Die Freuden des weißen Wahnsinns -5

Der Freitag ist schnell erzählt. Ist er doch, wie oft in diesem Schuljahr, frei von Terminen, fast jedenfalls. Nur morgens gehe ich für zwei Stunden zu E. Es ist das letzte Mal, dass sie ihren Unterricht zu Hause bekommt. Ab September wird sie wieder in der Klasse sitzen. Wie unglaublich. Wie winzig die Hoffnung war, wie groß das Wunder ist.

Als wir mit der Mutter über ihren Ferienübungsplan sprechen, und über das, was ihr im nächsten Schuljahr noch fehlen wird, weiß ich schon, dass nicht mehr ich sie im nächsten Jahr unterrichten werde. Ich sage es aber nicht, darf es nicht sagen, solange die Planungen noch vorläufig sind.

Ja, heute lagen die Deputate in den Fächern, morgens kam die Schulleitermail. Weil ich es nicht bis zum Nachmittag aushalten wollte, raste ich vor meinem Tagesstart schnell in die Schule.
Und klar, ich hatte es befürchtet, dass meine unrealistischen Wünsche nicht wahr werden würden. Wieder werde ich die Klassen abgeben müssen, mit denen ich doch gerade erst warm geworden war. Ein Jahr ist immer sehr kurz, man muss ja erst einmal zusammenfinden. Im zweiten könnte man so richtig von einer gemeinsamen Basis aus starten. Das soll wieder nicht sein. Schade.
Doch, ja – weil die Frage aufkam – auch bei uns an der Schule gilt die Regel, immer zwei Jahre lang in der gleichen Klasse zu unterrichten. 5/6, 7/8 und 9/10. Nur in Ausnahmefällen wird das Prinzip durchbrochen.
Diese Ausnahmen trafen bloß in letzter Zeit häufig mich, aus verschiedenen Gründen. Weil N. ihr viertes Kind bekam und ich all ihre Physikklassen für das zweite Jahr übernahm. Weil die Referendarin eine 8. Klasse braucht, irgendjemand also seine 7. abgeben muss – ich. Weil in Physik ständig Lehrermangel und in Mathe Überfluss herrscht – und ich mir meine Stunden wider besseres Wissen trotzdem immer umgekehrt wünsche. Weil bei mir mit der Stundenberechnung des zweiten Dienstortes ständig etwas schief geht. Jetzt haben sie mir irrtümlich zwei Stunden zu viel angerechnet, darum habe ich zu wenig Unterrichtsstunden zugewiesen bekommen. Werde danach möglicherweise mit Unterstunden dastehen, was ich nicht will, aber im Moment nicht ändern kann. (Nun, so färbe ich wenigstens noch die Bugwellenstatistik des Landes schön;-))

Also gut, ich gebe meine 7er traurig ab, feiere am Montag heimlich Abschied mit ihnen (weil ich eben noch nichts sagen darf). Und versuche den Blick auf das zu richten, was mich an meinem Deputat freut. Ich bekomme wieder einen Matheoberstufenkurs (und sehe ein paar meiner Physikschüler also doch wieder:)), habe dabei zwei Wunschkolleginnen im parallel unterrichtenden Team. In einer 5. werde ich stellvertretende Klassenlehrerin, mit einer Traumkollegin zusammen. Weder die 5. noch die 11. werde ich wiederum nach einem Jahr abgeben müssen, das ist ziemlich sicher. In Physik habe ich sehr viel Parallelunterricht, was die Anzahl der aufzubauenden Experimente stark verringert. Die Schulleitung hat mir unerwartet zwei halbe Anrechnungsstunden zugeteilt, für Arbeit, welche ich ohnehin tue, die aber nicht unbedingt angerechnet, also entlohnt werden muss. Das freut mich. Fast noch mehr wert aber ist es, dass an meiner Schule jegliches Arbeiten, Tun und Mühen von der Schulleitung mit einem wertschätzenden Danke bedacht wird. Und weil – in Umkehrung einer Redensart – der Fisch eben auch vom Kopf her duftet, ist die Atmosphäre im Kollegium, im Schulalltag, in jeglicher Kommunikation einfach unübertroffen gut. Das kann ich nicht oft genug denken und sagen.

Nun also, das Vorfreuen aufs nächste Schuljahr kann beginnen:) Während ich den ganzen langen Freitag äußerlich mit Aufräumarbeiten des auslaufenden Jahres beschäftigt bin, wirbelt der Kopf los. Wann wo wie was bis September alles vorbereitet werden will. Tatsächlich starte ich parallel mit dem Aufräumen gleich das Neue. Das Formale geht nebenbei – Pläne, Listen, Ordner, Dateien im Computer anlegen, wo die alten gerade wegsortiert sind. Die Hefter bekommen eine neue Beschriftung (nein: ich mache es nicht wie Schulkinder, ich beschrifte nur innerlich, für mich;-)), und die ersten Septemberstunden wachsen im Kopf und als papiernes Konzept. Die erste Schulwoche kann kommen;-)
(Ja, ich bin schnell. Will ja die gesamten Ferien wegfahren. Daher muss das so.)

Ein guter Freitag.
Genau in einer Woche ist der Radelstart geplant.

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