Morgens

Ganz in der Frühe, um eine Abreise zu begleiten, bin ich aufgestanden. Der Tag ist fast noch Nacht.
Suchend meine Schritte – im Haus, im Gras, in Innenwelten. Tastend jede Bewegung, wie um den jungen Tag nicht zu verletzen. Empfindsam mit jeder meiner Fasern nach dem Erwachen greifend  – allüberall kribbelt es auf der Haut, senken sich zarte Morgengeräusche ins Ohr, fühlt sich das Auge vom behutsamen ersten Licht fast geblendet.
Unglaubliche Wachheit, lang nicht vernommene Stille, lang ersehnter Raum. Für Gefühle, für Erinnerungen, für Gedankenwege. So vieles. So kostbar. So wirklich.
Bereit, Worte zu empfangen, die ich lange nicht zu hören vermochte. Ob sie aus mir selbst kommen, oder aus Geschriebenem, oder aus zu Schreibendem? Das ist unwesentlich. Ob es überhaupt Worte sind, die ich empfange? Nicht eher Schweigen?
Das allumfangende Schweigen. Aufgelöst darin …

Baugeräusche, das grellheiße Sommertageslicht, mein Durst, meine Müdigkeit, mein Abfahrtstermin – all das hat mich wieder herausgezogen, einige Stunden (oder Momente?) später. Ein schmerzhaftes Ziehen – von außen, von innen. Beide Seiten verbunden – eine Brücke, ein Bogen, ein Eines.
Tragend.

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