Radgedankenwandern

Der erste Tritt in die Pedale ist der Beginn einer neuen Autonomie, er ist ein schöner Ausreißversuch, die spürbare Freiheit, die Bewegung der Fußspitze, wenn die Maschine auf das Verlangen des Körpers reagiert und ihm gleichsam vorauseilt. Innerhalb weniger Sekunden befreit sich der begrenzte Horizont und die Landschaft gerät in Bewegung. Ich bin anderswo. Ich bin ein anderer; und dennoch bin ich so sehr ich selbst wie sonst niemals; ich bin, was ich entdecke.
(aus Marc Augé: Lob des Radfahrens)

 

1-eintreten

Dieser Tage überkam mich die Sehnsucht. Ich musste in die Garage gehen, mein Rad streicheln, kurz mit ihm sprechen und ihm sagen, dass wir dieses Jahr nicht so bald und vielleicht gar nicht zu so entfernten Ufern aufbrechen können. Dabei wird ihm das weit weniger ausmachen als mir.

 

2-aus-eigener-kraft

Mir wird wehmütig. Ich sehne mich nach dem Unterwegssein aus eigener Kraft …

 

3-eigene-weise

… mit Schritten, die ich auf ganz eigene Weise setzen darf.

 

4-glueckliche-zeiten

Glückliche Zeiten, in denen es so einfach möglich ist …

 

5-helle-wege

… auf – in umfassenderem Sinne – hellen Wegen …

 

6-alles-mit-mir

… sich selbst und alles, was dazu nötig ist, in Bewegung zu setzen.

 

7-von-kraft-getrieben

Mit starker Verbindung zu meinen Kraftquellen …

 

8-dinge-richten

… mit Möglichkeiten, die Initiative zu übernehmen …

 

9-in-die-quere

… damit nichts in die Quere kommt …

 

10-leben-im-provisorischen

… oder aber auch in gelassenem Improvisieren.

 

11-balance

Es ist alles eine Frage der Balance …

 

12-ausgleich-innen-aussen

… und einer ausgewogenen Verbindung zwischen Innen und Außen.

 

13-erinnerungen

Warme Erinnerungen dürfen mitreisen …

 

14-gemeinschaft

… und die Gemeinschaft der Menschen ringsum auch.

 

15-schnell_langsam

Das So-schnell-wie-nötig und das So-langsam-wie-möglich treten in einen Dialog …

 

16-hauch-des-vergangenen

… so wie überhaupt jedes Unterwegssein eine Brücke bildet zwischen Vergangenem …

 

17-hinuebernehmen-ins-zukuenftige

… und künftigen Bewegungen.

 

Ach.
Ob mich das Rad dieses Jahr über längere Zeit tragen wird?
Sei’s drum. Ich nehme mir Radwandergedanken mit, überall, wohin mich die Wege führen werden. Auch unberädert in das Radgefühl hineineinzufinden, das wäre doch eine Möglichkeit?

 

Dieser Kampf mit dem Raum war eine unvergleichliche und erhebende Übung in Einsamkeit. Der Kampf mit mir selbst war eine intime Erfahrrung, ich lernte meine Möglichkeiten und meine Grenzen kennen: Mogeln ist beim Fahrradfahren nicht möglich. Jede Anmaßung wird unverzüglich bestraft.
(aus Marc Augé: Lob des Radfahrens)

 

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14 Kommentare

    1. Ja, aus einer Ausstellung zur Geschichte des Fahrrads hier in der Nähe in einem Technikmuseum.
      Ob ich dieses Kindes-Schwupps noch lernen kann? Ich glaube, ich konnte es noch nie. Kann mich jedenfalls auch aus meiner Kinderzeit nicht daran erinnern. Hm ….
      Aber ich habe ja noch die Erwachsenenwege:)

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  1. Vielleicht schaffst Du es trotz allem, mit dem Rad zu wandern. Und sei es nur — wie zu Kindertagen — in der Phantasie, der Vorstellung, den Gefühlen, vielleicht in Büchern und Blogs „mitfahrend“ …

    (Oh, so ähnlich schrieb SoSo ja auch grad.)

    Gefällt 2 Personen

    1. Wie kann es sein, dass ich dieses Mich-Versetzen auch damals nicht konnte?
      Und selbst wenn: es ist nicht das Gleiche.
      Mal schauen, vielleicht wird das Jahr doch noch unerwartete Möglichkeiten schenken. Wenn aber nicht … fühlt es sich schon jetzt nach Traurigkeit an …

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      1. Diese Antwort habe ich nicht für möglich gehalten, und sie stimmt mich traurig. Denn ich nahm bisher an, „wußte“ bisher, daß alle Kinder die Gabe der Phantasie haben … Das war wohl falsch angenommen. Ich kann mir ein Leben ohne Phantasie, ohne Träume, mit denen ich mich in ferne Welten, ferne Zeiten versetzen kann, nichteinmal vorstellen. Selbst in den tiefsten Tiefen der Losigkeit war mir ein Rest davon geblieben …

        Es ist nicht das Gleiche. Ja. Aber es ist für mich manchmal das Einzige (gewesen) …

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        1. Natürlich hatte und habe ich eine gewisse Gabe der Phantasie. Traurig ist das nicht, oder ich meinte es jedenfalls nicht traurig.
          Aber es ist eben nicht das Gleiche wie eine „echte“ Reise. (Wäre es für Dich das Gleiche, wenn Du den Oekuweg dieses – und vielleicht die folgenden – Jahr(e) nur noch in der Phantasie gehen würdest? Hätte er dann die gleiche Bedeutung für Dich?)

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          1. Ganz ehrlich geantwortet: #oekuweg nicht, aber der #camino. Ich bin ihn gegangen, geritten auf einem Esel, geradelt; und immer habe ich die Compostela erhalten und bin ans Weltende weitergezogen. All die Jahre …

            Und ich ritt mit Toka-Itoh und den Söhnen der Großen Bärin durch die Prärie, war mit Bilbo Beutlin im Drachenhort, mit Gunter und Giselher unerwegs, mit Ion Tichy auf fernen Welten. Ich war dabei, als die Günerrode sich mit Kleist und Clemens traf. Und bin den ganzen Weg „In den Schuhen des Fischers“ mitgegangen …

            Es macht (für mich) keinen Unterschied, werde in der Intesität noch in der Realität. Der Weg hat immer nur die eine Bedeutung für mich, ob ich ihn gehe oder imaginiere …

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              1. Nein, das meinte ich auch nicht. Nur ist es eben doch anders, da in „echt“ draußen.
                Schon mein Körper, der sich sonst schreibtischverkrümmt in Zipperlein flüchtet, zeigt deutlich an, ob ich mich nach draußen begebe und „wirklich“ reise, oder eben nicht. Und der Körper strömt mit seinem bewegten Gefühl dann in alle anderen Teile meines Ichs … Doch, ja, ich brauche das „echte“ Reisen. Nicht nur, weil ich nicht so „phantasieausgestattet“ bin;-)

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              2. (Klingt jetzt doof oder überheblich.)

                Ich weiß. Ich hatte nur in diesem Moment auf eine blühende, realitätsgleiche Phantasie abgestellt. Auf meine Erfahrung …

                Dein Cello allerdings, das ist etwas, das ich (noch) nicht versuchte …

                (Verwirrend? Mit Absicht.)

                Gefällt 1 Person

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