebenswege mit Schleifen und Unerwartetheiten, die sich sehr gesund, eigenständig und selbstbestimmt anfühlen; einiges überrascht auch mich. In manchen Gesprächen darf ich weiterhin beratende Begleiterin sein, in manchen haben sich die Rollen schon umgekehrt – sie sind schließlich inzwischen FastlehrerInnen, FastärztInnen, DoktorandInnen, Ingenieure, Sozialarbeiterinnen, Weltreisende und Weltgereiste, Ehefrauen und -männer und ganz einzeln schon Väter. Erwachsen, wie man so sagt. Und doch hätte ich ihnen eines voraussagen können: „Wir dachten immer, mit 25 sei man erwachsen. Jetzt aber fühlt es sich gar nicht so an …“

… wie am Altjahrstag Schnee fällt und Glückseligkeit in unsere Augen zaubert …

… wie wir zufällig an Silvester den besten Film erwischen, noch nie hatte ich von ihm gehört, hatte ihn nur zufällig in der Bibliothek gegriffen: „Das Konzert“. Und während ich noch mit der Musik im Ohr und Tränen in den Augen dasitze, beginnt zum Abspann ganz andere Musik, mir aus der Kindheit bekannt, die Tochter juchzt auf, und kurz darauf tanzen und springen wir im Zimmer herum …

… wie ich den Sohn um Mitternacht dann sogar umarmen darf (die Tochter ja sowieso) und auch er kurz sehr still wird, weil ja nun das Jahr beginnt, in dem er weit weit weg gehen wird …

… wie mir an den ersten Tagen des neuen Jahres das Gespür für mich selbst zurückkehrt, und die Kraft, und die Schreibstimme, und so vieles, was mich nun auch durch die ersten Arbeitstage am Schreibtisch geführt hat …

… wie der Sohn so intensiv, so ergriffen von seiner Musik erzählt, derzeit sind es Prokofjewsonaten, wie er sie gedanklich zerlegt und versteht und seine Faszination teilen möchte – und am liebsten noch mehrere Kubikmeter weiterer Noten bestellen würde …

… wie die Kinder zu ihren Probentagen in der Musikschule gehen und immer freudeerfüllt zurückkehren, obwohl sie teilweise ganze Tage dort verbringen (ein unendliches Danke an ihre Lehrer übrigens, die sie dort mit Hingabe begleiten – und die ja eigentlich auch Ferien gehabt hätten) …

… wie ich – Zufall? – das Teetrinken sozusagen wiederentdecke und damit mein Bei-mir-Sitzen eine neue Dimension des Wohlseins hinzugefügt bekommt …

… wie ich in mehreren Büchern versinke und gar nicht mehr aufhören möchte mit Lesen …

… und immer wieder: wie ich dankbar bin für den Weg zum Cello hin, und jetzt mit ihm zusammen. Es vergeht kein Tag mehr ohne, und morgen ist die nächste Stunde:)

Danke.

#3wegsam-Bilder-1: Der Starttag

 

Die Sommerreise, mein sechswöchiges Radreisen unter dem Hashtag #3wegsam ist unendlich lange her, so scheint es. Die Bilder blieben monatelang unbeachtet liegen. Erst in diesen Ferien kam ich dazu, sie zu öffnen. Und damit öffnete ich auch meine zurück- und vorwärtsgewandte Sehnsucht in den Reisezustand hinein.

Wenn ich sie jetzt herzeige, dann werde ich vor allem dieser meiner Sehnsucht gerecht. Ich werde mich nicht zu lange in Auswahl und strukturiertes Zusammenfassen vertiefen, sondern einfach chronologisch durch die Tage gehen. Auch wenn es viele Bilder werden, zu viele vielleicht. Ich durchreise das jetzt alles noch einmal. Während draußen die Winterkälte weht …

 

So starten wir also, einen Tag nach Ferienbeginn.

