im November

Wenn ein Monat so dicht gepackt ist mit äußeren Aufgaben, mit inneren Prozessen, mit Unerwartetem, mit gesuchten und mit unfreiwilligen Begegnungen,
wenn der monatelange Talgang in einen vorläufigen Erschöpfungstiefpunkt mündet, an welchem es nötig – und plötzlich möglich – wird, sich zu wenden,
wenn diese Wendung in zunächst ganz bedächtigen Schritten beginnt und mehr denn je ein Eins-nach-dem-Anderen erforderlich macht,
wenn also dieses

Wenn ich stehe, dann stehe ich.
Wenn ich gehe, dann gehe ich.
Wenn ich sitze, dann sitze ich …

zum tastenden und aufbauenden Lebensprinzip wird, weil alles andere nicht mehr funktioniert,
dann haben die Tage plötzlich zwar wieder Lebbarkeit, aber doch zu wenige Stunden. Nämlich: Wenn alle täglichen Aufgaben in Ruhe getan sind, eines nach dem anderen, einschließlich dem notwendigen Schlaf, dann bleiben plötzlich Dinge liegen. Blogtexte wie zum Beispiel die Selbstverpflichtung, immer zum Monatsende ein berichtartiges Fazit für mich selbst zu ziehen.
Sicherlich aber habe ich diesen Monatstext auch deswegen so lange vor mir hergeschoben, weil ich nach einer Form des Erzählens suchte. Und nun doch spüre: Der Kern des Monatsgeschehens liegt in meinem Innern. Und zwar so tief innen, dass es für hier unerzählbar bleibt.
*
Da ich aber ein Mensch mit Vollständigkeitssyndrom bin (fragt nicht;-)), folgt nun doch noch ein wenig Bericht über die Novembertage, über meinen Fastlieblingsmonat nämlich. Unter anderem deshalb, weil ich ja ein Kind dieses Monats bin.
Dieses Jahr feiern wir in Lüneburg, wo wir noch die letzten Herbstferientage mit den Freunden verbringen. Ich schenke mir selbst Bücher über Bücher, was ja immer Welten über Welten bedeutet. Mal schauen, was mit diesen Welten für mein fünfzigstes Lebensjahr angebahnt ist.
*
Nach Hause zurückgekehrt, erwarten uns frühlingshafte Temperaturen, wir grillen und sitzen draußen – an einem vierten November! -, während bald darauf unsere Weihnachtsbäckerei beginnt. Abrupter Zeitenwechsel.
Es fühlt sich tatsächlich als Frühstart an, weil die Lebkuchenhäuser nicht nur gebacken, geschnitten und verpackt werden müssen, sondern auch noch möglichst pünktlich (u.a.) in Italien und Slowenien ankommen sollen. (Der Plan geht letztlich nicht auf, weil DPD das Advents-Nikolaus-Päckchen vertrödelt, erst auf Nachfrage wiederfindet, es – nach einer kurzen Runde über Mailand – dann aber nicht dort ausliefert, sondern zu uns zurückschickt. Wo es bis heute nicht wieder angekommen ist. Der Sohn hat also keinerlei heimatgegenständlichen Advent, worüber ich vermutlich mehr schluchze als er.)
Wir kneten also und backen, die Gasttochter wird nebenher mit den Höhepunkten deutschen Weihnachtsliedertums – *hierbekanntenOhrwurmdenken* – vertraut gemacht, und ein erster Weihnachtsmarktbesuch steht an.
*
Daneben besteht das Familienleben dieses Monats aus einigem zwischenmenschlichen Wirbeln – wir rütteln uns immer noch zurecht, so ein Zusammenleben wächst nicht in wenigen Wochen -, aus Angestrengtheit, weil wie immer in diesem Monat die Schulpensen groß sind, aus ein wenig Tochtermusik (wobei es ohne Sohn im Haus doch sehr, sehr ruhig in dieser Hinsicht geworden ist) und ein paar Kino-, Museums- und Ausflugsortsbesuchen.
*
Die Schule fordert auch bei mir viel, ich lasse mehrere Berge Klassenarbeiten schreiben und befinde mich folglich tage-, nächte- und wochenendenlang in Symbiose mit meinem Rotstift.
Unsere Klassenleitungsaktivitäten sind in der Intensität, wie wir zu Schuljahresbeginn starteten, nicht aufrecht zu erhalten, stellen die Coklassenlehrerin und ich fest: wir hatten ein Tempo angeschlagen, das wir so nicht durchhalten können. Daher bleiben notwendige Dinge liegen, werden dringliche Situationen zunächst aufgeschoben, weil wir nicht mehr können. Es ist schwer, dies einsehen zu müssen. Im Grunde hätten wir Arbeit für mindestens fünf weitere Kolleg*innen, und wir haben nur vier Hände. Mal wieder möchten wir gern zaubern können.
*
Und um nicht mit dieser entmutigten Passage zu enden, setze ich noch ein wenig Musik hierher. Musik, die trägt, in diesem Monat mehr denn je, fanden sich doch Tage, an denen ich meine eigenen Töne plötzlich als Wohlklang erlebte. Wie durch Umlegen eines Schalters.
Und nun übe ich mich unter anderem an diesem hier …

7 Kommentare

  1. Ich sende dir einen Herzensgruss – das mit dem Päckchen für den Sohn ist richtig doof, aber wie ich auch hier und immer wieder feststellen muss, die Post ist eben nicht mehr das, was sie einst gewesen ist. Und du hast eben nur zwei Hände und einen Kopf und zwei Füsse und zwei Beine und einen Bauch und ein Herz und immer wieder wenigstens ein kleines bisschen Zeit für diese wunderbare Musik!!!
    So, jetzt aber wirklich ab mit mir ins Bett, es grüsst dich lieb die Nachteule, die gerade nicht in den Schlaf findet – zu blöde!

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    1. Mensch, liebe Ulli, Du gehst ja noch später ins Bett als ich:) (Ich hoffe, Du hast noch in den Schlaf finden können …)
      Ja, das mit dem Päckchen kam unerwartet. Gestern aber fand es sich dann doch wieder noch in Mailand an – der Paketdienst fragte an, was er damit machen solle. Und versucht es jetzt erneut zuzustellen. — Nun haben wir also drei Pakete im Rennen – via DPD, Hermes und DHL. Mal schauen, wer gewinnt, und wieviele davon ankommen und wann …
      Ich sende Dir einen lieben Nacht- und Morgengruß
      Frau Rebis

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      1. Ein Paketwettrennen, ich muss schmunzeln und gleichzeitig drücke ich die Daumen.
        Ja, ich hatte zwei sehr schlaflose Nächte, gestern aber fiel ich um 22h ins Bett und schlief bis heute Morgen 8h durch, nun fühle ich mich wieder ausgeruht und gehe heute in die Bonner Kunsthallen, darauf freue ich mich sehr!
        Herzensgrüsse am frühen Morgen an dich, Ulli

        Gefällt 1 Person

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