Von Türen, oder so

Ohnehin sind mir in den letzten Monaten die Worte abhanden gekommen. Die Schreibworte jedenfalls. Hier im Blog, in vielen Email-Kontakten, sogar in meinen Tagebüchern. Sobald ich vor der Tastatur sitze – oder mit Füller vor dem Papier -, sperrt sich etwas in mir, geht eine Schranke hinunter, fällt die Tür – willst Du es denn doch nicht wieder einmal versuchen? – plauzend ins Schloss, starre ich ins Nichts – und mich drängt es weg vom Schreibgerät. Wie um aus einer einengenden, überfordernden Situation zu fliehen. Sogar hier auf dem Rad, allein durch die Landschaft treidelnd, fließen keine Satzfragmente, nichtmal einzelne Wörter, geschweige denn Briefe oder Texte.

Wie ich dann das hier schreibe? Mühsam, Wort für Wort, seit Tagen. Ohne Gespür dafür, was die Wörter schließlich sagen werden, welchen Grundton, welche Stimmung sie haben, wie sich der Text als Ganzes anfühlt. Ich bin weit weg und kann mich nicht in meine Sätze hineinfühlen. Das fühlt sich fremd und bedrohlich an. Das hält mich im Moment auch von Mailkontakten ab. Ich könnte nur Wörter setzen, ohne dass ich Resonanz spüre. Mich hineinversetzen in das auf beiden Seiten Gesagte ist mir unmöglich.

Warum das so ist, erschließt sich mir nicht. Ja, in meinen letzten Monaten war viel Graues, Schweres, Nichtauflösbares. Doch das ist nichts Neues in meinem Leben, und oft war mir in solchen Zeiten das Schreiben ein Zufluchtsort. Diesmal nicht, diesmal entzieht sich mir dieser Kanal völlig und bislang ohne Ahnung, ob er sich wieder öffnen wird. Diesmal irre ich wortlos in meinem Nebel umher.

Vielleicht gilt es dies einfach auszuhalten. Vielleicht wartet am Ende des Nebels eine neue Sprache, ein neues Land, ein neues Fliegen.

Nun ist da noch die Sache mit der DSGVO. Seit Wochen geistert sie vor meinen Augen herum – und ich verschließe mich. Warum auch Zeit und Kraft dorthinein investieren, wo ich das Medium ohnehin gerade nicht nutze. Mir erschließen sich all die Anleitungen, was nun zu tun sei, überhaupt nicht, weil ich schon die banalsten Begriffe darin nicht kenne. Alles, was als „ganz einfach, reduziert und simpel dargestellt“ markiert war, enthielt für mich immer noch tausend böhmische Dörfer. Also ließ ich es, ich hörte auf, mich durch beratende Artikel und Webseiten zu zappen. Und lasse es im Moment. Möglicherweise ist es tatsächlich simpler als ich ahne. Aber für den Moment will ich mich damit nicht beschäftigen.

Weil ich aber nicht weiß, was hier passiert, werde ich in wenigen Tagen diese Blogtür schließen. Ich lösche nichts, ich höre nicht auf, ich mache einfach nur zu. Ich schreibe auch nicht hinter der versperrten Tür, nein, dort wird nichts geschehen außer eine Fortsetzung des Schweigens.

Und wenn sich meine innere Schreibtür wieder öffnen sollte, bin ich sicher: Es werden sich auch Wege finden, hier so umzubauen, dass alles rechtens ist.

Bis dahin – ob das bald oder in der Ferne oder doch nie sein wird – wünsche ich Euch gute, warme, helle Zeiten.

20 Kommentare

  1. Das ist schade, denn ich bin gerade erst zu Ihnen gestoßen. Ich kann die Entscheidung aber nachvollziehen. Insgeheim glaube ich, dass die Umsetzung der DSGVO für private Blogger einerseits weniger kompliziert ist als vielfach dargestellt – da ist viel Panikmache, Selbstdarstellung, Verbreitung von Halbwissen und letztendlich Geschäftemacherei dabei – und andererseits auch mit weniger Risiken behaftet im Falle einer fehlerhaften Umsetzung als bei einbem Konzern wir FB. Aber es bleibt jedem Blogger selbst überlassen, wie tief er sich in die Sache hineinknien will. Bei mir hat die Debatte das Bewusstsein geschärft, dass auch ich Daten sammle, wenn auch sehr, sehr wenige, und dass damit eine gewisse Verantwortung einhergeht. Nachdem ich mich ein paar Abende mit der DSGVO befasst habe, weiß ich jetzt zumindest, was auf meinem Blog so passiert(e), und einige Widgets habe ich auch abgestellt, weil sie Daten sammelten, die mich nicht interessierten und einen anderen nicht zu hinteressieren haben. Vielleicht eine kleine Ermutigung, die Entscheidung noch einmal zu überdenken.

