Ein Türchen

Gestern hat mein Advent begonnen. Ein paar Tage später halt. Der äußere Kalender, das äußere Zeitmaß verliert an Bedeutung, je ehrlicher ich in mich hineinspüre, je mehr ich  meinen inneren Taktgebern die Regie überlasse. Sie machen das schon richtig, diese inneren Sinne. Gestern also haben sie mich in den Advent geführt.

Ich durfte sogar ein Türchen öffnen. Kein „echtes“, kein äußeres, keines aus einem sichtbaren Adventskalender (obwohl ich mir einen solchen immer gewünscht habe – und vermutlich immer noch wünsche: es ist bloß nicht mehr so wichtig wie früher) – dieses Jahr suche ich die Türchen in mir. Die, hinter denen etwas wartet, das hineingelassen werden möchte – diese Türchen werde ich öffnen. Es versuchen jedenfalls.

Gestern klopfte die Ruhe an. Gänzlich unerwartet. Nach einem November, der nicht wie sonst gefüllt mit Nebel und Abwarten war – sondern turbulent wie selten, nach intensivsten Tagen und Wochen, nach Überforderung und Erschöpfung als Dauergästen — stand gestern plötzlich die Ruhe vor der Tür.
Ich ließ sie hinein. Ließ sie mich durchströmen, bis ich sitzen konnte. Und nicht einfach nur sitzen. Oder doch: einfach nur sitzen. Ohne Geschäftigkeit, ohne Blick auf die Uhr, ohne Gedankenkreisen, ohne Gefühlswirbel. Sitzen halt. Ein warmes Glas Leben trinken, ein Stückchen Familienkuchen dazu. Ich wusste schon gar nicht mehr, wie das schmeckt.

Später am Nachmittag gestalteten sich noch unsere Adventskerzen. Ich war planlos, kranzlos, drahtlos gewesen, hatte nur rote Kerzen und ein paar Zweige, mehr nicht.
Mehr ist da nicht …

Die Zweige lose drumherum gelegt, beweglich, veränderbar. Wer weiß, ob wir nicht in diesem Advent die Zweige noch einmal ganz anders legen müssen. Oder wollen.

Und wer weiß, wer in den nächsten Wochen alles an meine inneren Türchen anklopfen wird.
Werde ich wirklich öffnen?
Wem?
(Und darf ich Dich, liebe Ruhe, die Du gestern als erste zu mir kamst, bitten, alle weiteren Gäste mit mir gemeinsam in Empfang zu  nehmen? Danke.)

PS. Was im Heute durch ein Türchen eintreten wird – oder eingetreten ist – sehe ich manchmal erst, wenn ich abends im Bett liege und der Tag durch meinen Kopf zieht. So gehe ich ihn jetzt ziehen lassen …

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