Herbstgereist: Nördlingen – Gaildorf

Na bitte, es ging doch. Es fühlte sich noch nicht mal sooo seltsam an mit den Herbstfotos in der Frühlingszeit. Genaugenommen katapultiert es mich weniger aus der Gegenwart heraus als mir das etwa beim Korrigieren geschieht, oder bei manchen Arbeiten, mit denen meine Tage gefüllt sind. Hier, bei diesen Reisebildern, bin ich mehr denn je in meiner eigenen Erinnerung, bei mir selbst unterwegs. Diese Fotos schenken mir Luftholmomente, unabhängig von der Blattfärbung.

Mache ich mal gleich weiter, mit dem nächsten Reisetag, von dem ich hier erzählt habe.

 

Noerdlingen Gaildorf (1)

Weil ich Nördlingen abends erst im Fastdunkel erreicht hatte, bin ich nun umso erstaunter, was sich mir im mystischen Morgenlicht zeigt. Man kann zu frühester Stunde – bin ich doch als erste aus der Herberge aufgebrochen – durch fast menschenleere Gassen schlendern.

Noerdlingen Gaildorf (2)

Nur bauzaun-, baustellen- oder lieferwagenfreie Fotos, die sind nicht zu haben. Irgendwas scheint immer zu reparieren zu sein.

Noerdlingen Gaildorf (3)

Außer wenn man den Blick nach oben richtet: dort ist Bauruhe.

Noerdlingen Gaildorf (4)

Abfahrt. Immer noch morgenstimmig.
Diese tafelartigen Berge, hier noch in der Ferne, werden mich die erste Tageshälfte hindurch begleiten. Und mein Versuch, sie zu umfahren. Bin ich doch ein Bergauf-Muffel.

Noerdlingen Gaildorf (5)

Entweder aber bin ich in der Morgenfaszination gefangen und damit unaufmerksam, oder den von mir geplanten (flachen) Weg gibt es tatsächlich nicht, jedenfalls schraube ich mich schon bald hinauf …

Noerdlingen Gaildorf (6)

… für solche Blicke, immerhin …

Noerdlingen Gaildorf (7)

… um drüben wieder hinunterzurollen.
„Drüben“ heißt leider immer noch diesseits der Wasserscheide, die ich heute queren sollte. Dass ich ein paar Höhenmeter vor mir habe, ist nicht zu vermeiden.

Noerdlingen Gaildorf (8)

So heißen die Wege unterhalb der Wasserscheide, zu Beginn einer langen stetigen Bergauffahrt …

Noerdlingen Gaildorf (9)

… bis zu einer letztlich unspektakulären Anhöhe. Die Europäische Wasserscheide also. Nicht wie an der Autobahn von Schildern kommentiert, sondern einfach als flacher Hügel in der Landschaft liegend.

Noerdlingen Gaildorf (10)

Es ist warm genug für eine Schreibpause mitten im kahlen Herbstwald, …

Noerdlingen Gaildorf (11)

… so sieht das dann aus in meinem mobilen Büro.

Noerdlingen Gaildorf (12)

Mit diesem Bild oute ich mich – mal wieder – als geographische Analphabetin. Steht ein Schloss am Wegesrand, und ich habe keine Ahnung welches. Ja, es interessiert mich meist nichtmal, wie es heißt und wo und wer und was man noch alles dazu wissen könnte. Falls ich also einen Namen auf einem Schild oder der Karte gelesen habe: vergessen. Ich atme einfach den Blick ein.

Noerdlingen Gaildorf (13)

Und diesen, diesen auch. Wasser ist ja immer gut. Ein Stausee an der noch  jungen Jagst. Nun bin ich an vertrauten Flüssen, welche ich weiter flussabwärts schon per Kanu befahren habe.

Noerdlingen Gaildorf (14)

Zunächst nochmals vom Fluss weg, hinüber zum Kocher, habe ich entschieden, der Weg nach Hause ist dort entlang kürzer. (Und der Schulbeginn leider so nahe.) Der Himmel ist inzwischen im feinsten Blauer-geht-es-kaum-Zustand angekommen.

Noerdlingen Gaildorf (15)

Dieser Stein offenbart mir noch mehr geographisches Nichtwissen: Welche Seite war römisch, welche germanisch? Und wie kommt der Limes von hier an den Rhein, wo er doch viel weiter nördlich verläuft?

Noerdlingen Gaildorf (16)

Wieder unten, am noch winzigkleinen Kocher …

Noerdlingen Gaildorf (17)

… gibt es Auflösung wenigstens der ersten Frage. Ist ja irgendwie logisch, ich fahre nach Norden, also …

Noerdlingen Gaildorf (18)

… geht es nach Germanien hinein.

Noerdlingen Gaildorf (19)

Dort laufen übrigens Vögel Sträuße herum, einfach so am Radwegesrand. das begegnet einem ja selten.

Noerdlingen Gaildorf (20)

Der Rest des Weges ist Erholflussradweg vom Feinsten. Hätte ich ihn an allen Ecken fotografisch festgehalten, hätte es über 30 km im Prinzip so ausgesehen. Ich fliege entlang. Gut das.

Noerdlingen Gaildorf (21)

Und ich schaffe es, bei Einbruch der Dämmerung ein Zimmerchen zu finden. Leicht unwirtlich von außen, aber Lesebett und Kneipe bieten alles, was ich zum Abend brauche.

 

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