Der Mangelblick

Ich sehe den schmerzenden Fuß,
und nicht, dass meine Beine mich schon ein Leben lang tragen.

Ich sehe die fehlende Butter,
und nicht das selbstverständliche Brot.

Ich sehe die Anstrengung der täglichen Aufgaben,
und nicht deren erfüllende Buntheit.

Ich sehe die Unwegsamkeit der Täler,
und nicht, dass Berge fliegen lassen.

Ich sehe die Krumen des Mangels,
und nicht das Beet der Fülle.

Ich sehe die Momente des Schmerzes,
und nicht das Meer voller Heilung.

***

Wann habe ich diesen Mangelblick erlernt, wann kam er zu mir?
Und ihn umzuwandeln, umzukehren, was braucht es dazu?

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11 Kommentare

    1. Vielleicht haben alle Menschen beides – den Mangelblick und sein Gegenteil. Nur in unterschiedlicher Gewichtung, verschieden stark wahrgenommen und beeinflussend. Ich glaube schon, dass mich im Wesentlichen Dankbarkeit und Zufriedenheit ausmachen, aber doch ist mir das andere alles andere als fremd. Es sind ja Wegweiser, diese (scheinbaren) Mängel …

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  1. Das ist die Frage: wann kam der Blick zu mir, was liegt darunter und wie kann ich ihn verwandeln? Letzteres kann ich noch am ehesten beantworten: indem ich aufmerksam meine Gedanken wahrnehme und wenn ich mich wieder einmal erwische (und das tue ich oft), dann innezuhalten und mir zu überlegen was ich stattdessen denken/formulieren könnte.
    Allerdings finde ich, dass du auch den bunten und weiten Blick hast, wenn ich an alle deine Artikel denke, die mich erfreut und zum Nachdenken angeregt haben.
    liebe Grüsse
    Ulli

    Gefällt 3 Personen

    1. Ja, genau so: „indem ich aufmerksam meine Gedanken wahrnehme … dann innezuhalten und mir zu überlegen, was ich stattdessen denken/formulieren könnte“. Das ist bei mir meist noch nicht mal ein bewusster Prozess, und ich bin dankbar dafür, dass ich nicht in Unzufriedenheit gefangen bleibe.
      Am spannendsten ist aber die Frage – und dazu ist der Mangelblick vielleicht ein guter Wegweiser: Was steht jeweils dahinter? Welche unerfüllten und unerkannten Bedürfnisse habe ich dort, die dieses auslösen? Wie kann ich mich gerade diesen Bedürfnissen zuwenden? Das Objekt des (scheinbaren) Mangels ist ja doch nur vorgeschoben, allerhöchstens Symptom, niemals Ursache. (Von echtem Hunger spreche ich nicht. Den kenne ich ja glücklicherweise überhaupt nicht.)
      Sei von Herzen gegrüßt.

      Gefällt 2 Personen

    1. Das trifft es vielleicht am besten: „unter Kontrolle“. Denn erste emotionale Impulse sind oft auch bei mir da. Aber ich habe es wohl schon lange und intensiv reflektiert, um mich dem nicht mehr hinzugeben. Oder es wenigstens nur kurz anzuschauen, um mich dann abzuwenden und wieder zu mir zu finden, in die Dankbarkeit für das Andere.

      Gefällt 1 Person

          1. Joah … Verhalten verändert sich ja in der Regel nur dann, wenn vorher die Emotion erkannt wird, die ein unerwünschtes Verhalten bedingt … oder so. Alles wirkt ja irgendwie ineinander hinein. Aber bei mir fängt Verhaltensveränderung immer mit dem Wandeln von Emotionen an. Darum nenne ich es wohl „angewandte Verhaltenstherapie“. ;-)

            Gefällt 1 Person

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