Herbstradeln

Langes Wochenende – kurze Zeltradtour. Mama- und Tochterrad warten, dass wir aus der Schule kommen …

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… um uns auf die Hügel hinauf zu führen. Anders als durch Bergaufarbeit, notfalls mit Pausen und Schieben, kommen wir von unserer Wohngegend kaum weg.

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So nah vom Zuhause sind wir noch, und doch bemerken wir, dass wir diese Ecken überhaupt nicht kennen, dass wir uns in den letzten Jahren so wenig in unserer nächsten Umgebung umgeschaut haben …

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… dass gerade das Nahe wie oft so fremd ist.

Und dass es Herbst wird, das bemerken wir auch. Drum sind die Radtaschen voller warmer, regendichter Sachen.

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Der erste Zeltplatz, wir erreichen ihn kurz vor’m Dunkelwerden, ist von sturen Reglementierungen unsinnigster Art geflutet, wir dürfen nur in einem sehr unkuscheligen Eck stehen, aber lachen das weg. Zumal wir den Abend in der Kneipe am See und den Morgen – wegen Regen – ausschließlich im Zeltinnern verbringen.

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Ja, das Zelt ist groß genug, um darin zu frühstücken, die Tochter deckt einen liebevollen „Handtuchtisch“, und wir frühstücken sozusagen gegen den Regen an.

Die Kastanien am Wegesrand hatten kein Zelt zum Trockenbleiben:)

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Und übrigens: Ganz gleich wie alt Du bist, Kastanien bleiben Kastanien, und die Vorder- und Seitentaschen sind viel zu schnell voll, so viele müssen wir liegenlassen:(

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Es ist Herbst, es ist bunt, meine Lieblingsjahreszeit beginnt …

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… ich könnte ewig in diesen Parks und Wäldern bleiben, würde ihnen gern zusehen, wie sie sich immer mehr einfärben …

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… wie die Bäume ihre Blätter abwerfen, wie ihre karge Gestalt dabei umso markanter hervortritt …

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Wir haben ein paar halbsonnige Fahrstunden, bis der Regen gewinnt und uns – nun ja – ausbremst …

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… in dem Sinne jedenfalls, dass wir heute nun doch nicht mehr bis an den Rhein fahren, sondern bei nächster Gelegenheit unser Zelt aufbauen.

In der Nacht wird plötzlich der Sternenhimmel sichtbar – hach: so kann ich nicht lesen:) – und am Morgen weckt uns blauer Kleinweißwölkchenhimmel.

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Die Rheindeiche lassen sich vom Wind durchpusten …

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… und wir mit ihnen, wobei wieder einmal das faszinierende Phänomen auftritt, dass der Wind einem immer entgegenkommt, wie man auch längs des Flusses mäandert.

Wenigstens werden wir beim Picknick am breiten, behäbigen Wasser nicht wie unsere Brottüte weggeweht …

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… und ja, die Anblicke lenken vom steten Gegenwindfahren ab, lassen vergessen, dass die Beine allmählich wehtun.

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Ab und zu verlassen wir den Damm am Fluss, in der Hoffnung, auf der unteren oder auf der weiter im Innern gelegenen Straße könnten wir ein paar leichtere Kilometer fahren – nein. Es windet überall …

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… und oben am Fluss ist es doch am schönsten.

Die Tochter zieht es nach Strasbourg, sie hält tapfere 70 Gegenwindkilometer durch …

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… und vermag dabei noch zu singen sowie ihre Augen für das Ringsum offenzuhalten. Vielleicht hätte ich diesen Flussstein ohne sie gar nicht entdeckt? Es ist ein Myriameterstein (eine Einheit, die ich noch nie gehört hatte), das erklärt die seltsamen Entfernungswerte.

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Wir schaffen es bis nach Kehl, bauen kurz vor dem Abendregen unser Zelt auf, und bedauern, dass wir morgen schon wieder nach Hause müssen.

Zunächst aber noch ein warmes Sonnenfrühstück am Fluss, gegenüber liegt Frankreich, dessen Ufer, wie die Tochter erstaunt befindet, auch nicht anders aussehen als die hiesigen.

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Also schauen wir uns das mal aus der Nähe an, über die Fußgängerbrücke …

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… da in der Flussmitte muss die Grenze sein …

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… sind wir gleich in Strasbourg, ein im Grunde gut durchdachtes Radwegenetz ist nur leider von Großbaustellen durchlöchert, so dass ich bereits, als wir das Zentrum noch gar nicht erreicht haben, diejenigen Radler beneide, welche die Stadt schon wieder verlassen:)

Nuja, irgendwann sind wir in der Stadtmitte, zusammen mit Scharen anderer vorwiegend deutscher Touristen. Feiertagsauslands-Hopping und -Shopping.

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Es ist mir zu voll; der 3. Oktober war sicher nicht der günstigste Termin für einen Besuch in dieser grenznahen Stadt …

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… aber wir können ja wiederkommen, weit ist es nicht von uns. Mit dem Auto legen wir unsere Dreitagesfahrt in 2 Stunden zurück, ernüchternd irgendwie, dieses allzu schnelle Zurückkatapultiertwerden in den Alltag. Morgen ist Schule, lange Wochenenden sind irgendwie immer zu kurz.

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4 Kommentare

  1. so schön, daß du so ein langes wochenende nutzt und mit ihr wegradelst! (ein bißchen neidisch bin ich, aber ich geh heut auch noch radeln, das wetter ist doch zu schön, und ich muß mich ja auch verabschieden vom rad für 2 wochen ;-) .)
    lg!

    Gefällt 1 Person

  2. Klingt und sieht aus nach einem prima Wochenende, auch wenn’s etwas Regen und viel (Gegen)wind gab. Schwer bepackt, Eure Raeder, aber fuer eine solchen Tour muss das ja sein. Aehnlich, aber ohne Zelt, bin ich nur einmal [fuer eine dreitaegige Tour von Bonn aus in die Eifel] unterwegs gewesen. Eine ganz starmme Leistung, die Ihr da vollbracht habt. Ich bewundere Deine Tochter, dass sie das so durchhaelt, und dabei noch singen kann. Kompliment!
    Hier geht’s morgen auf die Reise, aber per Auto, in den mittleren Westen, bis rauf ins suedlich Nebraska. Die Raeder nehmen wir aber mit, um unterwegs auf „Rail Trails“ [frueheren Bahntrassen, die nun in Radwege umgewandelt worden sind] zu radeln. Wir hoffen auf schoenes Herbstwetter und die entsprechenden Farben. Ich werde twittern und bloggen, je nach Internetgelegenheit und Zeit.
    Habt’s fein,
    Pit

    Gefällt 1 Person

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