entlaubt

 

 

Zweige in markanter Kahlheit, entblößt nach dem großen Abschütteln, zeichnen ihre Muster in den Himmel.

 

 

Da ist kein Buntkleid mehr, welches – vermeintlich sanft – sture Kantigkeit länger verbergen könnte. Schon immer ja wirkte diese im Kern. Schnörkellos, bar jeden Schön-Schöns tritt zugige Kälte in den Blick, zerschneiden verirrte Linien den Himmel.

 

 

Ein Puzzle von Zerbrochenem … selbst vor dem inneren Auge schwer wieder zusammensetzbar. Eine Welt voll von entlaubten, kalten Zweigen.
Zwar atmet ahnungsloses Wissen um Lebensadern, welche waren. Und sein werden. Nur …
Fragezeichen.

 

 

Kahle Wahrheit ist zutage getreten. Ehrlich und unverblümt. (Unverlaubt.)

 

 

Und und aber:
Kann ich dies alles auch anders lesen? Als was? Als Befreiung? Von was denn? Als Beginn eines Neuanfangs? Als Raumöffnung für neues Keimen? Als Teil des ewigen Kreislaufes?

 

PS.
Da waren viele Auslöser für diesen Text. Blicke in die Welt, die immer wieder sprachlos machen. Ungut sprachlos. Ich möchte aber (m)eine Stimme finden. Zunächst greife ich hier – etwas hilflos – in die (Wort)Bilderkiste. Immerhin, sage ich mir.
Wortreicher schreibt Irgendlink in einem großartigen Text darüber, „wie die Welt derzeit tickt und wie … die Welt ticken könnte“.

18 Kommentare

  1. Das ist sehr literarisch, sehr poetisch. So von außen betrachtet sehe, höre, spüre ich deine literarische Stimme – schon lange sogar. (Die Innensicht ist da ja oft verstellt.)
    Deine Naturbeobachtungen mag ich. Diese Entlaubtheit, Nacktheit der winterlichen Natur tut mir zuweilen geradezu körperlich weh. (Warum das so ist, bin ich noch immer am ergründen.)

    Ich mag deine Wortbilder.
    Hab einen erholsamen Sonntag.

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    1. Vielleicht geht es Dir ja bei diesen, bei solchen Bildern ähnlich wie mir im Moment: Dass Du sie nicht losgelöst sehen kannst von einem Blick in Dein, unser, das menschliche Leben? Dieses tut mir im Moment so weh-weh-weh, all diese große und kleine Gewalt, all die Grausamkeit, der Schmerz beim Anblick all der Unanständigkeit, des Einanderverletzens … Und jeden Tag sitzen in der Schule die Kinder vor mir, die das ungefiltert austragen. In Gesprächen fließen täglich Tränen, so viel Leid, so viel Nichtlösbares. — All dieses ließ mich in letzter Zeit sehr verstummen.
      Dagegen anschreiben … irgendwie auf diesem Wege wieder in eine Helligkeit, in einen Hauch Zuversicht hineinfinden … versuchen will ich es jedenfalls.
      Danke für Dein Zuhören-Zulesen. Einen Herzensgruß zu Dir
      Frau Rebis

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    1. Ja, liebe Hilde, zu diesen Bildern selbst konnte und wollte ich gar nicht mehr sagen. Ich freue mich über andere Sichten, über das, was sie auslösen …
      Eher allgemeiner meinte ich es: Dass ich in den letzten Monaten zu so vielem, was mich umtreibt, zu Unfassbarem in der Welt, zu Schmerzendem, zu bis in die Tiefe Nagendem keine Worte finde. Nun aber will ich es wieder versuchen. Es ist kein Weg, wenn wir alle, jede*r für sich, in entmutigter Traumlosigkeit gelähmt vor uns hin blicken. (Was aber letztlich sehr weit weg von den Bäumen geschweift ist …)
      Danke für Dein Hiersein, einen lieben Gruß
      Frau Rebis

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      1. Liebe Frau Rebis, es geht nicht darum, immer und dazu, Worte zu finden. Ich denke, es geht darum, das Gegenüber in seiner Nacktheit zu begreifen, erkennen. So wie den Baum, denn nur im Winter zeigt er sich. Klar geformt, in seiner Individualität, in seiner Formgebung. Wir können nicht verändern, sondern annehmen, vielleicht erweitern, aber ändern. Ich glaube nicht. Hab Vertrauen, in die Sicht, die Du siehst.
        Hoffentlich bin ich Dir nicht zu Nahe gekommen.
        LG. Hilde

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        1. Bei all dem aber – beim Begreifen, Erkennen, Annehmen – und beim Vertrauen-Lernen, da helfen mir Worte, Sprachbilder – eigene und fremde – und letztlich ein Austausch darüber. Soweit habe ich mich in den letzten Jahren erkannt:)
          Danke für Dein Hinspüren, sei gegrüßt
          Frau Rebis

