12 von 12 im Dezember

Der Wecker, der im Hauptberuf ein Handy ist, weckt mich und liegt dabei wie jeden Morgen neben meinem Glücksstein, von der Tochter in der ersten Klasse bemalt und geschenkt. Ein Aufwachblick zum Lächeln.

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Der Tag beginnt mit Kaffee, heute ist die Musiktasse frei, die ist – wer hätte das nicht erraten? – eine meiner liebsten.

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Mein Päckchen vom Landeswettbewerb Mathematik muss heute noch zur Post, ich bin spät dran und schreibe die Schülerrückmeldungen auf den allerletzten Drücker. Morgens vor sechs. Wie das in dichten Zeiten eben so ist.

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Schon vor der Schule habe ich den Stapel fertig und bin wieder müde. Die erste Doppelstunde vergeht zäh, aber irgendwie, die Schülerschaft überbietet meine Müdigkeit wohl noch.
Ich stolpere hinaus in eine Hohlstunde, zum Glück. Irgendjemand hat Kuchen in die Küche gestellt, von solchen KollegInnen müsste es viel mehr geben:) Dazu ein Kaffee und Stilleben mit Lehrerzimmergeraffel. Um diese Vormittagszeit ist es hier ganz leer.
(Das ist auch nicht der Blick von meinem Platz, denn dieser ist zu vollgekramt, als dass ich Teller und Tasse dort hätte abstellen können.)

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Aber damit es nicht droht zu gemütlich zu werden, hat man mir in den zweiten Teil der Bereitschaft eine echte Stunde gelegt. Eine echte, das heißt nicht einfach nur Aufsicht mit vorbereiteten Aufgaben. Ein Notfall, eine plötzliche Langzeiterkrankung, diese Zusatzstunde wird wohl zur Serie werden. Ob ich spontan eine Einführung in die Einheit Geschwindigkeit machen könnte, fragt der Cochef. Klar, ich stampfe sie aus dem Boden. Und gern doch, Achtklässler lieben es schließlich, wenn die Vertretungslehrerin plötzlich so richtig was von ihnen will und Physik macht;-) Wir nörgeln uns also gegenseitig an und gemeinsam durch die Stunde, irgendwann haben sie Diagramme und Rechnungen im Heft und hoffentlich auch was im Kopf, und es ist rum.

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Nahtlos hetze ich – mit Miniboxenstopp an der Kaffeetasse – in den dritten Block, zu den kleinen Fünfern, die sind mir vertraut, hier ist Heimspiel. Es fließt, so muss das sein.
Trotzdem gut, als es zur Mittagspause klingelt. Sie räumen auf, fegen, verschwinden. Himmlische Ruhe kehrt ein, jetzt einfach nur hier sitzenbleiben … Tue ich auch. Das Lehrerzimmer ist in der Mittagspause taubenschlagartig laut, es ist mir heute zu viel.

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Ein vierter Block, nochmals Physik, alle sind ferienreif. Auch ich bin unkonzentriert und verstehe meine Erklärungen selbst kaum;-)
Fünfzehn Uhr, vorbei, Feierabend. Nicht ganz, aber jedenfalls wird’s jetzt ruhiger. Während die Schüler fegen und allmählich verschwinden, bleiben die Restarbeiten. Versuche abbauen, Notizen zum Tag, Listen und Klassenbücher ausfüllen, das eigene noch kontrollieren. Schöne Farben übrigens, unsere Klassenbücher. Auch nach ein paar Jahren Gewöhnung tun die dem Auge noch gut.

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Der Blick aus dem Physiksaal nach draußen dagegen ist eher trist. Warum auch nicht, denke ich mir, ich hab ja eh keine Zeit zum Rausgehen. Ist doch tröstlich, dass es eh nicht lohnen würde:)

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Schnell schnell weiter, zur Post das Päckchen abgeben. Dann bin ich mit den Kindern verabredet, wir brauchen alle Passfotos.
Und zack, als ob der Tag was gegen mich im Schilde führen würde, schließt mich mein Auto aus. Wie auch immer die Elektronik das hinbekommen hat: Das Auto sperrt sich selbst ab, während der Schlüssel im Zündschloss steckt und ich draußen stehe. Darf ja eigentlich nicht sein. Ein Mysterium.
Und ja, wir sind gerade im Nachbardorf, nicht etwa vor der eigenen Haustür, hinter der der Zweitschlüssel liegt. Ich muss mich erst mühsam nach Hause und wieder zum Auto zurück fahren lassen, um mit dem Ersatzschlüssel das Auto per Schloss zu öffnen. (Dazu haben Autotüren noch ein Schloss. Die Elektronik reagiert ja nicht mehr, weil drinnen ein Schlüssel steckt. Dubios.) Jedenfalls: Welch tragende Rolle hat dieses kleine Teil heute gehabt!

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Irgendwann spätnachmittags sind wir endlich zu Hause. Der Magen hängt in den Kniekehlen. Immerhin leuchtet zum aufgewärmten Mittagessen ein Adventslicht.

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Der Blick in den Terminplaner für die nächsten Tage ernüchtert. Nein, ich kann nicht mehr. Die Tage werden alle ähnlich wie dieser. Die letzte Vorferienwoche ist kaum zu schaffen. Genaugenommen: eine Woche und zwei Tage. Mir kullern kurz die Tränen vor Erschöpfung. Dann rappele ich mich wieder auf, hilft ja nix.

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Und schaffe an Schreibtisch und Computer noch ein bisschen was weg, Dinge, die sich nicht vermeiden und verschieben lassen.
Bis ich mich irgendwann meiner neuesten meditativen Tätigkeit hingebe. Es ist wunderbar. Es ist seit Tagen soooo unglaublich schön.
Am Mittwoch wird meine erste Cellostunde sein. Kurz nachdem ich mein ausgewachsenes Leihcello abgeholt haben werde. (Denn dieses hier ist ja noch ein wenig jugendlich und gehört eigentlich der Tochter.)

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Mehr 12 von 12 gibt es wie jede Woche bei Draußen nur Kännchen.

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