hinauswinden

So Tage und Zeiten, in denen das Gefühl der Verlorenheit übermächtig ist, der Hilflosigkeit, des Versinkens in einsamer Verdorrtheit. Als fünftes Rad am Lebenswagen dem wirbelnden Treiben der Welt zuschauend, hält eine Wortlosigkeit das Zepter fest in der Hand.
Sehnsüchte ziehen vorbei, so viele Sehnsüchte.
Danach, Teil von etwas zu sein. Nicht übersehen zu werden. Umsorgt zu sein. Nach einem Blick aus warmen Augen. Danach, dass jemand fragt: Wie geht es Dir? Wie geht es Dir wirklich?

Graue Tage sind Kleinmädchentage.
Nur: Jetzt bin ich schon ein wenig größer. Kann mich besser durch diese Zeiten atmen und danach wieder emporfinden. Aus langer Erfahrung heraus, vielleicht. Und weil ich – vermutlich – seither gewachsen bin.

Und so suche ich. Und beginne zu verwandeln.

Einsamkeit tönt allmählich wieder wie gutes Alleinsein. So dass die Musik in mir und um mich eine Chance bekommt. Ich bin ihr zugewandt und nicht taub, wenn der Sohn spielt – und wie! -, und wenn die Stimmen in mir endlich wieder mit dem Celloklang mitsummen.

Schmerzende Traurigkeit wird zu sanfter Melancholie, die mit ihrem wiegenden Rhythmus zu trösten und zu betten weiß. Aus hilfloser Umherirrerei entsprungen, liegen plötzlich Wege und wogende Wellen vor mir. Ich laufe zu meinem Baum und lasse Tränen über die Wangen rollen.

Mitten in meiner wortlosen Erstarrung keimt eine Ahnung von Bewegung. Wenn ich auch zunächst nur das banale Hin und Her eines Putzlappens, eines Rechens, eines Küchenmessers als bewegt erfahre. Es dehnt sich und reckt und streckt sich, dieses Bewegtsein, bis auch meine inneren Pendel meditativ mitschwingen.

Erste Wörter krabbeln hervor, purzeln kreuz und quer, heben auf dem noch staubigen Boden zu tanzen an. Sind bereit für einen Reigen, dessen Hände ich nur noch ergreifen muss. Ich schaue staunend. Und ziere mich noch ein wenig. Noch.

Einmal mehr bleibt mir nur zu atmen.
Und zu danken.

 

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8 Kommentare

    1. Neulich bekam ich in einer Mail „Atempausen“ gewünscht, es war aber vertippt zu „Atmepausen“. Und das hat mir noch besser gefallen – der Imperativ für die Zeiten, in denen man nicht daran denken mag.
      Bald haben wir um uns Ferienatemluft, die tut jetzt wirklich not.
      Liebste Grüße zu Dir
      Frau Rebis

      Gefällt 2 Personen

  1. Du musst einen Zauberputzlappen haben, dass er dir zu solch poetischen Worten verhilft, die doch eine Schwere und Traurigkeit zeigen und die ersten zaghaften Schritte heraus. Einsamkeit ist ein Gefühl, das man nicht wegreden kann, es stellt sich ein, es bleibt (hoffentlich) nicht ewig. Alleinsein kann sehr wohlig sein, auch mit einem Cello, oder…

    Was können wir uns selbst sein, was den anderen, was die anderen für uns?

    Herzlichste Abendgrüße und eine ebensolche Umärmelung
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

    1. „Was können wir uns selbst sein, was den anderen, was die anderen für uns?“ – Hier öffnet sich ein weites Feld, zu ertasten und durchpflügen wohl ein Leben lang, so will es mir gerade scheinen. Reisen geben mir immer viele Antworten, darum sehnt es mich so nach erneutem Unterwegssein …
      Ob das wohl ein „Zauberputzlappen“ ist? Jedenfalls tat mir die körperliche Bewegung gut, war mir Tanzersatz, oder war gar Tanz selbst, ein weiteres Sehnsuchtsding …
      Liebe Ulli, ich umärmele Dich auch
      Frau Rebis

      Gefällt 1 Person

    1. Liebe Dagmar,
      so ist es wohl: Du liest so gut in den Ritzen, Du findest, was ich selbst gestern noch nicht sah.
      Nun ist mir heute schon noch ein Stück leichter geworden, und übermorgen geht es auf eine Reise, wie ich das Unterwegssein ersehne …
      Danke für Dein Hiersein, Du Liebe, Herzensgrüße von Frau Rebis
      (Hast Du die DM gefunden?)

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