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Die Felder rund um unseren Ort, in Tagestourenentfernung, lesen sich noch nicht wie der Beginn eines langen Unterwegsseins. Immerhin könnten wir ja umkehren und gleich wieder daheim sein, heute noch.

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In Bad Wimpfen allerdings, wir essen dort zu Mittag, werden wir angesprochen. Wir berichten über unsere Pläne und sind plötzlich gedanklich doch ganz schön weit weg. Jetzt geht es los, so richtig. Auf der anderen Neckarseite beginnt Neuland, auch wenn hin und wieder noch bekannte Orte unter die Reifen schwappen.

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Das Hinaufkeuchen auf das Hochland zwischen Jagst und Kocher lässt Mittelgebirgsvorahnung aufkommen, wir sind noch ganz schön anstrengungsentwöhnt. Die Belohnung erfolgt – so ist das in den Bergen – auf dem Fuße: wir fliegen hinab. Das Bobfahrergen kommt zu seinem Recht.

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Das erste Eis der Tour in Möckmühl wird zum Startpunkt eines täglichen Rituals. An keinem einzigen Tag werden wir uns fragen, ob wir, sondern stets nur, wo und welches Eis wir essen.

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Der Sohn benötigt Fotopausen, immer wieder. Es ist spannend zu sehen, was ihn verlockt. Ich versuche mich an diesen Stellen auch fotografierend. Schon deshalb, weil ich eh auf ihn warten muss:)

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Nach 90 Kilometern nähern wir uns dem Kloster Schöntal, ein mir schon vertrauter Ort. Wir beziehen unser Zimmerchen ganz oben in einem Seitentrakt des Klosters, die Räder bekommen eine Extragarage, und der Rest der Familie kommt zum Abendessen noch einmal zu uns. (Sie waren nämlich zusammen mit Kinderbesuch tagsüber in der Nähe in einem Museum.)

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Der damalige Live-Bericht dieses Tages findet sich hier.

 

WmDedgT 01/2017

Es ist kurz vor neun, als ich erwache. Erstaunlich, bleibt doch in den Ferien üblicherweise mein Alltagsrhythmus mit frühem Aufwachen bestehen, fast unverändert. Seit über 15 Jahren immerhin. – In diesen Ferien ist es anders. Abends zieht mich nichts ins Bett, und morgens nichts ins Erwachen. Ich staune, was sich wohl verändert haben mag?

Die Kinder sind zum Glück auch noch im Traumland (oder wie man das in der Pubertät nennt), und ich kann in Ruhe lesen. Ein neues Buch habe ich gestern begonnen, das x-te dieser Ferien. Dieses jetzt ist extrem dicht, ich lese ergriffen, schreibe halbe Seiten ab, schreibe ohnehin zwischendurch immer wieder Sätze und Absätze in meine verschiedenen Tagebücher (ja, mehrere!), und so vergehen die Vormittagsstunden. Kaffee und Kerzen sind natürlich auf dem Sofa mit dabei.

Als es im Haus unruhiger wird, kann ich mich in meine Gedanken nicht mehr so gut vertiefen, also wechsele ich zum Computer hinüber. Die letzten Sommerreisebilder befinden sich in einer Großsortierungs- und -beschriftungsaktion, dazu mussten also erst die Weihnachtsferien kommen. Während ich mich gedanklich der Sommertour hinterhererinnere, ertönt immer mehr Jungmenschenrascheln im Haus, sie scheinen den Weg aus den Betten zu finden, allmählich, die Uhr zeigt zwölf.

Während die Tochter dann Hunger zum Umfallen hat, klagt der Sohn, dass er so früh noch nichts essen könne, natürlich besteht keine Einigkeit über die Platzierung der Mahlzeiten im Tagesablauf, ist ja klar. Frühstück jedenfalls nennen wir es jetzt nicht mehr, es gibt gleich was Warmes – ein Mittagsessen zur Tageseröffnung also.

