Die Freuden des weißen Wahnsinns -11

Die Weckzeit der letzten Tage schwingt in mir nach, so sehr, dass ich auch am Samstag gegen 5 Uhr wach bin. Nicht schlimm ist das, gut eher. So kann ich sitzen und schreiben und lesen und alleinsein, all das, bevor der Tag mit seinen Forderungen mich flutet. Mit der Planungsrunde für die drei Kids, die insgesamt 9 Termine koordinieren müssen, nur an zwei verschiedenen Orten wenigstens, wir besprechen S-Bahn- und Autofahrzeiten. Mit der spontan noch eingeschobenen Wäsche, weil man die Jungs unmöglich mit ihren Konzerthemden von gestern heute wieder auf die Bühne lassen kann, so mit 14 im Sommer auf schweißtreibender Bühne in Kunstfaserhemden, Sie verstehen. Mit der Essensplanung, bei nem Fremdkind im Haus kann man ja schlecht sagen, nimm Dir ne Stulle. (Wobei, warum eigentlich nicht?)

Jedenfalls bleiben im Laufe des Vormittags nur noch zwei Stündchen für den Schreibtisch. Es reicht, um die eingesammelten Physik-Hausaufgaben durchzusehen, die Montagsstunden zu planen (vielleicht kann ich die Experimente schon nachher in der Schule aufbauen, nebenbei?), die letzten Notenentscheidungen zu treffen und mit der Liste der Zeugnisbemerkungen zu beginnen.

Am frühen Nachmittag müssen die Tochter und ich auch schon in der Schule sein. Ein riesiges Schulfest fordert riesigen Aufwand. Die Klassen sind sichtbar am Sich-Mühe-geben, und trotzdem sieht es um 15.45 noch so aus, als ob das Fest frühestens morgen veranstaltet würde.
Unsere beiden Gruppen haben eine Verlängerungsschnur vergessen und bekommen den Beamer nicht auf das richtige Format eingestellt. Die Torwand wird erst noch zusammengeschraubt, an Wechselgeld hat niemand gedacht, das Wassereis im Physikraumkühlschrank ist nur zur Hälfte gefroren. Als wir die fahrbare Einheit aus dem Computerraum holen wollen, haben die 6er mit ihren Aufbauten die Tür versperrt, es braucht ein paar Diskussionen mit den 12jährigen, bis sie diese für uns wieder freiräumen. Tische für unsere Installationen müssen wir aus dem zweiten Stock holen, der Fahrstuhl aber ist … klar, alle transportieren gerade alles auf den Schulhof.
Die ersten Eltern streichen zwischen den sich im Aufbau befindlichen Ständen herum, einige legen schnell mit Hand an, wo es besonders zeitknapp ist. Perfektion ist überbewertet, es lebe die Improvisation.
Und tatsächlich sieht es kurz nach vier so aus, wie es auf einem Schulfest eben auszusehen hat. Bunt, lebendig, selbstgestaltet und für jeden etwas dabei. Gar nicht so schlecht, denken wir im Laufe der nächsten Stunden. Richtig gut sogar, sagen die Besucher. Hach, das freut uns.
Die von einer Klasse nachgestellten alten Fotos sind großartig (habe den Fachbegriff für diese Art der Fotoreproduktion vergessen), die Bilder der 5er-Jungs und die Inbrunst, mit der sie diese erklären, auch. Tochters Klasse hat Spiele zusammengestellt und rührende Anleitungen geschrieben, die sich zu lesen lohnt, selbst wenn man das Spiel längst kennt. Die eigenen Matheschülerinnen beim engagierten Smoothie-Bereiten zu beobachten, hat was. (Und ich bekomme den letzten mit der Gurke und nächste Woche noch ein Rezeptbuch, selbstgeschrieben.) Das altrömische Essen der Sohnesklasse ist leider viel zu schnell ausverkauft, ebenso wie die selbstgefertigten Schilde und Schwerter. In den Quizrunden verliere ich erst gegen den Chemiekollegen, dann gegen die Tochter, die sich mit ihrer Religionslehrerin zusammengetan hat. Eine selbstgemachte Postkarte als Preis darf ich trotzdem auswählen, immerhin hab ich ja auch mal ne Antwort gewusst. Der Schulleiter steht mit seinen 13jährigen Schülern am Grill und wendet das Fleisch für die [NamedesDorfes]-Burger, die Tochter reiht sich geduldig in die lange Schlange ein, um einen solchen zu ergattern. An der Torwand sagt das Kind: lass lieber mich; und Recht hat sie, immerhin trifft sie einmal:) Milchshakes,  Einkaufswagenrennen und Papierschöpfen schaffen wir nicht mehr. Ein schönes Fest.

Kurz vor 8 ist alles wieder weg- und aufgeräumt, so schnell. Die Kinder spielen noch mit dem Schulorchester in der großen Veranstaltungshalle, ich komme zu spät und darf dafür in diesem Moment die Lehrerinnenrolle ablegen und den Rest des Abends als Mutter bzw. einfach als ich erleben. Gegen Mitternacht sind wir müde zu Hause. In 11 Tagen sind Ferien, ist mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen.

 

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