12 von 12 im Dezember

So. Jetzt probiere ich auch mal dieses 12 von 12 aus. Am 12. eines Monats 12 Bilder von seinem Tag zeigen, ein wenig dazu erzählen (oder bei mir: ein bisschen mehr). Bevor der Blog hier ganz verwaist. Es ist Samstag, da kann ich mich nicht mit Schule herausreden. Mit Überfülle vielleicht, doch diese braucht heute ohnehin ein Ventil. Also …

Um halb sieben kommt die Tochter mit einem Buch für sich und einem Kaffee für mich in mein Bett gekrochen: ¨Komm, wir lesen¨. Wie soll ich da nein sagen? Auch wenn mich dieses völlig unadventliche Buch auf jeder Seite grausen lässt – wir haben zwei kuschelige Stunden.

Dann ist sie mit ihrem Buch durch, und ich bin gerade auf Seite 23. Vermutlich habe ich die Hälfte der Lesezeit verschlafen.

Ich döse noch ein bisschen. Wie immer ist plötzlich der Orchestertermin in bedrohliche Nähe gerückt, und wie immer konnte das Kind sein Cello natürlich nichts abends schon einpacken. Ohne Aufbruchshektik wäre kein richtiger Samstagmorgen.

Als sie weg ist, kann ich in Ruhe frühstücken. Allein:)

(Mensch, bei diesen Alltagsbildern kommt ja so manches ans Licht. Hier zum Beispiel, dass bei uns kein sortiert sortenreines Geschirr im Schrank und auf dem Tisch zu stehen pflegt. – Ich winke hier mal in bestimmte Richtungen, von denen ich weiß, dass dort auch nicht alle Tassen im Schrank gleichartige sind:))

Für den Sohn wird es nun auch Zeit, aus dem Bett zu finden. Er muss erst eine Stunde später beim Orchester sein und hat das Pech, allein mit der S-Bahn fahren zu sollen. Rabenmutter ich. Aber das Kind ist so findig wie lauffaul, greift zum Telefonbuch (-buch!) und telefoniert das halbe Dorf durch, bis er Orchestermitspielereltern gefunden hat, die ihn mit dem Auto mitnehmen. (In der Zeit wäre er dreimal zur S-Bahn gelaufen:))

Weil ich weder das Telefonbuch noch seinen Galopp zur Mitfahrerfamilie fotografieren darf, schweife ich mit Blick und Kameraauge kurz durch den Garten. Was mich jedes Jahr aufs Neue verblüfft: Der Maulbeerbaum hat noch letzte Blätter. Nicht zu glauben.

Während darunter auf der Terrasse schon unser kleiner Weihnachtsbaum liegt, im Wald neben dem Dörfchen selbst geschlagen.

Ha. Durchatmen, Ruhe im Haus.
Küche aufräumen (ohne Bilder, das ist wohl besser so:)) und Wäsche.

Zum Sitzen-Träumen-Dösen will es nicht mehr kommen, ich muss die Kinder von der Probe abholen. Wir sind bei Freunden zu Kartoffelsuppe und Dampfnudeln eingeladen.

Lange hatten wir uns nicht gesehen, unser Gespräch beginnt als schnelles Erzählpingpong – Eure und unsre Reisen?, was macht die Schule?, wie ging denn die Geschichte damals weiter? – und führt bald mitten hinein. Dass ringsum gerade so viel Tragisches geschieht, dass Menschen, Kinder!, auf ihr Lebensende zugehen, in ihrer Straße, in unserer Straße, in unseren Familien, in unserer Schule. So viel, so unfassbar, so grausam. Wie eine Welle.
Und durchs Treppenhaus toben unsere 5 Kinder, die gesunden. Aber das hatte die Familie am Ende unserer Straße bis letzte Woche auch gedacht.
Mal wieder mit der Nase darauf gestoßen, setze ich meine Schritte für den Rest des Tages sehr verlangsamt.

Fast surreal der Anruf einer Freundin, welche für ihre Tochter telefonische Matheseelsorge sucht. Was mich sonst sehr erbost – dieses „wir haben da folgende Hausaufgabe“: wir! – das lässt mich heute nur lächeln. Ich breite bereitwillig auf dem Sofa aus, was ich für die Mathefragen brauche. Es ist schnell erklärt.

