Traumwachheit

Im Traum sprangen mich meine Sorgen an, kläfften an mir hoch, bellten mir ins Ohr, umringten mich von allen Seiten. Ich stand verängstigt in der Ecke. Die Aufgabe, die ich nicht bestand und bestehe und bei der ich doch immer wieder versuche, einen Fuß in die Tür zu bekommen, vergebens bislang. Der Beziehungsfaden, der riss und den wieder aufzunehmen ich nicht bewältige. Die Verantwortung, die ich stümperhaft wahrnehme, mit wer weiß wie hohen Schäden auf allen Seiten, da hilft auch all mein Bemühen nicht. Die Schmerzen, die ich zufüge, bewusst und unbewusst. Der Angstberg, an dessen Fuß ich verharre, wie das Kaninchen auf die Schlange starrend, in Resignation nahezu. All das, was nicht gelingt, was nicht wird, was ich nicht zu gestalten vermag, was mich überfordert.

Ich träumte davon. Eine ganze Nacht lang stand ich Aug in Auge mit Nichtbewältigtem. Und doch verlief alles unspektakulär. Es war ein ruhiger Traum. Von Berg zu Berg ging seine Handlung voran, von Krater zu Krater. Nichtgenügen zog sich als roter Faden durch den Film, Ungenügend war mein zweiter Vorname. Wohin ich auch kam: ich spürte es, wurde damit konfrontiert.
Und ging dann doch weiter, immer weiter. Am nächsten Ort zwar das Gleiche erlebend, nirgends kam ich meinen Aufgaben nach, und doch setzte ich Schritt vor Schritt.
Stundenlang.
Was für ein Traum.

Und dann, am Ende?
Wachte ich auf. Ruhig und friedlich. Versonnen damit, überhaupt geschlafen zu haben. Gleichzeitig irritiert davon, dass mich das Traumgeschehen nicht innerlich zerreißt, sondern mich, ganz im Gegenteil, in solche Ruhe versetzt.

Ist das schon die Antwort? Ein Traum voller Es-ist-wie-es-ist’s, in dem ich von einem Geht-nicht zum nächsten vorankomme. In dem ich mich nicht bewertet fühle und mich – noch viel wichtiger – nicht selbst bewerte.
Und, schon halb im Erwachen, eine Einsicht: Die Kette meiner Es-geht’s habe letztlich doch ich selbst geknüpft.

Zeit für eine Neusortierung.
Was geht?
Was geht nicht (mehr)?
Wie grenze ich mich ab gegen alte, wie wähle ich neue Aufgaben?
Und was ist überhaupt Aufgabe?
Wer gibt auf?

 

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