im Juli

Wie seltsam, und wie schwierig auch, über einen Monat zu schreiben, dessen Großteil aus Schulischem bestand und der darüber in gehetzter Atmosphäre vorbeiflog, während ich nun bereits den sechsten Tag am erholsamen Bergsee sitze, die Seele und die Beine im angenehm warmen Wasser baumeln lasse, schon fast die Lektüre des dritten Buchs beende und auch in jeder anderen Hinsicht erholter bin als ich es wohl je nach so wenigen Ferientagen war.
Dies also ist der krönende Abschluss des Juli: Dass wir am gemächlichen Lago di Levico in den Tag hinein leben, uns täglich zwischen Wasser und Bergen treiben lassen, Bücher und italienisches Essen verschlingen und also alles gut ist.
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Das Schuljahresende zuvor ist hart und schwer durchzustehen, zum Ende liegen nach einer langen Hitzezeit Geduld und Nerven von Lehrer- und Schülerschaft blank, sogar ich kann mich und meinen Kurs irgendwann nicht mehr vom Eisessengehen abhalten – wo ich doch sonst eine bin, die bis zur letzten Stunde Unterricht durchzieht.
Wie jedes Jahr gehen mir die Notenkonferenzen nahe, hier wird immer am offensichtlichsten, wie viele Schüler es bei uns schwer haben, manche zu schwer, um es zu schaffen – hier schrieb ich darüber. Elterntelefonate und viele Gespräche schließen sich an, und es bleibt die Hoffnung, dass für manche Kinder ein guter, ein besserer Weg gefunden werden kann als der an unserer Schule und Schulart.
Gleichzeitig wird es mit meinem Abschied vom zweiten Dienstort Ernst, das war ja lang vorher klar und entschieden, aber nun fühlt es sich doch als Schritt mit lachendem und weinendem Auge an. Ich bekomme einen unerwartet warmherzigen Abschied und von einigen Menschen das Geschenk sehr naher und nahegehender Worte.
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Der Sohn rückt seinem Abflug nach Italien immer näher, in der Schule ist etliches abzusprechen für seine Wiederkehr, gleichzeitig melden wir unsere Gasttochter dort an. Die To-do-Liste für das abfahrende Kind nimmt eine mehrspaltig gefüllte DIN-A4-Seite ein, und mit jedem durchgestrichenen Punkt ist ein Stück von ihm weg. Mir geht das nahe und viel zu schnell.
Beide Kinder beenden das Schuljahr mit wunderbaren Zeugnissen und zuvor mit etlichen Vorspielen, wie immer, möchte ich fast sagen. Und doch ist es nie „wie immer“. Jedesmal überraschen sie uns durch unglaublich berührende Musik, von der ich wie immer behaupten möchte, dass sie nie zu Hause geübt worden ist, und schon gar nicht sooo. Das Streichquartett der Tochter spielt Mozart- und Mendelssohn-Sätze mit einem Ausdruck, den man den kleinen Mädchen kaum zutraut, und der Sohn verabschiedet sich zunächst von seiner Klavierklasse mit dieser Chopin-Ballade, die nicht nur mich in Gänsehaut-Berührtheit versetzt.
Und nebenher streiche und streiche ich auf meinem Cello, fast täglich, es gelingt immer besser. Als ich es schließlich für die Sommerpause weglegen muss, fühlt es sich sehr wehmütig an.
*
Das Sommerwetter schenkt Gartentage und -abende. Freunde besuchen uns, wir sitzen mit und ohne Feuer, immer aber essend und trinkend beieinander. Und in der Ferne ertönen schon die Mähdrescher. Wenn wir nach den Ferien zurückgekehrt sein werden, wird der Sommer zu Ende gegangen sein. Manchmal tut er dies ja schon während der Sommerferien. Nun aber genießen wir diese erstmal …

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9 Kommentare

        1. Der Reiserückblick stimmt: Erstmals seit der letzten Reise habe ich dafür Zeit, und zwar fast unendlich viel …
          Aber den Monatsrückblick schreibe ich doch seit 3 (?) Jahren immer um den ersten herum …
          (Im Originaltextdokument, wo ich ihn mir nochmals abspeichere, sind übrigens oft Klardaten und -namen drin, das ist so ne Art Tagebuch light, für später mal. Falls das Detailgedächtnis irgendwann nachlassen sollte;-))

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    1. Ui, das wusste ich noch nicht, obwohl wir oft und viel in Italien herumgefahren sind. Gerade sind wir ein wenig nördlicher davon. Allerdings waren wir gerade gestern Mittag in einem Gasthaus, in dem es eine Speisekarte in einer sehr eigentümlich-altertümlichen deutschen Mundart gab, das könnte das gewesen sein. (Schade, ich habe – bei der Hitze:) – vergessen die Karte zu fotografieren.)

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  1. Was für ein schöner, wehmütiger Text… oder ist es schon ein Nachrif auf den Sommer? Ich wünsche noch viele sonnige Tage; für mich lässt sich diese Stimmung in diversen Musikstücken enthalten. Die entsprechenden Posts sind schon geschrieben, damit ich eine Sommerschreibpause einlegen kann. 2016 gefiel mir zu o. a. Stimmung ganz besonders Mendelssohns Violinenkonzert in E-moll, Op. 64, und sein Klaviertrio Nr. 1 in D-moll, Op. 49

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    1. Ob das ein Nachruf ist? Im Moment sind wir ja im sommerlichsten italienischen Sommer unterwegs. Allerdings sagt die Erfahrung der letzten Jahre, dass bei uns zu Hause während der Sommerferien immer schon der Altweibersommer beginnt und es sich gegen Ende der Ferien deutlich herbstlich anfühlt. In diesem Sinne sind die Hochsommerfühltage zu Hause wohl in den letzten Zügen. Aber als Nachruf – nein, so fühle ich es noch nicht.
      Hab eine gute Sommerpause, mit immer noch viel warmer Sonne. Herzliche Grüße von Frau Rebis

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