WmDedgT 04/2016

Frau Brüllen fragt immer am 5. eines Monats: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Ich habe schon ein paarmal angesetzt. Immer aber gegen Mittag aufgegeben, meinen Tag mitzuschreiben. Heute will ich durchhalten:)

5.27 Der Wecker klingelt, ich bleibe noch gute 20 Minuten liegen, bevor ich aufstehe, immer wieder in die Traumwelt zurückdriftend. Dann Kaffee machen, Sohn wecken,  Brotdosen der Kinder vorbereiten und – ha: Morgenruhegenuss! – ein bisschen lesen.

6.40 wecke ich die Tochter, sie murrt, weil es 5 Minuten zu spät ist. Der Sohn lässt sich vom Gemurre inspirieren, lernt aber nebenher noch Vokabeln. Die Tochter rennt beim Anziehen wild durchs Zimmer und weint plötzlich, ich weiß nicht warum. Drücke sie ganz lange und sage zum Abschied „Hoffentlich drückt dich in der Schule auch jemand.“ Sie rollt mit den Augen und lacht. Der Sohn schaut plötzlich auf die Uhr, bemerkt dass er noch nicht angezogen ist und hetzt los. Für die Mittagsabsprachen hatte er kein Ohr mehr, Mist.

7.25 ist Ruhe im Haus, Zeit für einen zweiten Kaffee, ich muss heute vormittag ausnahmsweise nicht weg. Und weil ich abends immer zu müde bin, nehme ich jetzt meinen Feierabend gleich mal zum Morgen. Setze mich also ruhig hin und schreibe, den gestrigen Blogpost nämlich. Ich bin eine langsame Schreiberin, so mit Anfangshemmung und Perfektion, es zieht sich. Als ich fertig bin, ist es fast 10. Schnell bisschen Wäsche, duschen, Küche aufräumen, frühstücken, Feierabend vorbei.

10.30 beginne ich endlich mit Schulsachen, innerlich war ich nun doch schon unruhig geworden. Rufe wie letzte Woche in einigen Berliner Museen an, immer noch Studienfahrtorganisation. Für 109 Leute zu planen ist etwas komplexer als für ne Familie:) Zwischendurch Rückfragen bei den Kollegen, wegen Planungsdetails – huch, warum gehen die alle gleich an die Mailbox? Hocken mit Smartphone im Unterricht? Haben ebenfalls keinen wie ich? Wer passt dann gerade auf die Schüler auf? Ok, ich drifte ab, weiter mit den langweiligen Orgadingen. Fast haben wir alle Programmpunkte in trockenen Tüchern. Noch bisschen Führungsschwerpunkt ändern, Uhrzeitverschiebung anfragen. Dann Teilnehmerliste formatieren, mit Kreuzchen versehen. Abendliche Schifffahrt buchen … Orrr, das sind so wenig erquickliche Schreibtischdinge, ich langweile mich dabei.

12.30 ist es schon, als ich für heute fertig damit bin. Noch schnell Unterrichtsvorbereitung für morgen. Geht fix, weil die Referendarin eine meiner Doppelstunden hält und ich in der Parallelklasse im Anschluss einfach alles nachmachen werde, hihi:)) Vorbereitungsdateien mit Tablet synchronisieren, Hausaufgabennoten eintragen, wegen der Klassenarbeitsterminverschiebung im Intra- und Internetz herumsuchen. Schultasche packen.

13.15 kommt die Tochter aus der Schule. Ihre Tränen sind weg, sie tanzt strahlend herein. Und will draußen essen. Bitteschön. Auch wenn ich dabei fast erfriere.

14.00 Küche aufräumen, Wäsche legen, telefonisch Arzttermin holen, Tochter beim Celloüben zuhören und beim Hausaufgabenmachen moralisch unterstützen (es genügen Anfeuerungsrufe – na wenn sie weiter nichts wünscht). Und mich siedendheiß erinnern, dass der Sohn noch wissen muss, in welchem Raum er heute Klavierunterricht hat. Erste Stunde beim neuen Lehrer, und erstmals fährt er mit Bahn und Rad in die Stadt – ich würde jetzt gern noch einiges mit ihm absprechen. Doch er kommt und kommt nicht.

