Tag 14: Rieth – Bugewitz

ein sonniger Morgen im kleinen Dorf, wir fahren durch die Straßen und finden schließlich am Hafen, was wir – unter anderem – suchen: Telefonempfang — weil wir uns nämlich dem Wochenende nähern und der Ostsee, möchte ich lieber gleich für die nächsten beiden Tage unser Dach überm Kopf festmachen – es braucht nur ca. 20 Telefonate und so lustige Ansagen wie „90 Euro zu teuer??? das ist noch günstig – sonst geht es bei 140 los“ (nee danke, ich wollte das Hotel eigentlich nicht kaufen, nur drin übernachten …) – und schon haben wir doch was gefunden: Privatzimmer und Jugendherberge; mittlerweile ist die Tochter erfroren, und meine Finger auch (denn der sonnige Morgen ist windig) — die letzten drei Tage, mir ist ein wenig wehmütig, als wir losfahren
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ein Kiefernwald, Sandwege, das Rauschen in den Bäumen, von dem ich mein Leben lang dachte, es sei das Meeresrauschen, weil ich es nämlich immer in den besonders hohen Wäldern direkt an den Dünen hörte – jetzt klingt es genauso, Ostseegefühle kommen auf, doch ein Blick auf die Karte zeigt: kein Wasser weit und breit – so klärt sich ein Kindheitsirrtum auf: allein die Bäume können so rauschen
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und doch komme ich heute noch zum Meeresgefühl: das Stettiner Haff ist noch nicht die Ostsee, hat aber bei Ückermünde einen Sandstrand, und Buhnen, und Schiffe, und Möwen, und einen weiten Himmel – eine kleine Ostsee sozusagen – und so sitzen wir laaaaaange dort, die Tochter baut Kleckerburgen und Sandfiguren und will gar nicht wieder weg, was ich soooo gut verstehen kann — doch liegt unser mühsam gefundenes Quartier noch 20 Kilometer weiter, und so muss ich irgendwann doch zum Aufbruch drängen, leider
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im Ort aber begegnen wir nach einer Brückenöffnung (offener Mund beim Kind, wie da einfach die Straße hochgeklappt wird) noch der Familie, mit der wir gestern das eislose Schicksal geteilt hatten – alle drei Kinder jubilieren, und wir teilen das Eis eben heute – bevor sie dann quasi auf den Heimweg (es sind Berliner, die haben in drei Tagen Ferienende) und wir auf die Weiterfahrt gehen
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die Landschaft ist wieder mit Erinnerungen gespickt, wohlig, doch mir – ist das der Erholungseffekt? – gehen die Attribute aus, ich sitze hier beim Schreiben mit Wortfindungsstörungen — na, so ist es eben nur im Innern gespeichert
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wir kommen sehr spät an heute, es fühlt sich schon dämmrig an, das Tochterkind ist erschöpft — aber sie springt sofort wieder auf, als ihr am Zielort Hund und Katze entgegenlaufen: überhaupt besteht ihr größtes Glück der Reise wohl darin, dass wir überall Tieren begegnen, sie hält bei allen an, spricht, streichelt, sinniert — und wenn mal für ein paar Kilometer keine Pferde, Schafe, Schweine, Rinder, Hunde, Gänse vorbeikommen sollten, dann entdeckt sie Mäuse, Rehe, Störche, Libellen — und wenn nicht mal diese sich zeigen, dann singt und plaudert sie vor sich hin über die Begegnungen des Tages … (ich fühle mich neben ihr so blind und weiß einmal mehr, warum gerade dieses Kind in mein Leben hineingeboren wurde)
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das Dorf, so klein, so unscheinbar, empfängt uns herzlich – der Zimmervermieter, der Kneipenwirt – beide meinen es so gut mit uns – wir wissen jetzt, wie es einen Berliner in dieses Dorf verschlägt, wie man sich hier das Leben gestaltet, wie man das Wetter erlebt, und den Sommer und die vorbeiziehenden Radler, und wir wissen auch, dass wir das nächste Mal, wenn wir uns ein Essen teilen wollen (weil der Tag schon so viele Backfischbrötchen hatte), dazu sagen, dass wir mit Absicht nur ein Essen bestellen – nicht dass es wieder doppelt so groß bereitet wird („weil es doch für zwei reichen muss“:))

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