Heimkehr

Nun sind wir wieder in unserer Zeitzone gelandet, im Kopf saust noch all das Amerikanische, ich bin ein bisschen noch dort, ein bisschen schon hier – wo ist man, wo bin ich zwischen diesen Orten?

Die Wo-bin-ich-Frage war ohnehin ständig präsent, auch dort, da alles laut, dicht, gedrängt, angespannt und hastig war.
Zu gedrängt? Es war ja nur für eine kurze Zeit. Auf Dauer könnte ich so nicht leben. Es gelang mir in der Dichtigkeit ja nicht einmal mehr zu schreiben, da waren kaum Momente des Innehaltens, des Wieder-in-die-Ruhe-Findens. Ein einziger Großstadttaumel.

Und doch war ich begeistert, im positiven Sinne gefangengenommen von der Offenheit der bunten Stadt, habe mich gelabt an kleinen Herzens- und Seelenmomenten, am Zauber der Menschen, am aufblühenden Frühling sogar.
Es gibt viele viele Fotos, mehr als 1000, und so kann ich das genaue Erzählen bald bebildert nachholen. Es war eine wirklich gute Reise.

Nur fehlte die Ruhe. Sogar sehr fehlte sie mir. Die Dauerbeschallung, vor allem die war schwer auszuhalten.
Als ich vorhin im letzten Flug am Fenster sitzen durfte und über den Wolken durch den blauen Himmel glitt, da begann es schon still zu werden in mir. Zwar brummte der Motor, aber die Augen waren schon wieder in ruhigem Fahrwasser angekommen. Frankfurt-Flughafen dann kam als kleiner unscheinbarer Bruder (‚tschuldigung:)) von Heathrow und JFK daher und tat gut. Die Autofahrt durch das satte Grün, ein milder Stau, kein wildes Gehupe, kein Drängeln, alles ist ordentlich und in Spuren aufgereiht. Und hier im Dorf erst. Vorhin beim Gang in die Dorfkneipe waren wir alle der Meinung, es wäre noch nie im Leben so ruhig gewesen.
Ich habe so Sehnsucht nach Stille …

Und nun sitze ich auf meinem Bett, mit mühsam durchgedrücktem Rücken, damit ich ja nicht einschlafe, und versuche ein paar brauchbare Worte in die Tastatur zu hauen. Ab und zu nickt der Kopf nach unten. Seit 34 Stunden bin ich wach, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Die zwei Sitznickerstunden im Flugzeug heute „Nacht“ gelten ja kaum.
Von Jetlag-erfahrenen Menschen heißt es, man solle das durchziehen. Jetzt nicht vor der gewohnten Zeit ins Bett fallen, damit es eine kleine Chance auf baldigen durchgehenden Nachtschlaf gibt. Also versuche ich das. Packe zum Wachhalten aus, schreibe zum Wachhalten, laufe zum Wachhalten im Haus umher, könnte zum Wachhalten noch ein neues Buch anfangen … jetzt darf ich doch aber gleich ins Bett?

18 Kommentare

    1. Muss man? Sicher nicht:) Das Leben hat noch sooo viel andere Buntheit in so unterschiedlicher Gestalt.
      Aber wie es so ist, eine Kette von Zufälligkeiten in Vergangenheit und Gegenwart hat uns genau an diesen Ort geführt. (Für mich war es ja schon das zweite Mal, M. hat dort früher länger gelebt, und die Kinder haben zum Reiseziel natürlich nicht Nein gesagt:))

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        1. Allmählich wird es warm. Durch Sonne&Südfenster, weniger durch die Heizung.
          Und ja, ich versuche es mir gut bleiben zu lassen, heute. Obwohl der Tag ja kein ganz freier mehr ist. Mein Lehrerinnensonntag ist andrer Leut’s Montag. (Außer man bereitet organisiert alles schon früher vor:))

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  1. Im Miniformat habe ich das letzten Sommer nach 5 Tagen London so erlebt, ohne Zeitumstellung, aber diese Sehnsucht nach Stille, die kenne ich so gut. Schön, dich wieder hier zu wissen. Komm gut an, in den Tagen und in den Nächten.

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    1. Diesen Kontrast zu unserem ländlichen Leben, den bieten wohl alle Riesenstädte. Sooo laut ist es dort … Und doch war ich in den zwei Wochen selbst erstaunt, wie man es ausblenden kann, immer wieder mal. Das hätte ich gar nicht gedacht, ich hatte viel mehr Anstrengung erwartet.
      Ja, ich bin am Ankommen … es ist aber natürlich nicht so leicht …

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    1. Nun bräuchte ich noch ein paar (arbeits)freie Tage, um mich dem Nachspüren so richtig zu widmen. Naja, es ist eben wie es ist.
      Auf die Fotos freue ich mich selbst auch, ich habe sie nämlich unterwegs und auch hier noch gar nicht angeschaut. Es sind über 1600 „Rohlinge“, in der ersten Runde sollte das auf eine dreistellige Zahl reduziert werden, und dann noch mehr. Das dauert, aber beim (Aus)Sortieren läuft mein Kopf immer tolle Erinnerungsschleifen, das tut mir als Nachbereitung richtig gut.

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      1. Du weisst ja: alles hat seine Zeit und alles muss ja auch gar nicht geteilt werden, selbst wenn es so unbedingt will, aber das Leben wartet ja nicht, es geht weiter und weiter und weiter- so fliesst dann das Erlebte ins Jetzt und findet seinen Raum, wenn es stimmig ist- oder nicht ;)
        liebgrüss ich dich
        Ulli

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        1. Du schenkst ein wunderbares Bild des Fließens, ich nehme mir das mit in meinen Tag, in mein derzeitiges Das-Leben-wartet-nicht, was gerade sehr andrängt.
          Danke von Herzen für das Deine, ich grüße Dich in einen neuen Morgen hinein.

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