Es ist nach eins, gleich kommt unsere helfende Saubermachfee, und hier liegt und steht in allen Räumen alles rum …  das bringt uns erstmals an diesem Tag in ein gewisses Tempo. Im Tochterzimmer wirbeln wir schnell zu zweit, damit Boden, Tischfläche und Bett wieder sichtbar werden. Insbesondere letzteres scheint Tochters Wohn- und Speiseort der vergangenen zwei Ferienwochen gewesen zu sein, es gibt nichts, was es in diesem Bett im Moment nicht gibt. Vielleicht bin ich ja eine pingelige Mutter, aber in der Speisedeko auf dem Laken mag ich mein Kind nicht länger schlafen lassen, ich überzeuge sie vom Bettwäschewaschen, jetzt sofort. Wir ziehen also ab und schleppen alles – die Wäschekörbe der letzten zwei Wochen auch gleich – in den Keller. Also nun doch eine Wäsche während der Raunächte …

Schnell noch die Küche aufräumen, die Garderobe umsortieren, und von all dem Zoix, das sich immer von allein im Flur abstellt, kann dies und das gerade in die Garage. Und wenn wir schon dabei sind: die Stiefel, mit denen wir im Dezember unseren Weihnachtsbaum aus dem Wald geschleppt haben, sind immer noch nicht von den Erdbrocken befreit, ich mache mich daran und fühle mich beim Freikratzen der Sohlen wie früher in der Schule im Kunstunterricht, Linolschnitttechnik.

Während ich so meditativ an den Furchen herumpfriemele, ertönen laute Schreckensschreie aus dem Tochterzimmer. Es stellt sich heraus: All das Gekramse kam sich gegenseitig in die Quere, irgendwer hat Kisten und Kuscheltiere vom Boden direkt auf die frisch kreierten Acrylfarbbilder auf dem Schreibtisch gestellt. In ihrem Schreck stellt die Tochter eine acrylverbuntete Kiste gleich noch auf den Schreibtischstuhl und kommt mir mit der bäuchlings blaugrünen Robbe entgegengelaufen – oh je. Das ist nämlich meine Robbe :(  Und überhaupt schreite ich mal lieber ein, damit sich die farbenfrohe Verzierung nicht noch auf Teppich, Wänden, Türen und dem Cello wiederfindet. Alles in die Badewanne gestellt, die Tochter getröstet, dass die Bilder jetzt eine ganz eigene Note haben und immer noch toll aussehen, dass sie sie zum weiteren Trocknen dann doch lieber in den Keller bringt, das Schrubben der Robbe begonnen. Naja, Acryl ist Acryl. Sie wird von nun an einen bläulich-grünen Bauch haben, Spuren des Lebens eben. Immerhin lebt sie schon 26 Jahre bei mir, da darf sie ruhig vom Zusammenleben mit uns gezeichnet sein:)

Auf den Schreck einen Tee, und überhaupt überlasse ich das weitere Saubermachen den helfenden Händen und ziehe mich in ein paar weniger gefährliche organisatorische Tätigkeiten zurück. Zahnarzttermin machen, für alle drei. Schreibtischablage mit abzuheftenden Dokumenten vorsortieren – sie quillt über, was auch kein Wunder ist, da ich dies letztmals im Frühjahr gemacht haben muss, am Alter der Papiere leicht abzulesen. Morgen soll das in die Ordner kommen, für heute ist es zu viel. Aber die Krankenversicherung und Beihilfe könnte ich noch beginnen. Oder doch nicht, ich steige in meiner Sortierung nicht durch, da hat sich auch zu viel angesammelt, ich vermisse die letzte Versicherungsabrechnung, es wird kompliziert, ich mache das morgen in Ruhe. Aber drei Überweisungen schnell noch erledigen, ich frage mich, wo die Mahnungen bleiben – oder ob ich selbst die schon verbummele? Batterien in den Wanduhren wechseln – die haben sich doch alle verabredet, dass sie seit Tagen je individuell spinnen? Wäsche in den Trockner, Bibliotheksverlängerung und drei kurze Mails.

