Bautzen – Dresden (#3wegsam18)

Ein Auf-und-Ab-Tag, nicht nur von der Hügeligkeit der Landschaft her. Bautzen gibt sich nochmal Mühe mit schwieriger Wegfindung, oder ich stelle mich nur ungeschickt an: Alle Ausgänge aus der Stadt, die in meine Richtung führen, haben Treppen. Auf der Suche nach der einzigen (?) Rampe lerne ich die Altstadt gründlich kennen:)

Unten bleiben mir ein paar Kilometer an der Spree, bevor ich vom Heimatfluss Abschied nehme. Von da ab geht es sportlich durch die Hügelwelt. Und mir ist kraftlos zumute. Beides bedingt einander, vermutlich.
Schon vor zwei Jahren haben wir uns hier durchgearbeitet, Zockau-Brösang-Drauschkowitz, weiß ich noch, haben wir damals beschwörerisch vor uns hin gemurmelt. Diesmal durchächze ich die Orte in umgekehrter Reihenfolge. Es ist heiß, die Höhenmeter nehmen kein Ende, ich kann kaum noch. Ein Durchhängetag – wäre ich nicht am Abend in Dresden verabredet und würde mich darauf freuen, bliebe ich wohl hier irgendwo. Auf der Strecke bleiben, wie man so schön sagt, heute täte ich es.

So aber habe ich ein Ziel, werde erwartet und – sogar! – entgegenfahrend mit dem Rad empfangen. Hach, das baut mich auf, das beschleunigt meinen Tritt.
Wir versuchen unsere Streckenführungen so abzustimmen, dass wir einander nicht verfehlen, es gelingt. Mitten auf einer Kreuzung in Radeberg treffen wir uns tatsächlich: Nochmals hach. In diesem Moment ist es schon wie angekommen sein.

Die letzten Kilometer verlaufen durch die Dresdner Heide, an einem kleinen Stausee vorbei, und führen in ein warmes herzliches Haus mit gedecktem Tisch, mit Lagerfeuergesprächen und Wein bis weit in den Morgen, und nebenher mit Waschmaschine und WLAN, auch das. Eine wahre Reisendenoase für Leib und Seele, ich danke Euch sehr!

Übrigens, noch etwas Wunderbares hielt der Tag in seiner Mitte bereit. Komme ich doch – nicht ganz zufällig – durch die Partnergemeinde meines Schulorts und bin neugierig. Deren Bürgermeisterin hatte ich schon einige Male bei uns erlebt, und nun der Ort selbst. Nicht schlecht dort, ich staune. Und es gibt etliche kleine Läden. So verbringe ich meine Mittagspause hier, gehe zum Bäcker. Es riecht wie früher bei Omas Bäcker, sie sprechen fast wie in Görlitz, in der Lausitz halt, es gibt die gleichen Gebäcke wie früher, hach. In meiner Begeisterung kommen wir ins Gespräch, und ich erwähne, dass ich aus dem Partnerort bin, zufällig hier durchradle. Daraufhin Überschwang im Laden, von der Verkäuferin, von den Kundinnen, alle sind ganz aufgeregt;-) Das wollte ich ja nicht. Ebensowenig die Kuchen- und Keksgeschenke, die ich daraufhin bekomme. Die letzte Tüte trägt sie mir noch zum Fahrrad hinaus, als Wegzehrung. Es wird bis Prag reichen. Mindestens.
Beim Metzger und im Lebensmittelladen dann erwähne ich meinen Herkunftsort lieber nicht mehr. Ein Wurstpaket hätte nicht mehr aufs Rad gepasst:)

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10 Kommentare

  1. Es gibt so viel mehr freundliche Menschen, als wir oft denken, wenn ich deine Geschichte lese, aber ich dachte es auch schon oft, wenn Irgendlink von unterwegs schrieb und Soso und auch, wenn ich an die Zeiten denke, als ich trampender Weise durch Dänemark und Norwegen reiste.
    Geschmunzelt habe ich über das Wurstpaket…
    liebe Grüsse, ich wünsche dir heute einen trockenen Tag
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja, es gibt viele wunderbare Menschen. Wir brauchen nur hinzuschauen. Das ist unterwegs (bei mir) leichter als im Alltag. Aber ich kann versuchen es mitzunehmen.
      Danke für die trockene-Tag-Wünsche. Hat fast geklappt. Jedenfalls konnte ich mich unterstellen.

      Gefällt 1 Person

    1. Ich glaube (und hoffe), dass ich mich daran nie gewöhne. Das ist tatsächlich mit das Wunderbarste unterwegs. Es gibt so viele unglaubliche Menschen. Und stell Dir vor, wir könnten mit genau diesen Augen für das Wunder in einem jeden auch durch unseren Alltag gehen? Wir treffen ja doch unterwegs nicht grundsätzlich andere Menschen. Wir schauen nur anders hin.

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