Dresden – Bad Schandau (#3wegsam19)

Nach einer langen Lagerfeuernacht wird es morgens später. Gut, denn der Regen verzieht sich, während wir frühstücken. Der Himmel wird blau, obwohl die Wetterapp beharrlich auf Regen besteht. Wir sitzen noch lange, es eilt nicht mit dem Losfahren, die Strecke bis zum letzten Zeltplatz vor der Grenze ist nicht weit.

Gegen Mittag verabschiede ich mich von diesem herzlichen, gastfreundlichen Haus (danke nochmals Euch <3) und rolle Richtung Elbe hinab. Hinauf hätte ich diese Strecke ja nicht fahren mögen:)
Mir ist ein bisschen wehmütig, am blauen Wunder in Richtung Sächsische Schweiz abzubiegen, ohne „richtig“ in der Stadt gewesen zu sein, aber so ist das ja jeden Tag beim Unterwegssein: Viele Dinge rechts und links des Wegesrandes bleiben unbeachtet, anders geht es nicht. (Oder?)

Den Weg entlang der Elbe kenne ich gut, immer noch, obwohl wir ihn nur einmal vor zwei Jahren gefahren sind, in umgekehrter Richtung. An jede Ecke kann ich mich erinnern. An den Gegenwind, den ich heute auch wieder habe, vielleicht muss das hier so sein. Und auch an die Unmengen an Menschen, damals war auch Samstag. Ich fahre langsam, lasse mich auf keine Geschwindigkeitskämpfe ein (manohman, warum geht das nicht ohne?) und setze mich ab und zu an den Rand auf eine Wiese, um das Wasser anzuschauen. (Warum sich andere Menschen drei Meter neben mich quetschen, obwohl eine riesige Uferwiese frei ist, erschließt sich mir nicht. Naja, ich muss nicht alles verstehen.)

In Königsstein gibt es eine Soljanka – mir fällt auf, dass ich auf der gesamten Reise noch keine einzige gegessen habe, heute ist die letzte Chance dazu – und eine Fährüberfahrt auf die andere Flussseite. Den hiesigen Zeltplatz lasse ich gern links liegen (eigentlich ja rechts:)), so überfüllt wie er aussieht. Von dem zurückgezogenen weiter oben im Tal erhoffe ich mir mehr Raum und Ruhe.
Ersteres wird sich als Irrtum erweisen. Beim zweiten hatte ich Recht. Am Bergbach im Wald wirken auch die vielen Menschen nicht laut. Oder aber: der Bach dämpft alle störenden Geräusche.
Selbst die Straßenbahn – ja: hier im Tal, direkt an meinem Zelt vorbei, fährt eine echte alte Straßenbahn, mit echtem alten Quietschen – höre ich nach einer Weile nicht mehr.

Gutes Timing: In dem Moment als ich fertig gegessen habe, beginnt der Regen. Herrlich, sich ins fertige Zelt legen und lauschen zu können. Im Geräusch von Bach und Regen fühle ich mich abgeschieden von der Welt. Dass hier auch kein Internet funktioniert, ergänzt dieses Gefühl aufs Beste.
Die ganze Nacht trommelt es aufs Dach, ich bin gespannt, ob am Morgen der Rest der Welt weggeschwommen sein wird. Mein Zelt jedenfalls wankt nicht und schippert noch nicht den Bach hinab. Aber genau weiß ich das natürlich nicht …

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8 Kommentare

  1. Einst in Norwegen dichtete mein damaliger Partner: Müde bin ich geh zur Ruh, ratsche meinen Schlafsack zu, Regen plätschert auf das Zelt, gute Nacht, du schöne Welt…
    Und ja, ob mit dem Rad, Zufuss oder mit dem Auto, irgendwas bleibt immer am Wegrand liegen-
    herzliche Grüsse
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

  2. Ganz viele Dinge rechts und links des Weges, sogar die mitten auf dem Weg, blieben auch bei mir unbeachtet.

    Vielleicht geht es auch anders, wenn jemand etwas sucht (im Außen, etwas mehr oder weniger Gegenständliches) und zum Suchen einen Weg geht. Aber beim Unterwegs-Sein …

    Gefällt 1 Person

    1. Jipp, genau dort war es. Das Quietschen der Kindheitsstraßenbahn:)
      Straßenbahn in den Bergen kannte ich bisher nur vom Schwarzwald, in der Nähe von Karlsruhe. Es war ein für mich ungewohnter, toller Anblick.

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