Schleife – Bautzen (#3wegsam17)

Zwischen dem einen Minitwittertreffen und dem anderen erzähle ich schnell vom wundervoll ruhigen Tag gestern …

Der Campingplatz am kleinen See ist wie gemacht zum lange Verweilen, ich komme spät weg und begebe mich auf einen ruhigen Weg. Hier fährt kaum noch jemand den Spreeradweg, ich bin die meiste Zeit ganz allein auf Feldern, in Wäldern und Dörfern, an Seen. So gefällt mir das: es passiert einfach nichts. Oder ja doch: die Wiesen, allein die Wiesen. Da stören mich schon meine Radgeräusche, das Rollen der Reifen und der Wind in den Ohren sind zu laut, um das Ringsum zu hören. Ich halte oft an, um den Wiesen zuzuhören.
Später führt der Weg lange an einer Straße  entlang, dort sind ausreichend Autos, um mich dem Ringsum nicht mehr so zuwenden zu können, ich gehe ins Innere. Die Strecke vergeht, ich war ja trotzdem bei mir.

Erst als vor mir die Türme des Kraftwerks (Boxberg? Bärwalde?) auftauchen, schrecke ich aus meinem Gedankengeflecht auf. Was für eine Dimension, wie uneingefügt stehen sie da herum. Bald bin ich am See, am riesigen durch Flutung eines ehemaligen Tagebaus entstandenen See. Wieder: Was für eine Dimension! Es erschreckt mich. Andererseits fahre ich rings um den See durch renaturierten Wald, der ist noch klein, niedrig, in den Kinderschuhen, aber für mein botanisch ungeübtes Auge fühlt er sich nach richtigem Wald an. Vielleicht lässt sich Natur ja stückweise doch wieder zurückgeben?

Rings um den See ist es voll, ein Erholungsgebiet mit Strand und Parkplatz und Kiosk und Rollerblademenschen ist entstanden. Schnell weiter.
Uhyst, das Schloss sucht einen neuen Herrn, es steht unter Denkmalschutz, da liegt wahrscheinlich das Problem, man darf nicht einfach eine Tourismusmaschinerie daraus machen, sonst wäre es doch schon längst unter die Haube gekommen. So aber verwahrlost es vor sich hin, man liest seine jahrhundertelange Geschichte auf einer Schautafel, betrachtet das modernde Gebäude, schüttelt ungläubig den Kopf: bis 1991 hat es als Krankenhaus gedient, unglaublich, es wirkt wie 50 Jahre nicht betreten …
Ich brauche eine Pause nach all der Ruhe:), es gibt aber keine Bäckerei, nur ein Café, was sich als nicht das Schlechteste herausstellt. Genaugenommen ist es der leckerste Kuchen, den ich seit langem gegessen habe, kann man empfehlen, das Café in Uhyst.

Der Rest der Strecke nach Bautzen, wo ich verabredet bin – froi:) – scheint kurz. Aber nur auf der Karte. In Wirklichkeit verleiten mich die Dörfer zum ständigen Verfahren. Vielleicht bin ich auch einfach nicht aufmerksam mit den Schildern. Ich pendele so zwischen den verschiedenen Wegen, versuche wenigstens grob die Himmelsrichtung einzuhalten.
Lange bin ich von einem Bus genervt, von immer demselben, der im Abstand von 37,5 Zentimetern an mir vorbeifährt. Und zwar öfters. Weil er ständig rechts und links abbiegt, an jeder Gießkanne hält, und mich nach fünf Minuten wiederum überholt. Es strengt an. Aber dann, als andererseits ich ihn überhole, sehe ich Schulkinder aussteigen – stimmt, die Ferien sind hier vorbei – und dieser Anblick versöhnt mich, ich weiß gar nicht genau warum.
Kurz vor Bautzen wird der Spreeweg – übrigens habe ich den Fluss heute kaum gesehen – sehr schwer zu finden, da im Hinterland zwischen Teichen entlang laufend, und sehr besänftigend. Ich liebe ja Schotterradwege, kleine Beichte, sie beruhigen mich.

Zeltplatz, Zelt aufbauen, das Nötige in den Abendrucksack packen und weiter in die Stadt, wie gesagt, mein erstes Minitwittertreffen der Reise:) Der Spreeweg führt mitten in die Stadt, zuvor aber durch alpines Gelände, wer hätte das vermutet. Bis zu 12% Steigung auf und ab – das werde ich morgen mit Gepäck sicher nicht fahren. Haben die das extra aufgeschüttet? Man weiß es nicht. Heraus komme ich mitten in einer Plattenbausiedlung. Deren Bewohner sind offenbar von den vorbeiziehenden Radlern so genervt, dass sie die Richtungsschilder schwarz gesprayt haben. Nur weil noch hellerlichter Tag ist, fürchte ich mich nicht. Wobei, ehrlich, doch schon ein wenig. Nachts auf dem Rückweg und morgen werde ich über die dicke Straße fahren, besser als das hier.

Die Stadt erkenne ich mit Freude wieder, hier kamen wir mit dem Sohn vor zwei Jahren auf unserer Prag-Ostsee-Tour durch, ich erinnere mich gut. Nach einem Begrüßungsbier am Fluss unten, an einem Stein sitzend, landen wir dann auch nicht ganz zufällig im Bautzner Senfhaus, wo wir damals schon gegessen haben. Und später mit einer Flasche Wein auf dem Marktplatz, das darf man auch in unserem Alter:) Danke, es war sehr schön.
Und der Rückweg über die große Straße hat halb so viele Kilometer und keinerlei spürbare Höhenmeter. Um elf bin ich am Zeltplatz, das Tor ist wie versprochen zu öffnen – ich bin ja seit meiner Italientour gebranntes Kind, was das angeht – und das Zelt steht noch. Eine gute Nacht nach einem guten Tag.

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