Weihnachtsferienbeginn

Es ist der am längsten ersehnte schulfreie Tag des Jahres. Mehr als vor jeder anderen freien Zeit, mehr noch als vor den Sommerferien dürstet man darauf hin. Beim Abschiedsglühwein in der Schule unterhalten wir uns, es geht allen so. Weil die Wochen seit den Herbstferien pausenlos dahinströmen, weil es mehr Schuljahresaufgaben gibt als zu jeder anderen Zeit im Jahr, weil die Sonne kaum scheint, all das wird es sein, warum wir diesen ersten Ferientag in so erschöpftem Zustand erreichen.

Und dann ist er da. Das schulische Terminhamsterrad hört mit einem Mal auf zu drehen, das muss erstmal bewältigt werden. Der Körper lässt sich plötzlich kaum noch in Schwung halten, die Seele sowieso nicht, all die Ferienvorfreude ertrinkt in mattdunkler Traurigkeit, die Stunden wollen durchwatet werden, eine nach der anderen.
Sich aufs Fahrrad setzen wie zu Beginn der Sommerferien, wegfahren, aus dem Alltag entschwinden, jetzt sofort – das wär’s. Wenn auch das Fahrrad natürlich eher symbolisch zu verstehen ist, bei diesen Außentemperaturen. Eine Lese-Musik-Schreibreise ins Innere, zum Beispiel.

Doch nein, unmöglich. Da ist weiterhin fordernder Alltag, ein unschulischer, ein von den letzten Schulwochen mitverursachter. Fünf Trommeln Wäsche warten, die Schränke der Kinder sind leer. Der Haushalt liegt brach. Und wer jetzt entgegnen möchte, dies sei doch nicht wichtig: Bitte einmal den Blick durch unsere völlig verramschten Zimmer schweifen lassen , sogar die Kinder stellen schon fest, dass wir ja keine Ecke zum ruhigen Sitzen und Spielen mehr haben. Und dann noch ein paarmal an all die klebrigen Türklinken fassen … Der Haushalt also braucht ein paar energische Eingriffe. Die Tochter hat eine Probe in der Stadt und muss hingefahren werden. Immerhin liegt direkt daneben die Stadtbücherei und versorgt uns mit Ferienbüchern und -filmen. Pässe und Personalausweise müssen wir beantragen, es eilt – im Rathaus ist man fast erschrocken über so späte Kundschaft. Ein paar Schulnotizen und Mails sind fertigzumachen, bevor ich in der zweiten Ferienhälfte nicht annähernd mehr weiß, worum es ging und geht. Schultasche und Schulschreibtisch wollen aufgeräumt werden, oder nein: ich will, dass sie in den aufgeräumten Zustand übergehen. Nicht nur wegen eventueller Brotdosen, die bis zum Ferienende sonst Beine bekommen werden, sondern auch, weil der Tisch für meine Weihnachtsferienpuzzletradition gebraucht wird.
Es ist dicht. Viel, das.

Zwischen all dem sacke ich immer wieder zusammen. Versuche mich zu erinnern, worauf ich mich die Wochen zuvor fast wie irre gefreut habe. Aufs Spielen mit den Kindern – ach ja, zwei neue Spiele werden unterm Baum liegen. Und mir fällt ein, dass ich dieses Jahr nicht nur keinerlei Post geschafft habe, sondern dass noch keines der kleinen Dinge in den Hinterkatakomben des Schranks (Kinder: bitte weglesen:)) bisher eingepackt ist, hoffentlich haben wir noch Papier, hoffentlich vergesse ich das nachher nicht;-) Also: aufs Spielen freue ich mich. Aufs Alleinsein und Wenigreden auch – und die Kinder ebenso. (Die sind übrigens schon in ihre Lesewelten abgetaucht, wie das am ersten Ferientag sein muss:)) Aufs Wiederhellerwerden, das man sich ja wenigstens vorstellen kann, wenn schon der Blick aus dem Fenster nichts davon zeigt. Aufs Puzzlen, aufs Legobauen, aufs Lesen, aufs Schreiben, auf Tage im Schlafanzug, ohne Blick auf die Uhr und ohne jede Strukturierung durch irgendwelche Mahlzeitenpläne. Verhungert sind wir dabei noch nie. Eher gesättigt in unserem Ruhehunger.
Und auf meine Musik freue ich mich. Zum Klavier ist ein Cello eingezogen. Es begeistert, fasziniert und belebt mich mehr als je erträumt und erhofft. Wenn auch ein Berg an Ungeduld zu zügeln ist. Wäre es doch am sinnvollsten, im Moment nur leere Saiten zu streichen – in zwei Unterrichtsstunden habe ich erspüren dürfen, wie sich der Körper dabei anfühlen kann, bin in meditative Bewegungen hineingekommen. Dennoch ist da das unbändige Bestreben, schon die linke Hand mitzubenutzen, Töne und Melodien zu formen. So quietschig und unsauber die noch klingen, ich habe mit der Tochter erste Duette gespielt, und das fühlt sich unglaublich an! Und doch: Das Cello wird mir zum Geduldslehrer werden, ich freue mich drauf.
Auf Bücher freue ich mich, der ungelesene Stapel ist ins Unendliche gewachsen. Auf Fotos freue ich mich, denn die Sommerbilder sind noch nicht mal sortiert, geschweige denn irgendwie bearbeitet und verblogpostet. Auf Spaziergänge freue ich mich. Aufs Schreiben. Auf meditatives Einfach-nur-da-sitzen.

Ich werde sehen, was die Ferien schenken. Ich hoffe, ein wenig Stille. Ein wenig nur.

Die wünsche ich Euch auch. Und Frieden. Den wünschen wir uns wohl alle …

Advertisements

4 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s