Rast

Da war so vieles.

Das Wasser, das steinüberrollende. Welle um Welle.
Wanderungen – viele Wege, noch mehr Wegesränder.
Mit den Elementen sein. Das Meer zeigt so viel, zeigt alles …

Schlafen, lange schlafen, jeden Tag bis heute. So viel wie noch nie in meinem Leben, glaube ich. So viele Wochen 10 Stunden täglich geschlafen – das bin fast nicht mehr ich. Welche Erschöpfung muss da gewesen sein.

Erkennen: ein jeder Tag öffnet sich von innen nach außen. (Ob es auch umgekehrt sein kann? So dass Öffnung von außen in mich eintritt? Für die Tage, an denen ich von innen her keine Kraft zum Öffnen habe?)

Begreifen, worin meine Kinder mir Lehrer sind. Und dabei – oder überhaupt – wieder die Nähe zu ihnen zu spüren. (So viel hatte ich verloren in den Monaten des viel zu harten Arbeitens.)

Begegnungsfülle mit Verwandten, Freunden, Neubekannten.

Feste. (War es das erste Mal, dass ich den Mut hatte, mich aus den Gesprächen, dem Trubel herauszuziehen, wann immer ich nicht mehr konnte? Es wird mir so schnell zu viel, zu laut, zu dicht – und bisher dachte ich immer, dies aushalten zu müssen. Diesmal konnte ich nicht – und tat es nicht.)

Die Kinder wahrnehmen, mit allem. Berührend, wie die Tochter mit der Cousine zusammenfindet. Und wie der Sohn zwei seelenverwandte Kinder kennenlernt, wie er sich in die Begegnung hineingibt, wie er aufblüht – und wie er dann den Abschiedsschmerz lebt. Diesen ausstrahlt, ganz offen, ganz vertrauensvoll, und wie gute Gespräche wir in diesen Tagen darüber haben. (Ich bin berührt, wie intensiv er es durchlebt. Und dass er das Ziehen in der Brust mit mir teilt.)

Momente des Erschreckens, des Schocks, des Aushaltens. Nun, im Nachhinein, klingen mir die Stichworte Rettungshubschrauber, Gipsarm, Krankenhaus, Autounfall nicht mehr furchteinflößend. Sie sind eingebettet in eine große Dankbarkeit. Vor allem für den Schutzengel des Sohnes, den guten …

Gedankenfliegen. Ziellos oft. Gut so.
Neusortieren, Umsortieren, was mir guttut. (Und was nicht.)
Bei mir sein. Spürbar. Lebendig. So ersehnt.

Schweigen. – Ja, das Schweigen ist im Moment meine Sageform. Auch diese Worte hier fließen nur sehr mühsam, und ich werde müde dabei. Mehr habe ich nicht. (Wirklich: wisst, dass ich in einige Richtungen so manches sagen, schreiben möchte, doch es geht nicht im Moment. In meinem Schweigen jedoch habt Ihr alle Raum – und ich sende es mit Herzensgrüßen in alle Richtungen …)

Bilder, unzählige innere … die sind noch ganz verwirbelt. So wie diese Worte hier, so wie die Fotodateien auf der Kamera.
Später werde ich sie auspacken, die sichtbaren Bilder. Später werde ich sie zeigen. Dann sortieren sich vielleicht auch die inneren Bilder.

***

Heute halte ich inne. Bin mit mir allein, ganz allein. Hatte nichts vor, sollte nirgendwohin, wollte nichts tun. Wartete auf das, was sich mir zeigte, dass es nun dran sei. Es war nicht viel, es wurde nicht viel – da war wieder so viel Müdigkeit in mir.
Nun schreibe ich hier doch noch ein paar Worte, obwohl sie nicht fließen wollen.
Rasttag.
Ich raste vom Begegnungs- und Erlebensreichtum der letzten Wochen. Lasse die Mosaiksteinchen sich sortieren. Forme daraus Bausteine, Bilder. Mir im Moment noch nicht sichtbare Bilder …
Meine Müdigkeit, mein Schweigenwollen, meine Bewegungslosigkeit – Ausruhmomente, Sammlung von neuem Atem, vielleicht. Für das, was folgen wird.

Ab morgen: Klassentreffen. Vor einem Vierteljahrhundert haben wir die Schule beendet. Alle 5 Jahre treffen wir uns im großen Kreis. Jedesmal sind neue Kinder dabei. Jedesmal sind wir selbst als neue dort. Jedesmal knüpfen sich neue Fäden.
Es ist immer kräftezehrend, reichtumschenkend, blicköffnend – und manchmal sogar noch ein wenig warmgeborgen. So wie damals in unserer Schulzeit, als wir noch eine Klasse waren. Da waren wir uns ein Zuhause. Wird davon noch etwas spürbar sein, auch dieses Mal? Immerhin leben wir in aller Welt – fast – und auf allerlei Lebensweisen.
An einige Menschen werde ich diesmal ganz besonders viele Fragen haben. Oder eigentlich: an mich selbst. So ist das ja immer, wenn man mit anderen über deren Wege spricht.
Vorfreudig bin ich, erwartungsvoll. Und ein wenig unruhig, wie ich diese Tage in ihrer Dichte verkraften werde.

(Und dass es anschließend nach Hause gehen wird, und dass dort Schuljahresvorbereitungsarbeit bergeweise wartet, das will ich heute noch nicht wissen. Ich verdränge, und es wird mir dabei eng um die Kehle. Weil ich genau weiß, dass ich andere Wege als die der Verdrängung finden muss, um mit all dem Kräftezehrenden im Alltag ein stimmiges Gleichgewicht zu finden. Wege in die Balance zu finden, soweit zu kommen – dafür war der Urlaub nicht lang genug. Wie gesagt – ich bin jetzt gerade erst ausgeschlafen von den Lasten des vergangenen Jahres. Oder noch nicht mal das …)

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