15.40 – endlich, viel später als sonst. Wir sitzen schon ganz zappelig im Auto, die Tochter wird zu spät zum Streichquartett kommen. Kurzer Versuch, dem Sohn zu vermitteln, wie er vom Bahnhof in die Musikschule kommt … entweder stelle ich mich an oder er. Oder beide. Jedenfalls schreien wir uns nach wenigen Sätzen loriotesk an – dieser „Was machst du da – ich sitze hier„- Dialog blitzt in mir auf. Wir sind sicher ein gefundenes Fressen für lauschende Nachbarn.

15.48 schnell weg, uiuiui, viel zu spät. Die Stadt ist voller Staus und voller irregewordener Autofahrer. Einer versucht mich rechts zu überholen, während ich rechts (!) abbiege, ein anderer steht auf freier Strecke und spricht mit einem Baum, das Reißverschlusseinfädeln hakt, und die Tochter und ich lachen viel.

16.20 Tochter an Musikschule herausgeworfen und Parkplatzsuche erfolgreich abgeschlossen. Doch noch eine telefonische Instruktion des Sohnes über seinen Fahrtweg, der sitzt noch zu Hause, obwohl in 8 Minuten sein Zug fährt. Eher als 30 Sekunden vor Zugankunft darf man in dem Alter wohl nicht am Bahnhof erscheinen. Zum Glück muss ich nicht dabeisein. (Und hej, ich war auch so. Wie oft ich in meiner Jugend im Dauerlauf zur S-Bahn-Station gerannt bin …) Für mich beginnt eine ruhige Stunde: im Café, sitzen, lesen, schreiben.

17.20 kommt die Tochter von der Probe, isst ein Eis, überzeugt mich auf der Rückfahrt unbedingt im Halteverbot vor der Apotheke stehenzubleiben, weil ihr das Medizini dieses Monats noch fehlt, und dann schleichen wir nach Hause. Die Staus haben sich nicht aufgelöst, was ist nur los? Wir haben viel Zeit zu erzählen, auch von ihren Freunden und Freundinnen bekomme ich so manches mitgeteilt. Nur wenn ich Zwischenfragen stelle, erklärt sie mir, dass diese peinlich sind:)

18.30 endlich zu Hause. Der Sohn kommt noch lange nicht, also wage ich einen Blick in die Schulmailbox. Klar, irgendwas ist immer, irgendwas Dringendes. So auch heute. (Oder muss ich nur lernen, all das als nicht mehr dringend zu definieren?)

19.00 schaue ich mal nach oben, ob das Ranzenpacken der Tochter Fortschritte macht. Es zieht sich. Ich verspreche ihr, dass sie Abendessen und Salat machen darf, wenn sie sich mit dem Ranzen beeilt. Das wirkt:) Während sie also in der Küche werkelt, darf ich nicht mehr als Tischdecken, „muss“ also Klavier üben. (Denn Weggehen ist auch nicht erlaubt. Alle 40 Sekunden muss sie eine Frage stellen können.)

19.30 steht ein fertiges Essen mit Salat auf dem Tisch, wow. Nur der Sohn fehlt. Hat wahrscheinlich erst die nächste S-Bahn bekommen. Die Tochter verdrängt mich vom Klavier, sie wolle da jetzt üben. Ich räume nebenher die immer noch verstreuten Osterdekoeier zusammen (Wieviele Jahre muss man Kindergartenbasteleien eigentlich aufbewahren?) und sortiere aus den Garderobenunordnungsbergen Winterjacken und -schuhe aus. (Notiz an mich: Kinderschuhkauf auf die To-do-Liste schreiben.)

