Sommerferien minus 9

Jedes Jahr frage ich mich, was mich in den letzten Tagen vor Ferienbeginn immer fast aus der Bahn wirft. In den Wochen zuvor ist mir dies klarer – letzte Arbeiten, Korrekturen, Fahrten und Ausflüge, Elterngespräche, Planungssitzungen fürs nächste Schuljahr, Noten … große Teile davon sind abgearbeitet. Wenn das dicke Ende erst noch kommt.
Tja, ich möchte wissen, ob ich mir die Überforderung einbilde – weil es halt schon immer so war, sucht sich mein Befinden diesen Zustand – oder ob etwas daran ist.
Darum werde ich für mich festhalten, ob das zu Tuende tatsächlich meinen gesamten Tag bindet. Ich bin gespannt und verspreche mir ein Stück Psychohygiene davon: die Belastung entweder sichtbar zu machen, oder sie wie ein Gespenst zu verjagen. Das Protokoll wird es ans Licht bringen.

Morgens:
– Zeugnisnoten aller Klasse nochmals überprüft, Verhalten und Mitarbeit dazu
– Verbalbeurteilungsbausteine für die 6er ausgewählt

Vormittags:
– in der Schule alles in den Computer eingetragen
– Vorschläge für Zeugnisbemerkungen in Listen eingetragen, einiges davon schon diskutiert (spart später Konferenzzeit)
– alle Listen meiner eigenen Klasse ausgedruckt und kopiert
– schnell wieder weg aus der Schule (Bienenschwarmatmosphäre, kicherig noch dazu, heute nicht meines)

Nachmittags und abends:
– Klassenarbeiten der 6er für die morgige Rückgabe gerichtet (Noten drunter, Bemerkungen geschrieben)
– Einzelgespräche mit Stichpunkten vorgeplant
– für die anderen beiden Klassen die Abschiedsstunde vorbereitet – traditionell mit einem Namensrätsel, das ich individuell für jede Klasse ausdenke (so etwa wie das Zeit-Rätsel) – heute also 60 Namen verschlüsselt und als Puzzle zusammengefügt
– weitere Kopiervorlagen herausgesucht (und bissl geschnippelt – diese Tätigkeit gehört zum Lehrergeschäft … nein, erzählt mir nichts vom Einscannen:))
– Feedbackrunden in den Klassen vorbereitet
– Schulmailordner großflächig aufgeräumt und ein Dutzend Mails abgearbeitet (die kommen in diesen Zeiten schneller rein als ich klicken kann)

Und zack, ist es halb eins.

Und die anderen Momente:
– morgens ein Kaffee auf der Terrasse, als die Kinder aus dem Haus sind (Schulfreitagluxus:))
– mit dem Rad zur Schule und dann in die Stadt – Nieselregen, Sonnenwind, ein grüner Traum!
– Urlaubsvorbereitungen: Rad zum Check abgeben
– warten auf den Zug –> Milchkaffee
– Mittagsschläfchen – fast tägliches Ritual, aber ich bin ich in der Lage mich langanhaltend darüber zu begeistern:)
– nachmittags Gartentänze mit der Tochter unterm Rasensprenger
– ein paar gute Gespräche

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2 Kommentare

  1. Wo bleiben das Essen an diesem Tag?
    Wo bleiben deine Kinder ?
    Zwei Fragen die mir als erstes durch den Kopf gingen.
    Hattest du vormittags auch Unterricht? Fehlt in der Auflistung?

    Im Lehrerjob ist immer der Anfang und das Ende eines Schuljahres stressig. Aber man solte auch in diesen Zeiten achtsam und respektvoll mit sich selbst sein ��

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  2. Oh doch, da waren genug gut-Moment-Pausen. Von meinen 18 wachen Stunden habe ich nur so 6-7 gearbeitet. Klingt es mehr in der Liste? Vielleicht bin ich schnell:)
    Aber: Für mich war gestern wichtig mir dies aufzulisten, weil es eigentlich ein Tag war wie zu Windelzeiten der Kinder: man macht den ganzen Tag irgendwie rum und weiß am Ende nicht womit. Was ich an schulfreien Tagen (bei mir immer montags) schaffe, wirkt oft unbefriedigend für mich. Lese ich mich hier selbst, wird das anders:)

    Und klar, da war noch VIEL mehr an diesem Tag. Nur wollte ich all die anderen Momente hier ja nicht festhalten. Tue ich nun aber doch – habs in den Post oben hineingeschrieben. Denn vielleicht hat auch das mit Psychohygiene zu tun: sich bewusst werden was trägt.
    Danke für deine Fragen! Die sollten ja immer auch, in jedem Moment, meine eigenen sein …

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