Vom Wünschen, vom Wollen

Ich hatte es so gewünscht, ich hatte es so gewollt. Fast zwei Wochen lang hatte ich darauf hingearbeitet. Hart gearbeitet. Vom ersten Moment an, in dem mir diese Idee gekommen war. Ich hatte mich dafür angestrengt, mich fast zerrissen, mich an den Rand des Erschöpfungskraters gewagt, sehenden Auges, weil ich es doch so sehr wollte, so sehr, so sehr. Niemandem erzählte ich davon, es war mein ganz eigener Plan. Niemanden wollte ich mitenttäuschen, wenn es nicht gelingen sollte. Und so arbeitete ich einsam vor mich hin. Tagelang. Ta.ge.lang. Nächtelang, das bedeutet ja immer auch nächtelang.
Es waren einsame Tage, in denen ich mich zum Hartsein zwang, in denen ich mehrmals beinahe stolperte, gnadenlos mir selbst gegenüber war, verschwenderisch mit meinen Kraftvorräten, welche eben doch nicht unbegrenzt sind. Tränen flossen, die Tage bekamen Grauschleier, ich rutschte fast ab. Doch ich wollte es ja so sehr, so sehr. Also hielt ich durch.

Eines Abends konnte ich absehen, dass es zu schaffen war. Die Kräfte zwar am Ende, aber das Ziel vor Augen. Alles gut. Nur noch wenige Stunden, die Vorfreude schon greifbar.

Bis zum nächsten Morgen. Da zerbrach mein Vorhaben. Etwas anderes war geschehen, etwas, an dem ich nichts ändern konnte, ich nicht, und niemand. Etwas, das sich unserem Einfluss entzieht.
Worauf ich zwei Wochen lang hingearbeitet hatte, wurde plötzlich unmöglich. Und unwichtig, das auch. Weil sich Wesentlicheres davorgeschoben hatte.
Ich merkte erst nicht, wie mich dies traf. Denn weiterhin waren meine Kräfte gefordert, jetzt auf andere Weise. Auch die neue Situation war zehrend, mich vereinnahmend, mich auslaugend. Ich stellte mich hinein. Bis auch diese geschafft war.
Alles wurde letztlich gut. Alles ist gut.

Erst in diesem Moment realisiere ich, wie ich von Erschöpfung und Kraftlosigkeit durchdrungen bin. Von Enttäuschung auch. Über mein nichtgelungenes Wollen, an dem niemand Schuld hat. Und das dennoch so weh tut.
Das kleine Mädchen in mir will nur noch auf den Arm. Und die Große ist zu schwach, um ihr dies zu geben. Ich sitze hier und weine und weine und schluchze, bin leer und einsam.

So ist das eben mit dem Wollen und dem Wünschen, mit dem Planen zumal.
Ungut, starr fokussiert zu sein. Ungut, die Dinge unter enge Kontrolle bringen zu wollen. Ungut, zu lenken, ohne noch Freiheitsgrade offen zu lassen. Ein Wollen ohne Offenheit für Nichtgelingen, ein Wünschen ohne die Gelassenheit, andere Ausgänge zuzulassen, gerät zur Fessel. Wie oft ich dem schon aufgesessen bin. Das ist mir ja nicht unbekannt. Wie blind verrannte ich mich ein erneutes Mal.
Ich fühle mich selbst schuld an meiner Enttäuschung (was sie nicht kleiner macht). Ich fühle mich unreif, weil ich meinem Vorhaben eine Allmacht geben wollte (auch über meine eigenen Emotionen). Ich fühle mich vermessen, weil ich zu viel in die Hand nehmen wollte.

Wieder einmal gilt es Demut zu lernen, mich zu fügen, mich mit einem Ja hineinzustellen. Ich verstehe das ja.
Aber ich weine. Das Weinen, das lasse ich zu. Die Nacht ist noch lang.

11 Kommentare

  1. Sei nicht so hart in deinem Urteil über dich selbst. Übe auch da etwas Nachsicht und Wohlwollen.
    Du bist Mensch. Verrennen gehört dazu. Tränen auch.
    Sie gehen vorbei, wenn sie Platz bekommen.
    Dafür wünsche ich dir Ruhe und jemanden, der dich in den Arm nimmt.

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    1. Danke für Deine Wünsche … Ich versuche in die Geduld zu finden.
      Vermutlich hängt ja alles eng zusammen: zu vieles wollen, kontrollieren müssen, perfektionistisch alles abstecken, unduldsam gegen sich selbst sein, verurteilend auch – ein riesiger Knoten, um den ich weiß, seitdem ich mich erinnern kann. Eines meiner Lebensthemen sozusagen. Wieder mal mit der Nase drauf gestoßen werden, dabei weinen, sich bewusst werden – dies ist im Grunde genommen gut. Es sind Lösungsschritte, wenn auch schwer auszuhaltende.
      Geduld also, immer wieder …

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    1. Ja, ich kann davon hier keine Details erzählen. Es war ein ganz konkretes Erleben am vergangenen Wochenende. Eines, welches mir allerdings in seinen Grundzügen so sehr vertraut ist, weil es immer schon mal wiederkehrte.
      Liebe Morgengrüße zu Dir zurück.

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  2. Du Liebe, du lässt offen worum es ging und wirst deine Gründe haben und eigentlich geht es hier auch nicht um das WAS, sondern um das WIE, nicht wahr?! Durchlässig zu werden, weich und dennoch zielgerichtet, das ist ein Weg. Nun reiche ich dir ein Tränentöpfchen, dort sind sie gut aufbewahrt.
    Herzliebe Grüße an dich,
    Ulli

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    1. Liebe Ulli,
      ja, ich kann davon hier nicht erzählen, in der Sichtbarkeit. Aber es geht ja eben nicht nur um dieses eine Mal. Es ist schon lange mein Thema. Den Mittelweg zu finden, ein sanftes Wollen, ohne aufzugeben und ohne starr zu werden … immer wieder.
      Danke für Dein Tränentöpfchen. Tränen helfen, wie so oft. Es fließt ja immer so viel mit.
      Herzensmorgengrüße in den neuen Tag hinein
      Frau Rebis

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  3. „Das kleine Mädchen in mir will nur noch auf den Arm. Und die Große ist zu schwach, um ihr dies zu geben.“ Nein, die Große ist nicht zu schwach, sie ist zu erschöpft, und das ist in Ordnung so. Niemand kann alles (alleine) schaffen. Wenn Du magst, nehme ich für Dich das kleine Mädchen in den Arm, behüte und tröste sie, bis Du Dich wiedergefunden hast.

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    1. Danke, Du Liebe … ich fühle mich gehalten, das tut gut.
      Nun ist mein Erlebnis, von dem ich hier erzählte, ein paar Tage her, die Erschöpfung nimmt andere Formen an, sanftere. Und bleibt doch als Aufgabe: Wie gehen wir mit uns um, wenn die Kräfte nicht reichen, und wenn wir aber nur gelernt haben, dies sofort und ständig zu bewerten?
      (Wem sage ich das … Danke, für alles <333)

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