20.10 kommt der Sohn, wir essen endlich und sprechen natürlich – unter anderem – über seinen neuen Klavierlehrer, heute war seine erste Stunde bei ihm. Es scheint ganz gut gegangen zu sein. Und führt zu neuen Notenkäufen. Natürlich, To-do-Listen sind nicht dazu da, dass sie leerer werden:(

21.00 Weil es so spät ist, jage ich die Kinder nach dem Essen schnell hoch in ihre Zimmer. Küche aufräumen, Frühstücksdinge vorbereiten, uff, jetzt reicht es mir aber auch. Gute Nacht sagen gehen, und ab an den Schreibtisch.

21. 30 erwartet mich dort ein dicker Dokumentenstapel zum Aufräumen – Dinge, die immer liegen bleiben, weil die wache Tageszeit dafür zu schade ist. Für meinen anderen Dienstort mache ich endlich die Reisekostenabrechnung fertig, sortiere ein wenig in meinen Konzeptzetteln für die nächsten Wochen herum, und zack ist es nach 11.

23.30 ist es sogar schon. Ich hole mir ein Bier, entscheide mich, diesen Text doch noch heute fertig zu schreiben – denn morgen ist wieder ein voller Tag – und sitze also bis jetzt daran.

0.45 ist er fertig, der Text, ich bin müde von Arbeit, Uhrzeit und Bier und lasse mich ohne über Los zu gehen ins Bett fallen. Meine Schlafensgeh-Deadline von Mitternacht habe ich ja nur knapp um drei akademische Viertel überschritten:)

 

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10 Kommentare

    1. Ja, ich brauche sehr wenig Schlaf, schon immer, seit ich 15 bin. Etwa 4-5 Stunden früher, jetzt 5-6 Stunden. Also wäre Mitternachht eine sinnvolle Schlafenszeit. Aber wenn das nicht klappt, merke ich das am nächsten und übernächsten Tag noch nicht. Es reicht am Wochenende nachzuschlafen:)
      Nein, ich hab diesmal kein Abi, nichtmal Zweitkorrektur, und selbst keine Drittkorrektur. Ich fühle mich fast ein wenig wie nichtdazugehörend:)
      (Es ist mein erstes Berufsjahr ganz ohne Abi. Merke ich gerade.)

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    1. SO viel erscheint mir das gar nicht. Immerhin habe ich etwa 5 Stunden für mich gehabt: Schreiben, Lesen, Klavier. Und nur bisschen für die Schule gearbeitet. Ich glaube, dass das der Alltag der meisten Eltern ist. Man wächst hinein, im Laufe der Jahre. Irgendwann kennt man es gar nicht mehr anders. Als die Kinder neulich mal beide für drei Tage nicht da waren, fühlte es sich an wie Ferien. Trotz voller Schultage.

      Gerade erinnere ich mich: Ich hab ja doch schonmal einen Tag aufgeschrieben, damals war das ein extrem voller Schultag. Hier, gefunden: https://fraurebis.wordpress.com/2015/02/07/ein-freitag/
      Wenn ich das jetzt lese, verstehe ich, warum ich den gestrigen Tag so erholsam fand:)
      (Und auch das liest sich vermutlich, als ob unser Lehrerdasein nicht überlebbar wäre. Aber auch in diese extrem schnelle Multitasking-Taktung wächst man hinein. Ich bin nach meinen Schultagen viel weniger erschöpft als in den ersten Berufsjahren. Trotz einiger Lebensjahre mehr.)

      Gefällt 1 Person

  1. Du liebe Zeit! Wann schläfst du denn? Ich bin voller Mitgefühl, auch wenn ich einigen Spaß zwischen den Zeilen lese. Aber du weißt schon, dass zu wenig Schlaf missmutige Runzeln macht? ;-)

    Liebe Grüße
    Frau Weh

    P.S. E-Mail steht in den Startlöchern!

    Gefällt 1 Person

    1. Och nee, ich brauche tatsächlich wenig Schlaf, das geht so. Na gut, eine Stunde eher gegen Mitternacht wäre gut und normal, aber ich hab halt so viel schreiben wollen gestern …
      (Die Runzeln kommen ja eh. Erklär mir nicht, dass ich die für immer verhindern könnte – nee nee, ich bin ja schon in dem Alter, wo man zu seinen Runzeln stehen darf:))
      Lieben Gruß an Dich!

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