Die Tochter ist mittlerweile zur Probe in der Musikschule, der Sohn füllt das Haus mit Prokofjew-Sonaten, und ich überlege kurz, ob ich jetzt ein bisschen Schule …? Nein, doch lieber weiter mit den Fotos. Ja, doch, die Fotos sortiere ich noch fertig. Hach und seufz, so viele Erinnerungen kommen. Mein Reisesommer war einmalig und unglaublich.

Nebendran liegen nur immer anpochender die Schreibtischstapel, ich bemerke erstmals in den Ferien aufsteigende Unruhe. So vieles ist liegengeblieben, eben weil wir uns die Zeiten so gemächlich gestaltet haben. Und nun droht es mich innerlich zu irritieren. Ich will das aber nicht. Nicht jetzt jedenfalls. Und tue das, was auf jeden Fall hilft: Ich greife zum Cello. Ein Wundermittel, alle Unruhe verschwindet, Ton um Ton um Ton.

Kurz vor acht ist die Tochter wieder da, wir essen. Beziehen anschließend noch ihr Bett, hängen bei der Gelegenheit gleich ein Plakat auf, welches schon Wochen darauf wartet, schauen nach der Robbe – immer noch blaugrün:( – und nehmen uns dann einen der letzten Bibliotheksfilme vor: Der Himmel über Berlin. Ist aber doch nichts für die Kinder, sie ziehen sich bald zurück, so dass auch ich ausschalte, ich kann ihn ja später allein zu Ende schauen. Anderntags.

Denn jetzt setze ich mich mit einem Tee aufs Sofa, lese ein wenig in Blogs herum, schreibe (das jetzt hier:)) und werde anschließend noch lesen.

Bis die Augen zufallen …

Andere Was-machst-Du-eigentlich-den-ganzen-Tag-Beiträge gibt es bei Frau Brüllen.

Weihnachtsferienbeginn

Es ist der am längsten ersehnte schulfreie Tag des Jahres. Mehr als vor jeder anderen freien Zeit, mehr noch als vor den Sommerferien dürstet man darauf hin. Beim Abschiedsglühwein in der Schule unterhalten wir uns, es geht allen so. Weil die Wochen seit den Herbstferien pausenlos dahinströmen, weil es mehr Schuljahresaufgaben gibt als zu jeder anderen Zeit im Jahr, weil die Sonne kaum scheint, all das wird es sein, warum wir diesen ersten Ferientag in so erschöpftem Zustand erreichen.

Und dann ist er da. Das schulische Terminhamsterrad hört mit einem Mal auf zu drehen, das muss erstmal bewältigt werden. Der Körper lässt sich plötzlich kaum noch in Schwung halten, die Seele sowieso nicht, all die Ferienvorfreude ertrinkt in mattdunkler Traurigkeit, die Stunden wollen durchwatet werden, eine nach der anderen.
Sich aufs Fahrrad setzen wie zu Beginn der Sommerferien, wegfahren, aus dem Alltag entschwinden, jetzt sofort – das wär’s. Wenn auch das Fahrrad natürlich eher symbolisch zu verstehen ist, bei diesen Außentemperaturen. Eine Lese-Musik-Schreibreise ins Innere, zum Beispiel.

