Tag 5: Halle – Naumburg

Heroisch starten wir mit 10 km ohne was im Bauch, weil wir nämlich das Pensionsfrühstück (teuer und nicht gut) ausgeschlagen und ganz naiv an lecker Bäcker am Wegesrand gedacht hatten und dann aber keiner kam, erst nach 5 km ein Supermarkt und nach weiteren 5 km eine gemütliche Stelle zum Hinsetzen am Wasser (auf nem Parkplatz hatten wir dann doch nicht frühstücken wollen:)) Haben es also überlebt. — Zur Abwechslung mal wieder Regen. Erst kamen uns die Nieseltröpfchen noch gemütlich vor, später kramten wir die Ganzkörpermontur ganz von unten aus den Taschen. Drin ist es auch bei Schüttregen warm, zu warm eher, und schwitzig. Darum zweimal längere Pause in überdachten Imbissen (ist das der Plural von Imbiss?), und als es gegen drei doch trockener wurde, schalteten wir den Feuerwehrmodus ein und sausten noch die 30 km bis Naumburg. — Ich merke, wie das bisschen Regen gleich dämpfend auf mich wirkt. Weil das Unplanbare einzubrechen droht? Weil es sich mir als Angriff auf die Behaglichkeit zeigt? Da werde ich nächste Woche noch zu üben haben … — Die Radwegeleger haben es übrigens trotz der abschreckend klingenden Namen am Wegesrand (Leuna, Schkopau) geschafft, uns fast durchgängig durch grüne Idylle-Wege zu führen. Nur ab und zu sieht man Chemie-Riesenbauten am Horizont. Die Landschaft wird immer schöner und schöner, ich kann mich nicht sattsehen und fahre wohl nur noch mit einem seligen Lächeln im Gesicht. Jedenfalls lächeln mich die Entgegenkommenden alle an:) — Fast unser gesamter Weg der letzten Tage verlief unter dem Wasserspiegel von vor ein paar Wochen. Man sieht nichts mehr. Manchmal zeigen einem die Einheimischen, bis wo es stand. Man kann es nicht glauben. In einer Ortschaft finden wir dick auf die Straße gesprüht ein „Danke Bahndamm“, derselbige hat den Ort also trocken gehalten, und mir treiben diese zwei Worte die Tränen in die Augen. — Naumburg ist, als wir ankommen, schon zu. Also der Dom natürlich, der wegen meiner Namensfigur (bei der ich noch nie war) ein Muss ist. Da außer uns noch die Wildecker Herzbuben in der Stadt sind, und ein Weinfest, und Millionen von Wochenendbesuchern, tritt das Unerwartete ein: es gibt kein Zimmer mehr. (Da probieren wir es schonmal ohne Vorbuchung, und dann das.) Also nehme ich dem Sohn das Versprechen ab, dass er mit mir morgens nochmal hochstrampelt (die Stadt liegt vom Radweg aus gefühlte 100 Meter hoch), wegen der Uta eben, und nehmen ein Zimmer außerhalb, unten am Fluss. — Und siehe da: Besser hätten wir es nicht treffen können. Abendessen bei Saale-Sonnenuntergang, Aufwachen bei Saale-Sonnenaufgang, in den Fluss-Morgennebel hinaustreten – hier will man gar nicht wieder weg. — Nur noch einen Tag längs der Saale fahren: schade …

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