#3wegsam-Bilder-11: Auf bekannten Wegen

Ob ich es wohl schaffe, heute tatsächlich weniger Worte um die Bilder zu machen? Wie in den letzten Tagen bin ich abgrundmüde, mir ist kaum nach Sagen, und dann plaudert es doch los, sobald sich meine Erinnerungskästchen öffnen. Also mal schauen – diese Reiseerinnerungsbilderposts entstehen tatsächlich ganz spontan. Insofern weiß ich wirklich nicht, was hier in einer halben Stunde veröffentlicht werden wird:)

Das tschechische Land begrüßt mich mit einem heftigen Gewitterguss, welcher uns als bunte Radler-Wanderer-Gruppe unter einem Unterstand zusammenführt. Mit jedem pitschnassen Ankömmling wird es enger … und am Ende haben die Deutschen die wichtigsten tschechischen und die Tschechen die wichtigsten deutschen Wörter erlernt, Baby Martina ist von allen Seiten ausgiebig beknuddelt worden und beginnt das Leben in Radlerkreisen zu genießen, mit entgegenkommenden Radlern sind alle Tipps und Hinweise ausgetauscht – Zeit für Aufklarung des Himmels. Es klappt. Der Rest des Tages (und der nächsten auch, übrigens) bleibt weitgehend regenfrei.

(Aha, hier geht die Plauderei schon wieder los:))

 

Die Erinnerungsbilder von vor zwei Jahren kommen unerwartet klar hinter jeder Ecke hervor, ich kann mich an viele Wegbiegungen erinnern, selbst, wenn ich jetzt in die Gegenrichtung fahre.

Als erster Ort im neuen Land kommt Decin …

 

… dessen Schloss ich heute weitoben am Wegesrand liegenlasse.

 

Usti nad labem bleibt gleich ganz auf der anderen Flussseite, ich nutze die flinken Uferwege, die – bis auf Brückenausläufer – die Stadt großräumig umfahren.

 

Die Gestalt des Flusses wandelt sich bald in eine solche.

 

Und ich kann kaum anders als den gleichen Übernachtungsort wie damals zu wählen, …

 

… auf dem Zeltplatz bin ich so gut wie allein, hier ließe sich ruhig auch länger bleiben.

 

 

 

Am Morgen eine schnelle Stadtdurchfahrt durch Litomerice …

 

… vor erneuten Kilometern direkt am Fluss …

 

… und seinen Uferorten.

 

 

 

 

 

Melnik, so schnell schon bin ich kurz vor Prag. Dass ich die Strecke kenne, lässt sie mir unter anderem kürzer erscheinen. Ein interessantes Phänomen. (Hier zu Hause ziehen sich mir bekannte Strecken eher in die Länge. Nachgrübelstoff.)

 

Hier fließt die Moldau (rechts) in die Elbe (links). Vom Wasservolumen her, heißt es, sei die Moldau der mächtigere Fluss. Geographisch korrekt wäre es also, wenn vor kurzem in Hamburg die Moldauphilharmonie eröffnet worden wäre. Sozusagen. Aber das lässt sich wohl nicht mehr revidieren. Zumal einem das Wort „Moldauflorenz“ nicht so gut über die Lippen geht:)

 

Jedenfalls, ich verlasse die Elbe, ihre Quelle sitzt im nördlicher liegenden Riesengebirge, da will ich nicht hin. Das hellblaue e-Schild, das gleiche wie auf dem deutschen Elberadweg, tausche ich gegen das mittelblaue V. Denn Moldau heißt auf tschechisch Vltava. Warum das so ist, konnte mir noch niemand erklären. Mit einer Lautverschiebung hat es ja wohl nichts zu tun. Die von mir befragten tschechischen Menschen sind dem Rätsel auch nicht auf die Spur gekommen.
Von jetzt ab also: Vltava-Radweg Nr. 7.

 

Das erste Stauwerk folgt nach einem Kilometer, man zählt hier flussaufwärts.

 

Dieses Brückenbild hat lediglich Erinnerungswert. Schleppten wir doch damals unsere Räder samt Gepäck über dieses Brückchen; das vergisst man nicht so schnell.

 

Während ich diesmal schlauer bin und ein paar Kilometer weiter in ein verlassenes Dorf radle, um mich von dem aus seinem Haus geklingelten Fährmann über den Fluss bringen zu lassen.