Wie dankbar wir sein können, über Schulprobleme sprechen zu dürfen. Ein arg- und sorgloses Kinderleben hier bei uns.

Wie jeden Tag in diesen Wochen kommen meine Kinder irgendwann an, um die Mathe-im-Advent-Aufgaben zu lösen. Manchmal finden sie die Antwort auf den ersten Blick.

Heute brauchen beide einen Ausdruck und die Tochter etwa 30 Schmierzettel, um in diversen Hilfstabellen herauszufinden, ob der Wichtel das Schlittschuhrennen hat gewinnen können. Ich glaube, die Antwort heißt ja. Aber das darf ich hier so öffentlich gar nicht verraten:)

Ich selbst hatte für heute noch Schreibtischaktivitäten auf dem Plan. Der vollgepfropfte Januar nähert sich, ich wollte vieles schon vorgearbeitet haben. Vor dem Vorarbeiten jedoch steht Nacharbeiten an: die tausend Papierstapel des vergangenen Schuljahres sind noch immer nicht aufgeräumt. Sie liegen seit einem halben Jahr unterm Schreibtisch und harren der Zeitfenster, die ich für sie übrig habe.
Heute investiere ich immerhin so viel, dass am Ende großzügig ausgemistet und vorsortiert ist. Morgen (hoffentlich) sollten dann diese winzigkleinen Stapelchen von links in die dicken Ordner von rechts wandern. Soweit meine Sonntagspläne.

(Der dicke Umschlag rechts oben liegt übrigens hier völlig falsch. Der ist weder alt noch wegzusortieren. Das sind die Reiseunterlagen für unsere 4-Klassen-Berlinreise im Juli, frisch per Post eingetroffen. Vorfreudeerzeugend.)

Als sie eigentlich schlafen soll, bekommt die Tochter plötzlich Lust auf Weiterpuzzeln. Nein, es ist Bettgehvermeidungstaktik, vermutlich. Egal, sie liebt unsere gemeinsamen Puzzlesessions, und ich liebe sie. (Also die Sessions. Die Tochter ja sowieso.)

Und als sie dann doch irgendwann im Bett liegt, ist auch mir danach. Der Tag war voll. Das Altmann-Buch brauche ich heute nicht noch einmal. Ein anderes will mich nicht mehr erreichen. Ich sitze einfach nur noch mit meinen Kerzen da.

Genug Menschen, die sie brauchen, gibt es ringsum ja.

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9 Kommentare

  1. Danke für diesen reichen Blick und für den Wink in meinen Geschirrschrank. Die bunten Bewohner, welche nicht grad in den diversen Zimmern auf ihren Abtransport in die Küche warten, haben stolz gescheppert.
    Liebe Grüsse, Gabriela

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  2. (Neuer Versuch, mit dem Tablet zu kommentieren.)
    Ich bin auch sehr berührt … und staune, wie viele soziale Kontakte und Zu-Tun-Dinge ein einzelner Mensch so haben kann (bei anderen sieht es zuweilen nach unerträglich viel aus und du bist meine Heldin).
    Danke dir fürs Teilen.
    Herzlich, SoSo

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  3. Danke, dass ihr euch mitberühren lasst.

    Und ja, genau diese Geschirrschrankeigenschaft, die haben irgendwie so viele der mir liebsten Menschen. Das kann kein Zufall sein:)

    (PS: Aber eine Heldin bin ich ganz gewiss nicht. Höchstens, wenn wir alle welche sind.)

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  4. Also ich wollte ja schon vor Wochen fragen was dieses schwarze Büchlein oben auf dem Ordnerstapel war/ist. Und nun, wo ich nach der Kommentiererei sehe, sehe ich auch, daß mein Kommentar einfach ins Nirwana eingegangen ist.

    Deshalb: Das schwarze, ist das der Kalender oder „nur“ eine Kladde?

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  5. „Der“ Kalender? Habe ich mal von einem erzählt?
    Ja, das ist tatsächlich ein Kalender, ein alter. Lehrerkalender Schuljahr 2014/15. Daneben hatte ich immer noch nen kleinen privaten.
    Jetzt habe ich umgestellt, es gibt nur noch einen, von Moleskine für 18 Monate, den werde ich immer von August bis August benutzen. Links Schule und Termine, rechts Kladde. Nicht auf so vielen Kanälen, weißte ja …

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