Tag 10: Eisenach – Berka/Werra

Eisenach entpuppt sich morgens doch als normal belebte Stadt. — Um das Bach-Museum unbesorgter besuchen zu können, bauen wir alles Gepäck vom Fahrrad ab und schleppen es – wie angeboten – hinter den Empfangstresen. Dann ist dort voll. Die Damen sind trotzdem noch freundlich zu uns:) — Wir lassen uns stundenlang durch das Museum und die Musik treiben. Alle halbe Stunde fragt einer den anderen, ob wir gehen wollen. Nö, sagt der andere dann. So wird es zwei, bis wir – ganz beseelt – wieder draußen sind. Nach dem Besuch im Museumsshop wird es in den Packtaschen etwas enger. — Ein Imbiss, die Georgskirche (in der der kleine Johann Sebastian im zarten Alter von zwei Tagen getauft wurde) und dann fällt uns ein, dass da ja noch eine Radtour war. Die Wartburg lassen wir für diesmal links liegen (im wörtlichen Sinne). Beim Rausfahren aus der Stadt den Blick starr nach links oben gerichtet, sehe ich sie wenigstens einmal zwischen den Häusern aufscheinen. Aber wirklich nur einmal. Der Blick wiederholt sich nicht. So fahre ich für ein Foto zurück, und der Sohn stöhnt mal wieder wegen meiner Fotogelüste. — Wir fahren ein Stück auf dem Herkules-Wartburg-Weg (nomen est omen), dann ein wenig Rennsteigradweg (auch nicht gerade seicht) und sind damit für heute eigentlich schon bedient. Selbst die Motivation des Sohnes schwächelt. Als dann auch noch der Werratalradweg mit einer saftigen Steigung anschließen will, verlieren wir ganz freudsch mal wieder die Schilder und landen auf der (flacheren) Landstraße. — Ein erstes Zipfelchen Hessen – wir merken es an den Wahlplakaten -, eine Kaffeepause und ein Gespräch mit dem Wirt, dass hier früher das Ende der Welt war. Und weiter, immer zwischen den Bundesländern hin und her. Grenzen nicht mehr zu sehen. — Von hinten treibt uns nun eine Gewitterfront an, das beschleunigt unseren Tritt. Doch kurz vor dem geplanten Ziel Gerstungen erwischt sie uns doch. Brrr. — Apropos geplantes Ziel. Das mobile Internet hatte eine beruhigend lange Liste an Unterkünften ausgespuckt, doch merke: OT heißt Ortsteil. Dies sollte auch von der flüchtigen Routenplanerin mitbedacht werden. OTs befinden sich nämlich vorzugsweise auf dem Berg, eine halbe Stunde entfernt in die Richtung, wo man vor einer halben Stunde noch war, oder am anderen Ende des Bundeslandes. — Ganze zwei also befinden sich im Kernort und sind natürlich belegt. Wir telefonieren weiter, bibbernd und mit klammnassen Fingern unter einem Vordächlein hockend. Also: Berka/Werra ist es geworden. Und wieder nach dem letztlichen Ankommen der Gedanke, wie gut es uns hier getroffen hat. Nochmal Thüringen, von seiner freundlichsten Weise. Eine letzte Soljanka, eine letzte Vita-Cola:) — Hier war es so nah zur Grenze, dass die Menschen damals nicht mal einfach so Besuch in ihre Häuser bekommen durften. Unvorstellbar. +nd heute: Als ich abends durch die dämmernden Straßen laufe, ist hier für mich weniger Ende der Welt zu sehen als etwa in den abgeschiedenen brandenburgischen Dörfern oder in so manchem Dorf in der Ecke, wo wir wohnen. — Ach ja, wo wir wohnen: das rückt näher. Wir teilen schon Kilometer duch Tage. Ich will gar nicht eilen. Nicht nur, weil es noch 100 km lang heftig auf und ab gehen wird …

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