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    1. Ich denke ja auch, dass ich nach einiger Zeit – zumal wenn mein Schreibfluss zurückgekehrt ist – wieder öffnen werde. So kompliziert – und so gefährlich – wird es schon nicht sein. Irgendwann sind ja auch Sommerferien, da ist Zeit, sich damit zu beschäftigen.
      Also: Es ist sicher nicht das Ende hier.

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  2. Mir fehlen auch die Worte. Auch ich habe erst Mal dichtgemacht. Traurig, dass solche Regularien, solche Auswirkungen haben bzw Auslöser sind, für Entscheidungen, die zumindest ich in dieser Konsequenz nicht freiwillig getroffen hätte. Zeitenwende. So oder so.

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  3. Liebe Frau Rebis,
    Schreiben Sie denn noch? Jeden Tag ein klitzekleinbisschen? Schreibeleute sind so und wenn sie blockiert sind von etwas, nennen das ‚Schreibblockade‘, doch das ist nur ein anderes Wort für ‚Metamorphose‘. Kreativität kommt in Schüben und kostet Kraft wie ein heftiger Gichtanfall. Schlechter Vergleich: sagen wir…wie ein Anfall…ein chronischer wie Sympathie oder anfallartige Liebe zu etwas. So wie Sie schreiben, erscheint es mir wie eine große Liebe. Ihren schönen Blog pflegten Sie mit lesenswerten Texten und wenn nun ein so großes Schweigen käme, wäre die dankbare Lesefee aus dem Teuto trauriger als Sie wissen können. Ich lese schon länger bei Ihnen. Sie sind ein Gewinn für die Schreibzunft, aber das hat Ihnen bestimmt schon mal wer geflüstert.
    In meinem Blog finden Sie meine Panikattacke, wildes Herumgeflattere, Abschiedsworte und dann eine breite schöne Resonanz an Kommentaren, die mir halfen das Bisschen zu machen, was ich als Gratisblogger einrichten kann. Bitte fühlen Sie sich frei, sich an Hilfreichem und Wissenswertem finden und vielleicht schaffen Sie es, das umzusetzen? Bei Fragen versuche ich Ihnen gerne zu helfen…oder suche jemanden, der etwas weiß.
    Ich verstehe Sie.
    Herzliche Grüße von der Karfunkelfee

    Christopher Morley — ‚The bicycle, the bicycle surely, should always be the vehicle of novelists and poets.‘
    (Christopher Morley)

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    1. Liebe Karfunkelfee,
      das macht mich jetzt fast ein wenig verlegen, was Sie schreiben … Und ob ich ein „Schreibeleut“ bin? Vielleicht wohl doch – immerhin tue ich es seit neun Jahren und habe viel Leben dabei gelebt, also: innere Bedürfnisse nach außen getragen. Im Moment ist Stille in mir, aber dass es eine Metamorphose ist, das kam mir auch schon in den Sinn. Ich werde einfach Geduld haben müssen …
      Und wenn ich mich dann beginne kundig zu machen, wie das alles geht – in den Sommerferien ist sicher Zeit dafür – dann werde ich gern für jeden Rat zur Umsetzung dankbar sein.
      Herzliche Grüße – und wirklich danke für all diese warmen Worte
      Frau Rebis