 

 

 

Ein Übernachtungsort findet sich heute direkt am Fluss, …

 

… und morgens fährt mir der Schleppkahn quasi durchs Zelt.

 

 

 

Hier übrigens mal ein Lob auf die hiesigen Radwege. Die bisherigen. Später im südlichen Landesteil werden sie sich als noch ausbaufähig erweisen. Bisher aber ist es großartig. Oft sind es sehr durchdachte und radlerfreundliche Lösungen wie etwa diese Radwegquerung, die unter der Fahrbahn aufgehängt ist, so dass man nicht extra zum Fluss hinunter und wie hinaufkurbeln muss.

 

Kurz vor Prag schwächelt der Weg für eine kurze Strecke. Es sind nur 3 Kilometer, aber diese bewirken selbst beim Schieben – streckenweise weiche ich darauf aus – ein zittriges Gefühl in den Beinen. Hier auf dem Bild sieht es harmlos aus, war es aber nicht. Dichteste Ufernähe bei 2-3-Meter hoher Uferkante. Es gibt nicht umsonst eine Ausweichroute oben über den Berg. Mit Kindern sollte man diese hier nämlich unbedingt vermeiden …

 

Nun also: Prag ist in Sicht.

 

Vorher noch ein wenig Volkssport – an jedem Flussstückchen sieht man solche Wassertrainingskanäle – …

 

… bevor die Großstadt auf mich zukommt …

 

… und kurz darauf unser Hotelboot von damals.

Und hier, am Startpunkt der damaligen Reise, höre ich für heute zunächst auf.

 

Die damaligen Liveberichte dieser Tage finden sich hier, hier und hier.

 

 

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6 Kommentare

  1. Wow, kann ich nur denken und sagen. Danke. (Und danke für deine Post habe ich – glaube ich – auch noch nie gesagt.) Das mit Moldau und Elbe ist übrigens genauso mit Rhein und Aare. Eigentlich müsste der Rhein nach dem Zusammenfluss der beiden Aare heissen. Doch da waren bei der Namesgebung andere Kriterien ausschlaggebend als das Volumen! Ich wünsche dir einen Tag mit der nötigen Kraft und Energie. Herzlich, FrauWind

    Gefällt 3 Personen

    1. Liebe Frau Wind,
      ob ich wohl Dir für DEINE Post gedankt habe? Menno, das ist doch jetzt schon so lange her. Und falls ich es übersehen haben sollte, dann jetzt: DANKE!
      In den Film habe ich immer mal wieder hineingehört, ich glaube, die fehlende Sprache stört mich überhaupt nicht, es berührt auch so. Ein Ferienabend (oder so) wird kommen, an dem ich ihn an einem Stück schauen werde.
      Und über Jordi Savall könnte ich jetzt auch eine klitzekleine Geschichte erzählen … die bleibt aber für später.
      Weißt Du, wie oft ich in den letzten Tagen an Dich gedacht habe? Die kleine M., Ihr wart so nahe …
      Einen Herzensgruß zu Dir, Frau Rebis

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  2. Immer wieder denke ich, es muss schön sein immer an einem Fluss entlangzuradeln…
    Wir hatten ja einmal überlegt von der Donauquelle bis zur Mündung zu radeln, die Quelle ist nicht weit von hier, aber die Mündung … und was da alles auf dem Weg liegt, manches davon will ich gar nicht näher kennenlernen, anderes schon.
    Irgendwo schrieb bzw. fragte ich einmal, ob nicht jeder Fluss der selbe Fluss sei, ja und nein, denn manchmal ist der Fluss auch ein See ;)
    liebe Frau Rebis, das hat mir jetzt gut getan und ich überlge ob ich meine Ferien nicht einmal ganz anders verbringen könnte…
    herzlichste Morgengrüsse an dich
    Ulli

    Gefällt 1 Person

    1. Und WIE das schön ist, immer an einem Fluss entlangzuradeln, liebe Ulli, das kann ich nur wärmstens in Deine Wunsch- und Vorstellungswelt hineinpflanzen. Auf dass es – als ausgewachsener Wunschbaum später ein paar Früchte trägt. Es muss ja nicht gleich die komplette Donau sein;-)
      Fluss – Flüsse – Fließen. Welch Reichtum an Bildern sich darum rankt. Und nicht nur Bilder.
      Aus den Morgengrüßen werden herzlichste Spätnachtgrüße
      Frau Rebis

      Gefällt 1 Person

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