Wandelzeiten

„Die emotionale Überwältigung im Kinosaal ruft 1913 die Jugendschützer auf den Plan. Der Pädagoge Adolf Sellmann schreibt im Vorwort seines Buches ‚Kino und Schule‘: ‚Die Lehrerschaft ist dazu berufen, auf all die Gefahren, die vom schlechten Kino her drohen, aufmerksam zu machen und unsere Jugend davor zu schützen. Die Schule muss aufklärend wirken, damit man innerhalb und außerhalb ihrer Mauern einsieht, eine wie schlechte geistige Nahrung oft auch heute noch in den Kinos geboten wird. Sie muss für Aufklärung sorgen in der Presse, auf Elternabenden und Konferenzen. Sie muss darauf dringen, dass gesetzliche Maßnahmen und polizeiliche Verordnungen erlassen werden, damit unsere Jugend vor all den verderblichen Einflüssen, die durch das Kino möglich sind, behütet wird.‘ In Fulda beschließt die deutsche Bischofskonferenz spezielle Richtlinien für den Klerus zum Schutz vor den negativen Auswirkungen des Kino-Besuches. Niemand soll mehr angesichts von Schundschmonzetten weinen! Es wird gefordert, dass Kinder unter sechs Jahren keinen Zutritt zum Kino haben sollen. Außerdem sollten Erwachsene auf moralisch minderwertige Filme verzichten.
Das nennt man einen frommen Wunsch.“
(aus Florian Illies: 1913)

Wie mag es sich wohl im Jahre 2115 lesen, etwa in einem Buch „2014„, was in heutigen Büchern wie „Digitale Demenz“ oder „Wer bin ich, wenn ich online bin“ an Zeigefingern und warnenden Stimmen erhoben wird?
(Ich wäre gern Mäuschen in der Zukunft.)

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