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          1. Liebe Rebis, Du hast Recht. Vielleicht habe ich Sprache mit gedankenlosem Geplapper gleichgestellt. Sprache ist eine besondere Lautgebung unserer Gedanken. Eigenes Nachdenkens. Ein Prozess kommt zustande. Ein Prozess der Mitteilung, des Austausch und dessen Erweiterung. Ich denke, zuerst ist das Gefühl, das Unbehagen, der Gedanke, das Wort und dann die Frage entstanden. Das Wissen allein, ist nicht die Mitte, aber ein Ausgangspunkt, womit wir wieder bei unseren Unbehagen, Zweifeln und den Gefühlen sind. Also kommen wir immer zum Anfang und betrachten die Kreise, die unsere sprachlichen Gedanken formen. Die Frage, welche auch immer, bleibt im Raum. Vielleicht ist das die Ewigkeit. Huch, da bin ich aber Wege gegangen…
            LG. Hilde

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            1. „Kreise, die unsere Gedanken formen … die Frage aber bleibt“ … und wo und worin ich dann mich – und manchmal eine Antwort – finde, dies ist immer wieder neu zu suchen. Oh, ich danke Dir für diese weitergewebten Wortwege – ein solcher Kommentar ist ein Geschenk. Und bringt mich zum weiteren in-mir-sortieren. Danke!

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  2. Wenn ich abends durch den Wald aus dem Stuttgarter Kessel hochradel Ist es heller als in manchen Sommernächten. Der Laubwald ist kahl, das Restlicht oder der Mondschein dringen bis zum Boden durch. Wenn ich kurz stehenbleibe, den Blick hebe und den Himmel durchs Geäst sehe, finde ich plötzlich Gefallen an dieser laublosen Zeit, an diesem Blick, der so viel weiter geht als in den beschatteten Sommertagen.

    Ich wünsch‘ Dir weite Blicke…und einen schönen 1. Advent mit den Mädels.

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    1. Lieber Kai,
      genau das ist das Wunderbare an der Natur: Dass sie immer wieder den Blick weitet, dass sie ihn zu lenken vermag auf Hoffnungsvolles, einfach weil sie unberührt ihren Kreislauf lebt, mit allen Licht- und Schattenseiten. Genau deswegen trösten mich Schritte im Draußen oft, deswegen schöpfe ich dort Atem – und Du ja auch.
      Deine Radwegebilder (bei Twitter) habe ich bewundert: Es ist ein wunderbarer Ausblick, den Du dort teilst.
      Danke für Deine Wünsche – auch wenn es bei uns nicht so adventelt, werden wir einen guten Tag haben. Fängt ja schon damit an, dass alle noch schlafen:)
      Gute Wünsche zu Dir zurück
      Frau Rebis

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    1. Lieber Pit, als die Bilder entstanden – vor vier Wochen – da waren sie wirklich gerade frisch entlaubt. Nun ist die Zeit der bunten Laubspuren schon wieder vorbei, spätestens der Schnee jetzt deckt alles zu:)
      Danke – und Euch wünsche ich auch eine gute Zeit
      Frau Rebis

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      1. Liebe Frau Rebis,
        hier sind viele Baeume noch nicht (ganz) kahl. Und Laub auf dem Boden gibt es mehr als reichlich. Ich ueberlege noch, ob ich einmal mit dem Rasenmaeher drueber fahre, zum Mulchen, oder es aufsammle. Vielleicht bin ich aber auch ganz faul und lasse es einfach liegen. Die Eichen in unserem Garten behalten uebrigens ihr Laub bis in den Fruehling. Dann werfen sie es ab und ergruenen in kuerzester Zeit neu. Das wirkt fast wie immergruen. Und unsere Zedern bleiben natuerlich auch staendig gruen. Schnee werden wir wohl eher keinen bekommen. Das ist hier, so weit suedlich, nur ganz selten der Fall.
        Liebe Gruesse aus „South Central Texas“, wo die Weihnachtszeit sich eher durch bunte Lichter kenntlich macht,
        Pit

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  3. Das sind immer wieder so Fragen, liebe Frau Rebis, die du so schön in Bild und Worte gefasst hast. Unverhüllt und nackt ist nicht immer einfach und nicht immer nur ehrlich und gut, manchmal mag ich auch zarte Hüllen.
    Ich sende dir Herzliches zur guten Nacht,
    Ulli

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    1. Liebe Ulli,
      und nun denke ich noch in ganz andere Richtungen als beim Schreiben des Posts … wie reich sie macht, diese Resonanz in so verschiedene Richtungen.
      Die Dimensionen, wie wir das Wort nackt verwenden: nackte Gewalt, nackte Wahrheit, nackte Schönheit, nackte Tatsachen, nackte Angst – gibt es je eine gute Konnotation dabei? Wenn sie also gut sein soll, dann braucht die Blöße eine zarte Hülle …
      Dir wünsche ich einen guten, warmen Tag (in hoffentlich mehr als nur eine zarte Hülle eingemummelt:))
      Frau Rebis

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