im April

Der Monat beginnt in frühlingshafter Wärme und wie immer mit dem 1. April, in den ich erstmals (?) von niemandem geschickt werde, nicht von den Kindern, nicht von Schülern. Bei letzteren liegt das wohl einfach daran, dass ich sie am Samstag nicht sehe:) Mir fehlt nichts, aber es fällt mir auf.
Zum Ende des Monats hin hat sich der heftige Frühling vom Monatsanfang zunächst wieder versteckt und schaut nur schüchtern um die Ecke. Man hofft ja doch, dass er sich im Mai endlich wieder hinaustrauen wird.
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Der Monat ist geprägt und dominiert von unserer New-York-Reise, von all dem Anstrengend-Spannenden schon vor dem Start (für uns, die wir sonst nie fliegend verreisen), von der Eindrucksflut der Riesenstadt, die zuweilen überfordert, von Jetlags, einer Tonne voller Fotos und Erinnerungen und von daraus geborenen neuen Reiseplänen:)
Durch die Reise übrigens fällt das Eierfärben natürlich aus, was vor allem ich ein wenig schade finde, wie ich zu meinem Erstaunen feststelle.
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Vor und nach den Ferien gibt es natürlich Schulzeit, ein wenig nur. Aber auch eine einzelne Woche kann im Anstrengungsgewand auftreten, was vor den Ferien vor allem daran liegt, dass nebenher die Packvorbereitungen laufen und derart fordern, dass kaum mehr genug Schlafzeit bleibt.
Nach den Ferien ist natürlich alles liegengeblieben – die kompletten Ferien wegzufahren bedeutet ja, dass das reinigende Alles-weg-Korrigieren, Alles-weg-Aufräumen, Alles-weg-Kommunizieren und Alles-weg-Vorbereiten, womit zweiwöchige Ferien gut gefüllt sein können, nicht stattfinden kann und die angrenzenden Schulwochen mit kaum zu bewältigender Arbeitsdichte gefüllt sind. (Darum übrigens werde ich ab nächstem Jahr ein wenig mehr Teilzeit nehmen, also ein wenig weniger Deputat haben: Um in Ferien wegfahren zu können, ohne mich vorher und nachher in die Erschöpfung zu arbeiten.)
Die Reste des in den Ferien Nichtgeschafften schleppe ich in den Mai, nicht zu Ende korrigierte und nicht fertig erstellte Klassenarbeiten, nicht vorbereitete mündliche Prüfungen, ein Schulcurriculum im Rumpfzustand und (psst!) ein paar längst fällige GBUs. (Wer nicht naturwissenschaftlehrend ist, möge sich nicht beunruhigen: diese Abkürzung muss man nicht kennen, und das Dahinterstehende ebenfalls nicht.)
Ich hechle den Erfordernissen hinterher und finde mich seit langem wiedermal in der Situation, dass ich spätabends ganz knapp und sozusagen von der Hand in den Mund erst vorbereite. Da kommt der ganztägige Pädagogische Tag gerade Recht, selbst wenn er an meinem unterrichtsfreien Tag liegt: muss ich am Vorabend wenigstens mal nichts vorbereiten.
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Den Kindern geht es mit ihren Schulaktivitäten besser, die Klassenarbeitsdichte ist gering, die Hausaufgabenmenge wohl auch. Jedenfalls sehe ich sie kaum mal etwas für die Schule tun und auch nicht fluchen.
Ihre Musik im Haus dagegen erfährt heftige Belebung. Die Tochter hat ein neues Cello und eine neue Lehrerin, neue Stücke, neuen Schwung, alles lässt sich gut an.
Der Sohn ist nach dem Jugend-musiziert-Wettbewerb regelrecht manisch in der Erarbeitung von Neuem. Prokofjew, Liszt, Chopin, Beethoven tönen durchs Haus, ich komme mit dem Notenkaufen kaum hinterher. Vor allem die Dauer des täglichen Übens stellt hohe Anforderungen an alle Zuhörendennerven, denn ja, ein Flügel ist laut und tönt durch alle Wände. Dafür wurden also Silent pianos erfunden.
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Für viel mehr ist kein Raum in diesem Monat, ich bin wenig draußen (außer natürlich in New York), ich lese wenig, komme kaum zum Celloüben. Es fließen Tränen, denn die Freundin stirbt. Andere nahe Menschen beenden ihren Lebenskreis. Im Kollegium werden zwei Kinder geboren, und eines darf nach Intensivstationsmonaten wieder nach Hause. Mein Knie – nur das Knie, aber doch – muckert und erinnert sanft daran, dass auch mein Platz in diesem Lebenskreis zwischen Geborenwerden und Sterben kein unveränderlicher ist.
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Mein innerer Grundzustand dieses Monats ist gehetzt und unzufrieden. Alles ist viel zu viel. Sehnsüchte liegen brach vor mir, ich habe zu üben.
Sei mir das am letzten Monatstag im Garten aufgebaute Zelt ein Hoffnungsschimmer, dass mit bald beginnenden Rad-und-Zelt-Zeiten endlich wieder Tage des Ruhens kommen werden, ich brauche sie so.

 

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6 Kommentare

    1. Danke, Du Liebe.
      Gestern und heute ja immer noch, immer noch im Zelt sitzend, habe ich ein wenig angefangen, für mich selbst zu sorgen. Die letzten Tage waren wie eine Schleuder, auf der ich – zumal unangebunden – immer mehr in Rotation geriet.
      Nun bin ich für den Moment etwas besänftigt. Und später zeige ich noch Bilder, das hilft mir ja auch immer sehr.
      Sei liebst gegrüßt in diesen regnenden Maibeginn hinein.

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  1. Bald, liebe Frau Rebis, bald … hier kannst du deine Seele baumeln lassen, versprochen!
    herzlichste Sonntagabendgrüsse an dich, ich habe heute im Wald viel an dich gedacht und dir kleine Ruhewölkchen geschickt, du weisst schon so kleine, weisse, kugelrunde …
    Ulli

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    1. Hach, danke, Du Liebe, die Ruhe der Wölkchen ist angekommen:) Ich war auch auf dem Weg, auf meinem Baumwandelweg, wie gut das tat. (Und wie gut, dass dieses ritualisierende Projekt mich losschickte, wer weiß, ob ich es sonst geschafft hätte.) Mein Monatsbild gibt es später, heute noch, hoffe ich.
      Und nun grüße ich Dich von Herzen in diesen Maibeginn hinein, der sich hier mit Regen zeigt und bald schon, bald … ja, ich freue mich so.
      Sei herzensgegrüßt,
      Frau Rebis

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