12 von 12 im Februar

Meine Bilder konnten heute nur im Kopf entstehen, es war weder Gelegenheit noch Zeit, sie in eine mit den Augen sichtbare Form zu bringen. Also halte ich sie auf diese neue Weise fest, warum auch nicht den Tag wortbebildern?

Bild 1
Ein Hauch Morgenhell fällt durch die Vorhänge, die Bettdecke liegt in ihrer eigenen, schwer erkennbaren Ordnung um mich herum, und unsichtbar wehen über dem Moment Traumfäden.

Bild 2
Drei Bücher stapeln sich auf dem kleinen Tischchen, daneben steht die zum Überlaufen gefüllte Kaffeetasse. Die Kerzen sind noch nicht – oder nicht mehr? – angezündet, auf den Tagebüchern liegen verschiedene Stifte.

Bild 3
Ein karg-grün-grauer Rasen, braune Maulwurfshügeln bilden ein Muster. Und die Barfüße hinterlassen sanfte, kaum erkennbare Spuren.

Bild 4
Die Tochter sitzt über ihrem Hausaufgabenschreibtisch, in ihrem hellen Sonntagskleid sieht das von draußen hereinfallende Licht gleich noch viel strahlender aus.

Bild 5
Im großen Zimmer wird ein langer Tisch ausgezogen, er füllt sich mit Geschirr, Besteck, Gläsern, Servietten und Getränken. Das Stuhlsammelsurium lässt erkennen, dass es aus mehreren Zimmern zusammengetragen wurde.

Bild 6
Der Tisch ist überladen gefüllt mit Zutaten für diverse japanische Gerichte, der Nachbartisch biegt sich ebenso. Um die Tische herum stehen vier Kinder und acht Erwachsene und halten Getränke in der Hand. Die Entschlossenheit, sich zu setzen, ist noch nicht so groß, der Appetit dagegen schon.

Bild 7
Eine Küche voller Geschirr und leerer Platten. Eine ratternde Geschirrspülmaschine. Reste von Kaffee, Saft, Soßen und Krümel verteilen sich quer durch den Raum.

Bild 8
Auf der Straße vor dem Haus. Ein altes kleines Auto mit Berliner Nummernschild. Ein junger Mann und eine Frau, nicht mehr so jung, aber eben auch nicht wie seine Mutter ausschauend, tragen zwei Reisetaschen ins Haus.

Bild 9
Graugrüntrübe Felder mit kargen Streuobstbäumen, ein sich bedeckt haltender Himmel, in der Ferne die Häuser verschiedener Dörfer, vier in der Feldeinsamkeit spazierengehende Menschen.

Bild 10
Ein erneut gedeckter Tisch, nicht ganz so lang wie mittags, und diesmal mit nur einem Gang. Erneut Weinflaschen und Gläser. Sechs hin- und herfabulierende Menschen.

Bild 11
Sechs Menschen vor einem Monitor, darauf läuft ein Film mit kleinen Kindern. Diese – inzwischen nicht mehr ganz so klein – sitzen in Sesseln und Sitzsäcken davor und schmunzeln oder lachen laut, je nach Temperament. Immer wieder fällt der Satz: „Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern.“

Bild 12
Zwei Frauen am Tisch, immer wieder am gleichen. Keinerlei Essensanzeichen. Dafür Gläser und Flaschen. Rotweinspuren auf dem Tisch. Die Füße befinden sich im Schneidersitz auf der Sitzfläche. „Dass das noch geht“, sagt die eine. „Haben wir uns verändert?“, fragt die andere.

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