Ferienanfangswegs

Er beginnt ja schon immer am Vorabend, oder noch früher, mit den ersten Losfahrgedanken und Packschritten. Schon da drängt sich der Ferienweg, lang vor seinen ersten Metern, in die noch dröhnende Alltagsstraße hinein. Zögernd ist er nicht, nein, sonst hätte er wohl keine Chance. Er muss sich sein Recht nehmen, muss sich dazwischenzwängen, um überhaupt von mir wahrgenommen zu werden.

Und irgendwann beginnt er wirklich. Weniger in Form von gepackten Taschen, gebuchten Tickets und gefassten Plänen, wobei: doch, ja, die braucht es auch. Meist jedenfalls. Wenn ich so wie jetzt in Kurzferien zackzack innerhalb weniger Tage auf ihn hinauf und wieder von ihm zurückfinden will, dann hilft ein „echtes“ Ferienunterwegssein ungemein. Eigentlich aber muss ich den Ferienweg ja im Innern betreten. Immer schon ist er dort ausgebreitet, möglicherweise die ganze Zeit über, ohne dass ich ihn wahrnehme. Heute jedenfalls, heute ist er da. Beziehungsweise ich bin da, auf ihm.

Morgens meinen Rucksack aufsetzen, ihn zum Bahnhof tragen, schon vollkommen im Feriengefühl, obwohl ich zwischendurch noch zu meiner Arbeitsstelle in die Stadt fahren muss. Am Bahnhof das Gepäck ins Schließfach legen, zur Straßenbahn schlendern, unter sonnigem Himmel den letzten Kilometer zu Fuß gehen, voll hellster Laune die alten Gemäuer betreten. Auf dem Weg, dem unbekannten – ich fahre ja sonst nie mit der Bahn – einen alten Friedhof queren. Den kannte ich gar nicht, dabei ist er so nah in seiner wohltuenden Friedlichkeit. Bei der Arbeit heute viel lachen, heiter sein, alles irgendwie im Fliegen erledigen und bald schon fertig werden. Schöne Ferien wünschen und – immer noch durch die Frühlingssonne – zur Straßenbahn zurückgehen. Die Menschen viel heller wahrnehmen als sonst. Und den Blauhimmel mit den leuchtenden Blüten unter ihm ja sowieso. Am Bahnhof große Ruhe spüren, trotz des gehetzten Trubels, der dröhnenden Lautsprecherstimmen, der grau-tristen Betonatmosphäre. Es ist eben doch ein Ort, der ans Ziel führt und allein schon dadurch gut tut. Die vertraute wärmende Stimme im Ohr hören, noch aus der Ferne, und  selbst der Zugverspätung gelassen entgegensehen. Im Zug zunächst – wie immer – nicht wissen, ob ich zunächst lesen, schreiben oder schlummern will. Wie immer dann beim Hinausschauen landen, auf die vorbeifliegenden Welten. Und beim Lauschen, auf das Summen des Wagens und die Geräusche der Welt. Und beim Spüren, nach meinem allmählich sich beruhigenden Körper, nach meinem klopfend-vorfreudigen Herz, nach all den Erinnerungen an das Damals, das sich hier an der Strecke fein aufgereiht hat.

Und dann bin ich da.

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