unterwegs

Nun bin ich wieder da.
An der Saar und an der Mosel war ich unterwegs, allein, mit meinem Fahrrad, mit meinen Kräften, meinem Schwachsein, meinem Willen, meinem Trotz, meinem Michfügen, meiner Sturheit, meinem Wachsein, meiner Blindheit … und wer sonst noch alles mitfährt auf solchen Wegen, die man stets erst suchen, und manchmal auch verlieren muss, um sie allmählich zu finden.
Ein Spiegel, ein wirklicher Spiegel.
Warum ich so viele Kilometer fuhr – zwei ganze Flüsse entlang in fünf Tagen – und oft so schnell, so tempoversessen unterwegs war und so selten in die Ruhe fand, obwohl ich doch immer wieder in Landschaften und Räume eintauchte, in denen ein starker Verweilenswunsch nach einem Halt rief, und dem ich doch nicht nachgab – das verstehe ich selbst nicht ganz. Ich ahne nur.
Warum ich immer wieder Ausruhbänke und Cafes und Einkehrmöglichkeiten liegen ließ, obwohl ich doch eigentlich dringend eine Pause ersehnte, und warum ich manchmal fast bis zum körperlichen Kollaps (gefühlt jedenfalls) weiterfuhr – das erschließt sich mir nicht. Ich ahne nur.
Warum ich die Einsamkeit suchte, aus Städten floh, und aus Begegnungen, und daher auch den Regentag sehr genoss, an dem ich die Wege mit kaum jemandem teilen musste außer mit dem beharrlichen Nass von oben (ansonsten nämlich: das ist eine Radfahrerautobahn dort – wer in der Stille radeln will, sollte nicht die Mosel wählen), und mich doch am Wegesrand und in den Unterkünften in den Gesprächen mit anderen Radfahrern festsaugte – ich glaube, die waren teilweise schon leicht genervt – das weiß ich nicht. Ich ahne nur.
Warum der Moment, als mir beim Fahren der Hagel ins Gesicht schlug, schmerzvoll, und doch keine Unterstellmöglichkeit weit und breit sich bot, so dass ich mich nur mit geschütztem Gesicht unter einen Busch kauern konnte – warum ausgerechnet dieses Erleben einer der eindrücklichsten Momente der Fahrt war – das erfasse ich nicht in seiner ganzen Tiefe. Ich ahne nur.
So viel bringe ich mit.

So schnell aber strömt hier alles wieder auf mich ein.
Ein Schulstart, der nach den Pfingstferien immer besonders schwierig zu gestalten ist. Dabei ein aus allen Nähten platzender Terminkalender. Der Sohn ist schon fast im Abflug zu einer Orchesterreise, und muss drumherum etliche Klassenarbeiten vorbereiten (und plötzlich ist sein Zensurenehrgeiz erwacht:) – ich schmunzele und freu mich an seiner Selbstständigkeit). Der Tochter stehen allerwichtigste Schritte bevor, die mit viel Wachheit zu begleiten sind (uiuiui, ich hatte das die Ferien über verdrängt – und jetzt schlottern mir wieder die Knie, innerlich) – und dazu erste Orchesterauftritte, mit einem größeren Cello, welches langerwartet in den nächsten Tagen hier einziehen wird, und ein nachzufeiernder Kindergeburtstag, der noch nicht mal richtig in Planung, aber von ihr schon heiß herbeigesehnt ist.
Und ich soll Bruckner singen, und mag die Messe nicht. Noch nicht? Weil ich mich bisher nicht mit allen Fasern ins Ungewohnte hineinzubegeben bereit war? Ich fühle mich fremd in dieser Musik. Noch vier Proben bis zum Konzert

Wäre ich hier so schnell unterwegs wie in jenen Radreisetagen, säße ich heute morgen nicht voller Schreck vor diesem Riesenberg Schuldinge, der bis morgen bearbeitet sein will. Wäre ich auch hierbei so schnell wie mit dem Fahrrad, hätte ich diese schon in den vergangenen drei Tagen – so lange bin ich wieder hier  – erledigt. Wäre ich auch beim Arbeiten schnell gewesen, würde ich heute die Sonne, die vor dem Fenster scheint (ja!), auf einem Morgenspaziergang besuchen. Und auf einem Mittagsspaziergang. Und auf einem Abendspaziergang.
Aber ich bin mit meinem Arbeitsberg nicht schnell gewesen. Mal wieder habe ich den vor mir hergeschoben. Naja. Ich kenn mich ja nicht anders …

(Wie schon so oft wage ich zu erwähnen, dass es viele Fotos gibt und ich ja später, wenn dann Zeit sein wird, ich von diesen hier welche zeigen könnte und so … Vielleicht wird das ja diesmal klappen. Vielleicht aber wird es auch wieder untergehen im Terminkalender-Arbeitsberg. Mal schauen.)

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