Tag 15: Berka/Werra – Meiningen

Das Werratal ist hier genau so feucht wie in Eschwege, warum auch sollte es anders sein. Das vom Tau tropfnasse Zelt ist vor neun Uhr gar nicht zu verlassen, schon beim Ein- und Aussteigen werde ich pitschnass. So blogge ich im Zelt, schneidersitzend, und merke, wie mich diese Sitzposition dann doch fordert, altersentsprechend:)
(Schon allein dafür, dass er dies seit Wochen, fast Monaten tut, gebührt dem Herrn Irgendlink mein höchster Respekt. Viel mehr noch aber dafür, dass er demnächst, in den nächsten Tagen wohl, das Nordkap erreicht haben wird. Sage ich mal jetzt schon so prophetisch. Ich hoffe, ich löse damit keine einschlägigen deutschen Sprichwörter über zu frühes Freuen und so aus:) Also lest das gern mit, des Herrn Irgendlinks Zielankunft am Nordkap: auf seinem Blog, oder bei Twitter.)

Während ich noch schreibe und sitze und mich an der Stille erfreue, erwachen die Hüttenbewohner nebendran – arrgs, die sind laut. So ist das eben auf Campingplätzen.
Es gibt mir heute ein gutes Signal zum Aufbrechen – so macht es keinen Spaß, weiter träumend auf der Isomatte zu liegen.

Wie schon neulich: pünktlich um 10.37 ist das Zelt trocken, und ich bin weg. Das ist natürlich spät, aber was solls.
Die nächsten Kilometer sind mir – wie die gestrigen – wohlbekannt. Jeden Stein, jeden Anblick, jeden Wegweiser erkenne ich wieder. Oder es kommt mir nur so vor, weil ich meiner damaligen Reise mit dem Sohn hinterhertrauere. Nach der immer noch gleichen Verblüffung – der Radweg mündet am Thüringen-Hessen-Übergang von einer Asphaltallee in einen reifenschmalen Schotterstreifen (obwohl es in Hessen sonst eine wunderbare Radwegkultur gibt) – und einem Eisbecher mit Blick auf Kaliberg und Hauptstraße komme ich bald an den ¨Scheideweg¨. Rechts könnte ich weiterfahren wie damals, in fünf Tagen wäre ich zu Hause. Links geht es auf unbekannte Wege: in x Tagen zum Dreiländereck.
Alte Weg sind gut, weil sie wärmende und nährende Erinnerungen wachrufen.
Alte Wege sind nicht gut, weil sie vom Neuschauen abhalten.
Ich wähle die unbekannte Route, klar.

Und fliege zunächst ein paar Kilometer auf den eben gepriesenen hessischen Wegen. Halte nur an für ein paar Fotos. Und das nächste Mal dann in Bad Salzungen. Den Kopf in das äußerst kühle Gradierwerk stecken, durch die Altstadt schieben, an einem Rostbratwurststand hängenbleiben, mit Vita-Cola dazu, und einem Verkäufer, mit dem ich lange spreche über unsere damaligen und heutigen Wege – so kann es gehen an nem simplen Bratwurststand:)

Es ist spät geworden, nach vier, als ich aus Salzungen wegkomme. Bis Meiningen noch 40 km. Aber mich zieht es dahin, weil dort der vermutlich letzte Campingplatz auf der geplanten Route liegt. Ein letztes Mal im Zelt schlafen, das brauche ich noch.

Der Weg ist leider verkehrsreich, industrienah, schlecht ausgeschildert. Die Wegsuche nimmt einen beträchtlichen Teil des Nachmittags ein. Ich frage mich so von Dorf zu Dorf durch. Die Menschen sind aber auch seeehhhr hilfsbereit. An so manchem Gartenzaun könnte man hier verweilen. Und unabhängig vom Weg wäre hier ohnehin ein gutes Bleiben. Rechts die Rhön, links der Thüringer Wald.

Ich bleibe aber nicht, ich will nach Meiningen. Als ich es kurz nach sieben am Horizont erblicke, sehe ich: Platte. Och neee, wie konnte man solche Brummer in eine solche Landschaft stellen. Es krausen sich einem die Fußnägel.
Aus der Nähe dann fallen die Riesenhäuser am Berg nicht mehr weiter auf, dafür Industrieanlagen, ein scheinbar vereinsamter Bahnhof, enge Straßen und ein Polizeiauto, das mich darauf hinweist, doch bitte den Radweg zu benutzen. Upps. Auch den hatte ich übersehen, mangels Beschilderung. Hätte ich den Polizisten eigentlich gern noch hinterhergerufen.

Und – wie sollte es anders sein – der Campingplatz liegt auf dem Berg. 12% Steigung steht an der Hauptstraße. Das ist mir zu viel. Ich steige ab, schiebe, blinzele in die Abendsonne … und freue mich aufs Ankommen. Nett, wenn an der Rezeption ne Frau sitzt, die mir schon Empathie für die Hochschufterei entgegenbringt, bevor ich noch jammern kann:)

Fürs Schwimmbad – gleich nebendran – ist es leider zu spät. Nach Zeltaufbau reicht es aber noch für die Kneipe, eine Soljanka, ein Rostbrätl, ein Weizen. Nein, falsch:  zwei Weizen.
Dusche, Schlafsack, Traumwelt.
Ein guter Tag.

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