Doch nein, unmöglich. Da ist weiterhin fordernder Alltag, ein unschulischer, ein von den letzten Schulwochen mitverursachter. Fünf Trommeln Wäsche warten, die Schränke der Kinder sind leer. Der Haushalt liegt brach. Und wer jetzt entgegnen möchte, dies sei doch nicht wichtig: Bitte einmal den Blick durch unsere völlig verramschten Zimmer schweifen lassen , sogar die Kinder stellen schon fest, dass wir ja keine Ecke zum ruhigen Sitzen und Spielen mehr haben. Und dann noch ein paarmal an all die klebrigen Türklinken fassen … Der Haushalt also braucht ein paar energische Eingriffe. Die Tochter hat eine Probe in der Stadt und muss hingefahren werden. Immerhin liegt direkt daneben die Stadtbücherei und versorgt uns mit Ferienbüchern und -filmen. Pässe und Personalausweise müssen wir beantragen, es eilt – im Rathaus ist man fast erschrocken über so späte Kundschaft. Ein paar Schulnotizen und Mails sind fertigzumachen, bevor ich in der zweiten Ferienhälfte nicht annähernd mehr weiß, worum es ging und geht. Schultasche und Schulschreibtisch wollen aufgeräumt werden, oder nein: ich will, dass sie in den aufgeräumten Zustand übergehen. Nicht nur wegen eventueller Brotdosen, die bis zum Ferienende sonst Beine bekommen werden, sondern auch, weil der Tisch für meine Weihnachtsferienpuzzletradition gebraucht wird.
Es ist dicht. Viel, das.

Zwischen all dem sacke ich immer wieder zusammen. Versuche mich zu erinnern, worauf ich mich die Wochen zuvor fast wie irre gefreut habe. Aufs Spielen mit den Kindern – ach ja, zwei neue Spiele werden unterm Baum liegen. Und mir fällt ein, dass ich dieses Jahr nicht nur keinerlei Post geschafft habe, sondern dass noch keines der kleinen Dinge in den Hinterkatakomben des Schranks (Kinder: bitte weglesen:)) bisher eingepackt ist, hoffentlich haben wir noch Papier, hoffentlich vergesse ich das nachher nicht;-) Also: aufs Spielen freue ich mich. Aufs Alleinsein und Wenigreden auch – und die Kinder ebenso. (Die sind übrigens schon in ihre Lesewelten abgetaucht, wie das am ersten Ferientag sein muss:)) Aufs Wiederhellerwerden, das man sich ja wenigstens vorstellen kann, wenn schon der Blick aus dem Fenster nichts davon zeigt. Aufs Puzzlen, aufs Legobauen, aufs Lesen, aufs Schreiben, auf Tage im Schlafanzug, ohne Blick auf die Uhr und ohne jede Strukturierung durch irgendwelche Mahlzeitenpläne. Verhungert sind wir dabei noch nie. Eher gesättigt in unserem Ruhehunger.
Und auf meine Musik freue ich mich. Zum Klavier ist ein Cello eingezogen. Es begeistert, fasziniert und belebt mich mehr als je erträumt und erhofft. Wenn auch ein Berg an Ungeduld zu zügeln ist. Wäre es doch am sinnvollsten, im Moment nur leere Saiten zu streichen – in zwei Unterrichtsstunden habe ich erspüren dürfen, wie sich der Körper dabei anfühlen kann, bin in meditative Bewegungen hineingekommen. Dennoch ist da das unbändige Bestreben, schon die linke Hand mitzubenutzen, Töne und Melodien zu formen. So quietschig und unsauber die noch klingen, ich habe mit der Tochter erste Duette gespielt, und das fühlt sich unglaublich an! Und doch: Das Cello wird mir zum Geduldslehrer werden, ich freue mich drauf.
Auf Bücher freue ich mich, der ungelesene Stapel ist ins Unendliche gewachsen. Auf Fotos freue ich mich, denn die Sommerbilder sind noch nicht mal sortiert, geschweige denn irgendwie bearbeitet und verblogpostet. Auf Spaziergänge freue ich mich. Aufs Schreiben. Auf meditatives Einfach-nur-da-sitzen.

Ich werde sehen, was die Ferien schenken. Ich hoffe, ein wenig Stille. Ein wenig nur.

