Sommerferien minus 7

„Minus 7“ – eine Woche. Nur. Noch. Wie toll das klingt. So toll, dass ich mich gestern Abend gleichmal ganz entspannt einem Gläschen Sekt hingegeben habe und dann eingeschlafen bin. Eigentlich ohne es zu wollen. Aber doch immerhin so vorbereitet, dass ich mich dabei in meinem Bett und in Schlafkleidung befand. Hab das frühe Einschlafen wohl doch gewollt:)

Vormittags:
– erste Doppelstunde ist frei (seit die 12er weg sind), aber wegen des Gipsfußkindtransports bin ich eh schon da: wieder neue Notenlisten abzeichnen, über die Nichtversetzung sprechen, und – ha! – ein wenig in der Kaffeeküche mit Kollegen plaudern
– Doppelstunde mit meinen 6ern, deren Ferienticker offenbar schon tickt, dieses Wuseln macht mich ganz wuschig; ich lasse sie Klassenarbeitsverbesserungen machen (Hausaufgaben an 40°-Tagen wären ja wohl verbrecherisch) und bin selbst mit Formalienkram beschäftigt (Klassenbuch-Dokumentationslückenliste, Fehlzeitenliste, Entschuldigungsverwaltung – bäh)
– dann Austeilen der frisch gelieferten Taschenrechner und erste Entdeckungstour – Schüler sind erwartungsgemäß schwer begeistert und sofort am Tippen, meine Einführung verpufft in einem Raum nichtzuhörender Schüler –> ich greife zum letzten Mittel: „Setzt euch auf eure Hände.“ (der Hausmeister kann die an den Stühlen festgeklebten Schüler dann sicher in der großen Pause losschweißen)
– letzte Doppelstunde in einer meiner Physikklassen – Rätsel, auch das für sie ausgedachte, große Begeisterung – und ich räume nebenher Papierstapel auf, die sich im Vorbereitungsraum angesammelt haben (zum Schrankputz komme ich leider noch nicht)

Mittags:
– habe ich wie immer an Konferenztagen einen Leinenbeutel vergessen, um mein Mittagessen vom Supermarkt wegzutransportieren, wie immer kaufe ich also einen; in den Sommerferien werde ich aus all den Leinenbeuteln meines Haushalts ein Familienzelt nähen. oder so – heute besteht mein Essen übrigens aus Flüssigkeiten, inklusive Schokolade:)

Nachmittags:
– Konferenztag, das ist wie Zebra: bin dran – bin nicht dran – bin dran – bin nicht dran — gesucht sind sinnvolle Füllungen für die Zwischenzeiten, zum Beispiel …
– Liedprobe für den Pensionierungsabschied eines Herzenskollegen (wir sind alle soooo traurig)
– Absprachen und Vorbereitung meiner eigenen Klassenkonferenz am Donnerstag
– Besprechung der Methodenkartei für unser Schulentwicklungsprojekt (den ersten Teil wollten wir vor dem Urlaub in zwei Wochen fertig haben, damit realistischerweise bis Schuljahresbeginn dann eine sinnvolle Menge im Schulwiki steht … gerade streikt mein Kopf …)
– Klassenbuchverfolgungsjagd (für die mitlesenden Nichtlehrer: jeder Klassenlehrer rennt allen Fachlehrern hinterher, die irgendwann im Jahr einen Eintrag vergessen haben – das ergibt ein lustiges Jagen auf den Fluren:) – wer seins zuerst vollständig hat, sagt zu den Kollegen „ätsch“ – und wer gar von niemandem gejagt werden muss: das ist doch nicht normal, solch ein Perfektionismus …
– Beginn meiner privaten Aufräumarbeiten – verblüffend: aus einem 30cm x 30cm kleinen Fach und von einem auch nicht viel größeren Schreibtisch kann ich einen Kubikmeter Papier entsorgen, drei Körbe Zeugs zum Nachhausebringen ins Auto tragen und großzügig farbiges Papier und Stempelchen an junge Kollegen verschenken
– den Rest der Zwischenzeiten verbringen wir mit gemeinschaftlichem Schmelzen und schlaff-auf-den-Stühlen-hängen – für den Physiksammlungsputz sind diese Temperaturen definitiv nicht gemacht (muss meinen 6-Schränke-Anteil aber bis Montag fertighaben: sollte ich mich nachts in die Schule schleichen, alle Fenster aufreißen, und dann …?)
– Ende und Heimfahrt: halb sieben –> 11 Stunden in der Schule –> guten Gewissens echter Feierabend heute, yeah!

Und die anderen Momente:
– morgens, bevor der Tag und die Kinder erwachen: barfuß im Gras, mit Kaffee in der Hand, an den Kirschbaum gelehnt, die Hügel hinaufschauen
– all das Lachen im Lehrerzimmer, und all die guten Momente, die sich in Gesprächen ergeben
– die Heimkehr: wie ich frischgeduscht im Liegestuhl auf der Terrasse mit geschlossenen Augen dem Gartenrauschen lausche und die Tochter aus der Küche ihre Fragen zur Rühreizubereitung stellt – das sind so besondere Glücklichmomente
– ein Sekt, ein Sekt! (oder zwei?)
– wie ich kurz nach zehn meine, mich doch schon mal ins Bett legen zu können, nur so versuchshalber, und dann wirklich und richtig einschlafe
– …

Advertisements

2 Kommentare

  1. Es fühlt sich so an, als ob sich die Schwere des dichten Alltages hebe und in einen wehenden Schleier verwandle, welcher sich hebt. Ich gehe nun schmunzelnd in meinen Tag. (habe heute übrigens erstmals in den bald drei Wochen dauernden Ferien länger als bis 6 Uhr geschlafen. (Bis 8!)
    :)
    Alles Liebe!
    Gabriela

    Gefällt mir

  2. Guten Morgen, du Liebe!
    Ja, vielleicht hilft die Bewusstmachung, oder mal wieder: Es ist wie es ist. Es wird leichter. Mein mentaler Tiefpunkt war wohl am Wochenende/Montag. Nun ist die Liste zwar lang, aber absehbar.
    Und das Schlafen in den Ferien … das übe ich bald mit dir gemeinsam!
    Herzensgruß zu dir, Uta

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s