Adventssonntag

zwischen 
Plätzchenteiggemenge
und
Klassenkonferenzvorbereitungen, dringendst (mensch, die Kollegenrundmail sollte längst raus sein, damit die sich auch vorbereiten können, statt dessen hänge ich hier bei Schüler 13 von 31 herum, werde nicht fertig)
und
Weihnachtsliedern, vom Sohn verjazzt, salonmusikartig, aus dem Flügelzimmer zu mir dringend
und
dem Blick auf die Uhr – denn gleich kommt der Zug mit Freundin und Freundintochter an, gemeinsame Plätzchenbacktradition
und
den beiden Gutachten, abzugeben nächste Woche – immer mal wieder ein Stichpunkt, den ich aufs Papier werfe, damit ich die pünktlich fertig bekomme
und
einem schlechten Gewissen (kann man Fotokalender eigentlich auch im Januar noch verschenken??? und dass auch die Patenkinder in drei Wochen Weihnachten feiern, hat Patentante Rebis bisher erfolgreich verdrängt)
und
heftigen Nachwehen vom Elterngespräch gestern in der Sohnesgrundschule –  gestern Abend habe ich einen Text aufs Papier geweint, traue mich aber (noch) nicht, auf „veröffentlichen“ zu klicken
und
au weia, meine Zuarbeit zu unserer gemeinsamen 13er-Vorabiklausur – oh nee, wann soll ich das noch machen, der Termin ist eh längst vorbei, und der Kollege hält mich bestimmt wieder für total unkollegial – bin ich ja auch, genau genommen
und
Tochtercelloübungen aus dem Nichtflügelzimmer, wobei sie ihr Cello abwechselnd anschimpft, weil es nicht tut, was sie will, und streichelt, weil sie ihm zeigen möchte, dass sie es doch liebhat :)
und
jetzt noch ne Elternmail vom Mara-Vater – warum bitte will der mit mir sprechen, das kann doch wohl nicht dringend sein, da sind erst ganz andere Kinder dran – ich muss den auf Januar vertrösten, und das – also: Nein-Sagen – kann ich doch so schlecht, da werde ich mal wieder ewig an der Antwortmail formulieren
und
die Freunde halten mich für ne treulose Tomate – Brief- und Kontaktschulden in alle Richtungen (daran, das nicht mehr „Schulden“ zu nennen, arbeite ich noch – bloß wann? – innere Arbeit bräuchte auch Raum)
und
Augenarzttermin für den Sohn – der sagt mir schon seit Wochen, dass er an der Tafel nix mehr lesen kann – man, warum ist heute Sonntag, ich will das gleich erledigen – morgen vergesse ich das doch wieder
und
ist es draußen eigentlich warm oder kalt, ich war da ja ewig nicht mehr
und
auf dem Nachttisch ein Buch „Lehrer am Limit“ – für unsere Arbeitsgruppe „Lehrergesundheit“, die vor sich hin dümpelt, weil wir alle keine Freiräume dafür haben
und
das Rad dreht sich gerade bissl arg schnell – noch vier Klassenarbeiten bis Weihnachten – und was da sonst noch so auf dem Schreibtisch liegt
und
bestimmt liegt das, was die mir da gestern in der Sohnesschule gesagt haben, an mir – dass ich mich hier nicht kümmere, nicht präsent bin
und
gut, hier mal ein paar Minuten zu sitzen, das alles niederzutippen, einen Kaffee neben mir
und
jetzt: Backsachen raussuchen, und ab zum Bahnhof …

Eine Herausforderung für alle Seiten.

(Ich bedanke mich hiermit mal in aller Öffentlichkeit bei meiner Familie, dass sie meinen Quasi-Rund-um-die-Uhr-Beruf mittragen. So lange schon. So geduldig. Das muss ja mal gesagt werden. So auch meine Mentorin zu Beginn meines Referendariats zum Thema Arbeitsbelastung: das schaffe man schon, irgendwie. „Aber mein Mann„, sagte sie, „das bewundere ich wirklich, wie DER das aushält.„)

Advertisements

3 Kommentare

  1. Das stelle ich mir schwierig vor, das Bewältigen all dieser Dinge zur Zufriedenheit aller- praktisch unmöglich- wenn man das allerdings als Herausforderung sieht: Unbedingt!
    Und dass die einen dann wieder denken, wenn das und das- und die andern jenes- kurz: was die andern denken könnten, cool an die letzte Stelle tun, denn es zählt ja Anderes…
    Gruß von Sonja

    Gefällt mir

  2. Nein, liebe Elisabeth – schlimm ist anderes. Das was Euch passiert ist – das ist schlimm.
    Das hier ist der ganz normale Lehrernovemberdezemberwahnsinn, das ist jedes Jahr so. Nur manchmal wird's mir bewusster, und manchmal trotte ich einfach nur durch, schaffe Tag für Tag weg.

    Ja, Sonja, was die denken, nicht so wichtig nehmen – auch ein Berg für die innere Arbeit …

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s