im Dezember

(Offenbar ist diese Form des Monatsrückblicks nicht mehr ganz meine, wenn ich mehrere Tage lang um sie herumschleiche, letzten Monat ja auch schon, und wenn ich mich regelrecht überwinden muss, den Kalender durchzugehen, um das Geschehene zusammenzutragen. Ich bringe dieses Jahr nun trotzdem auf diese Weise zu Ende, und in einem Monat schaue ich, ob sich diese Form halten wird, sich in eine andere verwandelt oder möglicherweise verschwindet …)

 

Ruhigen Schrittes durch einen Dezember zu kommen ist eine Kunst für sich. Offenbar aber habe ich mich in den letzten Jahren ausreichend darin geübt, denn es gelingt. Jedenfalls gemessen an dem Wirbel, der ringsum tobt, gehen wir gelassen durch unsere Dezemberwochen.
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Eine unserer langjährigen Traditionen dieses Monats, das Plätzchenbackwochenende mit der Freundin, findet erstmals ohne unsere großen Kinder statt. Dafür bauen wir mit mehreren Tochterfreundinnen zusammen seit langer Zeit wieder einmal Lebkuchenhäuser. Einige dieser Hausbausätze wandern in die Ferne, nach Italien und Slowenien beispielsweise, und kommen in Form von Fotos zu uns zurück, hach.
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Erstmals ohne den Sohn verbringen wir auch das Weihnachtsfest, was nicht so schwer wie erwartet fällt. Am Heiligabend senden wir ein paar Fotos und Videos hin und her – sie singen dort deutsche Lieder nach Smartphonetexten mit italienischem Akzent:) – und am zweiten Feiertag skypen wir kurz, um zu sehen, dass es allen sehr gut geht und der Sohn lediglich unter den riesigen Essensmengen leidet.
Schwieriger ist es für mich allerdings in den Wochen davor, als alle unsere Pakete partout nicht in Milano ankommen wollen und das Auffinden und Abholen in Depots zur großangelegten deutsch-italienischen Familiensache wird. Hierbei spüre ich mehr als deutlich, dass doch ganz schön viel Mutterherz in den verpackten Dingen steckt, und dass es auch dem Sohn unerwartet wichtig ist, diese Dinge zu bekommen.
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Natürlich ist es ein Monat mit viel Glühwein auf verschiedenen Weihnachtsmärkten und Freundesabenden, wir dürfen ein paar Mal durch den Schnee stapfen und gelegentlich auch durch Regenmatsch, die Menge der adventlichen Vorspiele und Weihnachtskonzerte ist drastisch reduziert, es sind – bei nur noch einem musizierenden Kind im Haus – nur drei, was ich als sehr erholsam empfinde.
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Wir feiern staunend und begeistert die Habilitation der Freundin, besuchen mit einer anderen Freundin Frankfurt und dort eine bewegende Ausstellung, zeigen uns mit einer dritten Freundin, dass sich auch in der Vorweihnachtszeit einfach so ein Abend zum Biertrinkengehen finden lässt und verbringen überhaupt viele Abende mit anderen Menschen zusammen, um gemeinsam zu essen, zu trinken, zu reden, zu träumen.
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Nach langer Zeit habe ich endlich wieder Cellounterricht und eine sehr innige Begegnung mit meiner Lehrerin. Es ist Geschenk, zu diesem Instrument – und zu ihr – gefunden zu haben, mein Leben ist reicher und erfüllter geworden. Auf der Rückfahrt von dieser Cellostunde weine ich im Auto vor Glück.
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In der Schule durchlaufe ich wie viele Kolleg*innen den monatstypischen Korrekturmarathon, entsprechend schreibt die Tochter eine Klassenarbeit nach der anderen. Das erschöpft alle Seiten, und als am 22. Dezember um 11 Uhr endlich die Schule aus ist, fallen wir alle ausgelaugt in eine Art Winterschlaf, oder jedenfalls in die schönsten Ferien des Jahres, in denen es – wie immer – ein paar Schlafanzugtage zwischen den Jahren gibt (die Gasttochter wird in diese innerfamiliäre Tradition eingeweiht und trägt sie mit Fassung:)).
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Im Tochterzimmer werden Legoberge verbaut (und zuvor sortiert – über weite Strecken von mir), von meinem Schreibtisch verschwinden für zwei Wochen sämtliche Schuldinge, so dass Platz für ein paar 1000er und 2000er Puzzle ist, die Spazierwege rund ums Dorf begrüßen uns nach teils mehrmonatiger Abwesenheit innig, und die Tage sind erfüllt von Stillephasen jeglicher Form und Farbe. Da sind Bücher und Tagebücher, Schreib- und Malstifte, Musik und Stille, Erinnerungen und Träume … und Wintersonnenwende- sowie Silvesterfeuer voller Hoffnung.
Wie intensiv und nahe bei mir ich in diesen Tagen immer bin. Wie wichtig es mir ist, dass das Jahr auf diese ruhige Weise ausklingen darf. Wie sehr ich wieder Kraft und Lebensfreude in mir finde.

 

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8 Kommentare

  1. Ich schmunzle über diese viele Rituale, mit denen du lebst. Und ich freue mich, dass du Ruhe findest. Und Kraft.
    Und wieder staune ich, wie viel du schaffen kannst, wie belastbar du bist. Seelenkmuskulös, seelenkräftig.

    Hoffentlich kannst du viel von der gefundenen Ruhe bewahren im Alltag!

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    1. Es fühlt sich im Moment gut an, was die Ruhe angeht. Die Weihnachtsferien haben wie immer ihre Wirkung, bis weit über die Ferienzeit hinaus.
      Viele Rituale? Bin ich mir gar nicht bewusst. Außer dem Backen fällt mir nicht viel ein. Aber vielleicht bemerke ich mal wieder nichts:)

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        1. Ach so, das nenne ich gar nicht Rituale. Einfach Angepasstheiten an die Taktung durch die Ferien. Da gilt es ja immer, sich so viel wie möglich wohlzufühlen und zu erholen … und wenn ich schon Mittel kenne, mit denen es gut funktioniert, warum dann andere suchen?

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  2. Ah, und ich finde übrigens nicht, dass du wegen LeserInnenwünschen oder sonst welchen Erwartungen dieses Rückblickformat beibehalten müsstest. Wenn du es beibehalten willst, okay. Aber es muss deinem Bedürfnis entsprechen. (Das weißt du ja eh …)
    Du hast so viele Bereiche, wo du wenig Spielraum hast. Gerade beim Bloggen sollte es darum vor allem um deine persönlichen Bedürfnisse gehen.

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    1. Nein, nicht wegen der Wünsche von außen überlege ich, sondern weil es für mich selbst eine spezielle Art Tagebuch war – und irgendwie auch bleiben soll. Ich werde sehen, in welche Gestalt es sich wandeln wird.
      Herzensgrüße zu Dir
      von Frau Rebis

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