Tag 4: Hrensko – Dresden

ungewohnt schwer einen festen Bustermin einzuhalten, fast nicht zu schaffen für uns, die wir uns schon sehr an die völlige zeitliche Freiheit gewöhnt haben – aber wir meistern es mit nur einem Minimum an Hektik und stehen pünktlich in der Menschentraube an der Haltestelle (während die Räder fertig gepackt im Hotel warten dürfen)
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da wir in spätestens zwei Stunden wieder unten sein wollen, bewegen wir uns antizyklisch: fahren mit dem Bus ganz hoch, steigen in die Mitte der Schlucht ab, sind dort in der Morgenstunde und der Felsenlandschaft (ohne Worte!) mutterseelenallein und wandern entgegen dem anfangs tröpfelnden, später reißenden Fußgängerstrom
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an der engsten Stelle der Schlucht geht es nur mit Stocherkahn vorwärts – auch hier wieder: wir sitzen fast ganz allein im Boot, während die entgegenkommenden Kähne vor Überladung beinahe kentern (was im Prinzip ganz romantisch wäre, wenn nicht der Fährmann sein volles Programm an extra für Touristen gemachten Witzen auf Deutsch abspulen würde, was vielleicht für angeschickerte Reisegruppen witzig ist, aber so bin ich allein fürs Lachen zuständig – naja, ich gebe mein Bestes:))
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nun, wir kehren glücklich aus dieser Landschaft zurück, in die mich zu Studentenzeiten allzu oft der Sonntagmorgenzug (6:38 ab Dresden Hbf – was mir plötzlich alles wieder einfällt) gebracht hat – nur die Radlerhosen kleben arg am Popo (Anfängerfehler – die hätten wir ja auch noch im Hotel umziehen können)
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statt sofort loszusprinten (hätten wir die Kilometerzahl nicht irgendwie falsch geschätzt und den Wind auch nur geahnt, dann wäre das wohl angeraten gewesen), nehmen wir uns noch einmal Zeit für die Palatschinkentestreihe des Sohnes – leider landet dieses letzte verzehrte Exemplar auch auf dem letzten Platz der Skala – ein Grund mehr, wieder herzukommen: einen besseren nachschieben :))
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halb Eins also sitzen wir endlich auf den Rädern, fahren mit E-Bikern um die Wette (warum wollen die eigentlich abwärts alle nicht schneller fahren?), betrachten Lilienstein, Königstein und Bastei von unten, wundern uns über deutsche Gehorsamkeit (eine Engstelle, gut einzusehen, für zwei Autos etwas knapp, was die Ampel sicher rechtfertigt, aber dass all die Radler davor stehenbleiben???) und gleich anschließend über deutsche Ungehorsamkeit (Schlosspark Pillnitz: „Radfahrer bitte absteigen“, was auch meinem Gefühl für diesen Ort entspricht – erst als alle anderen an uns vorbeiradeln, kann ich auch den Sohn nicht mehr davon abhalten wieder aufzusteigen) — und arbeiten hart
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wirklich, wir schuften nach Kräften: spätes Losfahren, die Hitze, daher Appetitlosigkeit, dann aber plötzlich flaues Gefühl, also Traubenzucker einwerfen, und auf den letzten 40 Kilometern (höhö – von 60) extremer Gegenwind auf den freien Elbwiesen, wie wir ihn noch nie hatten (wir sind froh, wenn wir die Tachonadel mal über die 12 hinausbekommen, das ist etwa unser halbes sonstiges Asphalttempo …) — der Sohn flucht laut, ich leise, ich darf vorn fahren, er im Windschatten, bis sich sein Geschimpfe in leises Singen verwandelt hat – von da ab glaube ich wieder daran, dass wir doch noch ankommen
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tun wir tatsächlich, wenn auch spät, sehr spät – nicht zu spät aber, um kurz vor der Jugendherberge (liegt auf nem Berg, wo sonst?) noch einen Getränkemarkt zu plündern (in unserem Erschöpfungszustand übertreiben wir beim Einkauf gewaltig) und um nach Dusche und Freude über bezogene Betten (wir müssen erst bei Abreise beziehen) noch in eine nahgelegene Kneipe zu torkeln (das ist doch mal ein redlicher Wirtshausbesuch: hinein torkeln, und hinaus mit klarem Schritt kommen)
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und was noch zur Freude des Abends gehört: dass wir morgen nicht weiterfahren, dass wir zwei Nächte hier bleiben, uns ein wenig sortieren können, Wäsche waschen, Ruhe tanken, Stadt erleben, Erinnerungen fließen lassen (das Fließen hat schon begonnen, aber davon erzähle ich morgen)

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