Die wünsche ich Euch auch. Und Frieden. Den wünschen wir uns wohl alle …

im November

boten Himmel und Wetter alles dar, was sich auf ihrer Farbenpalette fand: vom goldenen ersten Tag, den wir für eine Herbstlaubwanderung nutzten, über nebliggraukalte „echte“ Novemberstimmung, bis hin zu den wieder blauhimmeligen frostweißen letzten Monatstagen
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standen bei beiden Kindern aufregende Neuigkeiten an:
für die Tochter fanden wir ein spektakulär gut klingendes 3/4-Cello und eine neue Cellolehrerin, mit der es sofort stimmte – auf beides muss sie jetzt zwar noch ein halbes Jahr warten, aber die Vorfreude und so…;
derweil sind die Jugend-Musiziert-Anmeldungen abgeschickt und das Üben am Klavier und in den Streicherensembles in vollem Gange – an Proben und Vorspielen bestand diesen Monat also kein Mangel;
viel wichtiger aber: der Sohn bekam nach einem Bewerberseminar eine Zusage für ein Schuljahr in Italien, jubelte laut, hatte mit uns zusammen eine dicke Bewerbungs- und Unterlagenmappe auszufüllen, muss nun in der Schule so manches regeln und bereitet sich innerlich darauf vor, hier – zunächst – auszuziehen (ja, das Mutterherz, das bis zuletzt ein wenig egoistisch auf eine Absage spekuliert hatte, weinte natürlich los, als die Zusage kam, hat sich aber mittlerweile in echte Mitfreude begeben und hofft einfach nur, den Moment des Abschieds am Flughafen im September dann irgendwie zu überstehen);
vielleicht ist es kein Zufall, dass wir uns gerade in diesen aufregenden Zeiten erstmals seit Jahren wieder eine Magen-Darm-Grippe ins Haus holten? (andererseits können wir uns ja glücklich schätzen, dass es ein solch banaler Infekt in die Monatserinnerungen schafft, weil er Seltenheitswert hat:))
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hatte ich nach den Ferientagen natürlich auch ein pralles Leben in der Schule, mit einem Pädagogischen Tag, viel Steuergruppenarbeit, der Organisation einiger Mathe- und Physikwettbewerbe und einem dreitägigen Schullandheim mit unseren lebendigen 5ern, das sich als unerwartet unkompliziert und berührend-erfreulich erwies;
nahm ich allmählich innerlich Abschied von meiner zweiten Dienststelle, weil meine Tätigkeit dort auslaufen wird, wie ich nun endlich offiziell regelte
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versuchten wir in unserem Haushalt ein wenig zu entschlacken – die Tochter ihre Kinderspiele, denen sie entwachsen ist, sowie eine Million Kleinstgeraffelteile, wie sie sich in einem Mädchenzimmer nunmal so ansammeln, und ich in den diversen Bereichen des Hauses, in denen sich die Kann-man-nochmal-gebrauchen-Dinge ballen; wir begannen damit, täglich je 10 Dinge auszusortieren, das wurde aber nach drei Wochen zu schwierig, daher müssen wir alltagskompatiblere Wege finden, oder aber den nächsten Entschlackungsschub einfach erst in den nächsten Ferien stattfinden lassen, mal schauen – der Prozess fühlt sich jedenfalls grundsätzlich sehr gut und erleichternd an
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reiste ich ein wenig mehr als sonst herum: ein Wochenende zu liebsten Freunden, und eines zu einem Jubiläumsschultreffen und damit in meine Vergangenheit – beides war innerlich sehr wärmend (wenn es auch schwer ist, mitten im Alltagsbetrieb übers Wochenende wegzufahren, weil der Arbeitsstapel danach fast nicht mehr aufzuholen ist);
planten wir eine große Reise für die Osterferien;
verlockte mich das neue Tochtercello, welches einem „ausgewachsenen“ schon sehr nahe kommt, es auch einmal zu probieren – und so streiche ich seit Tagen mit wachsender Faszination darauf herum, bin also infiziert und erwäge ernsthaft … naja, mal schauen, was der nächste Monatsrückblick darüber zu berichten weiß …;
bastelte ich erstmals eigene Adventskalender für die Kinder (macht ja sogar Spaß:)): da müssen sie also erst aus dem Haus gehen, damit ich das mal schaffe