Vor einer Woche …

… waren wir gerade wieder hier angekommen.
Eine Woche nur. Unglaublich, wie viel Leben in eine Woche passt.
Die Berge scheinen weit weg. Und doch wieder nicht. Sie waren allezeit da, in mir, haben mich durch meine 60-Stunden-Schulwoche getragen, haben das sanfte Gleichmaß meines Rhythmus` bewahrt, haben mich gut gehen, gut ruhen lassen, bei allem Wirbel im Äußeren.

Gern würde (und werde?) ich über diesen schreiben, über das Geschenk, mit den mir Anvertrauten arbeiten zu dürfen, über die Beglückung, in ihre Offenheit eintauchen zu dürfen. Nur bin ich in diesen Tagen zu müde, zu erschöpft, um Worte zu setzen.

Mir ist nach Bergbildern. Schaue sie mir erstmals richtig an, zeige Euch ein paar davon:

Wie wir frühmorgens am See und seinen bergigen Ufern ankommen (das ist erst zehn Tage her?) …

Wie uns die Bahn höher und höher trägt …

Bis sich uns der Blick aus dem Fenster unseres kleinen Dachkämmerchens öffnet …

Und die Füße tragen uns gleich weiter – hinauf!

Man hatte uns gewarnt davor: Es sei belebt und touristisch. Ja, in der Tat – die Zivilisation ist nah und dicht, hier an den Knotenpunkten der Zahnradbahnen.

Allerdings haben wir an den drei Tagen letztlich viel Bergeinsamkeit erleben dürfen – abseits der Bahntrassen, an nichtprallsonnigen Nichtwochenendtagen, in frühen Morgenstunden, in späten Abendstunden. Und unsere Unterkunft war eine Oase der inneren Einkehr, ein Ort wahrer Ruhe.

Diese Zeltansammlung stand nur für einen Tag hier: geschätzt mehrere Hundert Schüler mit ihren Lehrern. (Das sind noch lang nicht alle Zelte.)

Ich bin beeindruckt, wie höflich, wie unaufdringlich, wie schimpfwortlos, wie „vernünftig“ sich diese verhalten. Auch wenn „vernünftig“ nicht immer positiv zu lesen ist – in diesem Falle meine ich es so. Ich stelle mir nur mal die versammelten Schüler meiner Schule an einem solchen Ort vor … Jedenfalls: Ich bin beeindruckt. Auch davon, dass die Mädchen es am Ende doch noch schaffen, ihr Zelt aufzubauen ;-)

Wir gehen weiter, an den Zelten vorbei, Tochters erstes ersehntes Ziel, dort ein Picknick aus dem Rucksack …

… und weiter hinauf.

(Die Tochter läuft ganz tapfer mit. Nicht ohne die Frage in den Raum zu stellen: „Warum muss man eigentlich auf Berge steigen?“ – Ich entgegne, dass es kein Müssen, sondern ein Wollen sei. Hätte sie in dem Moment weiter nach dem Warum des Wollens gefragt, wäre wohl nur ein großes Tja aus mir gekommen. Nicht dass ich nichts sagen könnte darauf. Aber in dem Moment …

Ob wir noch ganz oben angekommen sind, und wieder hinunter, das muss ich zu einem späteren Zeitpunkt erzählen. Jetzt fallen mir nur noch die Augen zu. Es zieht mich, und wie es mich zieht!, in mein Bett. Gute Nacht!

Advertisements

6 Kommentare

  1. oh, wie seltsam aber auch schön, hier bei dir so tief vertraute Bilder zu finden, Wege, die ich gegangen bin, Plätze, die Erinnerungen wecken. Nur die ganzen Zelte, auch das Grosse, die habe ich nie angetroffen – und den Spielplatz auch nicht!
    Ich hoffe, 60-Stundenwochen werden nicht dein zukünftiger Alltag sein.
    Bis bald, deine Mail ist angekommen…
    Gabriela

    Gefällt mir

  2. Tja, komisch: Ich lese hier normalerweise nur gaaanz still mit, um nicht zu stören. Und nun finde ich hier Bilder von unserem letzten Wandertag: Geschätzte 360(!) S&S mit ungefähr 40 Lehrpersonen – (m)eine ganze Schule! Und „meine“ Achtklässlermädchen beim Zeltaufbauen…
    Es ist schon komisch, wie sich die Wege kreuzen im Leben: Klein ist die Welt, auch wenn man's manchmal erst später merkt.
    (Und schön, dass das auch von aussen vernünftig aussah! Ich bin ganz gerührt.)
    Grüsse vom Vierwaldstättersee!

