Die Freuden des weißen Wahnsinns -1

Während ich dies schreibe, ist ja schon Zeugnistag, denn ich habe meine Tagesnotizen immer frühestens am nächsten Morgen begonnen. Abends war ich zu müde.
Wie lange sich ein Schuljahresende in 21 Alltagsbeschreibungen hinzieht, war mir vorher nicht bewusst. Es waren ja tatsächlich drei volle Wochen außerhalb der sonstigen Schulnormalität. Hätte ich all die Dinge nicht mal aufgeschrieben, hauptsächlich für mich selbst, wäre mir das nicht so bewusst geworden. Hier war der erste gebloggte Tag. Heute (da ich schreibe) ist es geschafft.

Der Vorzeugnistag hat schon von der Ferienahnung getrunken, jedenfalls für uns, da wir mit der Klasse einen simplen Ausflug ins Kino machen. Etwas, wovon Eltern gern sagen, die Lehrer hätten mal wieder keine Ideen. Vielleicht haben sie auch einfach keine Zeit, keine Kraft, und – ja – tatsächlich keine anderen Ideen mehr. Die Maschine im Kopf hat weitgehend aufgehört zu funktionieren …
Vor Wochen schon hatten wir von dem Filmfestival Mathematik-Informatik gehört, dessen Vormittage eigens für Schulklassen angeboten wurden, und – nach Befragung der Klasse – sofort für den vorletzten Tag gebucht. Eine Wahl hatten wir nicht, es gab „Steve Jobs“, über den Film wäre sicher noch zu sprechen gewesen. Wenn nicht das Schuljahr jetzt zu Ende wäre und wir mit der Klasse gar keine Zeit mehr hätten.
Am Bahnhof übrigens – unsere Schule liegt ja auf dem Land, wir haben überallhin eine komplizierte Anfahrt – ist vor dem Film noch Zeit, darum lungern wir auf dem Vorplatz herum, eine wirtlichere Ecke bietet dieser Teil der Stadt nicht. Zusammen mit mehreren ebenfalls ausflügelnden Klassen belagern unsere den Bahnhofskiosk.
Plötzlich ruft die Kioskfrau laut aus ihrem Fenster, die Lehrer sollten mal kommen. Nahajn, Ärger, ist der erste Gedanke der erfahrenen Lehrerin, brauche ich jetzt gar nicht.
Dann aber: Sie wolle uns was ausgeben – Essen, Trinken, was wir wollten. Weil wir den Job hier machen, was ja sicher nicht einfach wäre. Und weil schließlich unsere Schüler so viel hier gekauft hätten, wolle sie uns was schenken. Upps, das ist ja mal unerwartet! Ganz ehrlich: wir freuen uns. Mehr noch über die Worte als über den Kaffee, den ich dann nehme, obwohl ich gar keinen gewollt hatte. Aber das ist unwichtig, ein solches Angebot darf man nicht verprellen, solche Gesten gibt es nicht so häufig.)

Hach, wir sind mittags schon wieder zu Hause und haben es nun also fast geschafft. Der Nachmittag kommt beinahe auf Ferienflügeln daher. Unnötig zu erwähnen, dass ich mich – neben ein bisschen Schulaufräumen und Windows-Updaten – mit Urlaubsvorbereitungen beschäftige. Sorgfältig gestapelt liegt jetzt alles Zoix, was in die Packtaschen soll, auf dem Boden. Alles bis auf die Technikdinge. Also etwa die Hälfte:)
(Psst, ich darf verraten: Der Sohn und ich radeln mit zwei Spiegelreflexkameras, einer ActionCam, einem Netbook, zwei Smartphones, einer BluetoothTastatur, einem OutdoorNavi, einem Ebookreader. Und folglich 457 Ladegeräten, Akkus, Kabeln und Adaptern. Grob geschätzt.)

9 Kommentare

  1. Für den ganzen Technikkram braucht ihr einen extra Hänger, oder?
    Nach den ganzen Berichten hier gibt es kaum einen Menschen, dem ich seinen Urlaub mehr gönne als dir.

    Gute Reise, freundliche Autofahrer und viel Rückenwind

    Gefällt 1 Person

  2. Die Geste der Kioskfrau ist soooo grooooss! Da scheint Eine mal etwas kapiert zu haben. Wahrlich selten so was, umso grösser die Freude, nicht wahr?!
    Hach … geschafft. Nun bleibt mir nur doch dir und deinem Sohn eine wunderbare Radelzeit zu wünschen, ob du bloggen wirst oder einfach nur geniessen? Ich werde es sehen, obwohl … erst später, denn auch ich mache mich am Samstag auf die Socken und habe dann erst einmal Netzpause. Darauf freue ich mich.
    herzliche Grüsse
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke für die Reisewünsche!
      Ich werde bloggend genießen. Das tat ich bisher immer. Schreiben gehört für mich mittlerweile dazu, es fühlt sich richtig an, weil ich mein Unterwegssein auf die Weise ganz anders erlebe. Vertiefter irgendwie.

      Gefällt 1 Person

  3. Eine bemerkenswerte Geste – umso mehr als man es überhaupt schon als erwähnenswert ansieht, dass Lehrer Anerkennung für ihre Arbeit erfahren.
    Ich wünsche einen schönen und erholsamen Urlaub, und, wie wir hier sagen, „safe bicycling“,
    Pit

    Gefällt 1 Person

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