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  4. Manchmal gibt es einfach so etwas wie eine „Schreibstarre“, finde ich. Mir geht es zuweilen so, dass sich eine als kurz beabsichtigte Pause immer laenger ausdehnt, ohne dass ich dafuer einen Grund nennen koennte. Je laenger die Pause dann ist, umso schwerer faellt es mir, wieder anzufangen – bis ich mir aus irgendeinem Grund einen Ruck gebe. Und dann scheint es manchmal, als ob ein Damm gebrochen ist, und es kommt eine Flut von Blogartikeln.
    Ich hoffe also, dass irgendeinmal auch bei Dir die „Schreibstarre“ sich loest, denn ich schaetze Deine Beitraege hier sehr und werde sie ganz bestimmt vermissen – wie auch schon in den zurueckliegenden Wochen. Ich wuensche Dir aber auf jeden Fall eine gute bloglose Zeit!
    Die Entscheidung, das Blog zuzumachen, kann ich gut verstehen. Habe ich vor ein paar Minuten fuer alle meine Blogs auch getan. Ich habe im Augenblick keine Lust, mich mit dem Thema „Datenschutz“ auseinanderzusetzen. Dabei glaube ich, dass ich das eigentlich gar nicht brauche, denn ich habe meinen (einzigen) Wohnsitz ja in den USA, und meine Blogs werden auch hier gehostet. Wenn ich wieder von meinem „RailTrailsRoadTrip“ zurueck bin und in Ruhe darueber nachdenken kann, werde ich ueberlegen, was ich in Zukunft machen werde.
    Du schreibst, dass auch Du keine Lust verspuerst, Dich mit der Materie auseinanderzusetzen. trotzdem aber hier der Tipp: Achim Spengler hat in seinem Blog „A Readmill of my Mind“ sehr gute Artikel zur Thematik [https://achim-spengler.com/2018/05/23/dsgvo/]. Vielleicht schaust Du da ja mal rein, wenn Dir spaeter einmal danach ist.
    Fuer jetzt wuensche ich Dir eine schoene Zeit und gute Erholung bei Deiner Radtour, und komm‘ heil und gesund wieder nach Hause.
    Liebe Gruesse,
    Pit
    P.S.: Ich hoffe aber sehr, dass es immer noch weitere Tweets von der Radtour – und spaeter auch von zuhause – geben wird.

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    1. Ja, lieber Pit, bei Twitter geht es auf jeden Fall weiter. Und hier auch sicher irgendwann wieder. Im Moment ist meine Lust mich damit zu befassen sehr gering. Aber das wird werden, sobald wieder etwas zu Schreibendes aus mir drängt.
      Gutes Weiterradeln auch Euch, liebe Grüße
      Frau Rebis

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      1. Danke! :) Heute war’s kurz, knapp ueber 10 Meilen. Aber damit ist North Carolina geschafft. Morgen geht’s nach Greenville in South Carolina, damit ich hachholen kann, was ich vor ein paar Tagen [ich habe drueber getwittert] nicht geschafft habe.
        LG,
        Pit

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  5. Es ist schade, ich werde dich vermissen. Aber ich kann es auch gut verstehen, denn auch ich hatte schon Phasen, während der ich gar nichts schreiben konnte, das auch nur einen Teil meines Selbst widergespiegelt hätte. Letztlich habe ich dann gemerkt, dass es genau daran lag, dass ich dieses Selbst erst einmal für mich neu sehen musste. Danach ging es auch mit dem Schreiben wieder. Ich wünsche dir also, dass du bald wieder in der Lage bist, an das Öffnen der Türen zu denken; aber davor deine Genesung. Versuche, schöne Momente einzufangen. Liebe Grüße aus Frankfurt

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke, wirklich danke für diese Worte. Sie treffen sehr das, was ich auch ahne. Irgendeine Suche nach einem Selbst, die im Moment noch stockt …
      Wenn ich weitergekommen bin, werde ich auch wieder hier öffnen, da bin ich mir inzwischen sicher.
      Herzliche Grüße, im Moment aus Italien
      Frau Rebis

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    1. Du kennst mich eben gut:) Ja, ich werde wiederkommen. — Vor genau neun Jahren, auch auf der Pfingstreise, in Norcia waren wir, entwickelte sich der Plan, ein Blog zu eröffnen, und welchen Namen es haben sollte …
      Liebumarmende Grüße zu Dir!

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  6. Danke für alles, was du mit uns geteilt hast!
    Oft hat es mich motiviert, inspiriert oder mein Denken in eine andere Richtung gebracht.
    Lass es dir gut gehen!

    Grüssli
    Caroline

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  7. liebe frau rebis!
    schade, dass du den blog schließt. ich kann das nachvollziehen.
    ganz egoistisch hoffe ich, dass du bald wieder zum schreiben findest. ich lese dich gern.

    ich wünsche dir, dass du deinen weg zum schreiben wiederfindest und das grau verscheuchen kannst. ob du nun briefe, mails, tagebuch oder hier schreibst. egal. hauptsache, dir geht es gut.

    ich grüßedich ganz lieb! deine coffeefee

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