im September

ein Monat zwischen einer großen und einer kleinen Radreise: die ersten 11 Tage gehören zum langen Sommer-#3wegsam, der Nachmittag des letzten Septembertages zu einer Kurzradtour mit der Tochter nach Strasbourg;
ein guter Monat also, der sich zwischen solchen Pfeilern aufspannen darf, und der zudem fast sommrig daherkommt, mit Hitze, dass es hinter den Glasfenstern der Schule schon zu viel ist, und mit Sonne, die wärmt und erhellt und freut und all das
*
dazwischen ein Schuljahresstart, der mich in einiger Hinsicht selbst überrascht;
wie ich etwa mein langsames Reisetempo in den abrupten Hamsterradstart übernehme und erstmals seit … Berufsbeginn? … mich nicht gehetzt fühle, keine Kopfschmerzen in der ersten Schulwoche habe;
dass ich es an vielen Tagen schaffe, meine Vorbereitungen am Nachmittag fertigzustellen, oder wenigstens abends nicht länger als bis zehn am Schreibtisch zu sitzen, einfach dadurch, dass ich Arbeit für den nächsten Tag liegen lasse;
weil ich mehr als früher ein Schritt-für-Schritt schaffe, weniger parallel bearbeite, insgesamt ruhiger vor mich hin werkele
*
dabei ist es viel in diesem Schulstartmonat, wie immer:
das Kennenlernen von 120 neuen Gesichtern (und die Erkenntnis, dass mir Namenlernen jedes Jahr schwerer fällt);
ein rasanter Start mit unserer neuen 5. Klasse, die sich als unerwartet verhaltensoriginell erweist, wie man es freundlich formulieren könnte, die uns – auch nach mehreren Wochen noch – vor große Rätsel und etliche Probleme stellt;
ein holpriger Start mit dem neuen Mathekurs, der zum Monatsende aber schon die Aussicht auf glattere Wege öffnet;
erste Elterngespräche und Klassenkonferenzen;
Fachkonferenzen und Gesamtkonferenz, eine Tagung, etliche kollegiale Kooperationstreffen – für einen Monat mehr als genug
*
gleichzeitig starten die Kinder ihr neues Schuljahr, als Sechstklässlerin und als Neuntklässler: ihre Freuden- und Unmutsäußerungen über die Lehrerzuteilung, über die ersten Schultage, über neue Rituale, über Empörendes auch, sind häufiger als sonst Thema am Abendessenstisch;
Musikunterricht und Sport beginnen wieder, alles wie gehabt;
für den nunmehr 15jährigen konkretisieren sich unsere Überlegungen, ob er das nächste Schuljahr im Ausland verbringt, allerdings ist bisher noch offen, ob das, was er wünscht, überhaupt funktionieren kann;
die gerade noch so kleine Tochter beginnt mit Farbe auf Nägeln und im Gesicht zu experimentieren – huch, sie werden so schnell groß:)
*
zum Monatsende spüre ich erste Erschöpfung, die natürlich schwer willkommen zu heißen ist, aber wohl eine wichtige Botschaft mit sich bringt: merke ich doch, dass ich in dem eingeschlagenen langsameren Tempo, das mir angemessen ist und gut tut, einfach nicht alle Dinge bewältigen kann, die mein Alltag so vor mir ausbreitet;
schwierig mir dies einzugestehen, da ich es ja jahrelang dennoch bewerkstelligte – und doch sollte ich wohl ernstnehmen, was mir im erschöpften Grauschleier der letzten Monatstage entgegenkommt:
so wie in den letzten Jahren kann und will und werde ich nicht weiteragieren;
nur: das Gefüge meiner Alltagsdinge ist durch so viele Hebel, Stangen, Zahnräder und Riemen miteinander verknüpft, dass es eine sehr langfristige Aufgabe wird herauszufinden, an welchen Stellen zu schrauben sein wird, damit nicht alles auseinanderfällt und sich dennoch ändert, was mir im Moment die Luft nimmt

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15 Kommentare

  1. Die gordischen Knoten gibt es wohl nur in der Mythologie …oder?! Gut ist, dass Dein Blog auch ganz viele Blicke auf die lichten Tage und Wochen öffnet, wenn der Grauschleier überhand zu nehmen scheint. Als begabte Fotografin bist Du ja gewohnt, den Blick auf die schönste Perspektive zu lenken …

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  2. „Ich kann und will und werde nicht (wie in den letzten Jahren) weiteragieren.“ Das gefällt mir, wie bestimmt du das sagst. Bei allem Verändern, Abwegen, Verändern, scheint es dir gut zu gehen mit diesen Gedanken. Viel Glück.

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  3. Liebe Frau Rebis, die Kinder werden grösser, du bist älter geworden und das, was du noch vor ein, zwei Jahren mit links gemacht hast braucht jetzt vielleicht noch rechts dazu … Menschen sind eben nicht unendlich belastbar! Ich mag es sehr, wie ehrlich du zu dir hinschaust und schliesse mich jetzt einfach Gudrun an …
    herzliche Grüsse
    Ulli

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      1. Ich spüre bei dir diesen „Drang“, ich habe leider gerade kein anderes Wort, Bedürfniss ist mir zu schwach … und so, wie ich dich bisher gelesen und ein kleines bisschen kennenlernen durfte, glaube ich, dass du dir folgst, deinem inneren Ruf folgst – Weite und offene Räume sind auch schon länger meine Themen und wirklich, „es“ weitet und öffnet sich: Geister die ich rief (man muss halt aufpassen, welche man ruft ;) ) …
        Als Coach würde ich jetzt zu dir sagen: Sag den Satz doch mal so: Ich gehe nach dem ersten Schritt weiter in offenere Räume – und wie fühlt sich das dann an ;)
        herzlichste Abendgrüsse an dich

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  4. ((nö, ich hock noch hier. montagfrühst gehts los. danke für die wunderbar-wünsche, kann ich gebrauchen, denn die töchter waren heute schonmal höchst zänkisch :-( . dir auch eine gute zeit!))

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