    Gefällt mir

  3. Liebe Annika,

    das macht mich jetzt ein bisschen sprachlos! Ich glaube es kaum!!!
    Dann hast Du uns vielleicht sogar gesehen? Ich war die Mama mit Tochter, die gegen 19 Uhr ziemlich müde (und hungrig) bergabwärts an dem Resturant vorbeilief, wo ihr gegessen habt. Ihr (Deine Kollegen – Du auch?) habt auf den Stufen mit Blick auf den Weg gesessen, mir sehr freundlich zugenickt, Eure Schüler saßen überall mit ihren Tellern, und ich musste meiner Tochter erklären, dass wir noch ein bisschen weiterlaufen müssen, weil hier „geschlossene Veranstaltung“ sei. Ein kurzes Stück weiter stand ein Kollege mit seiner Klasse auf dem Weg, erklärte etwas, wir liefen außen dran vorbei, und er bedankte sich dafür – auch das sehr beeindruckend für mich! Überhaupt ein Erlebnis, mal Schüler inkognito beobachten zu können, wie sie uns am Trampolin vorgelassen haben („Erst die Kleine …“), und eben der Zeltaufbau, wie sie sich arrangieren, koordinieren mussten, was doch gar nicht so leicht ist – ja: es war ein Erlebnis für mich!
    Wunderbar, ein solcher Wandertag. Sicher auch für die Schüler? Ich kann mir vorstellen, dass sie viel mitgenommen haben – nochmal ganz anderes, als wenn sie mit ihren Eltern in die Berge gehen.

    Liebe Grüße an den Vierwaldstättersee – in den nächsten Tagen versuche ich noch weitere Bilder einzustellen.
    Uta

    (Und das mit dem „um nicht zu stören“ meinst Du doch hoffentlich nicht ernst?!)

    Gefällt mir

  4. Liebe Gabriela,

    das Foto auf den Weg von oben – ist das vielleicht der Aufstieg, den Ihr damals gegangen seid?
    Nein, die 60-Stunden-Woche war Ausnahme, wegen der 5er. Weil sie in ihrer Einführungswoche fast nur vom Klassenlehrerteam betreut werden, und wann immer meine Co-Klassenlehrerin drin war, lag mein eigener Unterricht in 7, 11 und 13. Daher hatte ich 30 U-Stunden. Kommt nicht wieder vor. Und die Konferenzen. Und weil ich direkt vorm Schuljahr so wenig vorbereitet hatte, schleppte ich all das Administrative auch noch in die erste Woche mit.
    Morgen ist mein freier Tag, ab jetzt wird es anders.
    Herzlichen Gruß
    Uta

    Gefällt mir

  5. Liebe Uta,
    schön, ja, da sass ich mit den Kollegen. Schade nur, dass die Wahrnehmung so selektiv sein kann und ich mich kaum an Passanten erinnere…

    „Netter“ Kommentar von einem Achtklässler war daheim übrigens: „Das war doch kotzlangweilig!“ – Gut, dass es neben all der Höflichkeit doch noch echte Teenies sind! Aber auf lange Sicht bleibt mit Sicherheit etwas hängen. Diejenigen, die schon vor zehn Jahren (t.w. als Schüler) bei einem ähnlichen Wandertag dabei gewesen sind, sprechen immer noch voll Begeisterung davon.
    Und es ist eine Ehre, so viel Gutes von einer Aussenstehenden zu hören. Irgendwie gibt das mehr Mut zum Weitermachen als alle kleinen Unwegbarkeiten einem im Alltag wieder rauben könnten. Herzlichen Dank für all die kleinen, feinen Eindrücke und deine Menschenliebe, die an allen Ecken hervorlugt. Das bewundere ich schon seit geraumer Zeit sehr.

    Liebe Grüsse
    Annika

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s